schlüge der kath. Kirchengemeinde eingesehen und versprochen, einen Hirtenbrief zu erlassen, um Beiträge für die so dringend nöthigen Kirchenneubauten. Er selbst spendete zu diesem Zwecke 5000 Mk.
* Der stellvertretende Reichrkommiffsr in Ost« afrika, Lieutenant von Grawenreuth, überfiel, wie unterm 21. b. aus Sansibar gemeldet wird, ein Lager Buschiris, der mit Räuberbanden aus dem Innern dis Provinz Ufaramo verwüstete, und warf de« Feind in die Flucht. Die Verfolgung Buschiris wurde fortgesetzt.
* Das Museum der deutschen Volkstrachten ist soweit in der Aufstellung und Einrichtung bemdet, daß bereits in etwa 14 Tagen die Eröffnung erfolgen kann. Das Museum umfaßt 7 Zimmer des HaufesIklosterstraßs 36.
* München, 20. Okt. In Bezug auf die kirchenpolitische Aktion hat die Fraktion der Centrumspartei sehr eingehende Berathungen gepflogen und diese haben zu einem durchaus ein» müthigen Beschlüsse geführt. Ueber die Art der Beschlüsse und über die Form des kirchenpolitischen Vorgehens dürfen wir heute nichts Näheres mittheilen, aber versichern, daß die Cen- trumspartei einig und entschieden in die Aktion eintreten wird.
* Stuttgart, 22. Okt. Es bestätigt sich laut der ,Franks. Ztg.', daß der Attentäter auf den Pr nzen Wilhelm al« der bemittelte Fabrikantensohn Gotthold Martin Müller von Oetnin- gen ermittelt ist. Die Familie Müller, die eine Weberei und Spinnerei besitzt, ist protestantisch, und zwar pietistisch. Demnach sind die von dem Thäter angegebenen Motive unwahr. Ein Bruder hat die Persönlichkeit des Thäters festgestellt.
* In Betreff der badischen Wahlen bringt die nationalltberale .Straßb. Post' einen Aufsatz, dem wir Folgendes entnehmen: „Die verschiedenen Siege, welche die Ultramontanen erfochten haben, verdanken sie in erster Reihe der unermüdlichen Thätigkeit ihres Klerus, der mit wenigen Ausnahmen eine umfaffende, wenn auch einer neuen Taktik zufolge, nach Außen nicht besonders auffällige Agitation betrieb. Es galt, den verhaßten Liberalen wegen ihrer Beseitigung des ominösen Artikels 4 der badischen Kirchenvorlage einen wuchtigen Hieb zu versetzen und^in der That find in einer Reihe von Bezirken die Wahlzettel bitterböse Denkzettel auf 4 Jahre hinaus geworden. Wenn irgendwo noch Lauheit unter dem Klerus herrschte, verwandelte fich diese in den lebhaftesten Schaffensdrang, nachdem das .Katholische Kirchenblatt', da« eigentlich offiziöse Organ der Kurie, laut genug gesprochen und in einer Art Wahlanweisung den Geistlichen die lebhafteste Agitation zur Pflicht gemacht hatte. Die Aufforderung fand denn auch das vollste Verständniß und man konnte nur lächeln über die gutmüthige Auffassung einzelner liberaler Blätter, die in jener Kundgebung nichts als die persönliche Meinung eines beliebigen Berichterstatters hatten entdecken wollen."
Ausland.
* Prinz Ferdinand von Koburg hat fich von Pari« nach London begeben.
* Rom, 21. Okt. Der Papst empfing gestern mehrere Tausend französische Pilger und hielt eine Ansprache an dieselben über die soziale Frage. Er betonte darin die Rothwmdigkeit de« Einvernehmen« zwischen Kapitalisten und Arbeitern, wozu die Bildung von Arbeitervertretungen zweckmäßig sei. Der Papst lobte schließlich da« französische Volk wegen seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an den päpstlichen Stuhl, obwohl es politisch vielfach aespalten ist.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 23. Oktober.
• Der gestern und heute hier abgehaltene sogen. Allerheiligen-Markt ist sowohl von Verkäufern al« auch von Käufern ziemlich gut besucht, und scheint sich da« „Geschäft" namentlich am heutigen, von der Witterung mehr begünstigten Tage, im Allgemeinen zufriedenstellend zu gestalten.
auch nicht wieder auf, mit ihm hinabzukommen. Mit ernstem, stummem Händedruck gingen sie auseinander, und keiner von ihnen vermochte in dieser Nacht den heißersehnten Schlummer zu finden.
(Fortsetzung folgt.)
