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Kämpfe kosten, aber auch im zweiten Theile des Kulturkampfs werden wir fiegen, wenn wir uns besten würdig machen.

• Die im türkischen Dienststchenden deut­schen Offiziere, Oberstlieutmant z. D. v. Hobe, türkischer DivifionSgeneral, und Major z. D. Rittow, ebenfalls türkischer Divisionär, haben ihren Vertrag mit der türkischen Regierung unter den früheren Bedingungen für weitere 2 Jahre erneuert. Ersterer ist als „Instruktor" der Ka­vallerie, der Letztere für die Artillerie seit einer Reihe von Jahren thüttg. Die mit Oberstlieute- nantD. (türkischer Division-general) von der Goltz gepflogenen bezüglichen Verhandlungen haben bi« zur Stunde zu einem Abschluß noch nicht geführt; es ist indessen wahrscheinlich, daß auch er dem türkischm Dienste erhalten bleiben wird.

-4- München, 20. Sept. Am kommenden Sonntag tritt Hierselbst der bayerische Katholiken­tag zusammen. Die eigentliche Hauptversammlung mit dm offiziellen Reden und Resolutionen wird zwar erst am Montag abgehalten, aber am Sonn­tag Abmd wird bereits in einer Begrüßungsfeier der Grund für dm Zweck und dis Bestrebungen de« Kongresses gelegt werden. Ganz Deutschland blickt voll Erwartung auf das hochbedeutsame politische und kirchmpolttische Ereigniß, welche« soebm in dm Mauern München« vorbereitet wird. Dmn der bayerische Katholikentag ist nicht etwa, wie die schlesische Katholikenversammlung, eine all­jährlich sich wiederholte Sonderveranstaltung der Katholcken Bayern«, sondern eine spontane Kund­gebung au« ganz besonderem Anlaß und zu be­sonderem Zweck. Daß der Plan des bayerischen Katholikentages sich direkt an die ablehnmde Ant­wort des Ministerium« Lutz auf da» bischöfliche Memorandum anschloß, ist bekannt, auch daß der Brief de« hl. Vaters an den Erzbischof von Münchm-Freifing mit seiner schneidigm Verur- theilung der glaubenswidrigm Lutz'schm Kirchen­politik dem Projekte sehr förderlich war und in einigen Kreisen die Abneigung gegen eine so außer­gewöhnliche Veranstaltung zum Schweigen brachte. Fürwahr, die Veranstalter des bayerischen Katho­likentage» haben mit ganz enormen Schwierig, ketten zu kämpsen gehabt, von denen die liberaler- seit« und au« dem Lager der Regierung bereiteten noch lange nicht die schlimmsten waren. Doch hmte ist die fast übermenschliche Arbeit der Sammlung aller widerstrebenden Kräfte vollendet, wenigstens insoweit, als dieses Ziel überhaupt zur Zeit zu erreichen war. Dar Wort des h. Vaters, der in seinem Briefe an den Fürstm von Löwm- stetn erklärte, wie sehr er das Untemehmen billige, und wie erwünscht e« ihm sei, gab dem Comits einen starken Rückhalt und mußte die Bedenken in gutgefinntm Kreisen verstummen machm. Es ist allgemein bekannt, mit welchen Fragen der bayerische Katholikentag sich vornehmlich beschäf­tigen wird. Da« Memorandum der Bischöfe im Anschluß an die denkwürdige Encyklika des Papstes, ferner der schon erwähnte Brief des hl. Vaters an den Erzbischof von München werden im zur festen Richtschnur dienen. Auf sie gestützt werden die Katholiken gegen die Antwort de» Kultur­minister» feierlich protestiren, sie lebhaft bedauern und die Erwartung ausspreche, daß die Regierung endlich den wirklichen Weg des Friedens ein­schlage, und daß die Abgeordneten der katholischen Partei Aller aufbieten, um die Regierung hierzu zu drängen. Der zweite Hauptgegenstand der Ver- Handlungen wird die römische Frage in Verbind­ung mit dem Giordano Bruno-Skandal sein. Möchten die Tage de» 22., 23. und 24. Sept, (am letzten Tage findet die Wallfahrt nach Alt­ötting zur Patrona Bavariae statt) der katholischen Sache in Bayern und damit zugleich in ganz Deutschland von Segen sein und eine neue beffere Zett anbahnen I

Ausland.

* Ueber da» Ergebniß der französischen Wahlen haben einige Pariser Blätter Schätz­ungen angestellt, nach denen dasselbe für die Re­gierung sehr ungünstig wäre. Danach würde nämlich die neue Kammer nur 200 Republikaner und 304 Oppositionelle zählen. Boulanger's Wahl im Bezirk Mon'martre gilt als gesichert.

* Rom, 18. Sept- Der hl. Vater hat an den spanischen Episkopat, al» Antwort auf desien

Protestadresie gegen die Giordano-Brunofeier, ein sehr schmeichelhafte« Schreiben gerichtet, worin er der Hoffnung Ausdruck verleiht, daß in dem Kampfe, welcher sich zwischen den Söhnen des Lichtes und denen der Finsterniß entspannen hat, der Sieg dm Streitern Gotte« zufallm müfls.

