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M 246.

Freitag, den 25. Oktober.

1889

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Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Deutsches Reich.

Berlin, 24. Oktober.

• Der Reichstag hat sich heute endlich ton» Muiren können. Das bisherige Präsidium: Prä» stdent v. Levetzow (kons.), 1. Vizepräsident Dr. Buhl (natlib.) und 2. Vizepräsident Frhr. von Unruhe-Bomst (Reiche p.) wurde wiedergewählt. Die Wahl der Schriftführer erfolgte auf Vor­schlag der Abg. Dr. Windthorst durch Akklamation. Staatssekretär v. Bötticher theilte dem Hause mit, daß später, soweit als möglich, den Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden soll, die Entwürfe zum Rationaldenkmal für weiland Kaiser Wilhelm I. zu besichtigen. Am Dienstag findet die erste Lesung des Etat« statt.

* Die sozialdemokratische Fraktion hat einen Antrag auf Aufhebung sämmtlicher Lebens- mittel;ölte eingebracht.

* Der Bundesrath hat heute den von der preußischen Regierung vorgelegten Entwurf de» Sozialistengesetzes angenommen. Derselbe enthält nur unwesentliche materielle Aenderungen gegen­über dem bisherigen Entwurf.

* Die Ankunft Ihrer Kaiserlichen Majestäten im Piraeu« wird am Sonnabend erwartet. Das kaiserliche Gefolge soll am Freitag Abend in Athen eintreffen. Die Trauung der Kronprinzen Kon­stantin mit der Prinzessin Sophie wird am Sonn« tag stattfinden.

• Zwei türkische Panzerschiffe find nach den Dardanellen abgegangen, um die Ankunft de« Kaisers zu erwarten. Auf Befehl des Sultans wird außer bett kaiserlichen Dachten „Sultanieh", „Jzzedin" und „Stambal" ein au« 6 Panzer­schiffen und 2 Fregatten bestehendes Geschwader demnächst zu demselben Zwecke abgehen.

* Prinz Heinrich hat zwei Stunden in der Villa Ztrio zu San Remo verweilt. Der Prinz erschien in Begleitung eine« deutschen Admirals und eines Adjutanten. Mehrere Erinnerungen an Kaiser Friedrich, die ihm der Portier überreichte, nahm er dankend mit. Bevor er San Remo verließ, gab er 1000 Lire für die Armen der Stadt zu sofortiger Verthcilung.

* Der Reichskommiffar Hauptmann W iß mann hat die in Usaramo eingefallenen Aufständischen

Dis Mdhaus.

Novelle von R. O.

(15. Fortsetzung.)

Von all den Hunderten, die in dem weiten Raume anwesend waren, kannte nur ein Einziger die Ursache diese plötzlichen Veränderung — nur Einer, der todtcnbleich, mit zuckenden Mundwin« kein und unnatürlich weit geöffneten Augen in seinen Sitz zurückgesunken war. Dieser eine aber war Bernhard Steinmetz. Er hatte die schöne Reiterin auf den ersten Blick erkannt, und es war ihm gewesen, als müffe das Dach des Cirkus über ihm zusammenstürzen, al« hätten stch plötz­lich all die Gefickter der Menge mit gräßlich höh­nischem Ausdruck auf ihn gerichtet, als würde ihm zum zweiten Male fein Urtheil verkündigt. Jene Zephora war ja keine andere als Pauline Wel» Unger, jene« Mädchen, das er einst zu lieben ge- glaubt, da« ihn betrogen und verrathen, um dessen Willen er feine Zukunft und das Glück seine« Leben« unwiederbringlich zerstört hatte. Wäre er allein gewesen, er hätte stch unbedenklich mit seinen Fäusten einen Weg durch die Menge gebahnt, er wäre davongestürzt, so weit ihn nur immer seine Füße hätten tragen wollen. Aber durch Arina'« Gegenwart war er ja festgebannt an seinen Sitz, war er ja gezwungen, die Folterqualen diese» un-

bei Somwa geschlagen und denselben einen Ver­lust von 30 Tobten beigebracht. Rach zuverläs- sigen Nachrichten, welche Hauptmann Wißmann zugegangen find, werden Emin Pascha und Stan­ley, in Begleitung de» Italiener» Cassati und von sechs Engländern, Ende November in Mqua- qua innerhalb der deutschen Interessensphäre er­wartet.

