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M 256.

Donnerstag, den 7. November.

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1889

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Tie Lage der katholischen Parteien in Spanien.

Schon mehrmals haben wir uns mit der über­aus traurigen Lage beschäftigt, in welche die Kirche Spaniens durch die fie mehr oder minder offen bekämpfenden, wie durch die vorgeblich ihr treuen Parteien feit schon so manchen Jahren versltzt ist. Nachdem nun mehr als zehn Jahre seit der Wie­derherstellung de» Königthnms in der Linie Isa­bella'» verflossen find, könnte man erwarten, daß die Kirche, unterstützt von allen ihr ergebenen Söhnen ohne Unterschied politischer Gtsinnung, fich von den schweren Schlägen der Umwälzungen eines halben Jahrhundert» erholt hätte. In der That haben allerdings einzklne Katholiken, manche Familien und selbst ganze Ortschaften und gelegent­lich vollständige Provinzen während des letzten Jahrzehnts der Kirche glänzende Beweise der An» hänglichkeit und des Glaubenseifers gegeben; aber hierbei ist der Unterschied zu betonen, welcher zwi­schen dem Volk in Spanien und den Parteien besteht. So wie e« in Spanien keine einzige Partei gibt, die einen ernstlichen Rückhalt im Volke hätte, weil alle, soweit fie in der Lage waren, zu regieren oder an der Regierung Theil zu nehmen, nur für fich regiert haben, so kann auch keine der sogenannten katholischen Parteien ein ernstliche« Verdienst an btm leidlichen Auf­schwung der Kirche Spaniens seit der Wiederauf- richtung de» Königsthrone» fich beimeffen. Im Gegentheil, die katholischen Parteien Spanien habm alle» Mögliche gethan, den Schimmer neuen Glan­ze», den die Kirche anzunehmen begonnen, durch ihre Streitigkeiten, welche der gefeierte Menendez Pelayo auf dem Katholikentag im Mai unter voll­ster Zustimmung stupid nannte, zu verdunkeln, insbesondere dem Episkopat unaufhörlich Ver­drießlichkeiten aller Art zu bereiten und da» An­sehen des Katholizismus selbst außerhalb Spaniens herabzusetzen. Wie die» die jüngst aus den Ab­gefallenen au» dem Lager de» Don Karlo» ge- bildete integristische Partei gethan hat, haben wir noch kürzlich erfahren. Der Erzbischof von Burgo» hat nicht umhin gekonnt, diese anmaßende, nur fich allein Rechtgläubigkeit zuschreibende Partei, welche leider zahlreiche ausgezeichnete Gläubige in ihr Retz gezogen hat. al» liberal zu bezeichnen.

Das Wildha»».

Novelle von R. O.

(25. Fortsetzung.)

Schneller, als er es selbst sür möglich gehalten, erreichte Bernhard die Stadt und da» bekannte Gasthaus. E» war ja seine letzte schwache Hoff­nung, daß fich Arina dorthin gewendet habe. Aber der Wirth mußte alle seine ängstlichen Fragen verneinen. Er hatte das Fräulein Emaijanow nicht wieder gesehen, seitdem cs gestern in der Begleitung der beiden Herren davongefahren war. Bernhard erkundigte fich nach der Abfahrtszeit der Etsenbahnzüge uud man sagte ihm. daß deren heute schon mehrere nach verschiedenen Richtungen abgegangen seien. Er begab fich zum Bahnhofe und machte fich dort auffällig durch seine Fragen bei den Billetverkäufern und Bahnbeamten. Aber Niemand vermochte ihm eine tröstliche Auskunft »u geben. Keiner hatte eine Dame wahrgenom- deren Aeußerc« auf seine Beschreibung ge- paßt hätte, und er kehrte völlig ratblo» und ge­brochen in das Wirth«hau« zurück. In dem finstersten Winkel de« Gastzimmer« setzte er fich nieder, um sein Gehirn zu zermartern nach einem Wone für die nächsten feiner Schritte. E« war barum nicht eben wunderbar, daß der kleine be-

