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jDlgT Bestellungen auf unser Blatt werden noch fortwährend von allen Post­anstalten und Landbriefträgern sowie in unserer Expedition entgegen genommen.

• Die Wohnungsrroth des kleinen Mannes.

In StraßLurg tagte kürzlich eine Versammlung de« Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Einen der wichtigsten Berathungr-G^enstände bildete die Wohnungsfrage, d. h. die Beschaffung möglichst billiger und gesunder Wohnungen. Herr Dr. Miquel sagte darüber u. A.:

Wer die Art der Benutzung von Wohn­räumen in Deutschland kennt, wird stch sagen, daß mit bloßen Vorschriften über die sani­täre Herstellung und bauliche Einrichtung von Wohnräumen noch wenig genützt wird. Die besten Wohnräume können durch die Art der Benutzung gesundheitsschädlich sein. Auf meine Anregung hat der Verein für Sozialpolitik einmal eine Enquete aufstellen lasten über die Wohnungszustände in großen deutschen Städten und dabei hat stch so viel herausgcstellt, daß der regelmäßige Zustand der Zustand der Ueberfüllung von mehr als 50 pCt. fämmtlicher Wohnungen ist, daß der Kubikraum, der den einzelnen Schläfern in den einzelnen Wohnräumen zu Gebote steht, häufig bis zu 3 Kubikmeter heruntergeht, daß in einzel­nen Städten 23 pCt. aller Menschen überhaupt nur einen einzigen Raum haben, um sich mit ihrer Familie darin aufzu­halten, daß in allen Städten eine große Anzahl von Wohnungen ist, die gar keinen heizbaren Raum besitzen und daß diese und ähnliche Zustände dauernder Natur sind. Ich habe mich überzeugt aus den gleichmäßigen Berichten au« allen Län­dern, namentlich aus England, Frankreich, Italien, Oesterreich, daß dieser Zustand einer gewiflen Wohnungsnoth dauernd ist. Wir erleben, daß in gewisse Städten ein Usberfluß an sog. besseren Wohnungen vorhanden ist und gleichzeitig der äußerste Mangel an Wohnungen für *. sog. kleine Leute. Das kommt einfach da- her, weil das Privatkapital, die Bauspekula­tion sich scheut, solche kleine Wohnungen herzu- stellen wegen der Siwierigkeit der .Verwaltung und der Unsicherheit des Eingehens der Miethen. Aber selbst das wäre noch nicht entscheidend, w.il

S Krieg im Frieden.

Ein Genrebild aus der Rococozeit von Jos. Gr.

(4. Forrseyung.)

Doch siehe, alle Nachforschungen blieben vergeb- lich. Und das war kein Wunder, saß doch der, kem sie galten, bereits in sicherem Gewahrsam, in dem er sich selber unfreiwillig festgesetzt hatte.

Al« nämlich Kilian die schwere Thür de« Thurm­gemache« hinter sich zugeworfen, da war der Riegel an dem alten Thürschloß vorgesprungen, und wie n nun — nachdem er genugsam Umschau von oben gehalten — wieder hinab wollte, war die Thür verschlossen und widerstand allen Kcaftan« Mengungen. Nachdem er lange gewaltsam daran ■ gerüttelt und geschüttelt hatte, ergab er sich schließ- fich in sein Schicksal, da» am Ende ja auch gar Nicht so schlimm war, da es ihm wenigsten« ein freie« Nachtquartier gewährte; — am andern Morgen wollte er sich schon bemerkbar machen, da sollte sein Horn erschallen wie die Posaune von sencho, damit sie ihn hörten und au» seinem Ge- f^ngniffe befreiten.

