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sammlung hätte beherrschen können; aber er ist auch ein ebenso schneidiger, als kräftiger Redner. Nachdem wir ihn nunmehr selber gesehen und ge­hört haben, ist une auch der durchschlagende Er­folg begreiflich, von welchem nach den Berichten der Zeitungen sein Auftreten auf dem Katholiken­tage zu Neustadt a. d. Hardt begleitet war. Würde Herr Dr. Schädler auch auf dem bevorstehenden Katholikentage zu München austreten, so würde der Erfolg der letzteren von vornherein gefichert fein. Herr Schädler bekämpfte zuerst da« Schul- Monopol de« Staate«; der Staat habe kein Recht auf die Kinder, die gehörten Gott und den Eltern. Sodann forderte er Unterrichtsfreiheit; Christus und die Apostel hätten nicht bei Pilatus und Herodes um die Erlaubniß nachgesucht, lehren zu dürfen. Da» Schlußwort feines herrlichen Vor­trage» bildete jener goldene Ausspruch de» hl. Vater», die Schulstube sei da« Schlachtfeld, auf dem e« fich entscheide, ob die Gesellschaft christlich bleibe.

Die dritte öffentliche Versammlung war nun­mehr beendigt; daran schloß fich da« Volksfest im Stadtpari, welche« wir jedoch nicht be­suchten. Wir wohnten dem Volksfeste bei, welche» gelegentlich der Katholiken-Versammlung zu Münster im Jahre 1885 gehalten wurde, und haben auch schon früher schöne Anlagen und schöne Illumina­tionen gesehen, so daß wir uns eine vollkommene Vorstellung von dem Volksfeste im Stadtparke zu Bochum machen können, wenn wir demselben auch nicht persönlich beigewohnt haben. Für diesen Verzicht wurden wir reichlich entschädigt durch eine äußerst angenehme Unterhaltung mit zwei ältlichen Herren aus Münster, die wir in uuserem Gasthof trafen. Der eine dieser beiden Herren ist Mitglied Les deutschen Reichstages. Die Unter- hallung drehte fich hauptsächlich um Münster und die dortige Katholflenversammlung im Jahre 1885. Beide Herren verabschiedeten fich später von uns aus da» Herzlichste.

Da e» nicht anging, länger von zu Hause weg- zubleiben, traten wir der anderen Tage» unsere Heimreise an. Demzufolge mußten wir allerdings darauf verzichten, die Rede de» Herrn Kaplan Dasbach aus Trier, und die Schlußrede de» Herrn Dr. Windthocst mit anzuhören. Was letztere betrifft, so wußten wir im Voraus, daß dieselbe in ihrer ganzen Ausführlichkeit in allen Blättern zu lesen sein werde ; da wir ferner Hrn. Dr. Windthorst schon zum Oesteren hatten sprechen hören, anderseits die ganze innere Einrichtung des Saales im Schützenhof zu Bochum aus eigener Anschauung kannten, durften wir hoffen, bei der Lektüre der Windthorst'schen Schlußrede uns die ganze Situation im Schützenhofe so lebhaft ver­gegenwärtigen zu können, al« ob wir Augen- und Ohrenzeuge gewesen wären. Ebenso glaubten wir, gewiß recht bald Herrn Dasbach zu sehen und sprechen zu hören, da er dermaliger Wahlkandidat für bett Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld ist. Wir fuhren also Donnerstag Morgens 7 Uhr von Bochum aus über Dortmund, Soest nach Pader­born. So lange wir uns im Ruhrgebiete be­fanden, sahen wir zu beiden Setten der verschie­denen Bahnen, auf welchen wir fuhren, nur Fabriken mit himmelanragenden, ewig dampfenden Schlöten. Al» wir da» Kohlenrevier hinter un» hatten, boten fich dem Ange große, weithinge­streckte Fluren mtt fruchtbaren Feldern dar; wir waren mitten im eigentlichen Gebiete de» west­fälischen Bauernkönig», Frhrn. von Schorlemer- Alst. Sinnigere Geschenke, dachten wir da bei un», konnte der westfälische lBauernverein dem Kaiser bei seiner jüngsten Anwesenheit in Münster nicht darbringen taffen, al» er ihm durch eine Deputation wirklich gespendet hat, nämlich zwei Pumpernickel, zwei Schinken, ein Tönnchen Butter und ein Fäßchen 100 jährigen Kornbranntweins. Wie schön fymbolifiren diese Gaben die Bodener- zeugnisse dieser fruchtbaren Landstriche de» West­falenlande»! Rach kurzem Aufenthalt in Pader­born fuhren wir über Altenbecken und Cassel nach Fulda, wo wir Abend» 6 Uhr schon eintrafen; Abend» dampften wir in unser Pfttrrdorf zurück. In freudiger Erinnerung an Aller, wa» wir zu Bochum, auf der Reise dorthin und zurück gesehen, gehört und erlebt haben, haben wir diese Skizzen niedergeschrieben. Indem wir hiemtt vom freund­lichen Leser Abschied nehmen, halten wir un« für enngsam belohnt, wenn auch nur in einem

Leser ein einziger, freudiger Gedanke an die schöne Katholiken-Versammlung zu Bochum erweckt wor- den ist.____________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin/,18. September.

