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Mittwoch, den 2. Oktober.

M 226.

1889

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Deutsches Reich.

Berlin, 1. Oktober.

* Durch Kaiserliche Verordnung vom 30. Sep­tember wird der Reichstag auf den 22.0kto < ber einberufen. Die Einberufung läßt erken­nen, daß die Regierung die Absicht hat, die Haupt­arbeit der Session vor Weihnachten zu erledigen. Der Etat wird nach dem gegenwärtigen Stand seiner Berathung im Bundesrathe am 22. Oktober fertig vorliegen und wahrscheinlich wird auch bald nach der Eröffnung außer den üblichen Rechnungs- Vorlagen dem Reichstage die Verlängerung des Sozialistengesetze« zugehen. Mit immer größerer Bestimmtheit verlautet, daß die Regierung einfach die Verlängerung de« unveränderten Ge­setze» auf unbestimmte Zeit verlangen £unb keinen abgeänderten, am allerwenigsten einen gemilderten Entwurf einbringen werde.

* Die Aussichten des Herrn Miquel Finanz« Minister zu werden, wachsen. Herr Mquel, einer der nationalliberalen Hinterfrontmarschälle, hatte nämlich auf dem Frankfurter Schriftstellertage in seiner Begrüßungsrede über die einzelnen Parteien, die eigene nattonalliberale nicht ausgenommen, ein sehr absprechendc« Urtheil gefällt und sich als richtiger Gouvernementaler aufgespielt. Solche Män­ner kann der Kanzler brauchen.

* In Athen wird der Kaiser 5 Tage ver­wetten, sein Aufenthalt an anderen griechischen Olten — u. a. Mykenae und Olympia — wird 4 Tage währen. Am 31. Oktober reist da» Kaiserpaar von Athen nach Konstantinopel ab, wo e« am 2. November eintreffen wird. Der Aufenthalt dort dauert 8 Tage.

* Der Landeretsenbahnrath tritt am 11. Oktober zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen Ausnahme-Tarife u. A. für schlesische Stein- und sächfiich-thüringische Braun­kohlen tot Verkehr mit deutschen Seehäfen.

* Die Gesandtschaft de» Sultan« von San­sibar begibt sich von Berlin nach London, um der Königin von England ein Schreiben de« Sultan« zu überreichen. In Berlin find der Ge­

sandtschaft werthvolle Geschenke de« Kaisers zu Theil geworden. Jeder Gesandte erhält ein Gewehr und eine goldene Uhr mit Kette.' Die Uhr zeigt auf der inneren Kapsel das Bild des Kaisers und die Widmung, außen das Monogramm in Bril­lanten. Auch der Sekretär sowie der Dolmetscher wurden beschenkt. Der deutsche Generalkonsul in Sanfibar, Michahellcs, erhielt den Rothen Adler­orden.

• Durch ein Dekret der deutschen und englischen Admirale und des Kommandanten des italienischen Kriegsschiffes „Stoffetta" in Sansibar ist die unter dem 29. November v. I. erklärte Blockade der Küste des ostafiikanifchen Festlandes zwischen 2° 10' und 10° 28' s. Br. außer Kraft gesetzt. Ein weiteres Dekret des Chef» de» deutschen Kceuzergeschwader» bestimmt, daß jede Einfuhr von Waffen und Kriegsmaterial an der unter deutscher Verwaltung stehenden ostafrikanischen Küste verboten ist.

* Zwischen der Feste Friedrichsort und der Mündung de» Nordostseekanals bei Holtenau am Westufer des Kieler Hafens sollen ausgedehnte Quai- und Hafenanlagen für Marinezwecke und außerdem bei Friedrichsort ein Vorderhafen angelegt werden.

* Am 1. Oktober find die Sekundärbahnen Königsberg-Labiau, die Unstrutbahn (Naum­burg-Artern) und die Orlabahn (Orlamünde- Pöffnet, Seitenlinie der Saalbahn) dem öffent­lichen Verkehr übergeben worden.

