Fulda versammelt gewesenen katholischen Bischöfe Preußens haben sogar am 22. v. Mts. einen gemeinsamen Hirtenbrief von allen Kanzeln verlesen lassen, roeld&er in ebenso würdiger als milder Form vor dieser Verhetzung warnt, und eindringlich zum Frieden mahnt . . . Was kann mit diesen Hetzereien, die, wir wiederholen es, auf evangelischer Leite allmählich ein förmliches System annchmen, erreicht werden? Rein negativ, jeglichen positiven Inhaltes entbehren!», wie sie überall Rn*, schaden Re dem Katholizismus natürlich nicht», sondern können ihn nur in ähnlicher Weise innerlich und äußerlich stärken, wie das der gleichfalls rein negative, aber mit ganz anderem Nachdruck und unvergleichlich impofan- term Machtmitteln unternommene und dennoch vergeblich gebliebene staatliche Ansturm der Kulturkampfes nachweiskch gethan hat. Zur Sammlung, Verständigung, innerlichen Befestigung der hundertfach verschiedenen evangelischen Parteien, Richtungen, Dmominationen aber vermag der buntgewürselte Heerbann dieses Feldzuges gegen Rom ebenfalls nicht zu dienen. Schon auf weltlichem, viel mehr aber noch auf kirchlichem Gebiete dienen Bündnisie, welche der Haß und die Sucht, dem Gegner zu schaden, stifteten, nur zur Vermehrung der eigenen inneren Oede und Är- muth und pflegen mit Zerfall und gegenseitiger Zerfleischung zu endigen. So mag auch die neue Kampfgenoffenschaft gegen Rom ihre Theilnehmer eine Zeit lang über ihren eigenen unleugbaren kirchlichen Jammer täuschen, steuern kann Re ihm nicht, im Gegentheil wird Re aller Voraussicht nach mit dem Bankerott endigen, der Rch einerseits in der weiteren äußerenfVerstärkung der katholischen Position, andererseits in dem beschleunigten Niedergänge desien zeigen dürste, was Rch heute noch der Welt mit Emphase als „evangelisch" und „protestantisch" präsenttrt.
* Zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf den Eisenbahnen und Ermöglichung einer ruhigeren Fahrt für Schnellzüge sollen die Schwellen vermehrt werden. Gegenwärtig beträgt in Preußen die Entfernung der Schwellen, auch auf bett Bahnlinien mit Schnellzugsverkehr etwa 0,9 Meter, während auf den britischen Hauptlinien, abgesehen von einer anderen Befestigung der Schienen, der Abstand der Schwellen zirka 0,6 Meter beträgt. E« soll nun in der^Ab- Rcht liegen, auf dm preußischen Hauptlinien zu einer Vermehrung der Schwellen und zwar so vorzugehen, daß fortan von 0,7 zu 0,7 Meter statt wie bisher in einer Entfernung von 0,9 Meter die Schwellen liegen. Man darf von einer der- artigen Verstärkung de» Oberbaue« der Bahn-
wohnerschaft de» alten Schlöffe» war er nicht vorbereitet gewesm, und die Erscheinung, welche ihm da entgegentrat, war in der That ganz damach angethan, ihn in Verwirrung zu setzen.
Ein höchstens achtzehnjähriges, elfmhast schlankes und elfenhaft liebliche« Geschöpf mit großen, lichtblauen, kinderhaft unschuldigen Augen und goldig schimmemdem Nixenhaar, das ungefeffelt über die gatten Schultern herabfiel, war es, bas Rch mit glühenben Wangen zum Kuffe auf Loris von Kirsanoffs Hand hemieberbeugte, und bas der stattliche Mann mit einer liebevollen Bewegung in seine Arme schloß. Sie war holdseliger und anmuthiger, als Bemhard jemals ein Weib gesehen, und bei dem Anblick dieser knospendm Unschuld und Lieblichkeit, diese« in seiner unbefan- genen Natürlichkeit doppelt reizenden Wesens, das kaum die feine Grmzlinie zwischen Kindheit und Jungfrauenalter überschritten hatte, vermochte er nicht mehr zu begreifm, wie ihn die blendmde Ueppigkeit Paulinen» jemals hatte berauschen und gefangen nehmen können.
Aber er hatte nicht viel Zeit, Rch müßigem Beobachten und stummem Entzückm hinzugeben. Nach der Begrüßung der Hausherrn hatte Arina die großen, glänzenden Augen mit dem Ausdmck unbefangener Frage auf den jungen Begleiter Kirsanoffs gerichtet und der Letztere beeilte sich, Re mit einander bekannt zu machen."
„Ich habe uns einen neuen Hausgenossen mit« gebracht, Arina," sagte er, „Herm Bernhard Steinmetz, einen jungen Gelehrten, bett ich zu meiner Freube unterwegs kennen gelernt habe, und der es für ein Weilchen wagm will, unsere Waldeinsamkeit zu theilen. Ich hoffe, Du wirst ihn von
Knien mit Bestimmtheit eine sehr günstige Einwirkung auf die Betriebsstcherheit und die ruhigere Fahrt auch der Schnellzüge erwarten.