• Da« Gemeindekollegium der Stadt München hat beschlossen, dem Magistrat zu empfehlen, bei dem Reichskanzler die Aufhebung der Viehsperre für Oesterreich nachzusuchen.

* Der bayerische Ministerpräsident v. Lutz hat über den Krankheitszustand des König» Otto dem Finanzausschüsse der Kammer ein Gesammtbilb ge­geben. König Otto sei sich, nach dem Urtheile der Aerzte, bei seinem (der Ministerpräsidenten) und de« Minister« von Crailsheim jüngsten Besuch in Fürstenried seine« Zustande« unbewußt. Der König sehe hager und blaß au» und sei bartlos, die Nahrungsaufnahme unregelmäßig. Die Zeitung»- Meldung von dem Herabfallen des Plafondlustre» bestätige sich, indeß sei der bauliche Zustand des Schlosses nunmehr ein durchaus guter. Dis An­regung von Abgeordneten um regelmäßige Bulletins über das Befinden des Königs versprach der Mi- nisterprästornt dem Prinz-Regenten vorzulegen.

Ausland.

* Eine Konferenz der österreichischen Bischöfe ist für Mitte November unter dem Vorsitze de« Kardinal-Erzbischöfe« von Schönborn in Wien zur Besprechung der Schulfrage anbe­raumt.

♦ Infolge Heftigen Südwinde« und anhaltenden Regens ist die Etsch mit ihren Seitendächen be­deutend gestiegen. Die Stadt Predazzo fleht theil- weise unter Wasser.

* Das kretensische Aufstandscomitä ist flüchtig geworden. Der Aufstand ist damit er­loschen.

* Das diesjährige Budget der Gemeinde Rom« schließt mit einem Defizit von zwölf Millionen ab, die ewige Stadt steht vor dem Bankerott. Unter den Ausgaben figuriren auch die Kosten, welche die Gemeinde zum Empfangs des Kaiser«

erwarteten Wiedersehen» willenlos zu ertragen und den dämonisch triumphirenden Mick auszuhalten, der ihn jedesmal aus den nachtdunklen Augen traf, wenn der schweißbedeckte Fuchs an seinem Platze vorüberraste.

Da« Cirkuspublikum aber war außer fich vor Entzücken über big bewunberungswürdigen Leist­ungen bet schönen Amazone, unb ber Cirkusbirek- tor selbst, der mit ziemlich verßlüfftem Grficht an dem Eingang der Manege stand, schien im höch­sten Grade verwundert über die Art und Weise, in welcher fich seine Künstlerin heute produzirte. Da war nicht« von den zierlichen Pirouetten und den kunstvollen Gangarten de« Pferde», welche» man sonst unter dem Schulreiten versteht — nein, diese Vorführung war im Grunde nichts als ein wildes Umherrasen, nicht» als ein leidenschaftliches Galoppiren, Bäumen und Springen des durch unaufhörliche Peitschenhiebe angespornten Thiere», und staunenswürdig war nur die unerschütterliche Anmuth und Sicherheit, mit welcher fich die Rei­terin im Sattel hielt, war nur die eiserne Festig­keit, mit welcher fie fich die Herrschaft über das aufgeregte Thier bewahrte.

Kaum einer von allen Zuschauern aber war so hingerissen von Bewunderung und Entzücken, al» Arina Emaljanow. Ihren leuchtenden Augen ent­ging keine einzige Bewegung der Kunstreiterin, sie

Wilhelm bewilligte: Feste zu Ehren des Kaiser« 1,000,000 Frei., Verstärkung der Polizei wäh­rend der Feste 200,000 Fr»., Einführung von berittenen Schutzleuten 150,000 Fr»., Municipal- garden 70,000 Fr»., Wiederherstellung des argen­tinischen Theater« 1,300,000 Fr»., Subvention an diese« Theater 180,000 Fr»., Schadloshaltung an die Unternehmer Allegri für den Bruch des Vertrages, die Humbertbrücke zu bauen, 200,000 Fr»., Ausstellung im Palaste der schönen Künste 35,000 Frs., im Ganzen also etwa 3 100,000 Fr»._______________________________

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 25. Oktober.

