brachen Tyüren und Schränke, Kisten und Kasten und räumten ganz gewaltig im Laden auf. Unter Anderem stahlen sie einige 20 Stück Kleiderstoffe, Kleidertuche, Lamas, Luster, schottische Wollstoff- rc., im Ganzen viele Hunderte von Mark werth. Hoff Mich gelingt es bald, die Diebe einzufangen und unschädlich zu machen.
Berlin soll Seestadt werden.
Unter dieser Ueberschrist wird im Hamb. .Korresp.' aus Berlin die Aufmerksamkeit gelenkt auf einen Aufsatz der Deutschen Revue, worin Vize-Admiral Bätsch unter der Ueberschrist „Das erste Seeschiff in Berlin" die Idee einer Kanal-Verbindung der Reichshauptstadt mit der Ostsee bespricht. Auch Feldmarschall v. Moltke soll sich beifällig zu derselben geäußert haben. Bätsch hält eine Verbindung mit der Ostsee durch die Oder für zweckmäßiger als eine Verbindung Berlins mit der Elbe. Zwischen der Oder und der Elbe besteht schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts eine für die Binnen-Schifffahrt brauchbare Verbindung mittels des Finow-Kanals, der die Havel bei Liebenwalde mit der sogenannten alten Oder bei Oderberg verbindet und deffen höchster Wasserspiegel etwa 20 Meter über der Ostsee liegt. Seine Entfernung beträgt etwa 34 Kilometer, und wenn man die Höhe eines Berliner Hafenpegels auf 30 Meter über der Ostsee annimmt, so ergibt sich mit dem Finow-Kanal ein Pegelunterschied von etwa 10 Meter. Ein Kanal zur Oder würde dem Pankethal folgen und den Finow-Kanal etwa in der Gegend der Gräfenbrücker Schleuse unweit Steinfurt erreichen und dann bis zum Anschluß an die Oder der Richtung des Finow-Kanals folgen. Wenn es sich um die Herstellung einer so weit in'« Innere reichenden Fahrrinne für Seeschiffe handelt, so steht die Frage des Waffervor- rath« in erster Linie. Beabsichtigt man für die ganze Entfernung vom Binnenhafen zur See einen Kanal, so handelt es sich um die für die Staffel- Hebung am obersten Scheitel zu beschaffende Wasser- menge. Selbst für einen solchen Kanal würden die Spree und die Havel-Seen auch in der trockensten Jahreszeit genügen, und Hydrotechniker werden dagegen kaum etwas einwmden können. Kommt indeß, wie hier vorgeschlagen, eine See-Verbindung in Betracht, die zum kleinen Theil aus einem Kanal, zum größer« au» der Benutzung des vorhandenen Stromes hergestellt werden soll, so sind zwei Wege der Wafferversorgung zu berücksichtigen. Auch in dieser Beziehung läßt sich mit Bestimmtheit voraussage«, daß Spree und Havel für einen Kanal von Berlin bis Oderberg eine hinreichende Waffermenge abgeben und daß anderseits das obere StronHebiet de« viertgrößten norddeutschen Stromes eine genügende Waffermenge, und zwar das ganze Jahr hindurch, herunterführt, um die Rinne schiffbar zu erhalten. Dabei kommt noch ein wichtiger Punkt in Bettacht. Soll nämlich die Rinne des unteren Stromes ohne Rücksicht auf die durch Jahreszeit und Witterung bedingte Veränderung des Wafferstande« eine stetige Fahrtiefe behalten, so müßte außer der Vertiefung auch eine erhebliche Verringerung des Querdurchschnitt» (Profil») statlfinden. Das wäre nicht allein ein Vor- thetl für dm Zweck der Seeschifffahrt, sondern in noch höherem Maße für die landwirthschastliche Ausnutzung de« Stromgebietes. Breite Flächen, die sonst nur von Gestrüpp und Schilf bewachsen oder von Schlamm, Sand und Kie« bedeckt find, werden für die Bodenkultur gewonnen, und den im Frühjahr fast regelmäßig stattfindenden Ueber- fluthungm wird vorgebeugt; es geschieht die« letztere durch Vertiefung der Stromrinne in viel wirksamerer Art, al» e» durch Eindämmung jemal» der Fall sein kann. Der kürzere Weg und die geringeren Schwierigkeiten in den Wasser- und Boden« Verhältniflm find schwerwiegende Gründe, um für eine Seeverbindung der Hauptstadt der Oder den Vorzug zu geben. Der Korrespondent fügt Vorstehendem noch die MUtheilung hinzu, daß bereits mit der Bildung eine» Comitü'r für die Vorarbeiten zum Bau eine« Berlin-Ostsee-Kanal» vorgegangen wird. Bi« zur Ausführung solcher Pläne wie der vorstehende wird wohl noch viel Wasser die Elbe und die Oder hinablaufm.
