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Montag, den 11. November

1889

hat, glaubte in der heutigen Debatte einen Haupt-

Verfassungs-Konflikt in Bayern.

Mit 181 gegen 78 Stimmen hat die bayerische Abgeordnetenkammer den das Plazet und die Altkatholiken - Frage betriffendenAntrag an< genommen; derselbe geht nunmehr an die Kam» wer der Reichrräthe, wo ihn die liberale Majori­tät natürlich zu Fall bringen wird. Die liberale Puffe hat die dreitägige Debatte und im Voraus auch bereit« die Abstimmung als eine moralische Niederlage, die Haltung der „imposanten" Min­derheit aber als den moralischen Sieg aurgerufen. Schon die Ziffern der Abstimmung reden gegen diese nur der Verlegenheit entsprungene Unterstel­lung eine deutliche Sprache. Aber euch wegen gewiffer anderer Unterstellungen, die in derselben Presse vor dem Katholik.»tage bezüglich der an- geblichen Uneinigkeit in unserer Partei verbreitet wurden, ist diese« Votum der geschlissen auftre- tendcn katholische« Kammermehrheit von der größten Bedeutung. Wir sehen die g.sammle Centrunsfrak- tion mit den Abgeordneten Dr. Rittler und Bucher Schulter an Schulter zusammenstehen in der Ver- theidigung der kirchlichen Rechte gegen Freiherrn von Lotz und die liberale Minderheit. Ltztere kann übrigen« nur 74 von den 78 Stimmen voll für sich in Anspruch nehmen, denn die gegen den Centruns»Antrag abgegebenen 4 konservativen Stimmen find von dem Abg. Bcckh ausdrücklich damit motivirt worden, baß sie keine prinzipielle Billigung de« Plazet enthalten, sondern nur von Verse ffungs-Bedenken diktirt find. Aber wir geben gerne zu, daß, wenn man von der glänzenden Manifestation der vollen Einigkeit der katholischen Partei und von "den nichtigen Folgen, welche die dreitägige Redeschlacht in der katholischen Volksbewegung überhaupt zeitigen wird, abfehen wollte, der „Effekt" der Abstimmung unter den obwaltenden Umständen kein gar großer ge­wesen wäre. Indessen hat die C-ntrumr »Fraktion in ancrkennenswerther Weiss dafür gesorgt, daß e« auch an diesem Eff.kt, an dem Eindruck und Nachdruck der Debatte und Abstimmung nicht fehlte.

Der 8. November 1889 wird in der parla­mentarischen Geschichte und in der kirchenpolitischen Entwickelung Bayerns einen hervorragenden Platz einnehmen. Das Eceigniß des Tage« ist die vor der Atstimmung von Dr.Daller im Namen seiner politischen Freunde von der Centrumipartei ab- gegebene Erklärung, wonach dieselben den von

zierliche Gestalt eine auffallende Aehnlichkeit mit derjenigen der Gräfin Arina Lubomir«ky hatte. Ec bog in eine der stilleren Seitenstraßen ein, und sie folgte ihm ohne Widerstreben. E« schien also, als ob fie volle« Vertrauen zu ihrem sonst so wenig Vertrauen erweckenden Führer habe.

Hätten fie da« Hau« nur um fünf Minuten später verlassen, so wären fie demwch mit Bern­hard Steinmetz zufammengetroffen, der hastig und mit schweißbedeckter Stirne die Stiege emporeilte und ziemlich rückstchtrlo« an der Thür pochte, die in da« Zimmer der Kunstreiterin führte.

