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M 219.

Dienstag, den 24. September.

1889

Alimrr W jcitnim.

Erstes Blatt

Die Ceutrumspresse.

(Aus der ,Kölnischen Volks; itung'.)

Der „Niedergang" der CrntrumS-Preffe ist eine so allgemein bekannte und so oft in den kräftigsten Ausdrücken betonte — Behauptung der geg­nerischen Presse, daß er fast lächerlich ist, so etwa« wie einen Beweis zu verlangen, und fast ver­wegen, auch nur ein Wort dagegen zu sagen. Daß die „ultrawontaneu" Blätter geistig vollständig herunter, sittlich verkommen sind und materiell am Rande des Banke;otts stehen, darüber sind die feindlichen Schwestern recht« und links durchaus einig. Mögen ,Köln. Ztg.' und .Kreuzztg.' sich heute bekämpfen, morgen mühen sie mit oertinten Kräften an dem Versuche sich ab, die Cmtrums- presse umzubringen. Ihnen hilft die Confervatioe Korrespondenz, die es nicht verbürgen kann, ob wirklich „Rom große belletristische Zeitungen an­gekauft hat und sie im römischen Sinne redigiren läßt", aber dafür „ganz gewiß w.iß, daß die Centrumspreffe nur noch ein Wrack ist, da« seine Planken mühjam zusammen hält."

Gelegentlich wirfl die .Rheinisch-Westf. Ztg/ der »Köln. Ztg.' „Lächerlichkeit" und „Illoyalität" vor und versichert wohlgefällig, daß ihre „Verbreitung vielfach auf Kosten der .Köln. Zig/ geschehe", die stch dar selbst zuzuschreiden habe (3. Juli). Für solche Artigkeiten wird sie dann von der Kölner Collegin durch Hinweis auf ihrs „oft bewiesene mangelhafte Unterrichtung und Charakterlosigkeit" bestraft (12. August) und sogar — er ist schänd­lich! — al« „schlecht geleitete« national-liberale« Provinzblatt" (13. August) bezeichnet. Wenn aber I da« „schlecht geleitete Provinzblatt" einen seiner Artikel „zur Sage der Centrumspreffe" bringt, so wird da« in Kö n (9. S pt.) schmunzelnd nach­gedruckt, einschließlich der Andeutung, vielleicht sei die .Germania' die nothleidende „große katho­lische Zeitung", welche 5000 Mk. zu leihen suche. Nebenbei bemerkt, hat die .Germania' sofort erklärt, die fragliche Zeitung erscheine gar nicht in Deutsch­land; ob man sich in Esien und Köln bequemt hat, davon Notiz zu nehmen, wiflen wir nicht.

Wir haben schon seit längerer Zeit eine artige Sammlung derartiger frommer Wünsche an-

Der Hypnotismus im Lichte der Wiffenschaft und Religion.

(Fortsetzung.)

Der Hypnotismus ist beinahe so alt wie die Menschheit oder nur sehr wenig jünger. Im hohen Alterthum und sell st bei wenig gebildeten Völkern trifft man Personen, zuweilen ganze Klaffen von Personen, die auf verschiedene Weise stch selbst in din sonderbaren Zustand zu versetze wußten, den man hypnotischen oder magnetischen Schlaf nennt, auch andere Personen, die mit geheimnißvoller Macht begabt erscheinen, andere in diesen Zustand M versetzen und dann die sonderbarsten Ecschei- düngen bet diesen vollständig ihremWillen unterworfenen Individuen hervorzurufen. Der- Michen Personen galten dann vielfach al» Zau­derer und sicher kann viel von demjenigen, war Ulan in früheren Jahrhunderten al» Zauberei be- rrichnete, auf die Erscheinungen be» Hypnotismus iurückgeführt werden. Die Schlußfolgerung zahl- sicher Gelehrten jedoch, daß alle wunderbaren «reigniff-, die uns als Zauberei, Befeffenheit und vergl. au« früheren Jahrhunderten überliefert wur- "en, auf Hypnotismus und damit in Verbindung Äsende krankhafte Zustände zurückgeführt werden Uluffen, ist ganz gewiß ungerechtfertigt. Emige

Dre .Fuldaer Zntung« «schemt. "glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig a

