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möglich? Wird der Fortschritt der technischen Wissenschaften nicht die Schlachtfelder gerade­zu in große Schlachtbänke umwandeln?

In dem schon überaus blutigen Kriege 1870/71 haben die Heere 15 pCt. ihrer Stärke an Todten und Verwundeten auf dem Altar des Vaterlandes niedergelegt. Wer kann heute auch nur annähernd sagen, welche Opfer ein zrckünfttger Krieg fordern wird? Vielleicht 30, vielleicht auch 40 und noch mehr Prozent. Und dies sind nur die direkten Opfer an Menschenleben und Gesundheit, welche die Wehrpflichtigen bringen. Der Schaden, den die Bewohner der Kriegsschauplätze erleiden, ist ganz untaxirbar und diese Kriegsschauplätze ver­größern sich ins Ungemessene, denn die Heere, welche in Bewegung gefetzt werden, zählen nicht mehr nach Hunderttausende, sie zählen nach Mil­lionen.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. September.

* Ein Gesetz-Entwurf über die Verwendung der Sperrgelder soll, wie man der Nat.-Ztg. berichtet, dem letzten Landtage vorgelegt werden. Ueberraschend ist diese Nachricht nicht, nachdem schon in der vorigen Landtags-Session eine solche Vorlage in sichere Aussicht gestellt worden war. Die Einbringung unterblieb damals, obwohl von den Offiziösen angekündigt war, der Entwurf sei fertig gestellt und zwar nach voraufgegangener „Verständigung mit maßgebenden kirchlichen Or­ganen" — welche Organe das seien, wurde nicht gesagt. Man schrieb das Ausbleiben des Entwurfes allgemein dem Umstande zu, daß der Landtag in Folge de« unerwarteten Aufschubes der Steuer- Reform plötzlich geschlossen wurde. Wenn aber schon um Ostern die Vorlage als unmittelbar be­vorstehend angekündigt werden konnte, und wenn angenommen werden darf, daß die fertige Vorlage nur wegen de» seltsamen Geschickes des Steuer­reform-Gesetzes nicht mehr an den Landtag ge­langte, so berührt es eigenthümlich, wenn der Nat.-Ztg. berichtet wird: „Die einleitenden Arbeiten dürften so weit gefördert sein, daß nach der Rückkehr des Kultusminister« an die Fest­stellung der Vorlage herangetreten werden kann". Mit den vorigjährigen Auslassungen in der offiziösen Presse ist das schwer in Einklang zu bringen. Weiter theilt die Nat.-Ztg. mit: „Es würde eine Verwendung nur zu katholisch­kirchlichen Zwecken eintreten; es wird ange­nommen, daß bei der Verwendung dem Epis­kopat eine umfassende Mitwirkung eingeräumt werden wird." Diese Andeutungen find sehr un­bestimmt und unklar. Im Allgemeinen können wir sagt die ,Köl. Vztg.' ein besonderes Wohl­wollen von Seiten der Staatsregierung darin noch nicht erkennen, daß die Sperrgelder nur zu ka­tholisch-kirchlichen Zwecken verwendet werden sollen.

im Stübchen ist, denn es erleichtert beit Beiden die Begrüßung. Ihre Hände haben fich gefunden.

„Gottlob, Du kommst al» meine Christbescheer- ung", schluchzt Rose. „Habe ich denn so viel Glück verdient, wenn doch die Muhme die» noch erlebt hätte."

Kasper nickt stumm. „Ja, wenn sie noch am Leben wäre," ruft er, „aber wo ist Georg, Rose? Nicht wahr, er hat mich noch lieb, und da» ver­danke ich Dir, — Rose, R se I"

Mir, wie so?" lächett sie, indem sie fich zu schaffen macht.

Sie zündet die Kerzen am Christbaum an Kasper fieht ihr zu, und die Erinnerung an die eigene Kindheit umfängt ihn mtt ihrem alten Zauber.

Jetzt schallen Tritte draußen, der Schnee knirscht unter bett Kinderfüßchen, und gleich darauf stürmt Georg, Röschen an der Hand herein. Aufjauchzend wirst der Knabe fich an die Brust des Bruder»: „O, Kasper, sie Alle im Dorfe wissen es schon, daß Du da bist," sprudelt er hervor.

„Und Me haben Dich lieb, Onkel Kasper, meldet fich Röschen, auch mein Papa und Tante Klara, die nun meine Mama wird. Tante Rose aber geht mit Dir nach Amerika, hat Papa ge­sagt, und —" ein Kuß verschloß dem kleinen Plappermäulchen die Lippen. Rose war purpur- roth auf ste zugestürzt und hatte ste in die Arme gezogen.