Al» die Erklärung verlesen wurde, ging eine große Bewegung durch das Haus, Minister» Präsident von Lutz erbleichte, und da« Wort „Kon­flikt" flog von Mund zu Munde. Der von Herrn v. Lvtz durch sein starres Festhalten am Konkordat und durch sein widerspruchsvoller Auftreten in der Altkatholikenfrage heraufbeschworene Korflikt

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ausrtef: „In Bezug auf den Respekt vor hohen Stellungen und Personen stehen wir noch auf einem sehr schüchternen Standpunkte gegenüber jenen Herren I" Daß die Wendung von der „räthselhaften Phrase" eine „schüchterne" Kritik einer Königrworter gewesen sei, wird Niemand glauben machen wollen. Da« nur nebenbei! Der­selbe Minister hat auch in diesen Tagen entgegen jenem Königrwort an der für die Kirche und die Katholiken unannehmbaren Verfaffungsaus- legung festgehalten. Der Berufung de« Herrn v. Lutz auf fein Gewissen und seinen geleisteten Ver- faffungreid stellte Herr Dr. Daller neben der ausdrücklichen Berufung auf die Ver- faffung«au«legung dreier Könige, Max I., Ludwig I., Max II., die Gewissens- bedenk,n von Millionen Katholiken und stellt die gefammte Centrumsfraktio» den von ihren Mit­gliedern geleisteten Verfaffungseid entgegen und protestirt gegen die Ausdehnung diese« Erde« auf die ministerielle Interpretation der Verfassung, also auf das vom hl. Stuhle nie anerkannte und mit dem katholischen Glauben unvereinbarte Placet in Glaubensfachen.

Des Weldhexs.

Novelle von 9t. O.

'28. Fortsetzung.)

Ebert ließ sich nicht im Mindesten au» der Fassung bringen und zuckte gleichmütig mit den Achseln.

„Ich mische mich grundsätzlich nicht in derartige Angelegenheiten", meinte er kalt. „Außerdem kann ich in dieser Sache wirklich keine Auskunft geben mtd vermag wirklich nicht zu begreifen, wie man eines Mädchens wegen so außer sich gerathen kann!"

Mit einer Geberde der Verachtung schleuderte Bernhard die Hand des Menschen fort.

„Gniug I" sagte er. „Ich werde auch ohne Ihre Hilfe zu handeln wissen ! Wo ist die Wohn- ung de« Fräulein Mellinger?"

„Ehe ich Ihnen das sagen könnte, mein werther Herr, müßte ich mich zuvor vergewissern, ob Ihr Besuch der Dame auch angenehm sein würde. Sie steht unter meinem besonderen Schutze und Sie haben vorhin so wenig Zuneigung für ste an den Tag g.legt. . ."

Bernhard ließ den Menschen nicht ausrede».

„Erbärmlicher I" sagte er, sich mit Abscheu von Lieber, davon lassen wir um nicht so leicht ge- ihm abwendend, mögen Sie mit Ihrem eigenen fangen nehmen! Ich hasse nun einmal sein glatte« Gewissen abmachen, was Sie in dieser Stunde Puppengesicht und seine sentimentalen Augen, mit thun!" denen er überall sein Glück macht, während mir

Und ohne noch einmal nach seinem einstigen alle Welt aus dem Wege geht, als hätte ich ein

Mitgefangenen zurückzuschauen, ging er davon, um Brandmal an der Stirn. Wenn es wirklich die«

zunächst im Circusgebäude Paulinens Wohnung Mädchen ist, da« er sucht, so denke ich, wird man

zu erfragen, da er fest entschlossen war, seiner ihn wohl daran verhindern können, e« zu finden."

unbestimmten Vermuthung, so unwahrscheinlich fie Wenige Minuten später stieg er die Treppe auch immer sein mochte, nachzugehen. empor, die zur Wohnung der Kunstreiterin führte,

Ebert blickte ihm nach, bi« er um eine Straßen- und nach einer sehr geringen Zett verließ er die- ecke verschwunden war, dann wandte er fich schnell selbe wieder in der Begleitung einer tief ver- nach der entgegengesetzten Seite, und dem ge- schleierten jungen Dame, deren schlanke, elfenhast spannten Ausdruck seines häßlichen, boshaften Ge- ~ ~ “ • ” - - ■ --------

ichts war es anzumerken, daß er eine ganz be- timmte Abstcht verfolgte, eine Abstcht, die gewiß nicht von der wohlwollendsten und menschenfreund­lichsten Art sein konnte.

