Dienstag, den 22. Oktober.
M 243.
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
1889
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Katholischer Mrnverband.
Wahlspruch! Ztttt und fett im Glaudan,
Treu und fest in der Vaterlands»«»«.
In Ausführung des uns gewordenen Auftrages, die erforderlichen Schritte für die Weiterentwickelung des katholischen Lehrerverbandes zu thun, fordern wir nunmehr die Herren Kollegen auf, ihren Beitritt möglichst bald zu erklären. Da an manchen Orten noch keine katholischen Lehrervereine bestehen, so steht auch den einzelne« Kollegen der Zutritt zu dem Gesammtverbande offen. Dieselben wollen sich nur recht zahlreich anmelden, undfzwar unter der Adreffe:
.KchelWr Wermem mKechm'.
Der Jahresbeitrag ist auf 50 Pfg. festgesetzt; denselben wolle man an die gleiche Adreffe einsenden.
Die Vereine werden durch ihren Vorsitzenden unter Angabe der Mitgliederzahl angemeldet, und zwar bis auf Weiteres ebenfalls beim Bororte.
Der Borort Bochum.
W. Die katholische Universität z« Freiburg iu der Schweiz.
Das Haus ist unter Dach gebracht und öffnet seine Thore zur Einkehr: was schon im 16. Jahrhundert erstrebt wurde, ist nun vollendete, erfreuliche Thatsache, am 4. November beginnen an der neuen katholischen Universität zu Freiburg in der Schweiz die Vorlesungen. Durch Konvertirung der Staatsschuld schuf der große Rath des Kantons Freiburg im Jahre 1886 einen Fonds zur Gründung einer Hochschule; in der Sitzung vom 4. October d. I., nach einer des großen Unternehmens würdigen Debatte, wurde auf Antrag des Staatrrathes befchloffen, die Zinsen von jetzt ab für die Universität zu verwenden. Man ging dabei von dem Gedanken aus, daß eine Universität da fein müßte, damit der Kanton an der Bundesunterstützung theilnehmen könne, welche für die nächste Zeit zur Vertheilung kommen soll; Freiburg hofft, eine jährliche Unterstützung von 50,000 Francs zu erhalten. Python, ein junger, energischer Staatsmann und die Seele des ganzen Unternehmens, machte dazu geltend, daß erst die ins Leben gerufene Hochschule private Schenkungen erhoffen dürfe und man vorerst für die juristische und philosophische Fakultät die Zinsen verwenden möge. Die theologische Fakultät soll erst zu Ostern eröffnet werden; dieselbe wird von den Bischöfen der Schweiz unterhalten und muß erst noch in ihrem Verhältniffe zu den anderen Fakultäten der
Vas Waldhaas.
Novelle von R. O.
(12. Fortsetzung.)
Die drohende Gefahr war durch Bernhard'- todermuthiges Eingreifen abgewendet, die Kinder waren sämmtlich gerettet, und nur der Helfer schien seinen Erfolg sehr theuer bezahlen zu sollen. Bleich und mit blutender Stirn lag er regungr- los im Staub der Landstraße dicht neben dem gestürzten Pferde — feine Kleidung war zerrissen und auf den ersten Blick hin mußte man wohl glauben, daß er todt, oder zum mindesten doch, daß er fehr schwer verwundet sei. Die jetzt rasch hinzueilenden Bauern, der Besitzer des unglücklichen Gefährtes an der Spitz;, Hoden ihn auf und schickten sich an, ihn in das nahe Dorf zu tragen. Aber sie hatten mit ihrer traurigen Bürde kaum einig; Schritte gemacht, als ihnen Arina in den Weg trat und sie zum Stillstehen nöthtgte. Ja dem Aeußeren des schönen jungen Mädchen« war «ährend der wenigen Minuten, die seit dem Eintritt der Katastrophe verflcffen waren, eine große Veränderung vorgegangen. Die Farbe war aus ihren Wangen gewichen, ihre Augen waren starr und glanzlos geworden und sie hatte beide Hände
Hochschule geregelt werden. Die Räumlichkeiten für die Universität werden nicht erst gebaut, sondern in dem vorhandenen Lycenm gewonnen, wozu man für den Sommer von der Stadt das Pen- fionatsgebäude zu erhalten hofft.
