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M 214.

Mittwoch, den 18. September.

1889

ftlimcr W jfiliiun.

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DasU Waffenwesen im ^nächsten Krieges

U* Einem Aufsatz über den bewaffneten Frieden in der .Nation' aus der Feder von Hugo Hinze entnehmen wir nachstehende Darstellung über die Waffen, mit denen die Heere der nächsten Kriege ausgerüstet werden. Hinze berechnet die Kriegs­stärke der Heere des Deutschen Reichs, Oesterreich. Ungarns, Italiens, Frankreichs, Rußlands für einen neuen Krieg auf zusammen 131/« Millionen Mann an ausgebildeten Mannschaften. Diese Millionen würden mit den rasfinirtesten Zerstör- ungrelementen ausgerüstet sein.

Dar Zündnadelgewehr, mit welchem Preu­ßen noch 1870/71 seine Siege erfochten, kann heute nur noch al» ein primitiver Schießprügel angesehen werden. 5 Vs Kilogramm schwer, mit einem Kaliber von 11 Millimeter, blieb es vor der bescheidenen Ztelgrenze von 500 Meter stehen; und ein ganz ausgezeichneter Schütze war der, welcher in der Minute 8 Schüffe abgeben konnte. Heute rümpft man über das französische Lebel- gewehr — 4 Kilogramm schwer, 8 Millimeter Kaliber, Zielgrenze 2000 Meter, 8 Schuß aus dem Magazin in 20 Sekunden — al» den neue­sten Anforderungen nicht mehr entsprechend, die Nase. Da» deutsche Reichrheer wird voraussicht» lich im Laufe des nächsten Jahres schon mit einem Magazingewehr von 7,5 Millimeter Kaliber ausgerüstet sein, und das jetzige vor 5 Jahren erst neueingeführte Gewehr wird altes Eisen. Oesterreich.Ungarn begann vor drei Jahren mit der Einführung eines modernen, aber großkali­brigen Magazingewehres; feit einem Jahre rüstet es feine Infanterie mit einem kleinkalibrigen aus. Auch Italien führt ein ganz moderne« Gewehr; nur Rußland beharrt vorläufig auf seinem alten Einlader.

Bis auf unwesentliche Differenzen zwischen den einzelnen Armeen gelten für den modernen In- fanteriekampf folgende Gefechtszonen: 1600— 1000 Meter Eatwicklungrzonen; 1000—500 Meter, erste Gefechtszone; 500—250 Meter Zone des verstärkten Feuergefechte«; 250—200 Meter letzte Feuerdistanz, au« welcher das Entscheidungsfeuer abgegeben und zum Sturm übergegangen wird. Die einzige Deckung der angreifenden In­fanterie ist da« Liegen auf der flachen Erde «ährend de« Schießen«; eine Deckung während

Dihlmluuptt.

Novelle von I. v. Dirkink.

(Schluß.)

Am Tage vor Weihnachten war e». Da» son­nige Wetter verhieß ein köstliches Fest. Der Schnee auf den Dächern, an den Bäumen glitzerte wie Demantstaub im Sonnenglanz «eit hinaus; wie ein Seidenpolster glänzte er auf den Feldern, an »er ein Wanderer rüstigen Fußes vorüberfchritt, nach dem Dorfe Dettingen hinaus.

Dort lag c« vor ihm, mit feinem Kranz von zerstreut liegenden Gehöften, da» stattliche Dorf; au» den Effen steigt grauer Rauch, stch kräuselnd, langsam zum Himmel auf, und der plumpe Kirch« lhurm schaut au» den beschneiten Kirchdächern her- nor, wie ein Rabe au» einer Gruppe Sperlinge. 7" Ueber de« Wanderer» Anttitz fliegt e« wie ein dunkler Schatten.

, «Dohlenkasper," murmeln feine Lippen. „Doh- linkarper."

