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Dienstag, den 5. November.

M 254.

1889

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Zur Landtags-Ersatzwahl für den Mählkreis Hünfeld - Gersfeld am 11. November cr.____________

Mahlmämer der CeitrimsMtei l ' Als das Ergebnis der Urwahlen vom 30. Ok- .tobet vorigen Jahres bekannt wurde, war die .Fuldaer Zeitung' in der angenehmen Lage, ihren Leser« die frohe Mittheilung zu machen, daß die neuen Wahlmänner durchgängig Männer seien, auf die man sich verlassen könne, — Männer von Wort und Charakter, — echte, biedere Centrums­männer.

Ihr habt dieses Vertrauen am 6. November vor. Jahres glänzend gerechtfertigt, denn die damals aus Hünfeld abgesandte Siegesdkpesche rief in allen Centrumskreisen eine ungewöhnliche Freude hervor. Damit war — so schrieb die .Fuldaer Zeitung' mit großer Befriedigung — die Schmach von 1886 getilgt, die alte Schuld gesühnt, die Ehre gerettet.

Leider war es dem neugewählten Landtags- Abgeordneten Herrn Amtsgericht« - Sekretär Max Schmitt aus Batten nicht gegönnt, sein redliche» Wollen, das ihn nach Berlin geleitete, in die That uwzusttzen und die erhöhte Begeisterung für die große Sache des Centrumr, welche der näher« Um­gang mit Männern wie Windthorst, Schorlemer- Alst, Dr. Lieber, Bachem und den übrigen wacke­ren Mitgliedern der Centrumsfraktion in ihm an­fachte, feinen Wählern gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Der Tod rief ihn am 6. Juni d. I. unerwartet schnell au» unserer Mitte. Einige Wochen zuvor hatte er noch an die Redaktion der .Fuldaer Zeitung' einen längeren Brief gerichtet, welcher feine hohe Befriedigung darüber erkennen ließ, daß die Katholiken de» Regierungsbezirk» Kastel in diefem Blatts ein täglich erscheinende», politisches Organ besäßen, welche« ihre Jntereffen und insbesondere die Ehre ihrer Abgeordneten mit Wärme und Entschiedenheit vertrete, wie fich die» bezüglich seiner von den Gegnern in ein falsches Licht gebrachten Abstimmung über das Volksschul-

Dis WutdhailS.

Novelle von R. O.

(23. Fortsetzung.)

„GutI" sagte er. „Sei es denn so, wie Du willst! Aber setze Dir wenigstens nichts Unmög- liche» vor. Bis zur Stadt find es selbst auf dem kürzesten Wege bei dieser Beschaffenheit des Boden« mindestens drei Stunden, und woher willst Du die Kräfte nehmen, diesen weiten Weg zurückzu- legen? Du darfst daran nicht denken. Es wird sich ja auch im Dorfe ein Unterkommen für Dich finden lasten, und morgen —"

„Nicht» von morgen!" unterbrach fie ihn zor­nig. „Was ich morgen thun werde, weiß ich ohnedies, aber ich bin kein Kind mehr, daß man mit irgend einer Vorspiegelung zu trösten und ab- zusertigen vermag. Sorge Dich nicht darum, wie ich den Weg in die Stadt zurücklegen könne, und glaube mir, daß ich ihn zurücklegen werde — hätte ich auch bis zum Morgen zu wandern. In da» Dorf will ich nicht — so wenig al» in jene« Hau»! Darum laß mich und lebe wohl! Unsere Wege trennen fich in dieser Stunde!

lastengesetz gezeigt habe. Dieser Brief, den die Redaktion noch heute sorgfältig verwahrt, legt Zeugniß ab sowohl von der Aechthrit der Gesin­nung, welche die Centrumswähler bei dem Man ne ihres Vertrauens voraursetzten, als auch von dem leutseligen, gutherzigen Wesen, das den Verstor­benen auszeichnete und ihn zum Freund und Be- rather der hilfesuchenden Landbewohner gemacht hatte. Der Wahlkreis Hün feld-Gerrfeld hat durch seinen Hingang einen großen Verlust erlitten, der am 11. d. M. durch eine Ersatzwahl ausge­glichen werden soll.

Schon bald nach dem Hinscheiden des Abgeord­neten Schmitt beschäftigten sich die Vertrauen»' männer der Centrum« parter mit der Frage, wie der Verlust zu ersetzen sei. Man hielt zunächst Umschau jm Wahlkreise selbst, allein umsonst. Unter den wenigen Männern, die zur Uebernahme eines Landtags - Mandats befähigt und geeignet wären, fand sich Keiner, dem Beruf oder Fami­lien - Verhältniste dieselbe ermöglicht hätten. So blieb denn nichts Anderes übrig, als die Suche nach einem auswärtigen Wahlkandidaten, und ein solcher wurde in der Person des Herrn Kaplan« Friedrich Dasbach au« Trier gefunden. Der­selbe hat fich, wie bekannt, am 2. und 3. Eep- fcmb«! h. I bett WMwännern ht» Kreise« Hün­feld in einer zu Hünfeld abgehaltenen Versamm­lung und denjenigen des Gersfelder Kreise« in Poppenhausen persönlich vorgestellt. Ueber den Verlauf der beiden.Versammlungen und das von Herrn Dasbach entwickelte Programm wurde damals in der ,Fuldaer Zeitung' Bericht erstattet. Das Ergebniß lautete dahin, daß der vorgeschla­gene Wahlkandidat, Herr Kaplan Dasbach, es ver- standen habe, die Sympathie und das Vertrauen der Wahlmänner zu gewinnen, und daß seine dem- nächstige Wahl zum Landtags-Abgeordneten außer Zweifel stehe. Trotz dieser öffentlich bekannten Vorgänge verlautete über die Aufstellung einer Gegenkandidaten während der letzten zwei Monate nichts. Erst in der jüngsten Nummer des .Hünfelder Kretrblattes' vom 2. d. Mts. wurde

mitgetheilt, daß die Konservativen des Wahlkreise» Hünfeld-Gersfeld für die Landtags-Ersatzwahl den rüheren Hünfelder Landrath Herrn, v. Wegner« als Wahlkandidaten aufgestellt hätten.