Eine andere Verwrndungsart würde eine offenbare Ungerechtigkeit in sich schließen. Man darf und kann bei Beurtheilung dieser Frage der Verwend­ung eben nicht außer Acht lasse«, daß es fich eigenllich nur um eine Rückgabe handelt. Die einbehaltenen Leistungen de» Staates beruhten auf einer rechtlichen Verbindlichkeit, welche der Staat zugleich mit den fäkularifirten Kirchenaütern in Gemäßheit ausdrücklicher Stibulationen überkommen hat. Allerdings ist im § 9 d°« Sperrgesetzes eine fernerweite gesetzliche Bestimmung über die Ver­wendung der während Einstellung der Leistungen aufgesammelten Beträge vorbehalten worden. Da­rin liegt aber schon da« heute doppelt schwer­wiegende Anerkenntniß, daß der Staat kein Eigen- thumr- sondern nur ein Retentions-Recht aus­üben wollte.

* Die glänzende Aufnahme, welche der rus­sische Thronfolger in Deutschland gefunden, hat selbst auf die panslavistischen Kreise Rußlands ihre Wirkung nicht verfehlen können. Wie der ,Vofl. Ztg.' aus Petersburg telegraphirt wird, hat dort die glänzende Aufnahme einen unver­kennbar günstigen Eindruck gemacht. Gleichwohl glaubt man nicht, daß dadurch an der internatton- nalen Lage etwas geändert werde. — Der Groß­fürst-Thronfolger trifft kommende Nacht in Kiel ein und kehrt morgen früh um 4 Uhr auf der „Zarewna" nach Kopenhagen znrück.

* Auf Einladung des Kaiser» hat fich der österreichische Feldzeugmeister Körnig zu den Manöver« nach Hannover begeben.

* Die Bismarckverehrung hat soeben ein neue» Produkt geliefert, nämlich die Anlage eine» Bismarck-Museums, da» aus Beiträgen und Sammlungen von Kanzlerverehrern geschaffen wurde und nebst Schriften über Bismark, auch Bilder, Statuen, Gedichte u. s. w. enthalte« soll, Eröffnet soll dar Museum am 1. April k. Jahre» werden. Ob in demselben auch die Wandlungen der Politik Bismarck» festgehalten werden und demgemäß auch die vielen „Rechenfehler" ver­zeichnet find, muß sich erst zeigen; aber zur historischen Wahrheit gehören sie unbedingt. Hoffent­lich wird auch der berühmte Stock des Kanzlers nicht fehlen, über welchen die N. tianalliberalen hinüber zu springen pflegen.

* Die Ausfuhr lebender Schweine vom Berliner Centralviehhof ist bis auf Weiteres gesperrt wor­den, weil unter mehreren Transporten Klauen­seuche konstatirt worden ist.

* Die von der Schweiz angeregte Konferenz für internationale Arbeiter-Schutzmaßregeln ist auf Veranlassung der schweizerischen Regierung selbst vorläufig bi» zum nächsten Frühjahr vertagt worden.

Ausland.

* Wie au» Brüssel gemeldet wird, wird die vorläufig auf den 15. Okt. festgesetzte afrikanische

Kasper aber saß da wie träumend. War da» Alle» wahr? So viel Glück für ihn nach dem, war geschehen? War er e» werth, daß Rose ihm verzieh.--

Da öffnet fich wieder die Thüre. — „Ach, ich sehe, wir kommen gerade recht", tönt eine heisere Stimme.

Kasper erbleicht.

„O, steh', Papa", rief Röschen, das ist Onkel Karper, der mich gerettet hat, jetzt kannst Du Dich bei ihm bedanken! ___ '

Kasper erhob fich, Auge in Auge standen sich fich die Männer gegenüber, eine fecundenlange feierliche Stille und dann ein Heller Klang, der die Pause unterbricht, Glockenton mahnt an das Christkind, Friede auf Erde«, die guten Willens find. Und Niemand von den beide« Männern weiß er, wer zuerst die Hand au»gestreckt hat; genug, ihre Hände lagen ineinander.

„Fröhliche Weihnachten, allzumal Kinder I" rief der Wirth, „und jetzt habe ich einen Plan, hört zu, wollen wir nicht aus gemeinsamer Kaffe für alle Zeiten einen Weihnachtsbaum stiften für die Schule. Manche» arme Kind entbehrt eine solche Christsreude und wrr von uns wüßte es nicht, war eine freundliche Erinnerung au» der Kinder- zett über un» vermag. Ja, staunt nicht, mein Röschen hat mich selbst wieder zum Kinde gemacht, mein Grundsatz ist, schafft den Kindern ei« Para-

Konferenz voraurfichtlich bi» November vertagt werden. Einladungen sind an alle Regierungen ergangen, welche die Generalakte der afrikanische« Konferenz zu Berlin unterzeichnet haben. Die erwarteten Zustimmungen sind bi» jetzt noch nicht alle in Brüssel eingetroffen.

