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1889

Montag, den 30. September.

JK 234.

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i, und ich

ä Krieg im Frieden.

Ein Genrebild auS der Roeocozeit von Jos. Gr.

weiß, daß ich diese» sür meinen gnädigsten Fürsten und Herrn tfjue," versetzte der kleine Kriegsheld, indem er sich stolz auf die Fußspitzen hob.

.Bravo, mein lieber Lindenau," sagte Amandus

selben freiwillig von dem glorreichen Vorhaben abständen, weil die Sache nicht zu dero hoher Zu- ftiedenheit ausgefallen." —

„Aber dann müßte ich doch motiviren können, warum ich mit einem Male die Lust verloren hätte," warf der Fürst ein.

„Mit Verlaub, wenn Eure hochfürstlichen Gnaden mir gnädigst gestatten wollten, den Bau nur zum Schein ein wenig weiter fortzusühren, dann würde ich noch eine Kastematts anlegen, die bald von felber wieder — etnfallen müßte.

„Ah, ein brillanter Einfall, mein lieber Lin- denau," witzelte der Fürst, sich vergnügt dre Hände .Aber misten Sie auch, daß Sie auf

die Bestrebungen der Sozialdemokratie, aber wir sagen, vom Standpunkte der Gerechtigkeit darf kein Ausnahmegesetz gegen ihre Anhänger existiren. Wer Jene bekämpfen will und muß, der thue es mit geistigen Waffen, und wer Bestrebungen, die ihm nicht paffen, hemmen will, der nehme diesen Bestrebungen die Grundlage, greife aber nicht zum Polizeistocke. Mit Prügeln wird man wohl Jemanden Furcht, aber keine Liebe beibringen, statt sich also mit Ausnahmegesetzen zu beschäftigen, thäte man entschieden bester, Mittel ausfindig zu machen, um die Unzufriedenheit wenigstens im Ganzen und Großen zu beseitigen. Das hat mau bisher trotz allen Warnungen und Ermahnungen Unterlasten und deshalb ist unter dem „Segen" der Ausnahmegesetze die sozialdemokratische Partei so mächtig emporgediehen. Während im Jahre 1878 nur 56,000 Stimmen für sozialdemokratische Kandidaten abgegeben wurde», die nur zu einem Drittel von wirklichen Sozialdemokraten und zu zwei Dritteln von anderen unzufriedenen Elementen herrührten, stieg die Zahl dieser Stimmen vor 2V2 Jahren schon auf ca. 750,000 und bei den kommenden Reichrtagswahlen dürfte sich die Vor­aussagung Bebels sehr wahrscheinlich erfüllen und die Stimmenzajl eine Million erreichen. Das find Resultate, die unter dem Sozialistengesetz er­zielt wurden, und die gewiß wenig geeignet, die Gesetzgeber mit einem Ruhmerkranze zu schmücken. Dar Ausnahmegesetz hat die offene Agitation der Sc zialdemokraten unmöglich gemacht, das ist aber auch Alles; im Geheimen haben fie allen Maß- Ue Ergebnisse dieser Maulwurst-ArE fieht^'-ve^ der überhaupt sehen will, klar und deutlich vor Augen. Sie werden aber noch großartiger wer­den, wenn man an maßgebender Stelle nicht in andere Bahnen einlenkt, wenn man die soziale Reform nicht schneller vorwärt« treibt, fie ihren Schneckengang nicht aufgeben läßt, und vor Allem, wenn man nicht sorgt, die Schule wrcder r.cht christlich zu gestalten, die Religion den Maste« wiederzugeben und in ihnen zu befestigen. Glau­bens- und somit auch sittenlose Menschen sind zu Allem fähig, ganz besonders aber dann, wenn es ihnen an Existenzmitteln fehlt und die Gegensätze zwischen der rasfinirtesten Genußsucht und der bit­tersten Armuth aus die Spitze getrieben werden, wie dies leider vielfach der Fall ist. Um aber dre immer mehr überhandnehmende, durch dre Aus-

