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Mittwoch, den 9. Ottober. -

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1889

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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* Die Finanznoth Italiens,

schon seit der Gründung des Königrre^ch» von Revolutions-Gnaden sprichwörtlich, hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Kalamität heraus- gebildet, welche zur Katastrophe zu führen droht. So führte dieser Tage nicht etwa ein „ultramon­tanes" Blatt, sondern eine ernste liberale italienische Zeitschrift, die „Nuovo Autologia" au»! Der Einzug und die Verschleuderung der Kirchengüter waren nicht im Stande, den Niedergang der italienischen Finanzen aufzuhalten. Nichtsdesto­weniger werden die Staatsaurgaben nicht ver­mindert; man rüstet im Gegentheil auf'» fieber­hafteste, als wenn das neue Königreich im Fette von Ueberfchüflen förmlich schwämme. Man sündigt wahrscheinlich deßhalb so darauf Io», weil bereits die Confiskation der etwa 1400 Millionen betragenden frommen Stiftungen zu allerlei wohl« thätigen Zwecken und für MeßfunLationen im Prinzip befchlosien ist. Als letztes Beutestück Nsuitaliens wird daher demnächst auch dieses Jahrhunderte alte Eigenthum, der heiligsten einer, unter den Hammer gebracht und der Erlös in faule italienische StaaUpapiere umgewandelt werden, deren Zinsen vielleicht gerade so lange bezahlt werden, al« Neuitalien besteht, oder bis der Staatsbankrott jede Zinrzahlung unnöthig ge­macht haben wird.

Ein partieller Krach ist im Lande der Citronen und Goldorangen bereits eingetreten, die Zahlungs­einstellung seitens einer Reihe von Banken in Turin und Neapel, wie der offiziöse Telegraph gemeldet hat, der nur durch Einmischung der Staates, indem er die Banknoten preffe der Nationalbank in Be­wegung setzen ließ, einstweilen wieder behoben worden ist. Damit ist aber lediglich eine Galgen­frist gewährt, da die beliehenen Gebäude und Grundstücke in den großen Städten Italien» that- sächlich leine Sicherheit gewähren und nicht im Stande sein werden, die Zinrlasten zu tragen welche die für dieselbe ausgegebenen Pfandbriefe erfordern. Behauptet wird, daß bei den über­triebenen Bauspekulationen in Rom deutsche Häuser allein mit 300 Millionen brthelligt seien. Jeden­falls ruhen die betreffenden Papiere nicht mehr bei den Emissionshäusern, sondern sind in den Händen de» leichtgläubigen Publikums und einiger hereingefallener Kleinspekulantcn gerathen, welche

Das WaldHaas.

Novelle von R. O.

(1. Fortsetzung >

„Ich bin meinem Fürsten gewiß sehr dankbar für seine Gnade, und auch Ihnen, Herr Direttor, wie meinem wackerm Vertheidiger fühle ich mich von Herzen verpflichtet, aber Sie hätten mich immerhin meine volle Strafe verbüßen lassen sollen. Ich habe das nicht nur verdient, sondern es wäre viellächt eine Wohlthat für mich gewesen I"

„Nicht doch, mein Lieber!" sagte der Direttor mit unverkennbarer Theilnahme, „Sie sind jung, und das Leben bietet Ihnen bei Jchrem Bildung«- grade noch zu viel Gelegenheit, das Geschehene wieder gut zu machen, al» daß Sie so sprechen dürften. Es ist nicht meines Amte», mit Ihnen darüber zu unterhandeln, ob Ihre Strafe eine verdiente war oder nicht; aber ich habe die Pflicht, Sie darauf hinzuweifen, daß Sie Ihre Reue viel besser dadurch bethätigen, daß Sie sich draußen M der Welt nützlich machen, al» dadurch, daß Eie den Wunsch hegen, noch länger im Gefängniß HU bleiben!"