Wie richtig wir diese traurigen Verhältnisse stets beurtheilt haben, sehen wir nun au« einem Schreiben de« Bischof« von Madrid, de« Veranstalter« de« Katholikentage«, an den Kardinal-Erzbischo : vW Valencia, Monercillo: „Hart über alle« Maß ist die Prüfung, welche in diesen Tagen über uns spanische Bischöfe verhängt ist. Während die gott­lose Presse und die äußern Feinde der Kirche täg­lich zügellos da» bischöfliche Ansehen bekämpfen, haben wir nicht einmal den Trost, daß die inner­halb der Kirche Stehenden un» einmüthig ver- theidigtcn. Im Gegentheil, manche verschlimmern noch unsere schmerzliche Heimsuchung durch den Ungehorsam, den fie gegen un« bethätigen. Man sollte in der That glauben, daß diese Leute vor» haben, eine Kirche ohne Bischöfe für fich zu bilden, wenn man steht, wie fie, ohne mit den Oberhirten zu rechnen, ihren Rath oder ihr Ur- theil einzuholen, täglich öffentlich religiöse und kirchliche Fragen behandeln, al« wärm fie Lehrer der Religion und als hätten fie canonische Sendung, diese zu lehren und zu verbreiten, mit vollstän­diger Unabhängigkeit von den Bischöfen, die Ehr stus zur Regierung der Kirche gesetzt hat." Das Blatt de« spanischen Episkopat« und der Katholikentage, das .Movimiento Catolico', macht diese Sätze zum Gegenstand eines sehr schwarzseherischen Leiters, worin es u. A. sagt: „Wir wagen es nicht, zu sagen, daß wirZvor einer Kirchenspaltung in Spanien stehen; aber wohl türfen wir sagen, baß ihr Schatten schon in der Ferne sichtbar ist, und der Geist de» Bösen da« Gift,-da« er im vergangenen Jahrhundert in Port-Royal unter dem Scheine de» reinsten Mysticirmu« niederlegte, nun auch hierher gebracht hat." Die Union Cato- lica, welche dar Heil im Anschluß an die mehr al« jede andere Partei unvolksthümlichen Konser­vativen sucht, macht fich diese Bemerkung de« ,Mov. Catolico' zu eigen und fügt noch in viel schärferem Tone hinzu: „Dar Schisma in der spanischen Kirche ist eine Thatsache und tritt frech und zuchtlos zu Tage. Der Tag muß kom­men, vielleicht gar bald, an dem die Lage der katholischen Kirche Spanien« geradezu unhaltbar wird und da» Uebel rückfichtslo» und mit offenen Fahnen wird bekämpft werden müssen. Wir hoffen zu Gott, daß es dann noch Zeit ist." Rach solchen Aeußerungen, die wir aus den Provinzialblättern

wegliche Herr mit dem klaren Schädel und den glitzernden Brillengläsern, der plötzlich wie eine abgeschoffene Kugel in da« Zimmer fuhr, feiner nicht sogleich ansichtig wurde, und darum den lummen Gestikulationen des Wirthe», die ihn auf )ie Anwesenheit des jungen Mannes aufmerksam machen sollten, eine grundfalsche Deutung gab.

„Da laben wir's nun! Da haben wir'» nun! rief der Doktor Stieglitz — denn kein anderer al» er war der frühe Gast — mit allen Anzeichen der Genugthuung aus. Bi« dahin konnte man mich verachten unb über die Schulter ansehen und große Steifen machen, um sogenannte ärztliche ;Kapazitäten aufzusuchen. Jetzt aber, wo e» Matthäi am Letzten ist, muß der Doltor Stieg- itz mit einem Male gut genug fein, unb man solt ihn bei Nacht und Nebel aus dem B-.tte, !arnit er dem hochedlen Herrn Russen seinen Bei- land leiste! Wahrhaftig, wenn e» nicht Christen- -flicht wäre, feinem Nächsten zu helfen, ohne An- ehen der Person und ohne an erlittene Unbill zu >enken — ich hätte große Lust gehabt, diesem verwünschten Kosaken die Thür vor der Nase zn- uwerfen und seinen verrückten Herrn an die irztlichen Kapazitäten zu verweisen, denen er früher ein gute« Geld an den Hal« werfen konnte. Aber schließlich wollte man denn doch auch einmal zn-

Spanien« leicht vermehren könnten, kann man in der That nur noch mit herzlichem Mitleid von der Kirche Spanien« sprechen, die, wie e« scheint, ihren „outen Freunden" ausaeliesert ist. (Köl.Vztg.)

