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Die „Pfaffen"

Kleidung au« den Büschen hervortrat, bi» letzterer mit rauher Stimme fragte:

„Was will Er hier und wie ist Er hier her- ein'gekömmen?" . ,r, .

„Ueber die Mauer", sagte Kilian lakonisch, in­dem er grüßend sein dreieckiges Hütlein zog.

Was? Ueber die Mauer?" wiederholte der Andere grimmig. .Wie kann Er sich unterstehen, hier einzudringen, wo Er gar nicht hingehön < Hier ist der Thiergarten!"

„Verzeihen Sie, da« wußte ich nicht; ich hatte mich verirrt. Aber ist vielleicht hier in der Nähe ein Jägerhaus?" „ _ ...

Da« höfliche „Sie" hatte den Grünrock milder gestimmt. „War soll'« denn mit dem Jägerhaus? fragte er weniger barsch.

Nun, ich dachte, ich könnte dort ein bischen rasten und vielleicht auch einen Imbiß stnden, wenn ich einige Stückchen auf meinem Walohorn vortragen würde." , , ,, ..

„War, ist Er verrückt?" fchnaMe aber jetzt der Andere im Hellen Zorn. „Geh' Er nach Klein- fassen! dort führt der Weg hinaus; bei uns ist kein Wirthrhaus." Und er zeigte gebieterisch nach einem Gitterthore, da« zum Wildpark hinau« auf einen Fahrweg führte.

schweigen wir; er find „Pfaffen". Aber „Pfaffen" waren auch jene 1900 Ordenmänner und Orden»- flauen, welche im deutschfranzöfischen Kriege 21 000 Verwundete und Kranke pflegten; jene ordensgeschmückten Priester und Nonnen, welche im Gefolge des Kaisers Wilhelm am 16. Juni 1871 ihren Siegereinzug in Berlin hielten. „Pfaf­fen" find die demüthigen Krankenfchwestern in Paris, denen 70 Aerzte der dortigen Spitäler das Z-ugniß au,stellten: „Unsere Erfahrungen, welche wir in den Spitälern gemacht haben, er­lauben nn», zu versichern, daß die Anwesenheit der Ordenspersonen in den Krankensälen und die Ausübung ihrer Pflege niemals zu irgend einer ernsthafter Unzuträglichkeit geführt hat. Wir haben in ihnen stets eifrige und dtsziplinirte Mitarbei­terinnen einer unbestreitbaren Rechtschaffenheit; fit haben in vielen Lagen den Beweis einer bewun­derungswürdigen Hingebung geliefert. „Pfaffen find die stillen Kapuziner, welche dis letzte Ruhe- stätte unseres erlauchten Kaiserhauses in Obhut haben , . - Und du fragst, warum denn eigent­lich auf die „Pfaffen" geschimpft wird? Frage nicht! Als der Herr am Kreuz« hmg, betete er j für seine Mörder: „Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was fie thun." (Mähr.-schl.-Vlkz.)

Anstalten rühren größtentheilr von Geistlichen her. „Ich habe Flurbücher (Grundbücher) gesehen, fügt Tocqueville bei, „au« dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, die musterhaft find, in Betreff der Methode, der Klarheit, der Genauig­keit und de« Verständniffe«. Sie werden stet- dunkler, unvollständiger, verworrener, je neuer fie find, trotz dc» allgemeinen Fortschritts und der Aufklärung. „Die Bencdictiner", recapttulirt des­halb mit Recht der protestanttsche Staatsminister Guizot, „haben Europa urbar gemacht" . Und die

Pfaffen" der Gegenwart? Von den Miffionaren, welche christliche Religion und Cultur nach Chartum brachten; von den Jesuiten, die civilistrend den Zambefi hinaufziehen; von den Trappisten, die in Natal Koffern zu Menschen machen; von den Benedictinern, die um der centralaftikanischen Sclaven willen in Pugu ihr Leben ließen; von Cardinal Lavigerie, den Bischöfen Rudigier und