* Breslau, 30. Sept. Der ^Chefredakteur der katholischen .Schlestschen Polkrzeitung, Dr. Garthaus, ist aus der Redaktion geschieden und übernimmt vom 1. Oktober c. ab wieder die Leit­ung der Centrumskorrespondenz in Berlin, in welcher Stellung er beretts früher thätig war.

Ausland.

* Die sinkenden Quaiarbeiter in Rotterdam wählten am Montag Delegtrte, welche mit dem Comilö der Schiffreigenthümer verhandeln sollen. Ferner beschloffen die Stickenden, von ihren For­derungen nicht abzugehen und den Bedürftigen unter ihnen unentgeltliche Nahrung zukommen zu laffen.

• Im südlichen Belgien ist abermals ein Bergarbetterstriks ausgebrochen. 2500 Bergleute haben die Arbeit eingestellt.

s Krieg im Friede«.

Ein Genrebild aus der Rococozeit von Jos. Gr.

(3. Fortsetzung.)

Voll Sehnsucht. war er abermals dem vom Wipfelgrün überrauschten Hause nahe gekommen, aber — o weh l — da erschien auch schon wieder der alte Cerberus auf der Bildfläche. Um stch seinen Blicken zu entziehen, schritt Krlian, geschützt vom Dickicht des Unterholzes, rasch aus der schon früher betretenen breiten Straße fort, die nach einer kleinen Wendung direkt in den runden Bogen eine» überthürmten Thore« einführte.

Von dem nahen Thurme mußte man gewiß unbeschränkten Ausguck nachdem nahen Jägerhause halten können, deswegen stürmte er die enge, dunkle Wendeltreppe hinan und stieß oben eine Thür auf, die klirrend hinter ihm in'» Schloß Mückfiel. -

Er schaute sich um in dem kleinen Gemach; e» war mit allerlei Gerümpel angefüllt und oben in der Mauer befand sich eine Fensterluke, durch die der Tagesschein auf die nackten — mit Spinnweben bedeckten Wände fiel. Behend schwang er sich zu dem breiten Simse auf; da« Jägerbau« war hier nicht sichtbar, aber statt deffen eröffnete sich eine mär­

chenschöne Szenerie: Auf einer duftigen Wiese ruhte im Glanze der Nachmittagssonne ein behagliche», weiße» Schlößchen und ein kleiner See blinkte da­vor, auf dem ein Schwanenpaar majestätisch stille Kreise zog.

In tiefer, süßer Traumerruhe lag da» Bild in seinem grünen Rahmen. Aber mit einem Male wurde ein seltsame» Leben wach. Au« dem gegen­überliegenden Thore — an da« sich, wie am dies» seifigen hohe, sieile Laubwände gleich Couliffen anschloffen — sprengte plötzlich eine glänzende Kavalkade: ein Häuflein kriegerischer Gestalten in prächtigen Husaren-Unisormen, die in stolzer Hal­tung auf wohlgkpflegtm Pferden saßen. Ihnen folgte ein sechsspänniger, reich vergoldeter Gala­wagen, dem dann noch eine stattliche Reihe an­derer Wagen überden gepflastertenThorweg nach­raffelte.

Vor dem Schlößchen machte der Zug Halt. Die in Gold und Sammet starrenden Kavaliere stiegen aus und verschwanden Einer nach dem Anderen hinter dem wappengeschmückten Portale, während die Husaren ihre Thiere in einem gegenüberliegen­den Stallgebäude unterbrachten.

Doch war die frühere Tcaumversunkenheit nun verflogen. Lakaien und Heiducken in farbenbunten

* Das offizielle Rußland war bei der Preis- vertheilung der Pariser Ausstellung nicht ver­treten. Während fich zahlreiche Sekretäre und Attaches der anderen Botschaften in der Tribuns de» Präsidenten der Republik eingefunden hatten, war nicht ein einziges Mitglied der russischen Bot­schaft anwesend.