Ein spöttische« Lächeln umzuckt seine Mundwin-

— aber pLtzlich hallt ein Ton durch die ***ft, ein Heller, feierlicher Ton, und der Wanderer pnßt die Hand aufl» Herz. Die Kirchenglocken

der Borwärtsentwicklung von Pofition zu Position wird e« nie geben. Die Verluste der an­greifenden Infanterie werden ganz un» geheuere sein, und nur durch ein ununter­brochene« Vorströmen numerisch sehr überlegener Kräfte an einzelnen Stellen kann e» möglich wer­den, daß ein Ansetzen zum Sturm versucht wird. Da« Durchschreiten einer Distanz von mindesten« 800 Meter, welche in stetiger Zunahme mit Maffenfeuer überschüttet wird, verlangt beim An­greifer einen Grad von moralischer Kraft und von pasfiver Widerstandsfähigkeit, wie er in der Ver- Vergangenheit noch nicht gefordert worden ist. Der Beginn der Verluste der Infanterie wird aber noch viel früher eintreten, da, bei für die Artillerie günstigem Terrain, diese die an- marschirenden Infanteriekolonnen schon von 4000 Meter an sehr wirksam unter Feuer nehmen kann.

Ebenso mörderisch gestaltet sich der Kampf der Feldartillerie gegen einander. Abgesehen von unwesentlichen Differenzen zwischen den einzelnen Arttllerien» kann man al» größte Schußweite der Granaten 7000 Meter, also nahezu eine deutsche Meile, bezeichnen, während die der Shrapnel« 5000 Meter beträgt; die eigentliche Dmlldistanz liegt zwischen 2000 bi« 2500 Meter. Ein her­vorragender deutscher Artillerieosfizier schildert den heutigen Artilleriekampf wie folgt: „Derselbe ist ein Kampf um Sein oder Nichtsein, ein Duell, bei dem ein Gegner auf dem Platze bleibt. E» wäre ein freventlicher, unerhörter Leichtsinn, in einen solchen Kampf einzutreten, ohne alle Chancen, die zum Siege führen, auszunutzen."

Ich erweitere diese höchst zutreffende Charak­teristik auch auf den heutigen Gesammtkampf und füge nur hinzu: Ein Gegner bleibt auf dem Platz, der andere verläßt den­selben al» Krüppel.

In dem Jnfanteriekampf greift die Artillerie am wirksamsten auf 1500 Meter Distanz ein; näher heran "wie 800 Meter darf sie sich nicht wagen.

Gegen attakirende Kavallerie braucht die Artillerie den Kampf nicht früher wie auf 1800 Meter zu eröffnen; bei freiem Schußfeld wird sie Siegerin Hetben.

Was soll solchen Schußwaffen gegenüber die Kavallerieals „Schlachtenkörper" machen. Sie ist einfach dem Tode geweiht. Die Infanterie hat schon 1870/71 gegen attakirende Kavallerie

erschallen, Frstglocken sind er, die mit lautem, fröhlichem Klang die Weihnachtsfeier einläuten.

In ganz Dettingen gab es keine Behausung, wo eine so selige Festtagsstimmung herrschte, al« im Adler.

Der Wirth hatte nämlich seine Verlobung mit Klara Steinert, der Stiefschwester seiner ersten Frau gefeiert und Rose hatte sich al» urnstchtige Festordnerin im Hause bewährt. Rosen'» Wesen zeigte kürzlich einen heiteren Ernst; die düstere Schwermuth, welche sie nach Kasper'« Verurthei- lung befallen hatte, war ganz verschwunden, seit­dem sie mit Röschen aus der Stadt heimgekehrt war.

Der Wirth und da« ganze Dorf wußte e«, wer mit Gefahr feine» eigenen Lebens dem Adler das einzige Kind gerettet hatte. — Dohlenkasper'« Name war in Aller Munde.

Man wußte aber nicht, daß Rose dazumal in der Stadt eine lange ernste Unterredung mit dem Anstaltsgeistlichen gehabt hatte, der ihr dann einige Male geschrieben.

