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Z Aus dem dunkeln Erdtheil kommen überraschende und erschütternde Nachrichten in überstürzter Folge: Stanley mit dem der mahdistischen Gefangenschaft entronnenen Emin auf dem Wege nach Sansibar, die Arquator- provinz in den Händen der Derwischs, Dr. Petter» ermordet.
Das Unternehmen de» Dr. Peter« ist von SStelen — nicht ohne Grund — weidlich verspottet worden. Wa« man bisher al« Komödie behandelte, hat nun plötzlich einen erschütternden tragischen Ausgang genommen. Die Expedition ist nach den bisher vorliegenden Telegrammen von Massais überwältigt worden; nur ein Europäer, Lieutenant v. Tiedemann und ein Somali find mit dem Leben davongekommen, beide find jedoch verwundet. Nach einer Mittheilung von Seiten des Emin'Paschü'Comttö's hatte Peters zur Zeit des Ueberfall« nur 25 Somalis bei fich.
Wenn Letzterer richtig ist, so muß fich in das Mitleid die Erker ntniß mischen, daß das Unglück durch Tollkühnheit herbeigefühtt wurde. Stanley besitzt gewiß keinen Mangel an Muth, aber feine Emin-Pafcha-Expedition war doch ein Muster von Umsicht und Vorsicht im Vergleich zu dem Peters'« schen Wagniß. Wenn da» ganze Menschen« und Gütermaterial, welche» da» Peter»'sche Comilö auf die Beine bringen wollte, in eine Hand vereinigt gehalten worden wäre, so wäre e» noch viel zu schwach gewesen, um mit einiger Wahrscheinlichkeit den Erfolg zu verbürg»«. Nr,n mw «her die schwache Macht gar noch getheilt und verzettelt; der „zweite Theil" folgte unter den Befehlen von Borchert und Rust in einer so weiten Entfernung nach, daß er dem überfallenen ersten Theil nicht» nützen konnte. E» heißt, daß der Ueberfall von Seiten der Massais stattgefunden habe, mit denen Dr. Peters bereits in Wltu Beziehungen ange- knüpft hatte. Es ist also möglich, daß er ein Opfer afrikanischer Hinterlist geworden ist. Immer« hin bleibt sein tragisches Verschulden bestehen. Er unternahm dar Abenteuer trotz des Abrathevs von gewichtigen Stimmen, er ging ohne genügende Mittel übereilt los. Es wäre erhebend, wenn man seine Eile und seinen Wagemuth auf nichts andere», als den menschenfreundlichen Eifer zur ReUung Emin Pascha'« zurückführen müßte; aber mehr als die „Rettung" de» Landsmannes hat die Sucht
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die Zeitungs-Ankündigung, daß ein findiger Unternehmer Gesellschaftsreisen nach Afrika veranstalten wolle. Kostenpunkt: 4000 Mk. für fünf Monate. Allerdings sollen die Afrikabummler nicht ins Innere geführt werden, sondern im Osten klos Sanstbar und im Westen die leidlich ge- stcherten Küstenstriche ansehen. Hoffentlich kommt da« Unternehmen wegen Mangel an Betheiligung nicht zu Stande. Afrika ist kein Spielzeug. Der armselige Anfang der Kulturarbeit kostet so viel Schweiß, Geld und Blut, daß man jeden leichtfertigen Zug von der Sache fernhalten muß. Sollte von unseren Lesern Jemand geneigt und befähigt sein, eine Vergnügungsreise nach Afrika mitzumachen, so packe er da» Geld säuberlich ein, schicke e« an den Afrika-Verein und bleibe vergnügt zu Hause.
Au» jrdem Unfall muß man die rechte L-hre zu ziehen suchen. Möchte man doch aus der jetzigen Vergeudung von Geld und Blut endlich erkennen, daß in Afrika die tollkühnen Vorstöße mit unzulänglichen Mitteln nichts nützen und viel verderben können. Man muß nicht mehr auf einmal fassen wollen, als man halten kann; nur ein wohlüberlegtes, bedächtiges, von Stufe zu Stufe weiterschreitendes Vorgehen kann Erfolg haben.
