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M 216. Freitag, den 20. September.

Fuldaer W Mtiiz.

1889

Sie .Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld ' mlt °er belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig b

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabltt.

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Abonnements - Einladung.

Der hochw. Herr Pfarrer Klagges vonLeth- mathe sprach auf der Bochumer Katholiken»Ver- sammlunq folgende für alle Katholiken beherzigen«- werthe Worte über die katholische Presse:

. In unseren Tagen muß die kirchliche Wahr­heit in die kleinsten Heimstätten hineingetragen werden. Also abonniren Sie, meine Herren, und veranlaffen Sie Ihre Freunde, zu abonnieren auf die katholischen Blätter. Dann aber sorgen Sie dafür, daß überall, wo katholische Journale offen liegen müssen, sie auch zu finden sind. In den Hotels, in den Wirthschaften, in den Gesellschaften, in denen Katholiken verkehren, in den Lese» zimmern der Badeorte: dort müssen katholische Journale heutzutage liegen. Allein nicht nur abonniren, auch inseriren müssen die Katholiken in den Blättern. ES kommt ja auf ein Inserat nicht an, das ein solches Blatt gewinnt; aber die Gegner werden gezwungen, das Blatt zu halten. Meine Herren, wir haben so viele Industrielle, so viele Kaufleute, so Viele, die inseriren müssen. Da fieht man häufig genug Blätter, die in dem ersten, dem redaktionellen Theile, die katholische Sache angreifen, und im Jnseratentheile stehen katholische Annoncen. Ich habe neulich sogar Ankündigungen von katholischen Festlichkeiten in einem Blatte gefunden, welches auf der Vorderseite den Atheismus verhimmelte, nein, es geht doch über das Boh- nenlied. Sollen wir mit unserer katholffchen Gutmüthig- keit auch noch die Angriffe auf unsere heilige Kirche be­zahlen? Inseriren Sie in den katholischen Journalen!.. .*

Die,Fuldaer Zeituna' beginnt am 1. Okto­ber ein mut« Quartal und laden wir zu recht zahlreichen Neubestellungen hiermit freundlichst ein. Zugleich werden unsere werthen Post»Abonnenten an die rechtzeitige Erneuerung ihrer Bestel­lungen beim.Postamts oder Landbriefträger erin­nert, damit in dem Bezüge des Blatte« keine Un­terbrechung eintritt.

Das neue Vierteljabr bringt UN« wieder par­lamentarische Verhandlungen im Reichs« und Landtage und gewiß auch hochwichtige Ereignisse auf politischem Gebiete überhaupt. Mit dem Oktober tritt zudem auch der Beginn der langen Abende und somit die rechte Lese zeit ein, so daß man in keinem Hause die Zeitung entbehren mag.

Die ,Fuldaer Zeitung' ist bekanntlich das einzige rägttcy erscheinende CtNtrumr.Organ des

Regierungsbezirks Caffel und der Diözese Fulda; ein andere« täglich erscheinendes Blatt, welches befugt wäre, sich zur „katholischen Presse" zu zählen, erscheint in Fulda nicht.

Die.Fuldaer Zeitung' behandelt die neuesten TagcSfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten find kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet und auf ein sittlich reine«, spannender Feuilleton be­sonderer Gewicht gelegt.

Die,Fuldaer Zeitung' ist in ihrem Verbreitungs- Bezirke das weitaus gelesenste Blatt und eignet Nch deßhalb auch ganz besonders als I n s e r t i o n S - Organ. Anzeigen find von stcherer-,Wirkfamkeit.

Der Poff-Af onnementspreis auf die .Fuldaer Zeitung' mu der »llustrerren Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' beträgt pro Quartal nur 1 M. 50 Pfg. exkl. Bestellgeld.

30* N-u zuoebenden Abonnenten wird die Zeitung nedst ver Sonntagsbeilage gegen Einsend­ung der Poflquittung bis Ende September gratis geliefert.___________________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 19. September.