Vermischtes.
• 3« Königsberg i. Pr. hat am Freitag Abmd ein große« Schadmfeuer gewüthet. Einer
der am Hafen gelegenen Hanfspeicher ist — das fünfte Mal innerhalb dreier Jahre — niedergebrannt. Bei den Löscharbettm fand ein Feuerwehrmann de« Tod, zwei andere wurden mit Mühe gerritci.
* Woher kommt der Name Lloyd? lieber die Entstehung dieses SBtrteä, welches zuerst in England, dann in Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn für Versicherungs-Gesellschaften, DampfschifffahrtS-Jnstitute, Zeitungen und Klubs Anwendung fand, wer man bisher im Unklaren. Der Geschichtsschreiber des Londoner Asseknranz- klubS Lloyd hat die ersten gründlichen Forschungen darüber angestellt und daS Ergebniß seiner Entdeckung ist folgendes: Edward Lloyd war unter König Karl II. der Besitzer eines kleinen Kaffeehauses und einer der Wenigen, die ei wagten, den Verfolgungen zu trotzen, mit denen König Kerl II. alle Verkäufer des revolutionären Getränkes bedrohte. In Lower Street, mitten in der City, dem Centrum englischen und europäischen Handels, wo schon damals Kaufleute und SchiffSrheder vom Erdgeschoß bis in die Mansarden alle Räume mit ihren Komptoirs besetzt hielten, lag Lloyd's Kaffeewirthschast, und bei ihm fanden sich nicht nur Rheder und Geschäftsleute, sondern auch die Schiffskapitäne zusammen, um ihre Angelegenhesten zu besprechen. Man konnte da von weitgereisten Schiffskapilänen manche Nachricht hören; der eine hatte ein Schiff angesprochen, der andere eines stranden sehen oder brachte Briefe mit, kurz, der ganze Nachrichtendienst, den heute der Draht in so bequemer Weise von Kontinent zu Kontinent vermittelt, lag in dm Händm der Schiffsführer, wohlgemerkt! lauter Segler, die das Sechs- und Achtfache an Zeit brauchten, um Streckm zurückzulegen, die unsere Dampfer in zwanzig Tagen hinter sich laffen. Der Verkehr bei Meister Lloyd muß recht lebhaft geroefen sein, denn 1692 übersiedelte er in die unmittelbare Nachbarschaft anderer Kaffeebuden nach Lombard Street. Aber die Regierung blieb dem schwarzen Tranke abhold, und unter diesem Druck und jenem mancher Geschäftsgrupen verwandelten sich die Kaffeewirthschaften in schöngeistige Gesellschaften, Klubs, Vereine und kommerzielle Zirkel. So auch Lloyd's Kaffeehaus, das trotz seiner durchaus nicht würdigen inneren Einrichtung das Rend^vous aller Jener blieb, die mit Schiffen, Ueberseeplätzm und Kolo- nialwaaren zu thun hatten. Im Jahre 1696 begann der wackere Kaffeesieder die Herausgabe einer Zeitung, damals etwas recht Seltenes in England. Lloyd New hieß das Blättchen und brachte haupffächlich Schiffsnachrichten, Kours, Auktions-Anzeigen, hie und da wohl auch eine interessante Mittheilung eines Kapitäns. Nach Jahresfrist von der Regierung unterdrückt, hörte das Blatt zu erscheinen auf, und erst nach dreißig Jahren erschien die erst e Nummer des Blattes wiederum, das heute noch von der Affekuranz-Vereinigung Lloyd veröffentlicht wird.
Aus Bayern, 22. Okt. Ein Kuriosum, daS nicht leicht seines Gleichm finden dürfte, kann aus dem Jsar- thale berichtet werden. Bet dem Wirthshaus „Zum grünen Wald" im Weiler Stockerpoint, Gemeinde Ottering, theilt ein dreiarmiger eiserner Straßenzeiger die Amtsgrenze Dingolfing—Landau—Straubing, und zwar in der Weise, daß das Wirthshaus selbst in den Bezirk Dingolfing, der Stadel in den Bezirk Straubing und die Kegelbahn theil- weise in den Bezirk Landau fällt. Die Kegelbahn ist in der Weise durchgrenzt, daß der Kegler im Bezirksamt Straubing die Kugel aufwirft, die Kegel im Amtsbezirk Landau fallen und die abgehende Kugel gar häufig einen Sprung ins Bezirksamt Dingolfing macht.