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geistigen und fitluchin Niveau'» anceuten. Wo immer dis Ultramontanen im vertraulich n Kreise Kriegsrath halten, da gestehen sie sich mit miß- muthiger und verzweifelter Offenheit ein, daß die ultramontane Pc.ffe „fertig tst", daß st- am Anfang vom Enve angekommen ist." Am 18. Sept, kam da« Blatt dann zu dem triumphirendm Schluß: „Jene größere ultramontane Preffe, welche vom Hader der Bürger lebt, führt nur noch ein treidhaurartige« Leben und fiistet ihr Dasein kümmerlich von milden Gaben . . . Man leugnet nicht mehr, daß die grö­ßere Ceutrumspresse denKre bs gang geht."

Man sieht, c» tst System in der Sache. Durch immer wiederholte kecke Behauptungen soll dem Publikum der Glaube b-tgedracht werden, die journalistische Beltretung der deutschen Katho­liken und der Centrumspartci pfeife auf dem letzten Loch, werde wenigsten« von dem „gebildeten kaiholiichen Publikum" tgnorirt oder gar verachtet. Er wäre ja auch so schön: wäre die Cmlrums- preffe ein Mal glücklich ruinirt, so wäre der seit beiläufig fünfzehn Jahren so oft angekündigte „Zerfall der Centrumr" nur noch eine Frage d r Zeit.

Wir haben die Leutchen nun lange genug ihr Sprüchlein sagen lassen, heute wollen wir ein Mal ihre Cilkel gründlich stören.

Daß die katholische Preffe, welche zu Beginn der Kulturkampfes — abgesehen von wenigen älteren katholischen Blättern — gleichsam aus dem Boden gestampft wurde, in Bezug auf die rein geschäftliche Seite Lehrjahre durchzumachen hatte, wird Niemandem auffällig erscheinen. Die Verleger der nach 1870 entstandenen katholischen Blätter mußten oft noch Manche« lernen, und ein geeignete« Personal für die Technik der Zeitungs­wesen« mußte erst im Laufe der Z it herangebildet werden. Beide Mängel find inzwischen im Wesent­lichen beseitigt. Da« erhellt schon darau«, daß die Redaktionen und Verleger katholischer Blätter eifrig daran find, fich und das katholische Pub- lckum von der gegnerischen Pcefl; au h auf j nen Gebieten unadhängig zu machen, welche der Libe­ralismus und feine publizistische Vertretung bis vor nicht langer Zett als feine ausschließliche und thalsächlich auch bis dahin nur selten ernst­lich bestrittene Domains zu betrachten gewohnt war.

(Schluß folgt.)

einen neuen und für Viele höchst gefährlichen Zweifel hinzugefü^t hat. Zu gleicher Zeit aber glauben wir auch, daß ein großer Vortyeil damit verbun­den ist, deffen volle Bedeutung erst später in ihrem ganzen Umfange erkannt werden soll: über den Ursprung, über die Erklärung-weise von vielen übernatürlichen und wunderbaren Vor- kommniffen mögen die Gelehrt«, welche den Hyp­notismus annehmen, wohl im Zweifel bleiben, aber das Bestehen und Vorkommen solcher Thatsachen kann nicht länger geleugnet werden. Und dies tst der erste Schritt, um zur Kenntniß der Wahrheit durchzudringen l — Ein Gelehrter der älteren Schule wird den Heilungen von Lour­des, den übernatürlichen Vorkommniffen im Leben der Heiligen, Stigmatistrten und anderer Per­sonen, die auf irgend welche Weise mit der un­sichtbaren Welt in Berührung kamen, brutal wider­sprechen, er wird e« unter feiner Würde al» „wissenschaftlicher Mann" halten, fich damit zu befassen. Ein Arzt aber, der mit den Entdeckun­gen auf dem Gebiete de» Hypnotismus bekannt ist und der auf Gmnd eigener Erfahrung und vertrauenswürdiger Aussagen anderer von der Wichtigkett derartiger Untersuchungen überzeugt wurde, der wird, wenn er die Möglichkeit einiger bet erwähnten Thatsachen zugibt, stch auch