Klerikaler Druck, Pfaffenherrschaft, Verdummung des Volkes, ultramontane Rsaction, das find mehr und mehr abgedroschene Phrasen geworden, für Mich- da« Boi! ,u g-MN *?■ ab und zu ein liberaler Gimpel auf die „Pfaffen schimpft, so bezeugt er damit nur, daß er dümmer ist, als im gewöhnlichen Verkehr mit Menschen für zulässig gilt. Wer waren denn die ureigentlichen Culturträger in Europa, wenn nicht die „Pfoffen? Wer hat denn die Schulen von jeher errichtet, unterhalten und geleitet, wenn nicht die „Pfaffen ? Wer hat Jahrhunderte hindurch die Spitäler und Asyle sür alle Arten körperlicher und sittlicher Gebrechen erbaut? Die „Pfaffen". Wer hat im Mittelalter die Sclaven mit Aufopferung oer eigenen Freiheit erlöst? Die „Pfaffen". Wer ist

Muth, für seine Ueberzeugung in den Kerker zu finb "$faffen ' ä6er n

wandern und um seines Gewissen« willen da« Brod der Verbannung zu essen? „Pfaffen'. Wir verzichten darauf, die hunderttausend und aber- hunderttausend Gulden zu zählen, welche die „tobte Hand" zu öffentlichen Zwecken der Wiffenschast, Kunst und Nächstenliebe spendet. Betritt die stillen Räume, wo Barmherzige Schwestern arme hilf»-« bedürfttge Kinder pflegen, Wunden des Körpers und der Seele heilen, Sterbenden mild den Todes- schweiß von der Stirne trocknen. Es find „Pfaffen . Frage nicht, wer im Gewühl der großen Städte tausende Unglückliche, die Unschuld, Ehre, Ge­sundheit verloren haben, welche die Welt weg- wirft, well fie sich selbst verworfen haben, frage nicht, wer sich ihrer dienend und liebend annehme. Er find die Schwestern vom guten Hirten, „Pfaffen". „Pfaffen" waren er, die als Ordenssöhne des hl. Benedict drei Achtel aller Städte in Deutsch­land und Frankreich gegründet, welche die Ur­wälder gelichtet, die Flüsse geleitet, die Sümpfe ausgetrocknet, dis unfruchtbarste« Gegenden in üppige Gefilde umgewandelt haben. „Aller durch­gebildete Ackerbau", sagt der berühmte National- Oekonom Roscher, „ist von den Klöstern aurge- gangen; wie fie Pflanzschulen geistlicher Bekehrung waren, so auch landwirthschastlicher Kultur. In Norwegen wurde aller Obstbau von den Klöstern eingeführt. Die lombardischen Bewässerung»-

s Krieg im Friede«.

Ein Genrebild ou8 der Rococozeit von Jos. Gr.

(2. Fortsetzung.)

Doch Kilian vergaß das Nanderl nicht; al» die Sommerferien anbrachen, da machte er fich auf, um sein Lieb in der Rhön aufzusuchen.

Da» Waldhorn mit fich führend und ein grünes Reis am Hute, so war er auf gut Glück hinein­gewandert in die oft ganz unwegsame Bergwild- niß, über weite, kahle Hochflächen und waldbe- krönte Höhen, durch stille Dörfer und einsame Schluchten. Aber schon wochenlang hatte er diese Gebirgswelt durchstöbert, ohne eine Spur von der Gesuchten zu entdecken. Da war er endlich heute in eine bergumschlossene Waldeinsamkeit gerathen, wo er zwischen hohen, dichtstehenden Buchen jeden Pfad verloren hatte. Mit einem Male sah er durch die alten Stämme eine Mauer schimmern, mit keckem Wagen kletterte er hinüber und wurde am jenseitigen Boden von einem lieblichen Anblicke gefeffett: ein Rudel der stolzesten Damhirsche graste am Saume einer Lichtung innerhalb des um« schlossenen Bezirke«.