»Ich weiß, Sie meinen cs gut mit mir, Herr Direttor," verfitzte der junge Mann mit einer

man nicht einmal bedauern kann, da die deutsche unabhängige Presse ost genug davor gewarnt hat, aus politischen Gründen die Russen mtt Italiener zu vertauschen. Beide Papiere eignen sich nicht für eine sichere Kapital-Anlage.

Daß für das finanzielle Elend in erster Linie der derzeitige Ministerpräsident Crispi, der fett 21/4 Jahren in Italien hauptsächlich al» Dik­tator wirthschaftet, verantwortlich zu machen ist, müssen selbst freimaurerisch-liberale Blätter außer­halb Italien» zugeben. So schreibt z. B. die .Neue Züricher Ztg.', ein Blatt von der Couleur des deutschen Nationalliberalismus, welches, un­verbürgten, aber sehr wahrscheinlichen Gerüchten nach, ebensowohl für die deutschen „Kartell-", wie für die italienischen Logen-Brüder ein gewisse« faible besitzt, über die Lage in Italien: „ . . . Crispi hat die Tripelallianz nicht geschaffen; er fand sie vor, al» er in die Konsulta eintrat; aber sein Werk ist e», daß der Beitritt Italien» zu dem Dreibunde einen so ausgesprochen srauzosen- feindlichen Charakter angenommen hat, und da die Spannung mit Frankreich nach weitverbreiteter italienischer Anschauung an der wirth schäft- lichen Krisis schuld ist, unter der Italien schwer leidet, so wird Crispi auch für diese verantwort­lich gemacht. Auf ihn warf der Weinbauer von Apulien, dem das unverkäufliche Getränk in den Fässern zu Grunde ging, seinen Haß; und gegen ihn richtete der einsichtige Finanzmann, der die Defizite und den Schwindel wachsen und die ©teuer» kraft schwinden sah. seine ernsten und wohl­begründeten Vorwürfe." Wir stehen also nicht allein, wenn wir die derzeitige Regierung Italiens sür die elende Finanzlage der apen- ninischen Halbinsel verantwortlich machen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Oktober.

* Wie von mehreren Seiten übereinstimmend berichtet wird, trifft der Zar am Freitag hier ein und steigt in der russischen Botschaft ad. Am Sonnabend findet Hosjagd in Letzlingen statt. Die Abreise de» Zaren soll bereit» am Sonntag Abend erfolgen.

* Die Gründung eines Verbandes katho­lischer Lehrer und Schulmänner, wie fie auf der Katholikenversammlung zu Bochum ange-

abermaligen dankenden Verbeugung. „Verzeihen Sie mir, wenn meine Worte den Eindruck machen konnten, c» fehle mir an Erkenntlichkeit dafür. Zwar vermöchte ich Ihnen in Bezug auf da» Kapitel von der Reue wohl noch Manche« zu er­widern, aber ich darf Ihre Zeit und Ihre Ge­duld nicht länger mißbrauchen, und an dem, war einmal über mich beschlossen wurde, ist ja auch nicht» mehr zu ändern!"

Sein Auftreten und feine Art und Weise, zu sprechen, waren die eine» fein gebildeten Mannes, und es schien um so eher begreiflich, daß ihn die Gesängnißbeamten mit einer gewissen Achtung be­handelten, al« ihnen Allen das Vergehen, wegen dessen Bernhard Steinmetz hierher gekommen war, offenbar in einem ziemlich milden Lichte erschien. In der Hauptkanzlei wurden ihm nunmehr unver- Äbie Werthsachen und die Geldsumme ein­igt, die er beim Eintritt in da» Grfängniß mit sich geführt hatte, und auf feinen Wunsch wurde ihm überdies gestattet, sich von dem Mit­gefangenen, mit welchem er nahezu zwei Jahre hindurch die Arbeitszelle getheilt, zu verabschieden.