* Unter den Aufgaben, die den am 22. Oktober zusammentretenden Reichstag erwarten, werden als die wesentlichsten der Etat und das dauernde Gesetz wegen Bekämpfung der Sozialdemo­kratie genannt. In ersterer Beziehung steht es außer Zweifel, daß sehr erhebliche Mehrforderungen für militärische Zwecke erhoben werden trotz allen Ablcugnen» der Offiziösen. Ob bezüglich des neuen Sozialistengesetze» eine Verständigung der einzelnen Regierungen erzielt wurde, ist noch un­gewiß, so viel aber ist sicher, daß man nach beiden Richtungen hin das Eisen schmieden wird, so lange es noch warm ist, mit anderen Worten, daß man das Kartell so lange für die Regierung zu ver- werthen sucht, als es noch besteht, da man nicht wissen kann, wie die nächsten Reichstagswahlen ausfallen werden. Die Angst vor den nächsten Wahlen bekundet fich bei den Nationalliberalen beispielsweise darin, daß die .Nationallib. Korresp.' die Regierung dringend angeht, doch noch für ein dauerndes Sozialistengesetz zu sorgen, um nicht

beständig vor der Möglichkeit zu stehen,Waß?„ein ungünstig zusammengesetzter Reichstag die wirk- samen Mittel zur Abwehr der sozialen Revolution verweigern könnte'" Die Kartellmehrheit sei gegen­wärtig auch nicht ssehr groß; „und Ueberraschungen sind bei der Unberechenbarkeit des allgemeinen Wahlrechts niemals ausgeschlossen."

* Der Kaiser hat sich heute früh* von "Han­nover nach Osterwald begeben. Von dortaur^ritt der Kaiser zur Avantgarde des 7. Armeekorps. Letztere» befindet fich auf drei Straßen von Pader­born her im beschleunigtem Anmarsch, um da» 10. Armeekorps, welches fich bei Nordstemmen sammelt anzugreifen.

* Der Königliche Hof hat heute für den ver­storbenen Fürsten Guenther zu Schwarzburg-Son- derrhausen auf 4 Tage Hoftrauer angelegt.

Der deutsche Botschafter in Petersburg General von Schweinitz hat fich heute Vormittag mit seiner Familie von hier nach Kassel begeben.

* Der Unterstaatrsekretär im Reichsamt de» Inneren, Dr. Eck, ist am Mittwoch in Baden- Baden gestorben.

* Der Kaiser hat fich über den Geschichts­unterricht an den Schulen nach dem Hannov. Cour, noch ausführlicher als gegenüber dem Ver­treter der Untverfität Göttingen in einer längeren Unterredung mit den drei Militärgeistlichen in Hannover ausgesprochen. Nach dem genannten Blatt führte der Kaiser gegenüber diesen Herren aus, wie er den heilsamsten Einfluß auf die Herzen seiner Unterthanen durch die Kirchö und Schule erwarte; namentlich im Geschichtsunterricht müßten Religion und Deutschthum noch kräftiger betont werden. Auch die neuere und neuste Geschichte dürften nicht zu kurz kommen, damit die Jugend schon früh über die Jrrthümer der französtschen Revolution und der sozialen Umsturzbewegungen der Neuzeit belehrt sei.

* Angesichts der Erhöhung der Kohlen» preise von Seiten der Privat-Bergwerksbefitzer hat, gutem Vernehmen nach, der Minister von Maybach die Verwaltung der Staatsbergwerke angewiesen, sofern eine Erhöhung der Verkauf«- preise für Steinkohlen und Braunkohlen den stei­genden Selbstkosten entsprechend angezeigt erscheine, darin doch eine angemessene Zurückhaltung zu be­obachten und sich von übertriebener Ausnützung

Die Bomfatiusgrnft im Dome zu Fulda.

(Aus dem,Heff«nland'.)

