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J2 228.

Freitag, ben 4. Oktober.

1889

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljahriicher Abonncmentspreis ohne Briugerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochcnbeilage ,Sterne und Blume»' in Fulda und .auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 3-. Oktober.

* Der „Reichsanzeiger" veröffentlichte gestern im nicht amtlichen Theile folgender: Der Kaiser habe von dem Inhalt der ,Kreuzztg.' vom 26. Skpt. (über das Kartell und dar monar­chische Prinzip) Kenntniß genommen und die darin aurgesprochenen politischen Anffaffungen und Angriffe auf andere Fraktionen lebhaft ge- mißbilligt. Der Kaiser gestattete keiner Partei, fich dar Ansehen zu geben, alr besäße dieselbe da» kaiserliche Ohr. Der Kaiser sähe in der Verständigung und der gegenseitigen Schonung der paatrerhaltenden Parteien untereinander eine ffir unser parlamentarischer Leben sachlich nützliche Gnrichtung und er habe der Kaiser die Aller­höchste Mißbilligung der dagegen von der.Kreuzztg.' gerichteten Angriffe und Jnflnuationenzunzweideutig aurgesprocher. Der Kaiser sähe im Kartell eine den Grundsätzen seiner Regierung entsprechende poli­tische Gestaltung und er vermöge die Mittel, wo- mit die .Kreuzzcttung« dasselbe angreife, mit der Achtung vor der- Allerhöchsten Person und. vor unseren verfassung-mäßigen Institutionen nicht in Einklang zu bringen. Diese Erklärung richtet sich gegen die protest.-konservative Partei und ihre Organe ,Krzztg.' und .Rcichsbote'. Die.Kreuzztg.' erwidert auf diese Erklärung, sie habe ihre Stell­ung gegen da» Kartell au» sachlichen Bedenken und au« fester politischer Ueberzeugung genommen; wenn der Kaiser jetzt im Kartell eine seinen Re- gteruugsgrund! ätzen entsprechende Gestaltung sieht, so beuge sie sich vor dieser allerhöchsten Kund­gebung, in Konsequenz ihre» Royalismu« und ihrer Achtung vor der allerhöchsten Person. — Boraursichtlich werden die Kartellbrüder in ihren Blättern diese Unterscheidung zwischen der Person und der Regierung Sr. Majestät verwischen und mit dem Namen de» Kaiser» al» Feldgeschrei in den kommendenWahlka mpf ziehen. „Die besondere Freude", mit welcher die ,Kötn. Ztg.' den Satz begrüßt, „daß der Kaiser keiner Partei gestatte, sich da» Ansehen zu geben, al« besäße sie da» kaiserliche Ohr", wird bald dem allgemeinen Versuche Platz machen, den Kaiser al» Schirmherrn de» Kartell» zu preisen und die Kartellgegner al» Gegner de» Kaiser» zu denun-

ä Krieg im Frieden.

Ein Genrebild aus der Rococozeit von Jos. Gr.

(5. Forlfequng.)

Die Kleine war bei diesen grimmigen Worten ganz bleich geworden. „Er ist doch ein recht böser Mann, Herr Wachtmeister," schmollte sie mit bebender Stimme.

„Was? Kleine Hexe schau' Sie mich doch ein­mal an mit Ihren verteuielten Augen, ob Sie mir wirklich böse sein kannk" fragte der schönste Mann der Schwadron siegesbewußt, indem er fich jetzt zärtlich herabneigte und das gesenkte Köpfchen aufzurichten suchte.

Aber war war dar? Ein heller Klang ertönte plötzlich, und da« schöne Jungfräulein fuhr blitz­schnell herum und starrte sekundenlang nach der Fensterlucke de« Thorthmm«, wo ihr eifersüchtiger Schatz mit seinem Waltchorn sichtbar war. Dann setzte sie in raschen Sprüngen wie ein flüchtige« Reh über den Wiesengrund, während e« von oben schier wehmüthig und anklagend durch die morgen- Me Luft hallte:

„Und e biSele Lieb',

Und e biSele Treu', Und e bisele Falschheit Ist alleweil dabei."

ziren. Ganz offen ladet die ,Köl. Ztg.' bereit« die „besonnenen Centrum«männer und die angesehenen und gemäßigten Deutschfreifinnigen" ein, fich dem Kartell mit seinem schönen Ziele anzuschließen. Da« Centrum gibt aber auf die schönen Worte nicht«, sondern will Thatsachen sehen.