• Der span',ische Ministerpräsident Sagasta ist am Donnerstag von einem Manne mit Stock- schlügen traktirt wordm. Als Grund dieser Züchtigung wird angegeben, daß der Wagen der Ministerpräsidenten den Stockschläger beinahe über­fahren hätte.

* Der Ausstand in den Albertdocks zu Bon­bon scheint jetzt definitiv beigelegt zu sein. Die Dvckarbeiter und Lichterschiff-r haben sich am Don­nerstag mdlich geneigt erklärt, mit dm nicht am Strike betheiligt gewesenen Arbeitern zu arbeiten.

• In Quebec, der Hauptstadt von Britisch- N or d amerika, hat sich ein entsetzlicher Vorgang ereignet, der viele Mmschenleben forderte. Von der Duffrrin-Terraffe löste sich eine große Fels- maffe ab und zertrümmerte die 200 Fuß tief unterhalb gelegenen Wohnhäuser. 13 Personen wurden getödtet und etwa 20 verwundet. Die Zahl der noch unter den Trümmern Verschütteten soll gegen 50 betragen.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 21. September.

* Wie schon vor Kurzem erwähnt, wird das bei der jüngstm Bischosskonferenz zu Stande ge- kommens gemeinsame Hirtenschreiben an den hochw. Klerus und die Gläubigen am morgigen Sonntag von der Kanzel verlesen werden. Ab­druck des Hirtenschreiben« wird in unserem Blatte alsbald nach Verlesung deffelben erfolgen. Die hochw. Oberhirten beklagen darin die heftigen Angriffe, welche gerade feit der Anbahnung des Friedens auf kirchenpolitischem Gebiet gewiffe Kreise gegen die katholische Kirche richten, und wenden sich gegen die Entstellungen der katholischen Lehre u. a. über Rechtfertigung, Meßopfer, Beichte, Ablaß und Heiligenvrrehrung.

-4- Die Sammlung von Gaben zur würdigen Ausschmückung der Grabe«- kirche des hl. Bonifatius legt Vielen die Fragen nah, wem dieselbe denn eigentliche gehöre und wer die Baulast trage. Die Domkirche gehört nicht dem Staats, sondern der Kirche — dem Bischof und dem Domkapitel. Deßhalb ist auch im Grundbuche „die Fuldaische Kirche" al» Eigen« thümerin eingetragen. Die Baulast trägt der Staat. Dieser hat sie in ihrem Bestände zu er­halten und müßte sie, wenn sie durch Brand oder ein andere« Ereigniß zerstört würde, wieder neu Herstellen. Aber der Staat stellt — ob ganz mit Recht, ist hier nicht zu untersuchen — den Grund­satz auf, er habe sie nur in ihrem bisherigen Stands zu erhalten, und hält sich nicht gerade­zu für verpflichtet, dis Kosten einer Ausschmückung zu übernehmen, welche die Kirche selbst ein Jahr­hundert lang zu besorgen unterlaßen hatte. Wegen der historischen Bedeutung der Domkirche wird wohl auch der Staat dies Vorhaben unterstützen, wie er es bisher schon gethan hat, aber die Sammlung von Liebesgaben ist nicht zu umgehen. Ist die Ausschmückung der Grabeskirche des hl. Bonifatius das Werk der Dankbarkeit der Katho­liken Deutschlands gegen ihren Apostel, dann ge­reicht sie so recht zum Lobe Gottes und Seine« treuen Diener«, wie zur Ehre der Gegenwart.

* Laut Mlttheilung de« ,preuß. Staattanz.' ist der bisherige kommiffarischs Verwalter der Kreis- Wundarztstelle des Kreise» Fulda, Dr. med. Ätnb zu Fulda definitiv zum Kreis-Wundarzt de» ge­dachten Kreises ernannt worden.

•i Den verehrten Lesern der ,Fuldaer Zeitung' dürste eine in Nr. 157 vom 12. Juli d. I. ver­öffentlichte Korrespondenz au» beutJtreife®er«» feld noch erinnerlich sein, worin mttgetheilt war, daß unter ben Vorstehern eine an bie königl. Re­gierung in Cassel zu richtenbe Petition um Be- laffung be» Landraths Krekel er in seiner da­maligen Stellung cirkulire, und baß biefelbe bem Vernehmen nach ihren Ausgang von dem Vorsteher zu Tann genommen habe. Der Umstand, daß letzterer Zuckerbäcker ist, hatte unseren Herrn Kor­respondenten veranlaßt, sich bei MUthsttung dieser

