jy. 248. Montag, den 28. Oktober.
Fuldaer W Zeitlina.
1889
Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
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Deutsches Reich.
Berlin, 26. Oktober.
• Das im Entwurf vorliegende neue Sozialistengesetz bestimmt, daß Beschwerden wegen Verbots von Kaffen-Vereinen, Auflösung oder Verbot« von Versammlungen, Verbots von Druckschriften und Einsammlung von Beiträgen für sozial-demokratische Zwecke nicht mehr an die Auf- stchtrbehörden, sondern je nach der Gesetzgebung der Einzelstaaten an die Gerichte, Verwaltung«- gerichte u. s. w. zu richten sind. Die Befugniß zur Ausweisung Verurtheilter, gewerbsmäßiger sozialistischer Agitatoren auch aus Orten, wo kein Belagerungszustand herrscht, wird aufgehoben, dagegen bleibt die Ausweisungsbefugniß auf Grund des kleinen Belagerungszustandes bestehen. Letzterer , natürlich auch; derselbe wird aber auf eben diese I Befugniß beschränkt. Das Verbot des Waffen- j tragen», die vorherige Genehmigung von Ver- ■ sammlungen durch die Behörden u. s. w. fällt ■ also fort. Weiter wird die Befugniß aufgehoben, wonach gewerbsmäßigen Agitatoren, welche Gast- wirthe, Buchhändler u. s. w. find, der Gewerbe- betrieb untersagt werden kann. Die gänzliche Unterdrückung einer Zeitung soll erst nach dem Verbot der zweiten Nummer erfolgen, während dieselbe bisher schon nach dem Verbot einer einzigen Nummer statthaft war. Die Beschwerde- Kommission wird betbehalten, dagegen die Anzahl von Mitgliedern, welche aus den höchsten Gerichten und Verwaltungs-Gerichten zu entnehmen ist, von neun auf elf erhöht.
(* Generalfeldmarschall Graf Moltke, gekoren 26. Oktober 1800, tritt heute in sein 90. Lebensjahr.
* Der geschäft-führende Ausschuß der deutschen Emin-Pascha-Comitö'r beschloß in seiner
Dl» Waldhlirs.
Novelle von R. O.
(17. Fortsetzung.)
Freilich würde sich diese Hoffnung wohl kaum verwirklicht haben, wenn die Entfernung, welche ste noch von dem Schlöffe trennte, eine größere gewesen wäre. Aber trotz der Dunkelheit, welche im Walde herrschte, und trotz der unfinnigrn Wuth, mit welcher Kirsanoff fie zu immer wilderem Vorwärttstürmen antrieb, blieben die Pferde doch auf dem schmalen Wege, und der Wagen hielt nach einer qualvollen Viertelstunde vor dem alten Hause, aus dessen Thür Iwan Petrowitsch mit einer brennenden Laterne kam.
Kaum hatte er einen Blick auf seinen Herrn geworfen, al« er augenscheinlich den ganzen Sachverhalt begriffen hatte, denn er setzte ohne Besinnen seine Laterne nieder und rief Arina in rusfischer Sprache einige Worte mit so herrischem Tone zu, wie ihn Bernhard noch nie zuvor von ihm vernommen hatte. Am ganzcn Körper zitternd schickte sich da» junge Mädchen an, au» dem Wagen zu steigen; aber noch ehe ihr Fuß den
heutigen Sitzung, da» Emin-Pascha-Comilö auf den 30. Oktober zusammeuzuberufen.
* Alle Berichte au» Athen schildern den Empfang, welcher drr Kaiserin Friedrich und besonder» der Prinzessin - Braut dortselbst zu Theil wurde, als überwältigend schön und großartig. Die Verbindung wird allgemein als eine glückliche bezeichnet. Kaiserin Friedrich begibt sich nach den Vermählungs-Festlichkeiten in Athen mit den Prinzessinnen Töchtern auf längere Zeit nach Italien.
* Der Sultan hat bestimmt, daß der Präfi- deut de» Staatsrather, der Unterrichtsminister und die Generale von der Goltz und Strecker Pascha dem deutschen Kaiserpaare bi» zur Insel Tenedos entgegenfahren. In der Entsendung Strecker Paschas erblickt man in Kon- stantincpel eine besondere Aufmerksamkeit des Sultans für Kaiser Wilhelm, da General Strecker auch im Jahre 1869 dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm bei dessen Anwesenheit in der türkischen Hauptstadt zugetheilt war. Die deutsche Kolonie wird dem Kaiser eine Adreffe überreichen und bi» nach San Stefano mit drei Schiff m dem Kaiserpaar entgegengefahren. Zu Ehren der dienstfreien Herren de» kaiserlichen Gefolge» und der Marineosfiziere wird ein großes Diner und ein Kommers stattfinden. — Nach einer Meldung Londoner Blätter erhielt die Pforte au» Athen die Nachricht, daß die deutsche Kaiserin unpäßlich und es deshalb zweifelhaft sei, ob fie den Kaiser nach Konstantinopel begleiten werde.
• Au« Sansibar liegt jetzt da» Resultat der letzten Kämpfe der deutschen Schutztruppe mit den dortigen Eingeborenen vor. Von den Banden, mit welchen Buschiri die Landschaft Usarama verwüstet hat, find 700 Mann erschlagen. Auf Seiten der Schutztruppe beträgt der Verlust 7 Mann, darunter kein Europäer.
* Prinzregent Luitpold von Bayern hat anläßlich seiner 50jährigen Jnhaberschaft de» ersten Feldartillerie - Regiment» 20,000 JL zum Besten Regiments-Angehöriger gespendet.