• Die neuen Personen-Tarife auf Grund der allgemeinen preußischen Staatsbahn-Einheitr- sätze pro Kilometer 1. Klaffe 8 Pfg., 2. Klaffe 6 Pfg., 3. Klaffe 4 Pfg., 4. Klaffe 2 Pfg. für Personenzüge, 1. Klaffe 9 Pfg., 2. Klaffe ß2/, Pfg., 3. Klasse 42/s Pfg. für Schnellzüge, 1. Klaffe 12 Pfg., 2. Klaffe 9 Pfg., 3. Klaffe 6 Pfg. für Rückfahrttartm und für Gepäck 1/2 Pfg. pro 10 Kilogramm werden mit dem 1. April k I». auch in den drei westlichen Direktionsbezirken Köln rechtsrheinisch, Köln linksrheinisch und Elberfeld zur Einführung kommen. Auf den übrigen preußischen Staatsbahnen bestehen diese Tarife schon seit dem 1. April d. I. Mit dem gleichen Datum des nächsten Jahres werden somit auf sämmtlichen preußischen Staatsbahnen einheitliche Tarife für den Personenverkehr bestehen.
* Gegen die Rechtsanwaltschaft bringt das .Deutsche Tageblatt' „aus richterlichen Kreisen" einen heftigen Artikel. Die Thätigkeit derselben wird in folgender Weise geschildert: „Die Thätigkeit der Vertheidiger besteht in der Regel hauptsächlich darin, die Richter und, soweit Laten Mitwirken, die Geschworenen und Schössen irre zu führen, die Sache zu verwirren, Jrrthümer und Verwechselungen herbetzuführen, um im Trüben zu fischen; ehrenwerthe Zeugen zu verdächtigen, zu verläumden und zu beschimpfen, vor der Verhandlung ihre Klienten zu instruiren, was Re sagen sollen, in der Verhandlung durch Querfragen und Unterbrechungen die Ermittelung der Wahrheit zu verhindern, den VorRtzenden, der vielleicht nicht die genügende Routine beRtzt, zu verleiten, Formfehler zu begehen, um auf Grund deren später das Urtheil als nichtig anfechten zu können." Der Richter, dessen Zorn über die Vertheidiger das »Deutsche Tagebl.' zum Abdruck bringt, fordert die VorRtzenden bei den Schöffengerichten, Strafkammern und namentlich bei den Schwurgerichten auf, mit Energie gegen die Vertheidiger aufzutreten; denn die Art der jetzigen Vertheidigung sei eine öffentliche Verhöhnung aller Rechtspflege, ein Unfug, der nicht geduldet werden sollte und nicht genug an den Pranger gestellt werden könne." — Wie wäre mit dem Vorschlag, den Staatsanwalt gleichzeittg auch mit der Vertheidigung zu beauftragen?
Ausland.
* Die Ueberschwemmungen in Südösterreich haben große Verheerungen angerichtet. Eine Anzahl Tyroler Ortschaften stehen unter Wasser. Dasselbe beginnt aber jetzt allmählich zu fallen.
Herzen willkommen heißen, denn er hilft Deinen Kenntnissen vielleicht hier unb da ein wenig nach, wo mich beim Unterrichten meine eigene Wissenschaft im Stich lassen mußte!"
Arina lächelte und reichte Bernhard mit herzgewinnender Vertraulichkeit ihre schlanke Hand.
„O, wie reizend wäre da»!" sagte Re mit einer Stimme, die dem jungen Manne wie eine lang entbehrte, süße MuRk in'» Ohr klang. „Es Rnb ja unter den Büchern meines Pathen so viele, die ich noch immer nicht verstehen tarnt!"
„Und die man Dir wohl besser gar nicht in die Hand geben sollte, wenn man es nur über sich gewänne, einem Kobold wie Dir etwas abzuschlagen!" fiel Kirsanoff freundlich ein. „Aber wir wollen uns über diesen Gegenstand später ausführlicher unterhallen, wenn wir uns von den Strapazen der Reife erholt haben. Wo ist Iwan Petrowitsch?"
„Der Vater ist in'» Dorf hinuntergegangen! — Er hätte eine Ahnung, sagte er, daß der Pathe heute zurück käme, und da er sich ja auf feine Ahnungen unbedingt verläßt, so wollte er etwas Geflügel für das Mittagsmahl eintaufen. Aber wir brauchen feine Rückkehr nicht erst zu erwarten. Ich bringe eines von den Zimmern im ersten Stock in Ordnung unb schaffe einen Imbiß zur Stelle, wenn Sie nur unterbeffen in ben Waffensaal eintreten wollen!"