* Der Ingenieur Eiffel hat wie au» Pari« geschrieben wird, einen neuen Erfolg zu ver­zeichnen. Die Probe mit der von ihm erfundenen Wurfbrücke ist glänzend ausgefallen. Der Kriegsminister de Freyciuet, viele höhere Offiziere und Eisenbahnbeamte, auch mehrere österreichische, englische, spanische, und portugiefische Fachmänner waren bei der Probe anwesend. Die Brücke ist bestimmt, durch irgend welche Ursachen zerstörte Eisenbahnbrücken schnell zu ersetzen. Sie trägt ein Bahngeleise, ist ganz au» Stahl und wiegt bei einer Länge von 45 Meter im Ganzen 86 Tonnen. Die Brücke besteht au» dünnen Stäben, welche über Kreuz vorgesetzt werden, ähnlich den gewöhnlichen eisernen Brücken. Aber sie kann, ohne jegliche Hülfe von Maschienen und Vorkeh­rungen, einfach durch Menschenhände, von einem der Entpunkte aus, aufgeschlagen werden. Die Probe dauerte zwei Stunden, da nur ein Theil der Brücke aufgeschlagen wurde. Um eine Oeff- nung von 48 Meter ohne Stützen zu überbrücken, find sechszig Stunden Arbeit erforderlich.

* Die italienischen Eisenbahnen er­freuen stch in Bezug auf ihre Sicherheit keine» guten Rufe». In der Nacht zum Montag find im Tunnel bei Ariano 2 Personenzüge zusammen­gestoßen, wobei eine große Anzahl von Menschen getödtet bezw. schwer verletzt wurden. Die Zahl der Todten wird aus 30 beziffert. Die Katastrophe war um so entsetzlicher, al» fie fich in vollstän­diger Finsterniß zutrug und die Ueberlebenben über Leichen zwischen Vieh, welche» beibe Züge geführt hatten, unb Wagentrümmer nach dem Ausgange tappen mußten. Da» Unglück entstand dadurch, bäß ber von Neapel kommenbe Zug ben von Foggia erwartenden Zug auf dem Bahnhofe, wo die Kreuzung beider Züge erfolgen sollte, nicht vorfand, die Fahrt fortfetzte, indem der Führer hoffte, noch genügend Zeit zu Halen, mit dem entgegenkommenden Zuge auf dem nächsten Bahn­hof zu kreuzen.

* Rom, 30. Sept. Die Männer der Loge

Livreen rannten hin und her, und der abgeschie­dene Ort wurde von einer kleinen Hofwelt belebt, auf die Kilian mit weitgeöffaeten Augen herab- staunte.

III.

E» war der Lieblingsaufenthalt der Fuldaer Fürsten des vorigen Jahrhunderts das kleine Schlößchen, das da wie ein Juwel, reizend ver­steckt in grüner Waldeshut, unterhalb de» Jagd- schlöffe« Bieberstein lag.

AI» der Fürstabt KonstanPn von Butt­lar den von Adalbert von Schleifras be­gonnenen imposanten Viereckbau auf dem Berge vollendete, da hatte er zugleich da» wett ausge­dehnte Waldgebiet darunter, in da» er ein aller­liebste« Bauwerk gestellt, mit einem Plankenzaune umfriedigt, um zahlreiches Evelwild dort zu hegen.

Sein Nachfolger Adolf von Dalberg um­gab den fdönen W.ldpark dann mit einer Mauer und um diese auf billige Weise aufzuführen, hatte er die Gepflogenheit, jeglichem Bittsteller, der fich in immer welcher Angelegenheft an ihn wandte, nur dann willfährig zu sein, wenn derselbe — ein, Stück Parkmauer errichtet hatte.

Auch Amand von Bufeck, wenn er zur Sommer­zeit einmal der schwülen Refioenzluft entrinnen