An Unterhaltung fehlte e» ihm indessen nicht, «knn er sie auch nur au« der Vogelperspektive

man in der Regel bei Herstellung solcher Woh­nungen sein Kapital fcstlegt und e» nicht wieder flüssig machen kann, die Bauspekulation aber nicht Häuser zum dauernden Vermiethen, sondern zum Verkaufen baut. Da» liegt in der Natur der Sache; man wird also am wenigsten geneigt sein, diese kleinsten Wohnungen herzustellen. Daher ist es sehr wohl denkbar, daß wir im Uebrigen da» allerbeste Wohnungsverhältniß in den Städten haben, die Wohnungsmiethen zu 1000, 2000, 3000 Mark mäßig erscheinen gegenüger dem, was geliefert wird, daß dagegen der arme Mann ein Drittel bi» ein Viertel seiner gesammten Einnahme zu verwohnen genöthigt ist und dabei doch noch nicht» Rechtes hat.

Der Statistiker Dr. Schwabe hat einen Satz ausgestellt, den Sie in allen Enqueten aller Län­der bestätigt finden, je geringer die Einnahmen, je größer die verhältnißmäßige Ausgabe für Miethe. Wenn der reiche Mann VT seines Einkommen» verwohnt, so verwohnt der arme Mann Vs- Ich habe in Frankfurt einmal in dieser Beziehung eine genaue Enquete aufgestellt, indem ich in Erwägung de» koloffalen Druckes der theueren Wohnungen, unter welchen unsere städtischen Beamten litten, den Plan faßte, Miethswohnungen für diese zu bauen. Ich habe mir gesagt, die Stadt wird eine große Rente bekommen und die Beamten werden viel billiger und gesunder wohnen, und da habe ich nun ermitteln müffen, daß unsere gesammten kleinen Beamten bis zu 2500 Mark Gehalt Vs» V< und sehr wenige etwas weniger als */< ver­wohnten. Wir haben nun angefangen, solche Beamten-Wohnungen zu bauen und ich möchte Ihnen allen dringend an'» Herz legen, das auch einmal zu versuchen. Dir Stadt hat nur 3 Vs pCt. Rente vom Grund und Boden, 4Va pCt. in der neuesten Zeit, 4 pCt. Zinsen, V, pCt. Amortisation. Die Miethen find beveutend billiger und die Wohnungen viel bcffer. Es find aber keine Dienstwohnungen, sondern Miethswohnungen; was hinein will, ist frei, und was hinaus will, ist frei; es geht aber kein Mensch heraus.

Wir sind aber auch in Bezug auf die Vor­schriften über Benutzung der Wohnungen im höchsten Grade vorsichtig gewesen. Wir haben für jede» Kind unter 10 Jahren mindesten» 5 Kubik­meter, für jede ältere Person mindestens 10 Ku­bikmeter Luftraum gefordert. Auf dem letzten Kongreß in Bezug auf da« Wohnungswesen in

genoß. Unten hatte sich die glänzende Hofgesell­schaft fitzt um eine Kegelbahn versammelt, die sich längs einer barock verschnittenen Toxuswand hin­zog. Denn Amand von Buseck betrieb da« Kegel­schieben mit Leidenschaft und seine frohe Laune hob sich mehr und mehr, al« er heute fast alle seine Kavaliere übertraf, und nachdem er geworfen, der aufstellende Lakai jede« Mal „Sieben Gnä­dige!" oder „Acht Gnädige!" ausrief.

Aber der Meisterwurf sollte «och kommen. Wie­der flog die Kugel, geschleudert von der hohen Hand mit kraftvollem Schwung rappelnd in’« Volle, und „Alle gnädige Renne!" ertönte es jubelnd und langgezogen vom Ende der Kegel- bahn her.

Mit liefen Reverenzen beglückwünschten nun die Kavaliere den fürstlichen Sieger, aber die ge­senkten Köpfe hoben sich verwundert, a!« plötzlich eine schmetternde Siegesfavfare geblasen wurde, die au» den Lüften — man wußte nicht woher? — zu kommen schien. —

Doch vergaßen die Herren über ihrem Sporte auch nicht der großen Pokale, welche der Mund­schenk mit köstlichem Naß gefüllt hatte, denn in dieser Beziehung hätte c« am ^Fuldaer Höfchen

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Donnerstag, den 3. Oktober.

1889

filtarr W Jtitiig.