Thatsache einer scherzhaften Redewendung zu be­dienen. In dieser Redewendung, sowie int letzten Satz; des betr-ff. Artikels, worin nach Erwähnung jener Petition folgerichtig auch deren Zweck und Inhalt nach Maßgabe der al« bekannt vorausge­setzten gerichtlichen Verhandlungen vom 31. Mai und 7. Juni d. I. eine kurze Würdigung erfah­ren hatte, erblickte die königl. Regierung zu Caffel Beleidigung des Vorstehers von Tann, sowie des damaligen Landraths Krekeler von Gersfeld und stellte deßhalb Strafantrag bei der königl. Staats­anwaltschaft zu Hanau gegen den Redakteur diese« Blattes. Die Sache wurde in der gestrigen Strafkammersitzung Hierselbst zum Austrag gebracht und endigte bezüglich der „Beleivigung des Vorsteher« von Tann" mit Freisprechung und bezüglich der „Beleidigung Krekeler" mit Ver- urtheilung zu einer Geldstrafe von 100Mark. Wegen Beleidigung in zwei Fällen hatte decH-rr Staatsanwalt eine Gefammtstrafs von 200 Mark beantragt. Gegen da« auf 100 Mk. Geldstrafe lautende Urtheil der Strafkammer wird Revi­sion eingelegt werden und erhoffen wir, Verwer­fung deffelben zu erzielen. Der Gerichtshof be­stand aus ben Herren Amtsgerichtsräthen Mackel- dey (Vorsitzender), Hofmann, Theis und den Her­ren Amtsrichtern Groß von Großenlüder und Keller von Neuhof. Das Sitzungsprotokoll führte Herr Gerichtsfekrelär Stock. Die Sache der Regierung ver­trat Hr. Staatsanw. Schumann aus Hanau; bie Ver- theidigung führte wieberum in bewährter, trefflicher Weise Herr Justizrath O s i u s au» Hanau. Der von bem Henn Vertheidiger gestellte unb in mehr­facher Richtung begründete Beweisantrag wurde vom Gerichtshof als unzulässig abgelehnt, obgleich der Herr Staatsanwalt denselben theil- weise befürwortet hatte; dagegen ließ sich der Gerichtshof bei Ausmessung der Strafe von der Ueberzeugung bestimmen, daß der angeklazte Re­dakteur diejenigen Thatfachen, auf welche er feine „beleidigende" Schlußbemerkung gründete, selbst für wahr gehalten habe Die Motivirung be« Urtheil» fußt auf der Meinung, daß die Preffe, gleichviel welche Thatfachen dabei zu Grunde lägen, nicht befugt fei, abfällige Urtheile über bie Wirksamkeit eine» Beamten au» eigener Initiative auszusprechen. Die Entscheidung der Frage, ob diese Anschauung in vorliegendem Falle unter den hier speziell obwaltenden Umständen zu Recht bestehen kann, müssen wir selbstverständlich der höheren Gerichtsinstanz überlassen. Wenn wir unseren verehrten Lesern nicht schon früher von dieser Straf- fa* *e Kenntniß gaben, so geschah dies einerseits deß- halb, weil wir gehofft hatten, die Kgl. Regierung würde in Anbetracht weiterer Interpretation und Begründung des incriminitten Artikels die Klage zurücknehmen, andererseits aber auch deshalb, weil wir in diesem unerquicklichen Betreff unsere Leser nicht weiter behelligen wollten, wie wir auch selbst nur mehr mit Widerwillen und Ueberdmß in dieser Angelegenheit zur Feder greifen. Der ehemalige Herr Landrath Krekeler von Gersfeld bietet in Folge feiner Versetzung nach Westpreußen für un» keinerlei besonderes Interesse mehr, und somit haben langjährige Kämpfe einen versöhn­lichen Abschluß gesunden, dessen wir un» alle ein­schließlich des Herrn Regierungsraths Theodor Krekeler in Marienwerder von ganzem Herzen sreuen wollen.

* Die kgl. Regierung zu Kassel veröffentlicht ein«Verzeichniß der bei den Amtsgerichten hinterlegten G.ldmassen, bezüglich welcher im Laufe des 4. Quartals die Einstellung der Verzinsung bevorsteht. Gesuche um Fortsetzung der Ver­zinsung unter dem Nachweis der Fortdauer der Veranlassung zur Hinterlegung find an dieHinter- legunarstelle in Kassel zu richten.

* Im Anschlüsse an die Mlttheilung, daß alle diejenigen Ersatzreservisten, welche im Jahre 1884 der Ecsatzreserve überwiesen worden sind und keine Hebung geleistet haben, am 1. Oktober d. I. zum Landsturm ersten Aufgebot« Über­treten, bemerken wir noch, daß die in Betracht kommenden Leute ihre Militäcpäffe behus« Ein­tragung be« UebertrUtSvermerk» möglichst bald auf bem Meldeburan ihres Bezirksseldwebels ab­zugeben haben.

* Dem Oberförster Wagner ist bie Ober­försterstelle zu Steinau im Regierungsbezirk Kassel übertragen worben. — Herr Gymnafial- Hülfslehrer Lohmann zu Hersfeld ist vom