Einzelbild herunterladen
 

durch eigene in Berlin wohnende Angehörige, alle haben sie die Kirchennoth vermehren Helsen, alle mögen sie auch helfen zur Linderung I Wenn die Herren Pfarrer Kollekten halten, Komitees berufen, Sammelstellen errichten, so daß jrdem Pfarrkinde die Anregung zur Hilfe für Berlin gegeben und zugleich die Gelegenheit geboten ist, den guten Willen rasch zu bethätigen, dann, aber auch nur dann wird es dem katholischm Deutschland ge­lingen, die Aufgaben für Berlin schnell genug zu erfüllen. Ohne örtliche Organisationen aber wird das Gelingen nur ein theilweises sein I Laste man sich also rühren durch die Thatsachen und Bitten des obigen Aufrufs der Vertreter des katholischen Berlins, lege man allenthalben — wenn für die Herrm Pfarrer selbst aus irgend einem Grunde ein Hinderniß bestehen sollte, mögen andere Geistliche und auch Laien die örtliche Or­ganisation ins Leben rufen — die Hand an« Werk! Es wird und muß jetzt gelingen, und Gott wird es segnen!

* Der preußische Gesandte beim Vatikan, Herr vonSchlözer, hat sich heute von hier auf seinen Posten nach Rom begeben.

* Der Kaiser hat sich heute früh mit dem Großfürsten-Thronfolger von Hannover nach dem Jagdschloß Springe begeben. Bei dem heutigen Manöver des 10. Armeekorps in der Umgebung von Springe übernahm der Kaiser persönlich das Kommando über die aus 8 Regimentern bestehende Kavallerie-Division, sowie zwei Batterien und ein Pionier - Detachement und ging mit denselben in forcirtem Marsch in südlicher Richtung vor. Der Großfürst-Thronfolger begab stch zu seinem 1. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 8, welches zum gegnerischen Korps gehört. — Der Kaiser wird bei seinem Besuche Griechenlands außer Korfu auch die Schlachtfelder von Mjarathon und Thermopylä besuchen. — Der russische Thron­folger hat dem Kaiser ein Handschreiben des Zaren überbracht.

* Fürst Günther von Schwarzburg-Son­dershausen, der Vater des regierenden Fürsten, ist am Sonntag Abend im Alter von 88 Jahren gestorben.

* Paderborn, 14. September. Dar durch das Ableben des Domkapitulars Wasmuth frei gewordene Kanonikat ist durch den hochwürdigsten Bischof dem Pfarrer Gockel aus Warstein ver­liehen. Die Profeffur der Kirch enges dichte, welche bisher der Generalvikar Dr. Schulte inne hatte, ist, wie man der .Germania' von hier mittheilt, vom Herrn Bischof dem Dr. theol. Kleffner, bis­her Kaplan von der Gaukirche Hierselbst, und die Profeffur des Kirchenrechls, welche durch die Be­rufung des Profeffor» Dr. Heiner nach Freiburg erledigt war, dem Präses des hiefigm Knaben­seminars Dr. Otten Übertragen worden.

Ausland.

* Der Versuch durch einen Ukas an die Bi­schöfe dem kath Klerus in Frankreich die Ein­flußnahme auf die bevorstehenden Kammerwahlen

Vaterland aufgesucht hatte, um nichts al« Undank zu ernten, al« Verachtung und dm Stempel der Schmach, für eine That, die er nie und nimmer zu bereuen vermochte. Und diese Thal wurde die Ursache zu größerem Elend, wenn — „Kasper!" unterbrach Rosens Stimme zum zweiten Male seine Gedanken.

„Onkel Karper!" tönte nun schmeichelnd ein Kinderstimmchen durch den Raum.

„Sprich doch ein Wort zu uns, lieber Onkel Kasper. Steh nur, ich habe Dir auch etwas mit­gebracht."

Und nun trippelt sie näher und legt eine voll erblühte dunkelrothe Rose vor ihm hin; die ganze Zelle ist mit süßem Wohlgeruch erfüllt. Seufzend erhebt Kasper das Haupt, ein Schauer durchrieselt ihn; — der liebliche Duft versetzt ihn mit einem Ruck in seine selige Kinderzeit; er be­findet fich mitten in zierlichen Häusgärtchen von Rosen umgeben, neben Vater und Mutter, die ihre Lieblinge, die Rosmstöcke, bewundern, fie hegen und pflegen. Welch' köstliche Zeit war das? Und wieder blühen die Rosen und — er? — und — aber gibt ihm der Himmel nicht ein Zeichen, daß — er--Ach, war er denn gar

so unglücklich, so lange e« noch Rosen auf der Erde gab, so lange er noch im Besitze der köst-

zu benehmen, ist nicht gelungen und der Minister­rath hat sich selbst veranlaßt gesehen, da« diesbe­zügliche Zirkulär des Justizministers zu desavouiren und von einer kulturpaukerischen Verfolgung der Bischöfe abzustehen. Letztere bemühen sich, auf die Wahl von kirchlich-treugesinnten Männern hin­zuwirken, die dm Muth haben, ihrer katholischen Ueberzeugung offene« Ausdruck zu geben und be­steht auch gute Hoffnung, daß er gelingen wird, eine größere Anzahl gläubiger Katholiken in die Kammer zu bringen. D