Solche systematische Vorficht ist durchaus nicht gleichbedeutend mit Feigheit oder Trägheit, Nein, wir wollen z. B. die Thatkrast unserer Missionäre treu unterstützen, in der Gewißheit, daß fie bei ihrem gottvertraueuden Mnthe zwar viel, aber nicht» Unvernünftige» wagen werden. ^Eine 8 protestantischen nur drei katholische 9$$on»< gesellschaften thätig seien. Vielleicht gleicht der Umfang der Gesellschaften da» Mßverhältniß dieser Zahlen au»; doch immerhin muß die starke Konkurrenz von protestantischer Seite un» zu erhöhter Opferwilligkeit anspornen.
Vir WalM".
Novelle von R. O.
(26. Fortsetzung.)
Ebert selbst schien die unfteundliche und gehäs- stge Art, in welcher er fich vor wenigen Monaten von Bernhard verabschiedet, ganz vergessen zu haben, denn nachdem er au» seinen kleinen tückischen Augen einen raschen, lauernden Blick auf den jungen Mann und seine gute Kleidung geworfen, streckte er ihm mit einer gewissen Treuherzigkeit, die ihm freilich schlecht genug zu Gefichte stand, seine hagere, knochige Hand entgegen.
„Ein sonderbares Zusammentreffen — in der That I" keuchte er. „Bin ausnehmend erfreut, Sie wiederzusehen, mein wrrther Freund und Lei« densgenosse, obwohl ich nicht leugnen will, daß ich seit geraumer Z .it darauf vorbereitet gewesen bin. — Ist doch ein schöne« Wort: „Alte Liebe rostet nicht! - Hi, hi, htl" n .
Ec schloß mit einem widerwärtigen Lachen, da« beinahe rote da« heisere Knurren eine« Hunde« klang, und schob dabei ohne viele Umstände mi einer Vertraulichkeit, welche Bernhard peinlich be- rührte, seinen Arm in den seine« Begleiter».
„Wenn ich mir den Sinn Ihrer Worte richtig
Deutsches Reich.
Berlin, 7. November.
• In der heutigen Sitzung der Budgetkommis- fion theilte der Unterstaatssekretär im auswärtigen Amt Graf Berchem, mit, daß über dis Vernichtung der Peters'schen Expedition im auswärtigen Amt Mttthellungen au« Sanfibar zugegangen find, welche die bisherigen Meldungen bestätigen.
Sie aufzuhalten! Ich werde Sie mit Ihrer Er- laubniß begleiten, denn ich weiß augenblicklich doch nichts Bessere» anzufangen. Mein Frohndienst beginnt erst in einigen Stunden — na, und man intereffirt sich doch einigermaßen für feine alten Bekannten."
„So haben Sie hier eine Beschäftigung gefunden?" fragte Bernhard, der wohl einsah, daß e» unmöglich sein würde, der Unterhaltung zu entgehen.
„Na, er freut mich, daß Sie doch endlich darnach fragen. Ich glaubte schon, er ginge Ihnen so gut, daß Ihnen meine Gesellschaft und mein Gespräch lästig sein könnte. Ja, eine Beschäfti- gung habe ich gesunden, und wenn fie auch nicht eben von der würdigsten Art ist, so gestattet fie mir doch, mich kümm-rltch durchzuschlagen. Ich bin Geschäftsführer beim Cirkur Merelli l"
Bernhard konnte einen leichten Ausruf der Überraschung nicht unterdrücken, und Ebert fuhr mit seinem vorigen, anzüglichen Grinsen fort:
„Sie fangen an, den Zusammenhang zu begreifen und einzusehen, daß Sie vor mir kein Geheim» niß zu haben brauchen. Nicht wahr? Ja, ich bin Sekretär unb Kasfirer der nämlichen Gesellschaft, deren erster Stern Mademoiselle Aphora ist, und
nach Ausdehnung des deutschen Kolonialbereich», >et Wettlauf mit der von Stanley vertretenen englischen Erwerbssucht, die verhängnißvolle Reise beschleunigt.