Ausland.
•JSDie ungarische Regierung hat wegen der Aufhebung des deutschen Schweine-Einfuhrverbots die nöthigen Schritte gethan.
• Das Gerücht, wonach der König von Holland auf die Krone von Luxemburg zu Gunsten
Erdboden erreicht hatte, war auch Kirsanoff herab, gesprungen und hatte beide Hände auf Iwan Petrowitsch'- Schultern gelegt, um ihn heftig hin und her zu schütteln:
»Die Tobten stehen wieder auf 1" schrie er. „Die Tobten stehen wieder auf! Ich habe ihn gesehen, Iwan Petrowitsch — ich habe ihn gesehen, meinen Bruder Feodor I Er wird kommen, Rechenschaft von mir zu fordern für sein Blut! Verbirg mich, Iwan, verbirg mich! Laß mich seinen Geist nicht zum zwesten Male sehen!"
Iwan Petrowitsch war augenscheinlich weder überrascht noch erschrocken. Er war ohne Zweifel nicht das erste Mal, daß er seinen Herrn in einem solchen Zustande erblickte. Ec umfaßte ihn mit seinen kräftigen Armen und drängte ihn langsam in da« Haus, indem er halblaut einige für Bernhard und auch wohl für Arina unverständliche Worte zu ihm sprach. Krrsauoff aber wiederholte tarnet und immer seinen gräßlich angstvollen Ruf:
„Die Todten stehen wieder auf! Die Todten stehen wieder auf!" — bi« die Thür eine« in da« Vestibüle einmündenden Zimmer« mit dumpfem Klange hinter ihm zugefallen war.
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des Herzogs von Nassau 2 rzichten wolle, wird von Haag aus energisch bementirt. Es scheint, daß der bereits tobtgesazte König von Holland gar keine Lust hat, bei Lebzeiten abzudanken und Luxemburg der nassauischen Linie zu überlassen.
* Boulanger, dessen Nimbus durch die letzten Wahlen sehr zerpflückt wurde, beabsichtigt nach Brüssel zu übersiedeln, weil ihm die Insel Jersey nicht behagt. Die belgische Regierung soll ihm aber den Aufenthalt nur gestattet haben unter der Bedingung strengster politischer Reserve und Unterlassung jedweder Agitation. Allein dann'ist Boulanger politisch ganz tobt und kann erst recht nicht daran denken, in Frankreich wieder eine politisch Rolle zu spielen.
* Der .Figaro' meldet aus Athen, daß sich der russische Thronfolger mit der 1876 geborenen Prinzessin Marie von Griechenland verlobt habe.
* In der serbischen Skuptschina beabsichtigt der Klub der Liberalen die Regierung in Betreff der Königin Natalie zu interpelliren.
• Prinz Ferdinand von Koburg ist am Sonnabend von München in Wien eingetroffen. Am Sonntag begibt sich der Prinz nach Ebenthal, wo er zwei Tage verbleiben will. Alsdann kehrt er nach Sofia zurück.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 28. Oktober.
Der hochwürdigste Herr Fürstbischof von Breslau spendete zur Ausschmückung der Grabe«- kirche des hl. Bonifatius die große Gabe von 2000 Mark und gedenkt noch weitere Unterstützung derselben zuzuwenden. Bei Gelegenheit der Wallfahrt der Frankfurter Katholiken-Verfamm- lung zur Gruft hatte Hochderselbe, wie bekannt, al» Bischof von Fulda zuerst den Gedanken der Restauration aurgejprochen.
Heute morgen um 8 Uhr fand eine er» hebende Feier im hiesigen Mutterhause der Barmherzigen Schwestern statt. 6 Novizen legten vor dem Hochwürdigsten Herrn Bischof die Ordensgelübde ab, und 14 Postulantinnen empfingen den geweihten Schleier mit dem Kleide der Schwestern.
—* Freunde kirchlicher Kunst möchten wir auf die seit einigen Tagen in der A. Maier'schen Buch- und Kunsthanvlung ausgestellten Stationen-
Eme finstere Wolkendank, die fich ta fernen Westen aufgethürmt hatte, war langsam über den bi» dahin so klaren Himmel vorgerückt und zog ihre dunklen Schatten jetzt auch über die glänzende Mondscheibe, so daß Bernhard den Ausdruck in Arina'« Antlitz nicht mehr zu erkennen vermochte. Da» junge Mädchen war neben dem Wagen stehen geblieben und rührte fich auch jetzt, al» ihr Vater und Kirsanoff verschwunden waren, nutzt von der Stelle. Bernhard redete fie an, aber ste gab ihm keine Antwort, und erst al» er seine Bitte, ste möge doch endlich auch in« Hau« gehen, mehrfach wiederholt hatte, erwiderte fie leise und mit zitternder Stimme:
„Mir ist so angst, Bernhard! Was der Pathe da sprach, war schrecklich! — Ich habe nicht mehr den Muth, mit ihm unter einem Dache zu bleiben!"
Ec suchte ste zu beruhigen, so wett es in seinen Kräften stand, obwohl er selbst eine Beklemmung und Unruhe fühlte, die er nur mühsam zu verbergen vermochte. Als er ihr seine Hand reichte, um ste mit sanfter Gewalt fortzuführen, schickte sie fich endlich an, ihm zu folgen; aber in diesem Augenblicke klang ihnen aus dem Innern de» Hause« wieder Kirsanoff'« heisere Stimme ent*