* Die Lags in Italien wird in einer liber­alen Zeitschrift, der ,Ruova antologia', in äußerst düsteren Zügm gezeichnet. Mit einer seltenen Offenheit erklärt der Verfaffer, baß Italien nicht länger mehr dir Last der gegenwärtigen Ausgaben zu tragen vermöge. Schon falle er unter den Rüstigen zusammen. Das Elend steige, wie eine Fluth unvermeidlicher Nebel. Dis Industrie liege darnieder; der Hande! sei fast vollständig ruinirt. Im Export sei ein Stillstand eingetreten, der Weinbleibein den Kellern liegen. Das Land schreie laut auf unter dem Drucke der Abgaben, die Finanzen werben durch die schlechte Politik vergeudet. Auf diesen Niedergang werde ein voll­ständiger Ruin folgen. Ein Krieg sei tausendmal dieser langen Reihe von Folgen des Friedens vorzuziehm. Dante habe da« von Blut getränkte Jtalim des 14. Jahrhunderts eine Wohnstätte des Schmerzes genannt. Was würde diese strenge Stimme wohl heute angestchts dieser Politik sagen, die jedes Patriotismus und jeder Umsicht bar sei. Sein Zorn würde fich wie ein glühender Lsva- ström auf die Männer ergießen, welche ihr Land zu Grunde richtm und bereit sind, Europa in einen Abgrund von Elend zu stürzen, nur um dafür ihrem Größenwahn stöhnen zu können.

* Rußland setzt seine Rüstungen in aller Stille, aber mit Eifer fort. Es ist jetzt bestrebt, in den Grenzprovinzen die Eisenbahnen zu ver- mehren und die Fahrbetriebsmittel zu erhöhen. Geplant ist jetzt der Bau einer Weichselbahn aus­schließlich zu strategischen Zwecken.

* In London ist mit dem heutigen Montag die Arbeit wieder ausgenommen worden. Etwa 50,000 Dockarbeiter und andere Arbeiter begaben fich am Sonntag Nachmittag in Prozession nach Hyde Park. In einer Ansprache beglückwünschte der Führer des Strikes, Burns, die Arbeiter zu der Beendigung des Ausstandes, dkffsn günstiger Ausgang das englische Parlament belehren werde, daß die Duldsamkeit der Arbeiter ihre Grenzen habe. Er dankte in warmen Worten dem Lord­mayor und dem Kardinal Manning für die Energie und Hingebung, die sie an den Tag ge­legt hätten, um diese Vereinbarung herbeizuführen.

Katholische Glaubensgenossen!

Berlin zählt mit den Vororten gegen 150,000 Katholiken. Dieselben besitzen nur zwei Kirchen und mehrere Kapellen, welche durchweg zu klein und theilweise in einem solchen Zustande find, wie kaum irgend wo anders in der Welt. So zählt

lichsten Erinnerungen an eine glückliche Kinderzeit sein konnte? Die ganze Welt konnte fie ihm nicht rauben, die seligste Erinnerung. Und als ob der Rosenduft Wunder wirke und die dumpfe Kerker­zelle plötzlich in Märchenglanz verkläre, Karper wendü das Haupt der Kleinen zu; ihre Blauäuglein blitzen ihn freundlich an — und bevor er weiß, wie es geschehen, hängt fie an seinem Halse, schmiegt sie sich fest und fester an ihn. Wie eine Erschütterung geht es durch seinen Körper. Und ein seltsamer Laut wird hörbar, wie unterdrücktes Schluchzen.

Das Kind erschrickt, können Männer weinen?

Ihre Augen richten fich fragend auf Tante Rose; — aber auch fie weint, und sachte löst Röschen ihre Arme von dem Nacken de« Mannes, sie glei­tet von seinem Knie herab und faltet die Händchen. — Kasper schaut auf sie hin, wie auf einen Engel des Himmels — und dicke Thräncn rollen wieder und wieder über feine Wangen hinab. Das Eis ist gebrochen. Rach einer Welle tritt Rose an den Jugendfreund heran.