Wir wollen nicht den Tobten anklagen, ^wohl aber die überlebenden Comitsmitglieder. Dr. Peters that, wozu ihn sein Temperament, seine olonialpolitische Leidenschaft zwang. Seine Reisen m Jahre 1884, als er ohne rechte Hilfsmittel und ohne Rückhalt bei den ostafrikanifchen Hänpt- Ingen herumzog und den riefigen Besitz erwarb, owie feine spätere Thätigkeit an der Spitze der Schllschaft offenbarten deutlich genug die aben- teucrliche, rast- und maßlose, bi» zur Tollkühnheit verwegene Natur diese« Manne». Seine Kraft war bewunderungswerth und fie wäre höchst werth- voll gewesen, wenn fie im Zügel einer nüchtern überlegenen Oberleitung gehalten worden wäre. E» war Sache de» (Somit 6», vor dem Antritt der Expedition da» Verhältniß der kleinen Mittel zu dem großen Zweck vernünftig abzuwägen; Dr. Peters war dazu nicht im Stande. Das Comilö, welches trotz aller Abmahnungen das Abenteuer iiHigte und ermöglichte, trägt die moralische Verantwortlichkeit für die Vergeudung der gesammelten Gelder und der Menschenleben.
Vor einigen Tagen erst hatte das Comits auf die Nachricht von dem Anmärsche des flüchtige« Emin hin den HalbheiU-Entschluß gefaßt, Dr. Peters den Befehl zum Abwarten zugehen zu lassen. Der Befehl war an einen Tobten adressirt.
jämmerlich scheiterte, hat Stanley mit der eng« ischen Expedition trotz aller Nackenschläge be» Geschicks sehr viel geleistet. Dreimal hat er ben Weg von Aruwhini zum See zurückgelegt, fast vier Monat« bort auf bis Flüchtlinge zu warten vermocht unb nun ben Rückzug nach Sanstbar zu bereits so weit durchgesührt, baß er Kunde von fich an die Europäer gelangen lassen konnte. „Er hat mehr Glück gehabt", werden unsere Schwärmer sagen. Ec hat fich aber auch in einer viel tüchtigeren Weise zu dem gewaltigen Unternehmen vorbereitet. Wäre er mit nur 25 Somalis vorwärts gezogen, so würde auch ihn das Geschick des Herrn Peter« ereilt haben.
Einen sonderbaren Gegensatz zu den erschütternden Nachrichten au« dem dunkeln Erdtheil bildet
gedeutet habe, so befinden Sie fich in einem gewaltigen Jrrthum, Herr Ebert," entgegnete der junge Philologe sehr kühl. „Die Ursachen unserer zufälligen Begegnung haben mit alter oder neuer Liebe nicht das Mindeste zu thun."
„Weiß schon! weiß schon!" unterbrach ihn Ebert mit einem pfiffigen Grinsen. „Sie wollen'» mir nicht eingestehen, weil Sie nicht wissen, ob Sie mir trauen können. Will'« Ihnen auch nicht verdenken, denn ich habe Ihnen ja noch nicht einmal gesagt, welcher Wind mich in dies elende Nest verschlagen hat I — Ader haben Sie'» denn so eilig, Freundchen? - Sie lausen ja, daß meine alten Beine Mühe haben, Schritt mit Ihnen zu halten I"
Bernhard war in der That nicht gesonnen, fich durch da» Geschwätz be« Anberen zurückhalten zu lassen. —
„Ja, ich habe e« sehr eilig," versetzte er mit ruhiger Offenheit, „ich muß zum Bahnhöfe, unb e» kann unter Umständen von bem Verluste einer einzigen Minute sehr viel für mich abhängen!"
Wenn er geglaubt hatte, ben Andern dadurch von fich abzuschütteln, so sah er fich getäuscht, denn Ebert umklammerte seinen Arm nur noch fester und sagte:
„Sehr wohl, so wäre e« ein schweres Unrecht,
Frcttag, den 8. November.
1889