Wahlmänner der Centrumrpartei! Ihr würdet es als erprobte Männer von Wort und Charakter mit Recht als eine Beleidigung ansehen müssen, wenn wir Euch das Ansinnen iellen wollten, daß Ihr bei der Ersatzwahl am 11. November einem Konservativen Euere Stimme zu geben gedächtet. Nein! Eine solche Handlungs­weise liegt Euch fern! Bei aller Hochschätzung des früheren Landrathr von Hünfeld, de« Herrn v. Wegnern, der ja für die konservativen Wahlgegner ein sehr schätzenswerther Kandidat sein mag, ist e« einem Wahlmanne der Centrumrpartei, ohne wortbrüchig zu werden, nicht möglich, für den Gegenkandidaten zu stimmen.

Dagegen dürfte es nicht unzweckmäßig fein, auf eine andere Gefahr hinzuweisen, durch welche am 11. November eine Niederlage der Centrums­partei herbeigeführt werden könnte; wir meinen die Zersplitterung der Stimmen im eigenen Lager.

Wahlmänner der Centrumsparteil Ihr habt bekanntermaßen die überwiegende Majo­rs«» t* (.*6 QW n i-y i , - 1

wenn Ihr Euere Stimmen auf ein und denselben Kandidaten vereinigt. Einigkeit ist Sieg! Un­einigkeit ist Niederlage! Darum seid einig, da- mit Ihr sicher seid de» Siege«!

Sollte der eine oder andere katholische Wahl­mann einen andern Centrums«Kandidaten lieber gesehen haben, so möge er im Jntereffe der Ge- sammtheit auf seine besonderen Wünsche ver­zichten; er würde sonst Ursache einer schmählichen Niederlage werden, die den triuwphirenden Hohn der Gegner und den gerechten Unwillen der Par­teigenossen erregen müßte. Da« Letztere will aber doch gewiß kein einziger Wahlmann der Cen- trumspartei.

Es find der Gründe, welche die Wahl de» Herrn Dasbach al« einen nicht zu unterschätzenden Ge­

Ohne weiter ein Wort zu erwiedern zog er ihren Arm in den innigen und schritt mit ihr auf dem Waldwege weiter, sie sicher über all« Win­dungen desselben führend. Sie wagte nicht mehr, ihn zu fragen, welche« eigentlich seine Absichten seien, aber al« sie endlich au» der Dunkelheit de« Walde« auf da» freie Feld hinaustraten, gewahrte fie, daß sein Haupt unbedeckt sei und daß er sich nicht einmal durch einen Uederrock gegen die herbe Frische der Nacht geschützt habe. Sie beschwor ihn, zurückzubleiben; aber er erklärte mit vollster Be­stimmtheit, daß er sie in dieser Nacht nicht ver­lassen würde, und daß er fie, wenn c« wirklich ihr Entschluß sei, den Weg in die Stadt zu machen, wenigsten» dahin begleiten würde. •

„Wie gut Du bist, Bernhard!" flüsterte fie mit gesenktem Köpfchen. „Und wie viel Aufregung und Kummer ich Dir trotzdem bereite. Aber ich kann nicht» ander«, glaube mir, ich kann nicht ander«. War ich doch während der kurzen Zeit, die ich nach jener Erzählung auf meinem Zimmer zu- brachte, dem Wahnfinn nahe!"

Er drückte seine Sippen aus die kleine kalte Hand, welche auf seinem Arme ruhte, und schwei­

gend gingen fie Seite an Seite dahin. E« hatte keine« von ihnen mehr ein Bedürfniß, zu sprechen, denn das Einzige, wa« sie fich jetzt noch zu sagen hatten, wäre ein Geständniß ihrer Liebe gewesen und daß ein solche» in diesem Augenblick unmög­lich sei, fühlten fie Beide nur zu wohl.

Mehr al» eine Stunde lang hielt Arina nut dem Aufgebote ihrer ganzen Kraft Stand gegen die Ermattung, welche fie mehr und mehr zu über­wältigen drohte. Dann aber fühlte ihr Begleiter doch, wie fich ihr Arm fchwer und immer schwerer auf den feinigen stützte, wie ihr Athem immer schneller ging und ihr Fuß immer häufiger auch da strauchelte, wo weder ein Stein noch eine Baumwurzel im Wege gewesen war.

Lange zauderte er» seiner Wahrnchmung einen Ausdruck zu geben, als aber die Anzeichen äußer­ster Abspannung in ihrer Haltung immer unver- tennbarer zu Tage traten, hielt er doch nicht länger an fich und zwang sie, stehen zu bleiben.

„So kann es nicht forlgehen, Arina," sagte er mit sceundlicher Bestimmtheit, „auf drefe Welse werden wir tie Stadt niemals erreichen, denn wir haben kaum ein Drittel unseres Weges zurück-