* Dem Bundesrath soll eine Vorlage, bete, eine subventionirte Dampferlinie nach Ostafrika zu- gegangen sein.

* Zur Parität auf dem Schulgebiete in Westpreußen wird dem .Westpreuß. Volksbl.' geschrieben: Die Schule zu Wilhelm«huld, eine Meile von Karthau« gelegen, wird von 80 Schul­kindern besucht, worunter 47 katholisch und 33 evangelisch find. Ein evangelischer Lehrer verwaltete die Schulstelle. Al« derselbe sich vor drei Jahren penfioniren ließ, wurde abermals ein evangelischer Lehrer angestellt.

* Die General-Versammlung des Evangeli­schen Bundes in Eisenach ist mit einer Sitz­ung de« Bundes-Vorstandes eröffnet worden, welcher die Verhandlungen des Gesammt-Vorstande« unter Beiheiligung der Abgeordneten der Zweig- Vereine fich anschloffen. Aus diesen Berathungen ist erwähnenswerth der Vorschlag, die Kirchliche Korrespondenz für die Tagespreffe noch öfter und in größerm Umfang erscheinen zu affen. In der Debatte wurde andern Meinungen entgegen der Standpunkt mit Erfolg vertreten, diese Korre­spondenz nicht im erbauenden, sondern im pole­mischen Ton, wie seither, ferner erscheinen zu laffen. Auch wurde eine Petition an den Reichs­tag beantragt, dahin, es möge in das Strafgefi tz- buch ein Paragraph eingcfügt werden, welcher Diejenigen trifft, die unter Vorspiegelung falscher Thatsachen Jemanden zum Uebertritt in eine an­dere Religion bewegen. Weiter wurde unter an- beim beschlossen, eine systematische Ueberwachung der katholischen Preffe einzurichten. Nachmittag« 5V2 Uhr zogen die Abgeordneten, nahezu 700, in festlichem Zuge zur Georgenkirche, wo Hofprediger Dr. Braun au« Stuttgart die Ziele dc» Evan­gelischen Bundes darlegte. Unter Zugrundelegung einer entsprechenden Bibelstelle sührte er aus, daß es gelte, zu bauen an den Mauern de» evan­gelischen Jerusalem. Damit aber gebaut werden könne, müfle zuvor aber auch gekämpft werden, und zu diesem Kampf haben uns die Gegner das

„Wettermädel I" rief der Herr Wachtmeister aus, und blickte ihr ganz verdutzt nach, bi» fie in dem dunklen Thorbogen verschwunden war.

Nanderl aber stürmte mit fliegendem Athem die Thurmtrepps hinan.

„Kilian, mach auf", rfif fie heftig an der Thüre pochend.

„Herzenrschatz I" tönte e» von innen. „Ja, wenn nur da» verwünschte Schloß nachgäbe! Ich hab' mich selber eingesperrt und fitze schon seit gestern hier."

Beide rüttelten nun mit vereinten Kräften an der Thüre, aber fie ging nicht auf.

„Ach Kilian, verhalte Dich um Gottcrwillen nur ruhig und blase nicht wieder auf dem Horn," bat Nanderl ängstlich. „Wenn Dich der Husaren- Wachtmeister entdeckt —"

„Meinst Du bett martialischen Kerl mit der rothen Nase, mit dem Du eben so schön gethan?" unterbrach seine Stimme fie zornig. „Nanderl, Nanderl, wa< hast Du mit dem zu schaffen? Machst Du seinetwegen so frühe Promenaden?"

