1889
Freitag, den 27. September
zur Verfügung stellt, der verzichtet auf eigenen
vorragendsten und besten Vertreter sowohl an dem großen Ausrufe, als auch an den Versammlungen selbst, beredte» Zeugniß ab für die geschlostzne Einigkeit der Katholiken, wenn e» gllt, die höchsten Interessen der Kirche zu wahren.
Sollen wir nun noch einen Rückblick werfen cmf die Verhandlungen der beiden Tage, auf die ge« haltenen Reden, auf die Resolutionen und sonstigen Anregungen? Die Hauptversammlung, die der immensen Zahl der Theilnehmer wegen zweimal mit gleichem Programm abgehalten werden mußte, hatte eine fest umgrenzte Tagesordnung: Die vier großen Reden, von denen eine dis allgemeine kirchenpolitische ßige in Bayern, drei je eine wichtige Einzelfrage, das Plazet, die Schul- frage und die römische Frage behandelten, standen nach jeder Richtung hin aus der vollen Höhe ihrer Aufgabe. Der einem jeden Redner gleichmäßig gespendete reiche und begeisterte Beifall bewies, daß die Auswahl der Redner eine glückliche gewesen war. Die Reden sowohl wie die Resolutionen schloffen sich, mit Ausnahme jener Über die römische Frage, auf da» Engste an die eigentliche Veranlassung de» Katholikentage«, an da« bischöfliche Memorandum und die bezügliche Regierung«- Antwort an. Die begeisterte Zustimmung der 15,000 katholischen Männer zu dem Memorandum und den verschiedenen päpstlichen Kundgebungen wird dem hl. Vater und den Bischöfen gewiß einen Trost und eine freudige Genugthuung bereiten, und wenn der laute Protest gegen die Haltung der königl. Staatsregierung in den wichtigsten Fragen auch keine unmittelbaren Folgen im Politiken Leben nach sich ziehen wird, so find wir doch fest überzeugt, daß diese Kundgebung« von 15,000 Männern, die au» allen Theilen de« weiten Landes herbeigeeilt waren, und hinter denen Hunderttausende von Gleichgesinnten stehen, nicht wirkungslos bleiben. Wir hoffen sogar, daß schon die am nächsten Samstag wieder beginnenden Kammerverhandlungen alsbald deutliche Spuren von den ersten Wirkungen des Katholikentages zeigen werden. Richt ohne Grund ist in den letzten Wochen und Monaten von gewissen Stellen da« Menschenmögliche aufgiboten worden, um den Katholikentag zu Fall zu bringen.
(Schluß folgt.)
Der erste bayerische Katholikentag.
■H- München, 25. September.
Der erste bayerische Katholikentag ist vorüber, und mit ungetrübter Freude, ja mit einem gewissen Hochgefühl schauen wir auf die verflossenen Tage zurück. Der äußere Erfolg hat selbst die kühnste« Erwartungen de« veranstaltenden Komitee- weit hinter sich gelassen. Roch niemals hat das katholische Bayern eine Kundgebung von solchem Umfange, von so gewaltiger Theilnehmerzahl gesehen. Selbst wenn wir uns in der 40jährigen Geschichte der Generalversammlungen der deutschen Katholiken umblicken, entdecken wir keine Versammlung, welche an Zahl der Theilnehmer an den bayerischen Katholikentag vom 23. September 1889 heranreicht. Und die 15,000, welche an diesem Tage in zwei Gruppen den größten Saal der bayerischen Refidenz bis auf den letzten Platz autfüllten, es waren lediglich und ausschließlich - Männer, volljährige, katholische Männer; die Theilnahme von Frauen war absolut ausgeschlossen nicht einmal auf den Gallerien war ein weibliche» Wesen zu entdecken. Diese strenge Beschränkung auf die katholische Männerwelt gab dem Katholikentage ein besonder» ernste» Gepräge, angc- mess n den tiefernsten, wichtigen Fragen, welche zur Verhandlung standen. Rur der großen Umsicht und den praktischen Vorkehrungen der leitenden Männer ist es zu danken, daß trotz diesem kolossalen Andrang siücht die geringste Störung und Unordnung vorkam, und daß auch udem Theilnehmer der Zutritt zu eimr der beiden großen Versammlungen gesichert wurde.