* Dem gestrigen Schafmarkt waren 872 Schafe zugetrieben. Erste Preise L 20 M. er­hielten: Daniel Dietrich-Großenlüder, Heinrich Schäfer-Edelzell, Hermann Roßmar>Johanni»berg. Erste Preise ü 15 M. erhielten: Nikolaus Bickert- Maberzell, Jos. Köhl-Großenlüder, Peter Schmitt- Kohlhaus, Johann Schmitt-Neuenberg, Sylvester Hohmann-Weihershof. Zweite Preise ä 10 M. erhielten: Jakob Barth-Rodges, Peter Ritz-Peters­berg, Joseph Ritz-Petersberg, Anton Hohmann- Sickels, Wendelin Hahn-Zell, Johann Frank- Großenlüder, Daniel Köhl-Großenlüder, Georg Witzel-Eichenzell, Markus Roßmar-Johannisberg, Rudolph Pfeffer-Nonnenrod, Ferd. Rauich-Riesig, Caspar Traufch-Nüst, Johann Odenwald-Ober- bimbach, Val. Burkard-Roßbach, Leopold Wiegand- Leipolz, Gregor Hohmann-Weiherrhof. Dritte Preise L 5 M. erhielten: Adam Mihl-Kirchhasel, Georg H. Wahl-Phort, Adam Kreuzer-Phort, Carl Schäher-Phort, Konrad Krönung-Zirkenbach, Gustav Erb-Neuenberg, Anselm Ritzel-Almu», Franz Hartung-Nieder rode, Ferdinand Völlinger- Großenlüder, Caspar Kraft-Löschenrod, Joseph Schmitt-Oberbimbach, Carl Helftich-Niefig, Johann Büttner-Marbach, Johannes Bott-Margrethenhaun, Val. Schmitt-Unterbimbachhof, Gotthard Wehl- Kirchhasel, Hermann Burkard-Roßbach, Joseph Ottmann-Wölf, Joseph Adam Ritz-Roßbach, Joh. Bott-Dsttlofrod, Johann Georg Scheel-Hofbieber, Ludwig Nöll-Mittelaschenbach.

wagte kaum zu athmen vor theilnehmender Span­nung und ihrer Umgebung nicht achtend, jubelte sie mehr al» einmal hell auf, wenn der Amazone eine besonders kühne und gewagte'Leistung ge­lungen war. Bernhard litt unsäglich unter dieser Wahrnehmung und er mußte es geschehen lassen, denn er war ja wie mit eisernen Banden gefesselt — sein entsetzliches Geheimniß, seine schwere Schuld verschloß ihm den Mund, denn unter welchem Vorwande sollte er Arina mit fich fortziehen, wenn er nicht im Stande war, ihr Alle» zu erklären!

Endlich — endlich schien es der Qualen genug sein zu sollen, denn mit einem Riesensprung ließ die Reiterin ihr Pferd über die geschloffene Barriere fetzen und die schmutzige Gardine rauschte hinter ihr zu. Bernhard strich stch mit der Hand über die Stirn, al« erwache er aus einem be­ängstigenden Traume und wendete fich gegen seine Nachbarin, um fie an ihr Versprechen zu erinnern. Aber Arina hörte nichts von seinen Worte, ihre kleinen Hände waren so eifrig damit beschäftigt, den tobenden Applaus zu vermehren, der von allen Plätzen ertönte, daß fie sür nichts Anderes Ohr und Auge hatte. Mademoiselle Zephora ließ fich lange bitten, ehe fie noch einmal vor der Gardine erschien, und ihre Haltung hatte dabei sehr wenig vcn der geschmeidigen Demuth, mit welcher Cir- kurkünstlerinnen sonst die gespendete Anerkennung