E Weg mit den Ausnahmegesetzen I

Ja der letzten Zeit beschäftigte man sich in der Preffe mit dem seit dem Jahre 1878 bestehenden Sozialistengesetze, und verschiedene „ehr- und tugendsame" Blätter traten für die Veseitigung des Sozialistengesetzes ein, zugleich fordernd, daß zur Bekämpfung der Sozialdemokratie besondere Bestimmungen in das gemeine Recht ausgenommen werden sollten. Gegen solche Forderung und ganz besonder« gegen die Durchsetzung derselben muß der wirklich Vaterlands- und gerechtigkeitsliebende Mann mit aller Entschiedenheit protestiren. Das heutige Strafgesetzbuch enthält gerade genug Paragraphen, um Ausschreitungen jeder Art gebührend richten und mit Strafe belegen zu können. Wir erinnern z. B. nur an Aufreizung»- und Aufruhrpara­graphen, in welchen zum Theil sehr schwere Strafen vorgesehen find, und wir find der An­sicht, daß mit diesen in Verbindung mit zahlreichen anderen Bestimmungen sich recht vieles bewirken läßt, daß also verschärfte Gesetze und besonder« Ausnahmegesetze absolut über flüssig sind. Letztere aber müssen unbedingt beseitigt werden. Wir be­klagen gewiß das trotz aller Maßregeln immer stärkere Fortschreiten der Sozialdemokratie, aber wir müssen un« demungeachtet sagen, daß in einem freien Staate mit garantirter Verfassung keine Ausnahmegesetze existiren dürfe». In ihm muß unter allen Umständen die Gleichberechtigung aller Staatsbürger geachtet und aufrecht erhalten werden. Die Ausnahmegesetze trennen die Bürger eines Staate» in RetqsfteünLk u«u |uö««u...... Reichsfeinde und unterscheiden die Letzteren wieder als schwarze und rothe Reichsfeinde. Wer aber hat da» Recht, Jeden, der nicht die herrschende Staats-, d. h. Regierungsmeinung al« die seintge betrachtet, sür einen Feind de« Vaterlarü»» zu halten und ihn unter bestimmte Gesetze zu stellen? Sin solches Recht steht Niemanden zur Seite und wer es für sich in Anspruch nimmt, der maßt es sich widerrechtlich an. Man kann aus innerster Ueberzeugung ein Gegner der Art und Weife fein, wie die Regierung eines Lande« gehandhabt wird, und doch auch ein wahrer, aufrichtiger Vaterlandsfreund bleiben, und umgekehrt.kann man ein untertäniger, speichelleckender Knecht der Regierung und doch ein Feind feine« Heimath- landes feil. Dies kurz zur Einleitung.

Wir billigen und noch weniger verthrtdigen wir

(1. Fortsetzung.)

„Ach, der herrliche Plan, es wäre ein Jammer," stöhnte Lindenau. , _

Der Fürst durchmaß mit raschen Schritten das Gemach, plötzlich blieb er vor dem Hauptmann stehen und sagte sehr gnädig: Mein lieber Lindenau, wenn auch Ihr Meisterwerk nicht zur vollen Aus- führung kommt, Ihre Verdienste bleiben unge- brtnanter emTau. tK.

schmälert. Sie find und bleiben trotz alledem I sich vergnügt d

der erste Ingenieur im Lande. Aber zeigen Sie denau witzelte der Fürst,8^ sich nun auch in diesem Falle — ingeniös un. • • »... {otnJ)romtitiren würden? roten Sie Un-, wie Wir -ine« Vorwand find«, diese Wesse sich ,

um die weitere Befestigung aufzugeben, ohne daß »ö L9.. . sür meinen gnädigsten unser Ansehen und unsere Würde dabei Einbuße |

61 „Zu Befehl, hochfürstliche Gnaden " stotterte der

„in Kriegssachen bestellte Rath und blickte nach- | und reichte dem Hauptmanns die

denklich zu der mit Stuck-Amoretteu verzierten I g 9« ^^^^schette umwogte Hand, Gipidecke auf. — hft8 m:n cftnen nicht vergessen, und wenn ich