Dieser großartige äußere Erfolg ist um so freudiger zu begrüßen und um so höher und werthvoller anzuschlagen, je größer die Schwierigkeiten waren, welche sich von Anfang an dem Vorhaben entgegenstelltsn. Daß aber diese Hindernisse und Gegenströmungen nicht unbedeutend waren, ja daß sie anfangs fast unüberwindlich schienen, weiß Jeder, welcher der Angelegenheit irgendwie nahe gestanden hat. Kaum war im Münchener Frem- benMatt' in allem Ernste die Parole ^Katholikentag" ausgegeben, da erschien in der ,Allg. Ztg/ die offiziöse Warnung und Drohung, ein Katho- Ittentag werde die Ausführung der von der Regierung den Bischöfen gemachten Konzession« er-
ssen, warum » e» that.' tz Dr. De Jong, ArztinHaag,
vorige» Jahr erschieuenm Broschüre, daß von ihm mit gutem ErfÄgePatienten auf Entfernung behandelt wurde«. Empfänglichen Personen, die einige Zeit unter seiner Bchandlung -gewesen, aber au» dem Haag verzöge« wäre«, befahl er brieflich, zu einer bestimmte« Stunde und für eine bestimmte Zeit den hypnotische« Schlaf einzugehe«. Der Gehorsam war so vollkommen, daß er seinem Befehle genaue Vorschriften hinzufügen mußte, um zu verhüten, daß Patient« auf der Straße oder in der Pferdebahn einschliefen.
Diejenigen, welche sich eingehender mit der Natur de« Hypnotismus besaßt hab«, werde« bemerken, daß wir keineswegs die schreckhaftesten ober wunderbarsten Beispiele zur Besprechung in diesem Artikel ««gewählt haben. Wir unterließ« dar mit Absicht. Doch-auch au« dem Wenigen, das wir mitthM«, echellt zur Genüge, wie schr die höchste Borficht aus diesem Gebiets zur Pflicht
schweren oder gänzlich verhindern. Und dann in der .liberalen Presse' auf der ganzen Linie jenes widerwärtige Haberfeldtreiben gegen den Katholikentag, dessen häßlichste schlimmste Au«- wüchse in den beiden letzten Wochen weit über die bayerischen Grenzpfähle hinan« die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Aber auch Schwierigkeiten anderer Art, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen war, schienen sich von allen Seiten aufzuthürmen, und nur der zähen Ausdauer der Männer, die den Gedanken aufgeworfen hatten, sowie — wir dürfen da« ohne Selbstüberhebung sagen — der festen, entschiedenen und zielbewußt« Verfolgung de« Plane« in der Centrumspresse ist es zu danken, daß da» Unternehmen langsam, aber sicher, Schritt für Schritt der Verwirklichung entgegengeführt wurde. Heute darf mau mit Dankbarkeit gegen Gott und gegen alle, welche mitgeholfen haben, aber auch mit berechtigter Genugthuung auf die schwierige Vorarbeit zurückblicken. Reich, überreich war der Lohn der Arbeit und da» Errungene wird ein kräftiger Sporn für die nothwendige unablässige Arbeit der Zukunft sein.