* (Friedrich des Großen Testament.) Eine hofmarschallamtliche beglaubigte Abschrift dieses originellen Schriftstückes befindet fich im Besitze der Fürstlich Kinsky'- schen Familie zu Prag. Daffelbe lautet:
Berlin, im August 1786.
Weil ich nun bald werde sterben, — Und hab' weiter keine Erben, So mach'^ ich , mein Testament. — Meines Bruders Wilhelms Sohne — Erbt von mir die Königskrone, — Und so hat der Streit' ein End'.
Keine Glocken laßt mich läuten, — Stille mit der L-iche schreiten, — Wenn die Glocke achte sschlägt; — Auch ist dieses mein Begehren, — Welches ihr mit sollt gewähren — Daß mich meine Garde trägt.
Laßt mir keine Musik machen, — Laßt auch keine Stücke krachen — Machet auch kein Trauermahl; — Doch kann sich ein Tambour rühren — Und die Garde para- diren — In dem großen Trauersaal.
Ihr sollt mir nicht balsamiren, — Nur so in's Ge- wölbe führen — Zu was dienet diese Pracht? — Gott befehl ich meine Seele — Meinen Leib der düsteren Höhle, — Die schon lang' für mich gemacht.
Schmeichelt mir nicht nach dem Tode, — Lobt mich nicht in einer Ode, — Nach dem Tod ist niemand schön, — Redet nicht von meinem Namen, — Schließt mein Bild in keine Rahmen, — Eitler Ruhm muß doch ver- geh'n.
Sagt man gleich von mir viel Lügen, — So bleibt dies doch mein Vergnügen, — Daß die Seele reiner ist. — Viele Sieg' hab ich erhalten — Gott that über mich stets walten, — Trotz der Feinde schlauer List.
Laßt in Ruh die Jesuiten, — Die sehr vieles schon erlitten, — Laßt in Ruh' die Geistlichkeit — Drohet nicht dem Papst mtt Waffen, — Laßt in Ruh. und Fried' ihn schaffen, — Sonsten trifft euch harte Zett.
* Einen duftigen Strauß von Stilblüthen hat die .Wiener Presse' zusammengebunden, auS dem wir Mr unsere Leser die folgenden herausnehmen: Die .Elbinger Allg. Ztg.' nennt den Baffisten R. „eine imposante junonische Erscheinung". Im .Leipz. Tgbl.' ladet ein Biedermann zum Ankäufe seines Bauplatzes ein, der „so recht idyllisch für Keffelschmiede und andere Fabrikanten geeignet ist." In demselben Blatte „reinigt" M. Saldis, „jedes Ungeziefer". Eine Wiener Zeitung bringt folgende Anzeige: „Die Assaire TiSza-Eszlar ist nun vollständig tn'13 Heften "erschienen. Das ganze Werk, welches eine der ttaurigsten Erscheinungen des neunzehnten Jahrhun
derts bildet, kostet zwei Gulden." Herr E. Heeg empfiehlt sich als „Apotheker und Butengel en gros". Insbesondere scheint die Musik- und Theaterkritik Neigung zu solchen Ausschweifungen zu besitzen. „Am blechmusikalischen Himmel ist den Dresdenern ein neuer Stern aufgezangen", jubeln die „Dresdener Nachrichten". Die ,Rhein.-Westf. Ztg.' bringt folgende naturbeschreibende Ungeheuerlichkeit: „Von besonderem Reiz waren die Duette des A't und Sopran. Die silbernen Koloraturen der Frau Henschel hüpften auf den majestätischen Wogen von Frau Joachim's Gesänge wie Möom auf brandender See; das klang wie Org elton und Glockenklang verbrämt mit Nachtigallengesang."
sZur Fremdwörterfrage.j Viele gebräuchliche Fremdwörter sind leichter zu verdeutschen, als man denkt; man braucht es nur zu machen, wie ein Buchdrucker in Lütjenrod«, der das Wort „Jnsertionskosten" ver- deittschen wollte. Er nahm einfach das „r" aus der Mitte und setzte es an den Anfang, so daß das Wort nun lautet: „Rinsetzionskosten."
(Gute AuSrede.s Gräfin: „Johann, warum haben Eie dem Sultan heute noch kein Wasser gegeben ?” — Johann: ,,J' laß' ihn gern als a' biff’I, pausieren, sonst g'wöhnt sich der Kerl 's Saufen an!"
Eingesandt.