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!hn-n geleisteten Verfassungseid als I seinerzeit eine „rätselhafte Phrase- genannt ' hnt, glaubte in der heutigen Debatte einen Haupt-

^"tation der Berfassungsur.kund e schlag gegen das Centrum zu führen, indem er «fit™v™«bel ngeschworen | ausrief: „In Bezug auf den Respekt vor Boßen nicht anerkennen. Hmzugefügt ist, daß die Fraktion aus der Haltung de» Kultusministers bei der Beiathung des Kultusbudget» die ent­sprechenden Konst quenzen ziehen werde. Diese Kon- stquenzen werden, wie wir hören, vor ollem in der Ablehnung aller Neuanforderungen bestehen. Diese Erklärung ist von den sämmt» lichen Mitgliedern der C«ntrum»fraktion unter­zeichnet, die Abgg. Bucher und Dr. Rittler find, nnil außerhalb der Fraktion stehend, zu dieser absolut geheim gehaltenen Erklärung nicht zuge- iogett worden, stehen aber, wie uns bestimmt ver- fichert wird, auf dem gleichen Standpunkte und werden fich auch bezüglich dieser Konsequenzen dl» Cent:umsantrages von den Hauptantragstel- lern nicht trennen. Wir haben es hier mit einer Wiederholung des Vorganges zu thun, der fich im Jahre 1818 an die Publikation des Religion»- ediktcs (mit dem Placetum regium im Wider­spruch zum Konkordat) al, Brstaudtheil der Ver- fcffung abgespielt. Damals hat der päpstliche Stuhl sofort entschieden gegen das Edikt Ver­wahrung eingelegt und speziell über dar Placet der bayerischen Regierung erklärt, er „könne das I Placet nur anerkennen, wenn die Kirche als Ver- rätherin an ihrer von Gott verordneten Autorität ihr oberstes Urtheil in Sachen der Glaubens und der Disziplin einem unberechtigten Forum unter­werfen wolle." Und nicht nur Bischöfe und Priester, sondern auch die katholischen Mit- ..................

gliedernder Ständekammer und andere kirch» steht allerdings leibhaftig vor uns. lich gesinnte Laien weigerten sich ausdrück- Jedermann fragt fich jetzt: Was wird die Re- ! ben=? bAu? Verfassung zu gierung thun? Wir wissen'« nicht. Leichter dürfte Listen. Damals hat der Geber der^Verfaflung, schon die Frage zu beantworten sein, was ste vor- König Max I., durch dis Tegernsesr Erklä- ausfichtlich nicht thun wird. Wäre Herr von rung vom 15 September 1821 die Gewissens- Lutz sicher, daß die Mehrheit der Volkes hinter veden km seiner katholischen Unterthanen beschwtch- ihm stehe, so würde er sofort an höchster Stelle «gt, ivdem er feierlich versicherte, der von den die Kammerauflösung beantragen. Er wird katholischen Unterthanen abzulegende Versassungr- e» nicht thun, wenigstens nicht aus eigenem An­eid beziehe sich, lediglich auf die bürgerlichen Ver- triebe. Ob er seinen Rücktritt anbieten wird, natür- hältn fle, sie sollen zu nichts verbindlich gemacht lich in der sicheren Hoffnung, aus'« Neue bestätigt werden, was den göttlichen Gesetzen und den und gerechtfertigt zu werden?--Der Kon-

katholischen Kirchensatzungen entgegen wäre; auch flikt liegt aber vor, und seine Tragweite ist um solle da« Konkordat, welches alsStaatsgesetz gilt, so größer, als es die Mehrheit der Volksver- als solche« angesehen und vollzogen werden u. s. w. tretung ist, die der ministeriellen Verfaffungsau,- Derselbe Minister, welche* dieser Königswort legung ihr katholischer Gewissen entgegenstellt.

„Ec hat so Unrecht nicht, der arme Narr," murmelte er dabei vor fich hin, „er hat mir nie­mals etwa« zu Leide gethan! Aber will ich deß- >alb ruhig zusehen, wie fich fein unverschämte« Glück auch hier wieder bewährt? Sah er nicht au», wie ein Baron, und war er nicht gnädig und herablassend wie ein Prinz? — Nein, mein