Aber jener erwiderte den freundlichen Wunsch de« jungen Manncs nur mit einem undeutlichen Gemurmel, das eher wie eine Verwünschung, denn

strebt und ins Werk gefitzt wurde, ist eine Groß- that katholischen Bewußtsein« von nicht zu unter­schätzender Bedeutung. Würde das Unternehmen Bestand haben, und der Verband unter der Lehrer­schaft Preußens bezw. Deutschland« festen Fuß fassen, so wäre damit für die katholische Sache ungemein viel gewonnen. Eine festgegliederte Ver­einigung von Schulmännern, welche sich bewußt find, im Dienste und Auftrage der Kirche zu arbeiten, würden wir freudig begrüßen al« eine werthvolle Errungenschaft im Zeitalter des schleichenden Kulturkämpfe». Viele Dinge allerdings haben dazu beigetragen, den Lehrern die Gründung des Verbandes nahszulegen, ja ihnen dieselbe aufzunöthigen: Der Parteiterrorismus der allgemeinen Lehrervereine, das Vorgehen der Lehrertage, die verletzende Haltung bar pädagogi­schen Blätter, das intolerante Verhalten der kirchen- feindlichen Majorität gegenüber der gläubigen Minderhett. Die katholischen Lehrer wurden und werden noch fort und fort in ihrer Ueberzeugung gekränkt und mtttelst de» bekannten Parteifanatis­mus zum Schweigen gebracht. Daß fie dessen müde sind, wer darf es ihnen verdenken? Selbst ehrliche Gegner müssen ihnen Recht geben. Nur die Kartellpresse hat kein Verständniß für den mannhaftm Schritt unserer Lehrerschaft. Der Ver­band ist nach den nationalliberalen Wortführern sogar geeignet, den von allen Seiten ersehnten Frieden aufs schwerste zu schädigen und den kon­fessionellen Hader zu schüren. Vielerorts find nun die Gegner an der Arbeit, Zwietracht zu stiften und dem Emporkommen des Verbände« entgegen­zuarbeiten. E« läßt sich nicht verkennen, daß mancherlei Schwierigkeiten vorhanden find, welche da« Verbaudswerk hemmen können. Bei gutem Willen werden indeß die Hemmnisse überwunden, und da« friedliche Nebeneinanderwohnen mit den andersgläubigen Lehrern wird ebenso wenig beein­trächtigt, al» den gemeinsamen Bestrebungen der Lehrer Eintrag geschieht. Unseren Gesinnung»- genossen im Lehrerstande rufen wir daher zu: „Gründet katholische Lehrervereine", denn diese bllden da« Fundament. Ohne diesen Krystallisationrkern könnte die Bewegung möglicher­weise wieder im Sande verlaufen. Ist der feste Punkt gefunden, so wird die neue Gründung al« einigende» Band da« Ganze umfassen. Da» katho­lische Vereinsleben wird erblühen, und die tatho-

wie ein herzliche» Lebewohl klang, und er maß chn mit einem stechenden Blick voll des giftigsten Neide,.

Al« sich Bernhard der Thür wieder zuwendete, stieß er feine Feder so heftig gegen die Pultplatte, daß sie knirschend zerbrach, und mit mühsam un- terdrücktsn Ingrimm ries er dem bereit« auf der Schwelle Stehenden nach:

„Triumphiren Sie nicht zu früh, mein Lieber! Auch meine Stunde wird kommen, und ich hoffe, daß sich wohl einmal eine Gelegenheit finden wird, wo ich Ihnen heimzahlen tarnt, was ich in diesem Augenblicke empfinde!"

Der Aufseher, welcher Bernhard auch diesmal begleitet hatte, besah! dem Aufaebrachten kmz und rauh, zu schweigen: der entlassene Gefangene aber sagte, al» sich die schwere Thür wieder hinter ihnen geschlossen hatte, mit einem traurigen Kopf- schütteln vor sich hin:

„Wie sehr doch da« Unglück den Eharatter de« Menschen verderben kann! Diesem Manne habe ich niemals etwa« zu Leide gethan, seit zum Iah- ren bin ich bemüht gewesen, ihm sein traurige» Loo», so weit es in meinen Kräften stand, erträg­lich zu machen, und doch ist ihm die Thaisache, daß ich meine Freiheit früher zurückerhalte, al»