Wie wir bereits in Rr. 14 dieser Zeitschrift «itgetheilt haben, ist nunmehr die künstlerische Ausschmückung der Bonifatiurgruft im Dome zu Fulda bestimmt in's Auge gefaßt worden. Zur thatkräftigen Förderung dieses Planes 'st jetzt auch daselbst ein Comitö, bestehend au» dem hochw. Bischöfe, einigen Domherren, dem Oberbürgermeister und einem Stadtrathsmitgliede, rusammengetreten, da« in einem warmen Aufrufe Interesse für da» Unternehmen zu wecken be- wüht »st Httb alle Verehrer de« Apostel» der Deut­zen auffordert, die Hände doch freigebig zu dem sthönen und pietätvollen Zwecke zu öffnen. Wenn dun dieser Ruf überall im deutschen Volke, wo 7® Andenken an einen der größten Wohlthäter Ueres Vaterlandes nicht erloschen ist, begeisterten ^werhall finden dürfte, so mögen auch die Be­wohner de» Heffenlandes nicht vergessen, wa» die Wrcht der Ehre und Dankbarkeit insbesondere "°n ihnen fordert.

Um die Aufmerksamkeit der Leser diese» Blatte» nuf da» geplante Werk zu lenken, wollen wir hier '«rz die Geschichte der ehrwürdigen Grabesstätte 'Ntgen lassen.

Es ist bekannt und in jedem Geschichtrbuche zu lesen, daß St. Bonifatius Fulda, seine Lieblingrschöpfung, wo im Jahre 744 sein Jünger Sturmi das Zeichen der Erlösung in die buchen- grüne Waldeinsamkeit gepflanzt, ausdrücklich fich zur letzten Ruhestätte erkoren hatte, und daß nach seinem am 5. Juni 755 hei Dokkum erfolgten Martyttode wirklich sein Leichnam dorthin über­führt worden ist, obgleich auch Utrecht und Mainz denselben beansprucht hatten. In dem kleinen Gotteshause, dessen Bau Bonifatiu« selbst geleitet, wurde er vor dem von ihm zu Ehren der Milchen Erlösers geweihten Altäre beigesetzt, an ;er Stelle, wo fich da» Hauptportal der jetzigen Domkirche befindet. Hier, inmitten jener vier Völker, welchen er zuerst die Heilsbotschaft ge­wacht, zwischen Hessen, Thüringen, Franken und )en Bewohnern der Wetterau, ruht er nun, und ein Grab, welches die Wallfahrer in Schaaren ru» den wettentlegentsten Gauen herbeizog, wurde ür da« Kloster eine Quelle des reichsten Segens. Die Mönche hüteten e« auch al« ihren größten Schatz und trugen die eifrigste Sorge für seine würdige Ausschmückung.

Schon Sturmi, der erste Abt, erweiterte die Arche und ließ durch die Gold» und Silber­schmiede seiner Klostergemeinde einen auf Säulen ruhenden, kunstvoll gearbeiteten Baldachin, „Re-

quiem" genannt, darüber aufbauen. Er selbst aber wurde nach seinem Hinscheiden (779) südwärts zur Seite seine« väterlichen Freunde« und Meisters gebettet, während Winfried'« Nichte Leobgy th oder Lioba, eine angelsächstsche Klosterfrau, die durch Errichtung und Leitung der ersten deutschen Frauenschulen überau« segensreich an der Ver- breitung christlicher Kultur mttgearbeitet hatte, nordwärts von ihm, ihre letzte Ruhestätte im Jahre 780 erhielt.

Die folgenden Aebte Baugulf und Ratgar erweiterten und verschönerten die Kirche mehr und mehr, so daß ein völliger Umbau entstand, den erst Eigil, der vierte Abt, vollendete. Am 1. November 819, dem Feste Allerhelligen, fand die eterliche Einweihung diese« Gotteshauses: einer großen kreuzförmigen Bastllla mit drei Chören und zwei Krypten — der ersten doppelchö eigen Münsterkirche in Deutschland — ,in honorem St. Salvatoris et St. Dei genitricis Mariae et Petri apostoli et ceterorum apostolorum* durch »en Erzbischof Haistulf von Mainz unter großer Betheiligung statt. Hierbei wurden die Gebeine >es hl. Bonifattus aus ihrem bisherigen Grabe erhoben und in feierlichem Zuge vom Ostchor in >en Westchor übertragen, um dort in einem steinernen Grabmale beigesetzt zu werden — ein Ereigniß, von dem uns der Mönch Candidus,