* Neuerdings wird in der gouvernementalen Presse viel von einem Kartell der Reichs­feinde gefaselt, da« aber in Wählerkreisen auf Widerstand gestoßen sei. Von einem Kartell, wie e» die Nationalliberalen und Konservativen ver­bunden hat, kann selbstverständlich keine Rede sein. Die verschiedenen Richtungen, au« denen fich die Oppofition zusammensetzt, werden, entgegengesetzt dem jetzt bestehenden Kartell, bei den nächsten R-ichstagswahlen ihre Kraft im ersten Wahlgang stet« für eigene Kandidaten einsetzen, allerding« aber in der Stichwahl, wo ein Oppofitionsmann neben einem Kartellbruder in Frage kommt, für den ersten eintreten.

• Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht einen Bun- desrathrbeschluß, durch weichender deutsch-ost­afrikanischen Gesellschaft die Rechte der juri­stischen Persönlichkeit beigelegt werden.

* In den letzten Tagen in Berlin stattgefun­dene Verfammlungen von Schuhmachern und Schneidern haben beschlossen, nächste» Frühjahr in die Lohnbewegung einzutreten.

* Der Schmuggel von Schweinefleisch durch Frauen an der russtschen Grenze ist so stark, daß in den Zollämtern Frauen zur Untersuchung angestellt worden find.

♦ Ein Über da» Befinden de» König» Otto von Bayern erstatteter Bericht lautet im Wesent­lichen unverändert. Die heftigsten Erregungszu­stände wechseln mit stundenlanger Bewußtlostgkeit. Die Aufnahme von Nahrung ist reichlich, obschon unregelmäßig, zuweilen lehnt der König jede Nah­rung ab. Die Gesichtrfarbe ist in Folge des Aufenthalts im Freien andauernd frisch.

• München, 18. Sept. Das von dem Central- comite des bayerischen Katholikentages an die Generaldirektion der k. b. Staatseisenbahnen ge­richtete Gesuch um Fahrpreis er mäßigun- g e.n, Verlängerung der Giltigkeitsdauer der Retourbillete u. s. w. ist vön der Generaldirektion ab gelehnt worden. Nachdem die pfälzischen Bahnen kürzlich eine Fahrpreisermäßigung für den dortigen Katholikentag abgelehnt hatten, war es nicht ander» zu erwarten, al« daß auch die bayerische Eisenbahn-Direktion da« Gesuch ab­schlagen werde. Turner, Schützen re. erhalten Fahrpreisermäßigungen, die Katholiken, wenn ste fich zur Besprechung ihrer Angelegenheiten ver­sammeln wollen, nicht. Dafür find wir eben im katholischen Bayern. — Eine hocherfreuliche Erscheinung, welche beweist, wie sehr in allen Schichten de« katholischen Volkes ein lebendiger Eifer für den bayerischen Katholikentag herrscht, find dagegen die zahlreichen Versammlungen, welche an verschiedenen Orten Bayern» jetzt stattfinden behufs Vorbesprechung. So fanden in Am­berg, dann in Augsburg, in Landshut, in den Münchener Vorstädten u. s. w. zahlreich besuchte Versammlungen statt, bei welchen die eifrigste Betheiligung am Katholikentag zugesagt uns die volle Uebereinstimmung mit dem Aufrufe ausge­sprochen wurde. Nach den bisherigen Anmeldungen zu schließen, wird die Betheiligung eine ganz außerordentliche fein und dürfte München noch keine derartig große Versammlung gesehen haben.

* Au» Baden, 18. Sept. Die Liberalen be­kunden betreff» der kommenden Landtagswahlen große Zuversicht, aber nicht in den Werth ihrer Prinzipien, sondern in die Wahlkreis-Geo­metrie, welche es den Katholiken sehr schwer macht, bei den Wahlen eine ihrer Bevölkerungs­ziffer entsprechende Vertretung zu erhalten. Die Wahlkreis-Geometrie ist mit einem wahren Raffi­nement durchgeführt und find dadurch ganze Be­zirke auseinander gerissen, nur um die Katholiken tobt zu thetlen. Trotzdem nehmen biefelben mit Muth unb Zuversicht den Kampf auf; mag auch Sonne und Wind ungleich verthellt fein, so viel steht fest, daß diesmal auf katholischer Seite eine wett stärkere Wahlbetheiligung zu verzeichnm sein wirb, al» bei ben letzten Wahlen.

Ausland.

• Die französische Regierung hat Maß­regeln zur Aufrechterhaltung der Orbnung am

Tage bet allgemeinen Wahlen (Sonntag) getrof­fen. In Pari» sollen bie Truppen von Sonn­abend ab in ben Kasernen konsignirt bleiben.