Deutsches Reich.

Berlin, 6. November.

* Da« Reuter'sche Bureau meldet au« San­sibar unter dem 5. November: Gerüchtweise ver­lautet, daß Dr. Peter« und sein ganze» Ge­folge mit Ausnahme eine« Europäers und eine» Somali« niedergemetzelt worden fei. Die beiden Uebetlebenben, welche verwundet find, sollen fich in Ngao befinden. Die Richtigkeit dieser Nach­richt hat fich leider heraus gestellt. Der gerettete Europäer soll der Sohn des Regierungspräsidenten von Tiedemann in Bromberg fein.

• Die Budgetkommission des Reichstag« setzte heute die Berathung de« Postetats fort. In der Debatte trat Staatssekretär Dr.v. Stephan der Behauptung entgegen, daß durch zu niedrige Gehälter bet Post-Hiifsbeamten Unterschlagungen veranlaßt würden. Da« Gehalt entspreche der Arbeitsleistung. Der beklarirte Werth der durch die Post vermittelten Geldsendungen betrüge über 17 Milliarden jährlich. Demgegenüber sei nur eine Summe von 125,000 Mk. zur Deckung von Marco» rc. zur Verfügung, und diese Summe würde noch nicht aufgebraucht. Auf Vermehrung der Arbeiten, bie infolge des Inkrafttretens des Jnvalidenverficherungsgesetze» im Jahre 1891 bei der Postverwaltung zu erwarten find, ist im Etat bereit« Rückfickt genommen. Fernsprecheinrichtun- gen find in 4680 Orten de« deutschen Reiches, darunter in 146 größeren Städten vorhanden. Täglich finden über Ve Million Gespräche statt. Eine Herabsetzung der Fernsprechgebühren für die Presse lehnte er grundsätzlich ab. — Da« Orbi- narium des Postetats wurde unverändert, das Extraordinarium mit einigen Streichungen ange­nommen. Lttzteres ist noch nicht ganz erledigt.

* Der Reichs tag setzte heute die erste Be­rathung des Sozialistengesetzes fort. Abg. Dr. Hartmann erklärte sich Namm« der deutsch kon- ervativen Fraktion für den Entwurf in der vor­liegenden Form und trat dm Behauptungen ent­gegen, al« ob e« die Sozialdemokratie gewesen sei,

ehen, wie e« in dem verfallenen Eulenneste da oben herginge, unb so ließ ich denn wirklich mein gutes Bett im Stich unb roanberte mit' dem flo­aten, aus dem kein Sterbenswörtchen weiter her- luszubringm war. als daß sein Herr krank sei, n den Wald hinein. Na, wie gesagt, da oben sts Matthäi am L,tztm, denn wenn man'» erst o weit kommen läßt, kann auch der Doktor Stieg- itz nicht mehr helfen!

Bernhard hatte zwar im Anfänge dem Ge« chwätz des kleinen Doktors keine Beachtung ge- chenkt, aber er hatte dock nicht verhindern können, -aß einzelne Worte fein Ohr erreichtm, und kaum satte er die Uederzeugung gewonnen, daß es fich >ei ben Aeußerungen bes Arztes um seinen Wohl- Hüter hanbele, als er ihm seine volle Aufmerk- amkeit zuwandte. Die nnheimlicken Worte endlich, nit denen der Doktor schloß, rissen ihn völlig au« einer Theilnahmlofigkeit empor. Er stand auf und trat dicht vor den ziemlich erschrockenen Dr. Stieglitz hin, um fich eine nähere Erklärung zu erbitten.

Der Kleine sah ihn durch seine funkelnden Bril- engläser scharf an unv meinte dann, nachdem er ich einigermaßen von seiner Ueberraschung erholt latte:

„Nun, Sie sollten doch über alle diese Dinge