„Ich hab'»", rief er endlich von einem Ge- das wm jgnen nw Festungtkornrnan-

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nahmegefttze geförderte Glaubens- und Sittenlosig­keit zu beseitigen, ihr wenigstens wirksam entgegen» arbeiten zu können, muß die Trägerin des Glau- >ens und der Sitte, die Kirchs, in allen ihren Gliedern frei fein, ungehindert wirken können. Das kann sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht, ihre Thatkraft ist gehemmt, gehemmt durch ein Ausnahmegesetz, das noch viel unbegründeter, viel ungerechter ist, al» das gegen die Sozialdemo­kratie gerichtete. Das Jesuitengesetz heißt die- es Ausnahmegesetz und dieses Gesetz muß eben o fallen, wie dasjenige gegen die Sozialdemo- traten. Die „schwarzen Reichsfeinde" find die wirksamsten Bekämpfer der Glauben«- und Sitten- asigkeit, ihre Geisterwaffen sind scharf und schnei­dig, und wenn wir un« erinnern wollen «n die Zeit, wo in Europa auf Bayonetten gestützte Throne redenklich in'« Wanken gerieten, dann werden wir erkennen, welch' großen Dienst damal« die verfolgten, geschmähten, au« ihrem Vaterlande ver­riebenen „schwarzen Reichsfeinde" der Menschheit lüfteten. Lassen wir sie alle zusammentreten, die „reichstreuen" Liberalen, die Hand auf'« Herz egen und sagen, ob sie je eine solche That, wie die Mitglieder der ausgewiesenen Orden, ausge- i eführt ober auszuführen im Stande find. Wenn

e noch ein Atom von Ehrlichkeit besitzen, bann werben bie Herren, bie mit ihrer privilsgirtsn Vaterlanbsliebs fo gerne bei Wein unb Champag­ner prahlen, zugestehen, daß fie dazu nicht im Stande find. Aber trotzdem wollen sie da« schreiende Unrecht nicht beseitigen, nicht die ebelen Söhne

.hw .fSHmatb halben, in treiben und da, Wohl des Volke» unfergrdoSH jftrfen.’ Eine begründete Anklage vermögen sie gegen keinen Jesuiten, Redemptoristen rc. vorbrin- gen, fie entdecken nichts an ihnen, was fie berech­tigen könnte, dieselben al« .Reichsfeinde" zu brand­marken, aber dennoch klagen fie die Ortzen fort­während an unb verweigern ihren Mitgliedern den Eintritt in da« Vaterlaiü). Unter solchen Umstän- )en ist es dringend geboten, daß Gesetze, die ein derartige» Vorgehen gestatten, beseitigt^ werden. In einem freien Staate darf e» leine ^aria» geben, bie man willkürlich von Han« und Hof vertreibt, in einem freien Staate müssen alle Würger gleichberechtigt sein. Alle unter demselben Gesetze stehen, und deshalb müssen wir Ordern. „Weg mit den Ausnahme - Gesetzen!

strategischen Befähigung doch gerecht werden denn Sie find ein geborener Feldherr, wie der Prinz EugeniuS." .

Mit dieser gnädigen Anerkennung war der Hauptmann auf seinen Posten zurückgekehrt und hatte dort seine Anordnungen getroffen.

Einige Tage später spähte er ans einem Fenster he» massiven Schloßbaues nach einer nahen An­höhe hinüber, wo bie schwachen Anfänge einer ge­schlossenen Schanze sichtbar waren, doch arbeitete augenblicklich nur ein einziger Mann dort

„Bomben und Granaten! Wa» treibt sich da drüben am Kuhlberg für ein verdächtiges Jndi- viduum herum?" rief der Hauptmann plötzlich, und bald darauf knarrte aus seinen Befehl die Zugbrücke nieder und er eilte hinüber.

„Wer war der Kerl, der eben Per war? fragte er scharf den mH großem Pfl-gma g$affenben Hauptmann? Muß wohl so eine Art Musikant gewesen sein, denn er trug o ein Blasding auf dem Buckel , versetzte der Arbeiter, indem er gleichmüthig die Mütze von einem Ohr zum anderen schob.

„Ein Musikant — wo war er her?