Die 27 Professoren müssen am 24. d. M. an ihrer Wirkungsstätte eintreffen; ihr Vorlefungs- verzeichniß ist bereits veröffentlicht und enthält unter Anderen in der juristische» Fakultät:
Clerc, droit civil, 5 h; au seminaire, ex- percices pratiques. Rensing, Pandekten, 5. St; im Seminar, Erklärung ausgewählter Pandektenstellen. Gottofrey, institudes, 4 h.; mit Seminar. Fervers, gemeines deutsches Strafrecht, eventuell Strafrecht, Allgem. Theil, 5 St. m. Seminar u. f. w.
In der philosophischen Fakultät: Wolff, Psychologie mit besonderer Rücksichtnahme auf die neueren Forschungen, 4 St.; m. Seminar. Schnürer, allgemeine Geschichte von Konstantin dem Großen bis Karl dem Großen, 4 St.; im Seminar, die Entstehung des Kirchenstaates, 2 St. Reinhardt, allgemeine Geschichte der neueren Zeit, 4 St.; im Seminar, Gremaud, critique historique, 2 St. Seffens, Einführung in die Paläographie, 1 St.; mit Seminar, Jostes, Einleitung in das Studium der deutschen Philologie, 3 St; die Romantiker, 2 St.; im philologischen Seminar: altdeutsche Uebungen, 2 St. Streitberg, die indogermanische Sprachwissenschaft, ihre Geschichte, Methode rc.; mit Seminar. W e y m a n, Geschichte des römischen Epos, 5 St.; im Seminar, Catullus. Sturm, Geschichte der griechischen Literatur bis Alexander, 4 St.; mit Seminar. Kallenbach, Geschichte der polnischen Literatur bis Ende des 18. Jahrhunderts, 3 St.; mit Seminar. Dozent Büchi, Schweizergeschichte von den ersten Anfängen bis zum Basler Frieden 1499, 4 St.; mit Seminar. Dozent Grimme, Hebräischs Grammatik, 4 St.; mit Seminar. Dozent Heß, assyrische Grammatik, 2 St.; vergleichende Grammatik des Neu-Egyptischen, Demotischen und Koptischen, 3 St. rc.; mit Seminar; u. A.
Es ist ein frisch-froher, opferwilliger Sinn, der in den Schweizer Katholiken lebt, die herzhaft die That wagten, zu den für da» kleine Land zahlreiche Universitäten für sich eine Hochschule zu schaffen, an der die Wissenschaft gelehrt werden
auf ihre Brust gepreßt, al» fürchte sie, daß ihr da» Herz zerspringen wolle. Sie brachte keinen Laut über ihre blutlosen Lippen, aber al» ihr die Männer, welche den Körper de« Bewußtlcsen umgaben, unwillkürlich Platz machten, al» sie ihn blutend, todtenblaß und mit geschlossenen Augen erblickte, da stieß sie einen gellenden Schrei der Verzweiflung au», der selbst die rauhen und wenig gesühlvollen Bauern bi» in» innerste Herz erbeben ließ. Aber al» hätte dieser Rothschrei eines zu Tods geängstigten Herzens den Zorn des Schicksals gebrochen, schlug der Verwundete in diesem Moment langsam die Augen auf. Sein erster Blick fiel auf Arina, und ohne daß sie sich durch die Gegenwart der vielen wildfremden Menschen hätte zurückhalten lass-n, ohne daß sie sich in ihrer maßlosen Auftegung wohl überhaupt klar bewußt wurde, was sie that, warf sie sich über ihn hin, schlang ihre Arme um ihren Hals und drückte ihre jetzt von Thränen überströmende Wange an die seinige. Ein Schauer unbeschreiblicher Seligkeit durchrieselte ihn; es war ihm, als müßte er die schlank; Gestalt fest und immer fester an feine Brust drücken, als dürfe er sie nie mehr au» seinen Armen lassen. Ader nur für wenige Minuten währte dieser wonnige Rausch,
soll von Männern, die von dem Grundsätze durchdrungen sind, daß zwischen der von der Kirche getragenen Offenbarung und den Ergebnissen echter Wissenschaft kein Widerspruch entstehen kann, sondern daß Glaube und Wissen sich wechselseitig fördern und ergänzen.