* Der in Orb erscheinende,Bezirksbote' schreibt unterm 22. d. M.: „Der Tod des Hochw. Herrn Domkapitulars Kleefpies in Fulda, unseres ehemaligen Stadtpfarrers und Dechanten, hat in unserer Stadt mindestens ebenso schmerzliche Gefühle und Empfindungen wachgerufen, wie in der Bischofsstadt Fulda selbst, wo der geliebte Dahingeschiedene zuletzt gewirkt hat. Ist doch da» Andenken, welche» sich der theure Verstorbene dahier während seiner 17jährigen Thätigkeit in den Herzen aller Einwohner gesetzt hat, ein unvergeßliches. Nicht nur als Seelsorger und geistlichen Vater verehrten und schätzten wir ihn, sondern auch als einen erfahrenen Rrthgeber und väterlichen Freund in all.« Lebenslagen. Wenn wir uns über feine im Jahre 1882 erfolgte ehrenvolle Ernennung zum ^Domkapitular auch freuten, so war diese Freude doch mit dem wehmüthigen Gefühl vermischt, welches das Scheiden eines lieben Theuren im Gefolge hat, und so ost ihn später seine amtliche Thätigkeit oder eine andere Veranlassung in unsere Mitte führte freuten wir uns, unserm ehemaligen Seelenhirten wieder einmal in fein freundliches, liebevolles Auge schauen zu dürfen. Orb ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, bei der Beerdigung des in Gott ruhenden Herrn Domkapitulars würdig vertreten zu fein. Herr Stadtpfarrer Paul, fämmtliche Herren Lehrer und zwei Frl. Lehrerinnen, Deputationen vom katholischen Männer- und vom Turnverein mit ihren umflorten Fahnen, sowie einige andere Herren und Damen begaben sich am Begräbnißtage nach Fulda, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und legten Trauerkränze mit entsprechender Widmung am Grabe nieder. Heute Morgen hielt Herr Stadtpfarrer Paul für den verstorbenen Herrn Domkapitular ein feierliches Requiem, welchem der katholische Männergesangverein tn corpore, einige Vertreter der Stadtverwaltung und eine stattliche Anzahl au« der hiesigen Pfarrgemeinde beiwohnten. Der Kirchenchor sang hierbei unter der Leitung seines bewährten Chordirigenten, des Herrn Lehrers Müller, die Missa pro Defunctis choraliter, während die übrigen Gläubigen für die Seelenruhe des Heimgegangenen ehemaligen Seelenhirten heiße Gebete zu Gott emporsandten. Möge der fromme Wunsch, dem die Gemeinde am Schluß des Gottesdienstes in dem Lied: „Herr gib Flieden dieser Seele" lauten Ausdruck verlieh, in Erfüllung gegangen fein I"
* Die Frau Landgräfin von Hessen ist laut Mittheilung der ,Fckf. Ztg.' gestern Vormittag zum dauernden Aufenthalte in Frankfurt a. M. eingetroffen.
* Mit Ende dieses Monats wirdZ die hiesige Bauabtheilung der Nebenbahn Fulda-Gersfeld aufgelöst werden.
• Bekanntlich sollen die Lehrer mit dem 1. Ersatz fortan 10, 6 und 4 Wochen dienen. Diejenigen Lehrer, die noch nicht nach dieser Bestimmung gedient und erst eine Reserveübung mitgemacht hatten, wurden in diesem Jahre zu e ner sechswöchentlichen Uebung und diejenigen Lehrer, die nur 6 Wochen gedient, wurden bezw. werden zu einer 6- und einer 4 wöchentlichen Hebung herangezogen. Ein hervorragendes pädagogische» Blatt schreibt hierzu: Unseren jungen militärpflichtigen Lehrern, welche sich an eine größere Stadtschule melden wollen, geben wir den wohlgemeinten Rath, ihre drei durch die neue Wehrordnung auf die Dauer von 10 bezw. 6 und 4 Wochen estgesetztenUebungen so bald und so jung al» möglich abzuleisten und dieselben durch Rekla- mationen nicht etwa zu verzögern. Aeußerungen von maßgebender Sette bestätigen un» nämlich >ie Befürchtung, daß der Magistrat mancher grö- ieren Stadt e» künftig vermeiden wird, an die tädtischen Schulen Lehrer zu berufen, welche ihre nilitärtfchen Hebungen noch nicht ganz ober wenig- len» zum größten Theil vollendet haben.