Wenn wir der vielen Schwierigkeiten gedenken, so wendet sich unser Blick mit ganz besonderer Dankbarkeit nach Rom, zum höchsten Oberhaupte der Kirche. Da» außerordentliche Interesse, die lebhafte Theilnahme, welche der heilige Vater vom ersten Augenblicke an dem Katholikentage geschenkt hat, und welche durch den Brief an den Fürsten zu Löwenstein, durch dar päpstliche Antworttelegramm vom 23. S ptember und vor allem durch da» Ablaßbreve auch äußerlich in die Erscheinung traten, hat der Kundgebung die denkbar solideste Basis und einen unantastbaren Hinter- gründ gegeben. Und daß auch das Mittelglied in der hierarchischen Ordnung, der von der liberalen Passe so eifrig gegen den Katholikentag mißbrauchte Episkopat nicht anders denkt, al» der hl. Vater, konnte man an« de« herzliche«, theilnehmenden und ermunternden Worten ersehen, welche seine Hauptvertreter im Vereine mit dem päpstlichen Nuntius an den Katholikentag gerichtet haben.
Aber noch et« weiterer wichtiger Faktor im katholischen Leben Bay wn«, dm die liberale Presse auch als Sturmbock gegm den Katholikentag vor- führen zu können glaubte — der katholische Adel — legte durch die Theilnahme seiner Her-
Frau V. blie« hierauf auf die Augen des Frl. X-, worauf diese erwachte und ärgerlich sagte.
Ach, Sie haben mich wieder in Schlaf versetzt, das ist nicht hübsch, Sie hab« mich gewiß wieder lächerlich gemacht!" Um sie zu beruhigen, mußte mau ihr da« Geschehme mittheilen, denn sie wußte in der Thai nicht, wa» man sie hatte verricht«
Der Hypnotismus im Lichte der Wissenschaft und Religio«.
(Schluß.)
Biese mentale Suggestion kann stattsindeu, ohne daß der Hypnottfirte selbst etwa« davon weiß oder verspürt. Ein betartiget Fall wird u. A. in der „Revue »edicale" mitgetheilt durch Dr. Eugen Hubert, Professor an der katholisch« Universität zu Löwen. Auf einem Ball traf dieser eine Dame, die sich viel mit Maguetirmu» abgab und welche behauptete, daß sie eine andere junge Dame, ebenfall« in der Gesellschaft anwesend, aber in einem anderen Saale befindlich, die sich mehrmals zu ihren Versuch« hergegeben hatte, vollständig in ihrer Gewalt habe. Professor Hubert bezweifelte da« einigermaßen: Um ihn zu überzeugen, ließ der weibliche Hypnotiseur ben Professor befehlen, wa« die junge Dame, die beide nicht sehen konnte, -«führensollte^. Alle Versuche glückten vollkommen. '
„^ifcb Sie befriedigt?" frug Frau L.
„Ich bin bestürzt, gnädige Frau. Bi« ich boch jetzt überzeugt btroon, daß die junge Dame mtt der gleiche« Uubpwußthett Ihn« Gehorsam geleistet hätte, um ein« Mord zu vollbringen, wie sie et that, um ein« Tanz arnzuführe«."
lassen.
„Die vollständige Beherrschung de« Willen«, mag dieselbe au« der Ferne oder in der Nähe ausgeübt werden, ist die merk würdigste Erscheinung der Hyp- notismu», e« ist aber auch die besorg- nißerregeudste." „
Ein niederländischer Hypnotiseur, Dr. Van Sfan- terghem in AmKrdam, erzählt in der Niederländischen Zeitschrift für Arzneiwissrnschast, daß er einst gegenüber seinem Bruder, b« er Wee mU Hypnotismus behandelt hatte, in ber Eisenbahn saß. Sein Bruder schlief. Nun wollte erjtaen Versuch von Suggestion vornehmen. Er «ächte, ohne baß sein »ruber erwachte, einige Striche, wie er da« früher gewohnt war und gab ihm ein, daß er de« Abmd« »ü einer .bestimmt« Stunde wiEn^warumor' pflnfttldL Mlliü und eigene PerföalichbÄ^für bie Zett, so
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wird und wie in d« Händen von unzuverlässigen, ungeschickt« und verbrecherisch« Pers«« der Hypnotismus zu einer Gefahr nicht nur für ein- zrlne Person«, sondern für die ganze Gesellschaft «erben kann. Wer sich einmal einem Hypnotiseur