Die .Fuldaer Zeitung, erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blume», in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Paris find 16 Kubikmeter verlangt. Es wird schon, wenn diese Bestimmungen durchgeführt wer­den, eine Reihe jetzt benutzter Schlafräume in Miethshäusern geräumt werden müffen. Wenn Sie einmal eine genaue Aufnahme über die in den Miethiräumen der unteren Klaffen zu Gebote siebenden Suff Quantitäten machen, werden Sie finden, daß schon bei rückstchtsloser Durchführung dieser Bestimmung von 10 Kubikmeter eine große Anzahl von Menschen obdachlos würde. Wo bleiben die Menschen? Wir wollen einen gefitz- lichen Zwang nur gegen den Vermiether üben, nicht gegen den Eigenthümer. Wer seine eigene Wohnung bewohnt, soll hier noch unberührt bleiben. In Frankreich find in dem fitzt vor­liegenden Entwurf eines WohnungSgesitze» dis Bestimmungen auch direkt ausgedehnt auf den Eigenthümer, aber wir haben uns gesagt, bei der Ueberzeugung von dem Recht der souveränen Ent­scheidung auf seinem Grund und Boden den Eigenthümer in seinem eigenen Gelaß selbst zu beschränken, das ist ein Schritt, den wir noch nicht wagen können; dazu muß man die staatliche Unterordnung so gelernt haben, wie da» in Frank­reich und England der Fall ist. Was dagegen den Vermiether betrifft, der ein Gewerbe aus der Benutzung seine» Raume» durch Andere macht, so ist gar nicht abzusehen, warum dieser nicht ebenso behandelt werden kann, al» durch die Poli- zei-Verordnungen, die in Deutschland zahlreich be­stehen, der Vermiether von sog. Schlafstellen und Logirhäusern behandelt wird. Wir haben Be­stimmungen über Echlafherbergen, dis nicht blö­den zu Gebot stehenden Kublkraum, sondern die Trennung der Geschlechter, die Art der Lüftung der Schlafstellen, die Beschaffenheit der Aborte regel«. Diese Vorschriften haben erfahrungsmäßig nicht zu einer Vertheuerung der Schläfer stillen geführt . . .

Allzu ängstlich dürfen wir nicht fein; nur müffen wir weise Maß halten, da» große Ziel fest im Auge. Wir haben noch eine Bestimmung getroffen, die die Einführung wesentlich erleichtert. Wir haben gesagt, die Bestimmung über die Be­nutzung soll erst iu fünf Jahren in Kraft treten, außer daß nach zwei Jahren den Polizeibehörden die Befugniß gegeben ist, bei Wechsel der Wohn­ungen sie schon in Kraft treten zu lassen. Wenn man sich fitztfragt, wonach richtet stch die spe­kulative Herstellung von kleinen Wohn- nicht beff-r bestellt sein können, und selbst die Würzburger mußten hierin die Segel streichen; — so stolz diese auf ihren „Stein" und „Leisten" sein konnten, die Krone blieb doch Fulda: — der edle, edle Johannisberger! In mächtigen Stücksäffirn lag tr in dem Keller dr» Schlöß­chen» aufbewahrt und auch eine andere Sorte von höchster Vortrefflichkeit fand stch daneben: der Salecker, der gleichfall» .in vaterländische» Gewächs war.

Al» er dunkel geworden, zogen sich dis Zecher in'« Schlößchen zurück, au» dem noch lange ihre fröhlichen Stimmen ertönten, und die Fenster Hellen Schein warfen.

Dann verlöschten die Lichter und tiefe Ruhe uwstag den kleinen Bau. Nur in den Wipfeln der hohen Bäume rauschte e» traumhaft, und die Wellen du» mondbeglävzten Teiche« schienen schlummertrunken zu flüstern. Wie verzaubert lag fitzt die ganze Herrlichkeit in feenhafter bläulicher Beleuchtung. Der junge Mann am Thurmfenster aber nahm sei« Horn und ließ die schönsten Melodien darüber hinziehen: ein Gruß seinem Lieb! —