I gelegt, in welcher Die fceioen letztgenannten Blätter besonder» rühmlich vertreten sind. Dabei hat die ,Rhein.-Westf. Ztg/ (7. September) die Güte zu­zugeben, die kleinere (ultramomane) Presse befinde fich wohl, ja „einige der kleinern Blätter schwimmen förmlich im F tt." Dar f-hlt in der ,Kö'n. Ztg.', aber v rständnißinnig wird wieder­holt: „In katholischen, höher stehenren Faimlien bürgert sich mehr und mehr dis Sitte ein, ein größeres liberale« oder ein conservativ.s Blatt, und daneben ein kleines katholische« Locrlb'att zu halten. Den Schaden davon haben die größern Centrumsblätter." Zwei Tage vorher war in derselben .Köln. Ztg.' da« schöne Bild vom „Wrack der Centiumsprefle" nachgez'ichnet.

Wozu der Haß da« Organ des „gebildeten Bürgerthum«" treibt, dafür noch einige P öbche«. „Ultramontane wie nichtultramontane Menschen­kinder find stillschweigend darin üvereingekommen, daß es nicht« O.'dete« und Langweiligere» gebe, als ultrsmontane Zeitungen, ultramontane Bellet- tristik und ultrvmoniane Wissenschaft ... Die Thatsache der geistigen B quemlichkeit, Schwer- fällt, keit und Unbeweglichkeit der ultramontanen Kreise steht fest." (,Köln. Ztg.' vom 7. Mai) „Wir haben noch keinen hervorragenden und höher gebideten Katholiken kennen gelernt, der stch be­friedigt über die Centrumspreffe ausgesprochen hätte." (Ebend. 15. Sept.)

Wohl die beste Leistung batirt vom 13. Sept. Da« gute Blatt möchte Thränen vergießen über diese moralisch, geistig und materiell in so übeler Verfassung befindliche Presse; der Zorn tritt hinter dem Mitleid fast zurück — mit Einem Wort, e« ist rührend. Eingang« verräth uns die ,CöIn. Ztg.' daß Herr Pfarrer Klagges, welcher in Bochum von der katholischen Presse viel Erfreuliche« zu sagen wußte, eigentlich „da« Treiben der ultra- montanen Presse mit steigendem Unmuth betrachtet". Diese Preffe, so verfichert die ,Köln. Ztg.', zeichne stch durch Gefinnungsrohheit, Schmähsucht und Unwahrhasti^keit höchst unvortheilhast au». Dann fährt fie wörtlich fort: „Wie überall in der Men- fchennatur die sittlichen, geistigen und materiellen Fäden auf« innigste sich verschlingen, so ist auch | der unaufhaltsame materielle Nieder­gang der Centrumspreffe von Erscheinungen begleitet, welche eine gleichzeitige Senkung de« gehen sogar so weit, daß sie alle merkwürdigen, in der That wunderbaren oder al» Wunder be­trachteten Heilungen al» durch hypnotische Mittel hervorgerufen erklären. „Der Hypnotismus", sagt Dr. Van Eeden, welcher als einer der ersten diese Methode wissenschaftlich zur Anwendung brachte, „ist die Heilung durch das gesprochene Wort. Man sagt zu den Blinden: „Sehet! Zu den Tauben: Höret! Zu den Lahmen: Stehet auf und wan­delt !" (Dr. Van Eeden. Das physische Heil­verfahren.) Wenn nun auch der genannte Arzt in dieser Schrift und auch bei anderen Gelegen­heiten die Erklärung abgab, daß er keiner religiö­sen Ueberzeugung ober Anschauungsweise zu nahe treten wolle, so begreift sich doch, daß dergleichen Anschauungen ganz von selbst zur größten Ver­wechslung des Natürlichen mit bent Uebernatür» lichen führen müssen, und was die Person des göttlichen Erlöser» und seiner Heiligen betrifft, zu den ärgstsn Profanationen und zu Schlußfolgerun­gen Anlaß geben müssen, die mit der historischen Wahrheit und ben Lehrsätzen unseres heil. Glau­ben» im Widerspruche stehen.

Von diesem Gesichtspunkte an» darf man be­haupten, daß die Lehre über den Hypnotismus, in ihrer gegenwärtige«, wissenschaftlichen Gestalt­ung, zu den zahllosen, bereit» bestehenden Zweifeln