* Rom, 17. Sept. Er ist bezeichnend, daß trotz der scharfen Spannung, die in Folge der Tripelallianz zwischen hier und Pari» herrscht, die Logenbrüder nicht aufhören, für eine französisch- italienische Verbrüderung zu agttiren. Da» im großen Orient zu Pari» unter Vorsitz de« Radi- taten Lockroy stattgehabte Verbrüderung-fest, bei welchem der bekannte italienische Irredentist Im« briani eine Rede hielt, ist ein sehr charakteristische« Symptom und direkt gegen die Polittt Cri»pi ge­richtet. Allein dieser selbst der Loze angehörige Minister wagt e« nicht, gegen ben allmächtigen Geheimbunb aufzutreten, obwohl in Berlin solche Kundgebungen einen sehr schlechten Eindruck machen.

• Au« Belgrad wird gemeldet, baß König Milan beabsichtige, am 28. September bortselbst einzutreffen unb während de« Aufenthaltes der am 29. d. M. ankommenden Königin Natalie in der Residenz zu verbleiben. Die Regentschaft sei be­müht, die Begegnung hintanzuhalten. — Da» Belgrader Blatt Male Novine' berichtet, daß ge­legentlich des Geburtstage» de» Zaren auf An­ordnung des Metropoliten Michael in der Kathe­drale zuerst ein Gebet für ben Zaren unb bann erst ein solches für ben König Alexander- verrichtet würbe. Das Blatt verlangt energisch eine Auf­klärung über tiefes sonderbare Vorgehen und schreibt, Serbien sei ja noch keine russische Pro­vinz, sondern ein selbstständige« Königreich.

* London, 18. Sept Dem Vernehmen nach hätte die Regierung die Errichtung einer kath. Universität in Irland im Plane, welche zu Dublin ihren Sitz haben soll unb würbe in bet nächsten Session ber Parlament« eine diesbezüg­liche Bill zu erwarten sein. Dieselbe soll ganz unabhängig sein unb bem Episkopat ein gewisser Einfluß bei Besetzung ber Profefforenstelten einge- räumt werben. Eine weitere Bill über Landkäufe in Irland steht ebenfalls in Sicht, doch bifferlren über ben Inhalt berfelben bie Anschauungen.

Aus Stadt, Provinz rmd Nachbargebiet.

Fulba, 19. September.

• Er wirb Herbst. Der September, dessen erste Tage so schön und sonnig-hell waren, läßt sich jetzt recht herbstlich an, Morgen« und Abend« ist es bereits ungewöhnlich kalt und in Feld und Wald steht man die Anzeichen nur zu deutlich, daß der Sommer, dessen wir uns in diesem Jahre wenig freuen konnten, Valet gesagt hat; manche Bäume stehen sogar schon völlig entlaubt da. Vielleicht entschädigt uns ein langer Herbst für den kurzen Sommer.

* Aus der in unserem gestrigen Blatte ent­haltenen Todesanzeige haben unsere Leser bereit» bie Trauerbotschaft entnommen, daß vorgestern Abend Hierselbst der frühere Prorektor und Gym- nastal-Oberlehrer Herr Professor Jakob Gegen- baut im 70. Lebensjahre aus bem Leben ge­schieben ist. Der Verstorbene, beffen bei feinem Rücktritt aus bem Amte und bei anderen Gelegen­heit gedacht wurde, war, wi: bekannt, nach 44- jähriger ununterbrochener erfolgreicher Wirkfamkett als Lehrer am hiesigen Gymnasium aus Gesund­heitsrücksichten am 1. Oktober vorigen Jahre» in den Ruhestand getreten und erfreute sich also nur kurze Zett der wohlverdienten Ruhe, indem wiederholte Schlaganfälle in ben letzten Wochen den noch geistesfrischen und körperlich rüstigen Mann getroffen, deren Folgen er nun erlegen ist. Die vielfachen Verdienste de» Verblichenen al« Lehrer find bereit« früher gewürdigt und durch Verleihung bee Rothen Adler-Ordrus vierter Klaffe anerkannt worben. Besonderes Verdienst Hot fich der Verstorbene, wie man dem hiesigen ,Krbl.' von berufener Sette mittheilt, durch feine schrift­stellerische Thätigkett und al» Historiker durch feine gründlichen Forschungen auf dem Gebiete der Ge­schichte Fulda'» erworben, bie bekanntlich vom frühesten Mittelalter bis in bie neuere Zeit in kulturhistorischer Beziehung von großer Bebeutung ist. Wir verbanken ihm eine große, Anzahl vor- trefflicher Monographieen, bie er größtentheil« al« wissenschaftliche Abhandlungen der Fuldaer Gym- nafial-Programme veröffentlichte. Seine Schriften zeichnen fich alle ebenso durch zweckmäßige Anorb«