Ganz vertieft in dieser Bild, hatte er nicht wahrgenommen, wie ein ältlicher Mann in grüner

Deutsches Reich.

Berlin, 30. September.

• Bezüglich der nächsten Reichstags-Ses­sion scheint man an gewisser Stelle in Verlegen­heit zu sein. Noch steht weder fest, wann die Tagung beginnen, wann fie endigen, noch wa« ihr zur Berathung anzuvertrauen wäre. Diese Unentschiedenheit hat wahrscheinlich ihre» Grund in der Ungewißheit darüber, wann der beste Ter­min für die nächsten Reichstagswahlen ist und welche» Schlagwort man zur nächsten Wahl­parole machen könnte. Nur so ist e» zu erklären wenn in einer offiziösen Kundgebung, die von be- thelligte« amtlichen Kreisen ausgehen soll, die Ansicht ausgesprochen wird, daß die Session be­reits vor Weihnachten geschlossen werden könnte. Jndeß halten er die meisten Blätter für aurge- schlossen, daß die Reichrtagrsession vor Wech« nachten geschlossen werden könne und legen den vorerwähnten, scheinbar offiziösen Andeutungen keinen Werth bei.

• Au« Mpwapwa eingeiroffene Briefe bestätigen, daß Buschiri vor zwei Monaten einen deutsch«» Missionar getödtet hat, und melden, daß derselbe sodann einen englischen Missionar gefangen zu nehmen versuchte. Dieser entdeckte jedoch den An­schlag und entkam nach Uyoqo. Die Beendigung der Blockade an der ostafrikanischen Küste ist noch nicht angekündigt. Der deutsche Aviso „Pfeil

। tritt am Dienstag die Rückreise von Sansibar nach Europa an. ., . . _

• Die .Kreuzzeitung' hatte behauptet, der Ver­leger der .Franks. Ztg.' Sonnemann habe eine blödsinnige Frauensperson in wucherischer Weife um ihr Vermögen gebracht. Der Chefredakteur der .Kreuzztg.' Frhr. v. Hammerstein, wurde W halb heute zu 1000 Mark Geldstrafe brzw. zu 100 Tagen Haft verurtheilt.

I • Mit dem 1.Oktober tritt da» neue Genos» fenschaft»-Gesetz in Kraft.

* Die Hauptversammlung der Anthropo­logischen Gesellschaft in Görlitz ist heute dort eröffnet worden. Professor Virchow sprach über anthropologische Wissenschaft.

* Paderborn, 26. Sept. Dienstag Abend begann die Generalversammlung de« Bonifa- tiu,-Sammel-Verein«. Herr Propst Racke hieß mit herzlichen Worten die erschienenen Dele-

Der junge Mann war diesem Wege eine kleine Strecke gefolgt, al» plötzlich, etwa» abseits, hinter den hohen Waldbäumen ein einsames Hau» auf­tauchte. Ein mächtige« Hirschgeweih üb« der grün­angestrichenen Hauslhüre verrieth dem Ueber- raschten, daß e« ein Jägerhaus sei, und erfüllt von freudigster Ahnung, fetzte er fei» Waldhorn an, um die Geliebte, — wenn wirklich hier ,hr Aufenthalt war — mit frohen Klängen herbei zu

war ihr Lieblingilied, da» er zu blasen anhub: „Und die Würzburger Glöckli Haben schöne» Geläut', Und die Würzburger Mädli Sein kreuzbrave Leut'."

Prächttg schallte e» durch die grüne Einsamkeit, und siehe, da erschien auch wirklich jetzt im bunt« I len Fensterrahmen ein liebreizender Mädchenkopf, der erglühend und mit leuchtenden Augen heraus« spähte.

„Nanderl!" jauchzte Kilian, und mit einem Satz stand er unter dem niedrigen Fenster, um ! sein Sieb zu begrüßen, sie aber wachte ihm ein , abwehrende» Zeichen und zog fich blitzschnell wieder > zurück.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich,. Soaa. uni'Feiertage$ ?