Die Plenar-Versammlung des Bürger- Vereins Dom 25. d. M. hat es fertig gebracht, daß nach aller Form Rechtens zu Stande gekommenen und von dem Vorstande als gültig verkündeten Beschluß der außerordentlichen Plmar - Versammlung vom 12. d. M., weil letztere angeblich nicht beschlußfähig gewesen sei, zu annulliren; sie hat es fertig gebracht, zu betretiren, weil in jener nur 126 Mitglieder ihre Stimmen abge- geben haben, so seien auch nur 126 „zugegen" gewesen; sie hat es fertig gebracht, zu erklären, gewisse Mitglieder, welche erwiesenermaßen zugegen waren, ober nicht mitgestimmt haben, seien nicht zugegen gewesen u. s. w. Aber sie hat es nicht fertig gebracht, zu behaupten, die Versammlung vom 12. d. M. sei nicht vollzählig gewesen. Die Vollzähligkeit ist nicht bestritten worden und tann nicht bestritten werden, nachdem erwiesen ist, daß außer den 126 noch mindestens 7 andere Mitglieder zugegen gewesen sind.
Wie ist es nun damit vereinbar, daß jetzt ohne Weiteres zur schriftlichen Abstimmung geschritten werden soll? In § 22 der Statuten heißt es wörtlich: „Wird eine solcheVersammlung nach zweimaligem Versuche nicht vollzählig, so muß schriftliche Abstimmung .... erfolgen." Die zweite Versammlung ober war vollzählig Also kann ohne Verletzung von § 22 der Statuten nicht sofort zur schriftlichen Abstimmung geschritten werden.
Die Annullirung des von dem Vorstande am 12. d. verkündtten Beschlusses kann in Wahrheit höchstens den Sinn und die Tragweite haben, der Vorstand habe unrecht gehandelt und die zweite außerordentliche Plenar-Versammlung voreilig geschlossen, müsse sie daher wieder einberufen.
Nicht sofortige schriftliche Abstimmung, sondern vorerst Wiedereinberusnng der rechtmäßig zu Stande gekommenen und vollzählig befundenen zweiten außerordentlichen Plenar-Versammlung ist die richtige Folgerung aus dem Ergebnisse der Plenar-Versammlung vom 25. Oktober.
Vielleicht finden sich auch 34 Mitglieder, welche diese Forderung dem Vorstande unterbreiten. X.
Literarisches.
. sTaschen-Kalender für die studirende Zügen d.j 1890. 12. Jahrgang. Donauwörth, L. Auer. 160 S. Preis kart. 40 Pf.; in Lwd. geb. 60 Pf. Dem schlichten Büchlein möchte ein Anrecht zukommen, bei allen katholischen Studenten Eingang zu finden, denn es wird fich als trauter Freund bewähren. Das historische Tagebuch ist reichhaltig und bietet Raum zu Nachträgen; die tägliche Benützung der Vorbereitung zu den Studien wird des Segens von oben nicht entbehren; der Abriß der antiken Litteraturgeschichte erweist stch ohne Zweifel als recht werthvoll und da im Studienleben der Humor nicht mangeln darf, sind demselben einige Blätter gewidmet.
* Fulda, 27. Okt. Dem Schweinemarks vom letzten SamStag waren ca. 150 Läufer und ca. 250 Ferkel zu- getrieben. Läufer 40 bis 80 SRI., Ferkel 18 bis 30 Mk., Auflegschweine 100 bis 130 Mk. Handel.im ganzen lebhaft.
Uelkiritzhischer Lchiffstzericht »er „jlrd Stir lixie“ Antwerpt».
Der Postdampfer „Belgenland" der ,Red Star Line' in Antwerpen ist laut Telegramm am 25. Oktar, wohlbehalten in New-Dork angekommen.
27
28
Luftdruck
auf seinen normale« Stand wieder
dis
er
26
Letzte Beobachtung 10'/, Uhr Morgens.
Luftdruck — 746,4 mm. (steigt wieder.) — Lufttemperatur — 10° 0. — Luftfeuchtigkeit = 93 o/o — Wolkenzug (Cum.) aus SSW. — Windrichtung — SWl. — HttnMelSansicht — z. heiter.
Meteorologische Beobachtnnge»
der hiesigen Wetterwarte.
gefallen. Luftströmung seit früh roteOer süiwest- ttch. Temp. 1—2 o unter der normale«. Leichter Nebel und starker Thau.
Stund«
Bar»».
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Temperatur» wtreme.
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6,5
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wolkig
2
740,4
8,2
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trüb
9
738,5
2,5
8,5
2,2
Windstill
heiter
7
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2,8
ff
i» heiter