„Wie kannst Du so war denken?" eiferte fie gekränkt. „Deinetwegen, — nur um Dich zu suchen, bitt ich au« dem Hau« geschlüpft, während der Onkel da« Wild füttert. Ich wußte ja, daß Du in der Nähe, gestern Abend hörte ich lange Dein

Schwert in die Hand gedrückt. Fern sei e« dem Evangelischen Bund, die katholische Kirche in ge- häffiger Weise anzufallen, aber von Frieden könne natürlich keine Rede fein, wenn von bett Leitern der römischen Kirche unsere evangelische Religion fort und fort auf« schwerste beschimpft und al» nicht existenzberechtigt. ja al» Höllenwerk hinge­stellt werde. Dagegen müffe der Evangelische Bund sein geistige» Schwert ziehen zur Abwehr und zur Vertheidigung unserer schwer angegriffenen Würde. Redner wendet fich auch gegen den ma­terialistischen Unglauben unserer Zeit, den zu be­kämpfen ebenfalls Pflicht des Evangelischen Bun­des fei. Auf die katholische Kirche zurückkommend, nennt er die s. Z. vom Papst Pius IX. durch- gefitzte Verkündigung der unbefleckten Empfängniß Mariä ein große» Aergerniß, wie er auch den mueru Marien- und Joseph-Kultus al» Verirr­ungen bezeichnet, gegen welche der Evangelische Bund nicht allein da» selbstverständliche Recht, sondern auch die Pflicht habe, abwehrend und protestirend aufzutreten, al« gegen ein neue« Heidenthum. Eingehend besprach er dar, was der Evangelische Bund bisher geleistet, und erörterte d«ffen Aufgaben für die Zukunft, wobei er betonte, daß erfreulicher Weise der Evangelische Bund da» Banner der Eirheit in der evangelischen Christen­heit aufgepflanzt habe. Der vorstehende Bericht, sagt die ,Köl. Vztg.', dessen Verfasser den Bestreb­ungen des Bundes sehr wohlwollend gegenüber- steht, läßt bereits erkennen, daß die Verhandlungen ganz im alten und erwarteten Geiste verlaufen. Zuerst die feierliche Verwahrung gegen den Vor­wurf, daß der Bund „die katholische Kirche in gehässiger Weise anfallen" wolle, und im gleichen Äthern die Beschimpfung, die Anklage auf Aerger­niß und neues Heidenthum. Wenn die Herren doch wenigsten» die Verwahrung sich ersparen wollten, die fie regelmäßig in derselben Stunde mit fich selbst in Widerspruch fitzen I

• Wie die .Schlesische Ztg.' meldet, hat der Reichskanzler gestattet, fortan ungarische Schweine au« Steinbruch über Dzieditz nach Myrlowitz zur sofortigen Abschlachtung im städti­schen Schlachthause an einem Tage der Woche einzuführen. — Die ,Kieler Zeitung' meldet au» zuverlässiger Quelle, daß die Viehausfuhr nach England vorläufig verboten bleibt.

Horn erklingen, aber die Angst, daß fie Dich fin­den würden, hat mich bald umgebracht. Ach Kilian, fie suchen Dich überall und t der Onkel hat gestern nur so getobt vor Zorn, weil er Dich nicht festgepackt. Du seist ein gefährlicher Spion, der die Festung verrathen wolle —" Die Stimme erstarb beinay im Schluchzen. „Ach Kilian, ich will zum Fürsten gehen und fußfällig für Dich bitten. —"

„Aber Herzensschatz, wie kannst Du Dir nur solchen Unfinn vorschwatzen lassen", lachte seine frische Stimme ganz übermüthig in ihr Wehklagen. „Mich scheert keine Festung der Welt, da» will ich dem Fürsten selber sagen, und daß ich nur Deinetwegen hergekommen bin. Schätzer!, so weine doch nicht. Donnerwetter, wenn nur die verwünschte Thür aufging; nun find wir uns so ncch, und ich kann Dir doch keinen Kuß geben! Ich muß Lärm machen, damit man mir aufmacht."

„Ach Liebster, Einziger, ich bitte Dich, verrath' Dich nicht selber und bleit’ in Deinem sichern Unterschlupf", flehte Nanderl erschrocken. „Wenn der Hof wieder fort ist, dann laß ich burdj einen Wildwärter, der verschwiegen ist, die Thüre aufbrechen."

„Und da soll ich wohl bi« dahin verhungern,