* Gersfeld, 22. Oktober. Am vergangenen Sonntag <feierte der hiesige landwirthschaft- iche Verein fein 21jähre» Stiftungsfest in dem Gasthause zur „Krone". Nachdem die Vereinsangelegenheiten erledigt waren, begann das vom Herrn Gutmann trefflich hergerichtete Festessen, welches in der befriedigendsten Weise verlief und bei welchem natürlich auch das Trinken nicht vergessen wurde. Auch die kleine Gersfelder Mufik- äpelle trug ihr Möglichste« dazu bei, die Gemüther >er Anwesenden zu erheitern. Besonder« wurde die Festfreude durch die Gegenwart, unsere« ver
ehrten Herrn Landrath« von Marcard erhöht und dessen Eintritt in den Verein die versammelten Mitglieder mit Freuden begrüßten. Ja trefflicher, mit großem Beifall aufgenommener Rede brachte der Herr Landrath da» Hoch auf Se. Majestät den Kaiser au«, in welches alle Anwesenden mit Begeisterung einstimmten. Hierauf gedachte man be« Wohles unb ferneren Gedeihens des Vereines, ' sowie de» tüchtigen und langjährig bewährten Vorstandes Herrn O berförster Rasch und des ältesten Mitgliedes Herrn Kümmel von Ried, in ehren- der Weise. Bei dem darauffolgenden Balle fehlte es wie gewöhnlich nicht an Tanzlustigen und es behagte den Gästen so gut, daß da« Scheiden zuweilen mit vielen Hindernissen verknüpft war unb sehr schwer vor sich ging. Man trennte sich erst in ben Morgenstunden mit dem Wunsche, daß das nächste 22jährige Stiftungsfest ebenso verlaufen möge. (®. K.)
In voriger Woche fand sich Herr Pfarrer Kansyolz in Groß-Krotzenburg, welcher an der nach dem Tode des Herrn Lehrers Schank nur noch mit einem Lehrer besetzten dreiklasst gen katholischen Schule aushilfsweise Hnterricht ertheilt, veranlaßt, einen 12 jährigen Schüler zu Arrest zu verurtheilen. Hin 9 Uhr vormittags wurden die übrigen Schüler entlassen unb das Schulzimmer mit dem Arrestanten abgeschlossen. Schon nach einer Stunbe kehrte der genannte Herr mit betn Schlüssel zum Schullokale zurück, um ben Sträfling zu entlassen. Derselbe hatte aber schon um 9V8 Uhr ben Weg durch bas Fenster genommen, somit einen waghalsigen „Sprung" auf ben Rasen des alten Kirchhofs gethan unb dann bas Weite gesucht. Hebrigens war biefer „Sprung" auf weichen Boden mit einer Höhe von ca. 3‘/8 Meter für diesen Burschen, der schon von Apfel- und Birnbäumen manchen wirklichen Sprung gemacht hat und im vorliegenden Falle fich einfach von einem der Blumenbretthalter her ab lassen konnte, gar keine besondere Heldenthat. Derselbe hat den» auch nicht ben geringsten Schaden genommen. Heber diese» Vorkommniß, das sich als Dorfklatsch vielleicht eignen mag, bringt der.Hanauer Anzeiger' in Nr. 245 vom 19. Oktober er. folgende sensationelle Nachricht: „Glücklicher Sprung. Ein etwa 13jähriger Junge von Großkrotzenburg Namens Viel, welcher vorgestern wegen mangelhaften Erlernung seiner Religionsunterrichts-Aufgabe seitens des Herrn Pfarrers mit Nachfitzen im Schulhause bestraft wurde, öffnete gegen Abend das Fenster, schwang fich hinaus und wagte, um die Freiheit zu erlangen, au« einer Höhe von über 7 Meter« ben Sprung zur Erde, ohne, wie wir hören, erhebliche Verletzungen davongetragen zu haben." Nach obiger Schilder« ung des betreff, nden Vorfalls wird der Leser nun bkurtheile« können, was von dem „mangelhaften Erlernen" der Aufgabe, mit dem „öffnete gegen Abend das Fenster" — schwang fich hinaus — wagte aus einer Höhe von über 7 Metern den Sprung — und den nicht erheblichen Verletzungen zu halte« ist.
* Frankfurt a. M. 19. Okt. Der Vitriol- fpritzer treibt noch immer fein Hnroefen und spottet der Entdeckung. Nach kurzer Pause vergeht gegenwärtig kaum ein Tag, ohne daß der Polizeibericht meldet, am Abend vorher sei wieder unter dem Schutze der Dunkelheit das Kleid einer Dame mit Säure bespritzt und dadurch unbrauchbar gemacht worden. Man fragt fich vergebens «ach dem Beweggründe für solche Bubenstreiche; die Damen fürchten fich, Abends allein über die Straße zu gehen, und der „Vitrioleur" ist schon ebenso berüchtigt geworben wie seiner Zeit ber „Silber« bieb".
• Der Central-Vorstand des Thüringerwald- Verein» in Eisenach hat in diesem Frühjahr an die sämmtlichen Gasthofsbefitzer Thüringen» bas Ersuchen gerichtet, bie Preise durch Anschläge bekannt zu machen, die in jedem Hause für da» erste Frühstück, da» Mittagessen, den Tischwein und die Zimmer berechnet werden. Derselbe be- abstchtigt jetzt nach Ablauf ber Reisezeit ein 93er« zeichniß der Thüringer Gasthöfe zusammen zu stellen, die bie betreffenben Preise angeschlagen haben, und biese« Verzeichniß zu veröffentlichen.
Bermischtös!
* Lauter schneidige Leut': 1. „Berlin ist das schneidigste Nest, das man sich denken kann" schnarrte Herr v. Dingling. (Feuilleton der .National-Zeitung' vom