• Boulanger hat ein neue» Manifest erlassen. Daffelbebesagt im Wesentlichen: „Vorwärts gegen den gemeinsamen Feind, den Opportunismus!"

* Die Pariser Weltausstellung zählte bis Mitte Septemoer 17 Millionen Besucher.

♦ Da» Befinden de» Minlstelprästdenten Crl»pi hat fich bereits so gebessert, daß derselbe auf einige Stunden das Bett verlassen kann.

• Der Präsident der bulgarischenSobranje, Stojanow, der am Samstag Abend in Paris ge­legentlich des Besuchs der Ausstellung gestorben ist, soll von Zankowlsten ermordet worden fein.

♦ Der englische Konsul in Risch und dessen Frau find gelegentlich eines Jagdausflug« von serbischen Bauern gefangen, gebunden und gewiß- handelt worden. Nach halbtägiger Haft wurde« sie durch aus Nisch herbeigerufene berittene Gendar­merie befreit. Elf Bauern sind verhaftet.

* Die Königin Natalie van Serbien wird in dieser Woche in der Hauptstadt eintreffen. Au- Odessa meldet ein Telegramm, daß die Königin am Montag auf einem russischen, die serbisch« Königsstandarte führenden Kanonenboote dortselbst eingetroffen und mit den ihr gebührenden Ehren empfangen worden ist. Am Mittwoch oder Donner­stag will die Königin die Reise nach Belgrad fortsctzen.

• Die Londoner Dockarbeiter, welche am Montag ,bie Arbeit ausgenommen hatten, striken schon roieber. Sie wollen nicht mit denjenigen Arbeitern zusammen arbeiten, bie während des Strikes bie Arbeit fortgesetzt haben. Es kam zu blutigen Schlägereien. Die Direktoren ber Dock­gesellschaften weigerten fich natürlich, die ihnen treu gebliebenen Arbeiter zu entlassen, worauf bie anderen bie Arbeit niederlegten. Infolge der am Montag Abend von den Führern de» Strikes er» theilten versöhnlichen Rathschläge haben die Striken- den Dienstag Früh die Arbeit ruhig wieder auf- genommen.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 18. September.

• Im Anschluß an die von uns gestern gemel­deten Versetzungen im Klerus fügen wir heute an, daß die Lokal - Kaplanei Eckweisbach vom 1. Oktober dem seitherigen I. Kaplanei-Verweser zu Volkmarsen, Herrn Raban Gutmann verliehen worden ist.

* Die Herren Lehrer Schmitt von hier und Semmler von Neuhof wurden aus ihre diesbe­zügliche Eingabe in Anbetracht ihres bevorstehen- die« der Erinnerung, schafft ihnen eine fröhliche Kindheit und ihr bildet gute Menschen", schloß der Wirth und schaute sich voll Innerer Genug- thuung im Kreise um.

In Kaspers Augen glänzte ein eigener Licht. Wer jetzt in seinem Herzen gelesen, hätte Staunen und Bewunderung für seinen ehemaligen Erbfeind dort gefunden.

„Ja, schafft den Kindern ein Paradies", wie­derholte er lächelnd, „auf meine Mitwirkung in diesem Sinne könnt Ihr zählen, denn Sie, Herr Schmidt, haben mir ganz au« der Seele gesprochen.

Der Wirth verneigte fich stolz und schaute Rose mit einem Blick an, der sagte: „Siehst Du, selbst Kasper kann von mir lernen." —

Ja, Kasper hatte einsehen gelernt, daß nicht» elastischer und wandelbarer ist al» ein Menschen­herz. Er sah mit einem träumerischen Blick auf Röschen nieder; war diese» holde Kind nicht der Friedensengel geworden für sie Me? Au« diesem Gedanken heraus sagte er:

„Was wir beschlossen haben, soll gleich geschehen, ich gebe eine Anweisung auf", — er nannte eine beträchtliche Summe — „allen armen Dorfkindern von heute an alljährlich ein fröhliches Christfest!"

„Hurrah l" rief Georg und schwang seine Mütze um den Kopf, aber wißt Ihr, was die Rangen jetzt rufen werden: „Hurrah der Adler und Dohlen­kasper l"