Während dieses heiteren Geplauders hatte Re bereits eine der schönen Eichenthüren im Erdgeschoß geöffnet, und während die beiden Herren die Schwelle derselben überschrttten, flog Re leichtfüßig die Wendeltreppe empor, deren geschnitzter Geländer in einer offenbar erst vor Kurzem erneuerten Vergoldung glänzte. Der grofje, saalartige Raum, ben
* Der Schweizer Bundesrath hat brei Deutsche wegen aufreizender Agitation für die revolutionären Ideen der Anarchistenpartei au« der Schweiz ausgewiesen.
* Die belgische Regierung beabstchtigt bei den Kammern die Bewilligung eine» neuen Mili- tärtredits in Höhe von 24 Millionen zu beantragen.
* Die Antwerpener Katastrophe wird demnächst ibr Nachspiel vor Gericht haben. Die Herren Corvilam und Delannay, Leiter der Pulverfabrik, Rnb wegen fahrlässiger Tödtung vor da» dortige ZuchtpolizeiZericht verwiesen worden. Die Ver- handlungen "beginnen am 21. Oktober.
• Baltimore, 15. Okt. In der katholischen .Volkszeitung' lesen wir: Die große Festwoche zur Erinnerung an den hundertjährigen Bestand der katholischen Kirche in ben Vereinigten Staaten rückt uns immer näher unb allenthalben regen Rch bie Hänbe unb Herzen ber Katholiken zur würbigen Begehung derselben. Nicht bloß sind die katholischen Vereine in voller Thätigkeit, um den großen Fackelzug so glänzend als möglich zu machen, auch die Gemeinden treffen Vorkehrungen für die Illumination von Kirchen und Schulen, und auch die katholischen Familien enwägen ernstlich die Frage, wie e» mit der Verzierung unb Beleuchtung ihrer Wohnungen gehalten werden soll. Man glaubt, daß nicht weniger als 15,000 Männer unb Jünglinge an bem Fackelzuge am Dienstag, den 12. November, Abends sich betheiligen werden. Die Stadt Washington wird dazu eine große Schaar liefern, welche mit dem berühmten Musikkorp» der Marine angerückt kommen wird. Auch aus Frederick, Komaerland, Westminster, Hagerstown u. f. w. werden zahlreiche Delegattonen erwartet. Der Exekutiv-Ausschuß wird die fremden Gäste einlaben, auch ben Donnerstag in ber Festwoche noch in unserer Mitte zuzubringen, um bie Hauptjehenswürdigkeiten unserer Stabt in Augenschein zu nehmen. Au» England wirb ber hochw. Herr Nagend, Redakteur ber in Liverpool erscheinenden .Catholic Time»,' hierher kommen, um bie Festwoche hindurch zu feiern. Der Ausschuß ber Presse hat in ber Konkordia zwei Zimmer gemietet, um dieselben ihren au«» wärtigen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Drei katholische Indianerhäuptlinge, darunter auch „Red—Cloud“ (Rothwolke), werden dem katholischen Kongreß in unserer Stadt im November i beiwohnen, um bie katholischen Ureinwohner von Amerika babei zu vertreten. Der hochw. Herr Erzbischof Matolli wird von Rom nach Baltimore kommen, um den hl. Vater Leo XIII. bei der Centenarfeier ber katholischen Kirche in Amerika zu vertreten.
fie nicht ohne eine gewisse gewichtige Betonung ben Waffensaal genannt hatte, nöthigte Bernhard in der That einen leichten Ausruf ber Verwunberung ab, benn er war in Anlage unb Ausstattung von wirklich prächtiger Einrichtung, und bie zahlreichen Waffen, welche — zu geschmackvollen Trophäen georbnet — die Wände bedeckten, repräsentirten jedenfalls einen sehr bedeutenden Werth. So sehr ihn aber dieser unerwartete Anblick unter anderen Verhältnissen gefesselt haben würde, so wenig vermochte er in diesem Augenblicke seine Gedanken von dem schönen Kinde abzuziehen, dessen Bekanntschaft er da soeben gemacht hatte. Er wartete eine kurze Zeit, in der Hoffnung, daß Kirsanoff ihm au« freien Stücken eine nähere Aufklärung über seine junge Hausgenosstn geben würde. Da der Russe aber offenbar keine Neigung dazu empfand, entschloß er sich, ganz offen eine biesbezügliche Frage zu thun.
Kirsanoff strich stch mit der wohlgepflegten Hand zweimal über seinen langen, weißen Bart, ehe er, ohne Bernhard anzusehen, sagte:
„Arina ist die Tochter meine« alten Diener« Ernaljanow oder Iwan Petrowitsch, weil ich ihn nach russtscher Sitte mit seinem Vornamen nenne. Sie ist vor 16 Jahren mit uns aus Rußland gekommen und etwas wild und regellos aufgewachsen, da Re ihre Mutter nicht gekannt und niemals unter weiblichem Einfluß gestanden hat — ausgenommen denjenigen einer französtschen Gouvernante, mit der Re Rch ein halbes Jahr lang herumzankte unb die es bann nicht länger in unserer weltverlorenen Einsamkeit ertrug. Nun, Sie werben ja selber sehen, welche Früchte unsere Erziehung gezeittgt hat!"
(Fortsetzung folgt.).