Kein Zweifel besteht, daß die neue Schöpfung, der Papst Leo XIII. sein lebendigstes Interesse widmet, von Seiten der katholischen Schweizerstudenten mit Vorliebe besucht werden wird, die bisher an deutschen Hochschulen studirten und daselbst sich in stellenweise recht starken Verbindungen konstituiren konnten. Und wenn der deutsche katholische Student sich vor die Wahl gestellt sieht, ob er nach Loewen oder nach dem freien, naturschönen Schweizerlande seine Fahrt thun soll, so wird sein Entschluß ihn zu der jugendlichen alma mater Friburgensis drängen. Der neuen Hochschule schenke Gott ein kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen, sein Hauch schwelle die Segel der glan- bensmuthigen Männer, die ihr Schifflein in« neue Lebenrmeer hinaussteuern vom heimathlichen Strande, zur fröhlichen, glücklichen Reifel
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Oktober.
• Ueber den Rücktritt de» Frhrn. v. Schor- lem>r-A.lst schreibt die .Franks. Zeitung' u. A. wörtlich Folgendes. „Ein Cavalier de cap en pied und zugleich ein echter Volksmann verleugnete er in känem Zuge die zugleich knorrige und sympathische westfälische Eigenart. Seist Wissen wurzelte in der Erfahrung, Humor mit gesundem Menschenverstand gepaart, gab seinem Auftreten das Gepräge der stolzen Sicherheit, das auch dem Gegner Achtung abgewinnen mußte. Er verschmähte das hohle Pathos, aber er wußte ebenso eindringlich zum Herzen zu sprechen, wenn es galt, wie zum Verstände, und so „packte" er die Erwählten der Nation nicht minder, wie die Bauern seiner Heimath. Kein Zweiter seiner Partei vermochte so wie er mit überlegenem Spott die „Randalierfüchse" der Knltnrkämpser, die Eynern und Genossen, zum Schweigen zu bringen, aber er hatte dabei nicht nur die Lacher, sondern auch die Ernsten auf seiner Seite. Er ist in manchem Strauss mit den Gegnern der Unterlegene gewesen, aber er hat da so wenig wie als und in demselben Maße, wie die Betäubung wich, welche seine Sinne befangen hatte, kam ihm auch das Unbesonnene, Gefährliche in Arina'r Handlungsweise zum Bewußtsein. Er machte sich sanft von ihrer Umarmung los und richtete sich empor. Seine Verwundung war viel weniger bedenklich al» der äußere Anschein es hatte glauben lassen. Beim Aufbäumen de» Pferde» hatte ihn die Spitze der Deichsel an die Stirn getroffen und die heftige Erschütterung hatte ihm die Besinnung geraubt. Sonst aber hatte er nur sehr geringfügige Verletzungen davongetragen, und er war im Stande, ohne eine andere Unterstützung al» diejenige Arina», den Heimweg anzutreten.
Die Bauern dachten nicht einmal daran, sich für sein heldenmüthige» Eingreifen bei ihm zu bedanken; aber auch Bernhard selbst hatte die Ursache seine» Üblen Zustande, beinahe vergessen über der schweren Sorge, mit welcher Arina- Verhalten ihn erfüllte.
Wenn er sich in der Bemtheilnng ihre- Seelenzustandes eennoch getäuscht hatte, wenn es dennoch Liebs war, was sie für ihn fühlte — wie namenlos unglücklich hatte er dann sich und sie gemacht, wie schwere Schuld hatte er dann durch seine Sorglosigkeit abermals auf sein Gewissen