Heute am Weihnacht« • Vorabend war Rose in ihrem eigenen Heim beschäftigt, ein Tannenbäum­chen zu putzen. Georg stand ihr dienstfertig mit chlerlei Handreichung dabei zur Seite. E« dun-

nicht mehr Kar öe« gebildet, ste hat dieselbeldurch die breiteste Entfaltung ihrer Feuerwirkung,ß also in Linie, abgewiesen. Und heute? Die Infanterie kümmert sich grundsätzlich um anreitende Kavallerie nicht eher, als bis dieselbe auf 300 MeterZherau« gekommen ist, dann überschüttet sie die wehrlos anreitenden, die nun nicht einmal mehr den Pul« verdampf jzeitweis als dünnen Schutzschleier vor sich liegen hat, während einer Minute mit zwanzig Schuß — und die Katastrophe ist beendet.'

Die Wirkungen der Festung»- undKB'e- lagerungr-Geschütze find nahezu inZdas Stadium des Unheimlichen getreten. Die Schuß­weiten der langen Belagerungr-Kanonen gehen bi» auf 10,000 Meter, das ist 1'/, deutsche Meile'; die Gewichte der Gsschoffs kurzer Belagerungs- Kanonen steigen bi» auf 175 Kilogr.; die Schiffs- unv Küstengeschütze finden die Begrenzung ihrer Geschoßgrwichte erst bei 1000 Kilogramm. Kein Panzer, kein Erdwall widersteht auf die Länge der Zeit diesen Geschossen, zumal die Sprengwirkung derselben in der aller­letzten Zeit in ein neue» Stadium getreten ist. Eine 15 Centimeter-Granate wurde bisher durch ihre Pulversprengladung am Ziel in 40—45 Sprengstücke auscinandergeriffen. Die heute als Sprengladung in Anwendung gebrachte feuchte Schießbaumwolle zerreißt die Granate in 300 bis 350 Stück über 10 Gramm und in 800 Stück von 10—1 Gramm Gewicht, wobei die kleinsten Stücke unter 1 Gramm Gewicht immer noch Bret« ter von 2V, Centimcter Dicke glatt durchschlagen. Die dauernde Ueberschüttung einer Befestigung mit derartigen Granaten zertrümmert alle Deckungs­mittel und legt die Besatzung tobt nieder.

Dabei sind die Erfindungen auf dem Gebiete der Artillerie noch lange nicht abgeschloffen. In Amerrka schreiten die Versuche mtt einer pneuma­tischen Kanone vorwärts, welche, freilich auf keine größere Entfernung wie 1750 Meter, ein mit Dynamit - Gelatine geladene» Sprenggeschoß von 250 Kilogramm Gewicht gegen Sch'ffe schleudert. Die Explosion befleißen im Wasser, selbst ohne da« Schiff direkt zu treffen, bewirkt die Zerstörung desselben.

Auf allen Gebieten de» Waffenwesen» hat mau also jetzt schon solche Wirkungen erzielt und sucht mit ®fer dieselben stetig zu vergrößern, daß man mit vollem Rechte fragen darf: Sind bei Anwen­dung dieser Waffen Kriege überhaupt noch kelte bereit«, der Baum stand fertig geschmückt da; Rosen'« Wesen verrieth eine verhaltene Aufregung. Sie horchte ab und zu nach der Thür.

Georg war der Meinung, sie ersehne Röschen, und fragte ob er sie vielleicht holen solle, da er e« kaum erwarten konnte, bis der Baum ange­zündet wurde.

Rose nickte. Der Knabe eilte fort — und nun saß sie allein da, und plötzlich kam e» wie Angst und BeklommenheÜ Über sie; wenn nun dach Alle« ander« kam, wie sie hoffte und dachte. Da« Menschenherz ist ein Räthsel — hatte der Geist­liche nicht auch so ähnlich in seinem letzten Briefe geschrieben? Von ißrer Unruhe Überwältigt, sank ste plötzlich in die Kniee, faltete ihre Hände und begann zu beten. D e Glocken läuteten fort und fort. „Friede auf Erden, die guten Willen« find," fangen und klangen sie nicht so? Friede, Friede, Friede, denn bet Erlöser, ba« liebe, süße Christ­kind, ist gekommen I Friede auf Erden!

Und während sie ganz in stch versunken dem Glockenton lauscht, öffnet sich leise die Tyür und eine hohe Gestalt tritt Über die Schwelle. Rose stößt einen Schrei au«; sie weiß wer gekommen, — und wie gut, und wie gut, daß es dämmerig