„Dank, Karper, Dank! Nicht umsonst hat der Himmel Dir seinen Engel gesandt, wer Thränen hat, findet Trost und Gnade" — die Stimme versagte ihr.

„Werhalb gehst Du in Trauer, Rose?" fragte

die Sebastians-Pfarrei über 20,000 Katholiken und hat ein Kirchlein für kaum 500 Personen, die neu zu bildende St. Pms-Gemeinde zähl/ ebenfall« über 20,000 Katholiken und besitzt ein speicherartiges, baufälliges Gebäude für den Gottesdienst, wo kaum 600 Personen Platz haben. Im Süden Berlins wird feit einigen Monaten eine Tischlerwerkstatt, die kaum ein paar Hundert Personen soffen kann, im Norden Berlins seit einigen Wochen ein Tanzsaal als Kapelle benutzt. Und glücklich dis Orte, wo wenigstens noch ein Lokal für den Gottesdienst vorhanden ist. Vororte Berlins mit Taufenden von Katholiken — Fried» richsberg-Lichtenberg hat allein beinahe 300 katho- lifche Schulkinder — haben überhaupt kein Lokal für den Gottesdienst. Dis Katholiken dieser Orte müffen einen Weg von einer Stunde und darüber zurücklegen, um in der nächsten Kirche gewöhnlich doch teilten Platz mehr zu finden und deßhalb unverrichteter Sache umkehren zu müffen. Daß Katholiken, denen die Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten so erschwert ist, nach und nach lau und gleichgiltig werden, ja schließlich von der Kirche ganz abfallen und dann den destruktiven Tendenzen leicht zugänglich werden, ist begreiflich.

Hier muß geholfen werden I Katholische Glaubens­genoffen I In den Vororten Berlins leben also Tausende von Katholiken, aus den verschiedensten Gegenden eingewandert, meist arm, die selbst wenn sie wollen, ihren kirchlichen Pflichten nicht nach­kommen können, weil fie keinen Geistlichen haben. Blutet Euch, theuerste Glaubensgenoffen, die Ihr alle Sonn- und Festtage einen geordneten, feier­lichen Gottesdienst habt, blutet Euch nicht das Herz, wenn Ihr denkt, daß diese Eure Lmds- leute, Eure Glaubensgenoffen, fremd und ver- laffen in dieser riesengroßen Stadt, auch nicht einmal religiösen Trost finden können?

Gewiß, Ihr seid Alle bereit, nach Kräften zu helfen, die rührende Thrilnahme auf der Bochumer und Leobschützer Katholiken-Versammlung, die er­greifenden Hilferufe in den katholischen Zeitungen bürgen dafür, Ihr wißt nur nicht, wem Ihr Eure Gaben reichen sollt, damit gerade der schreiendsten Roth zuerst abgeholfen werde. Er hat sich deßhalb das unterzeichnete Somit« gebildet, bestehend aus Geistlichen und Laien der hiesigen katholischen Gemeinden, welches stch die Aufgabe stellt, dem kirchlichen Nothstand der Katholiken Berlins und feiner Vororte nach Maßgabe der ihm zu Gebote stehenden Mittel abzuhelfen. Jedes der unterzsich- neten Mitglieder ist zur Ertheilung weiterer Aus­kunft gern bereit. Gaben bitten wir an den mit- unterzeichneten Rendanten Herrn Lammers, Berlin W. Hinter der katholischen Kirche Nr. 5 gefälligst senden zu wollen.

Berlin, den 8. September 1889.

Dr. Jahnel, Propst bei St. Hedwig, hinter der kathol. Kirche 4. Müller, Geistlicher Rath. Hinter der kath. Kirche 4. Neuber, Pfarrer bei St. Sebastian. Scharn- horststr. kgl. Jnvalidenhaus. Schöps, Pfarrer bei St. Matthias. Potsdamerstr. 37. Schubert, Pfarrer bei St. Michael. Michaelkirchstr. 3. Frank, Curatus bei St. Pius* Pallisadenstraße 73. Hocke, Curatus bei St. Ursula. Lindenstr. 39. Klerlein, Curatus am St. Hedwigs-

Kasper in sichtlicher Spannung — vielleicht war sein Feind — tobt, tobt?

„Die Muhme sendet mich, ihr letztes Wort galt D»r," stammelte Rose unter neu hervorörechenveu Thränen.

„Onkel, komm' mit uns aus dieser schrecklichen Höhle heraus," rief die Kleine.

„Wer ist sie — wem gehört der kleine Engel?" „Mein Pathchen," versetzte Rose schüchtern.

Einen Augenblick schien Kasper nachzudenken, dann sagte er, auf den Boden starrend, halblaut vor fich hin:

„Also sein Kind, sein Kind."

„Wann wirst Du mich besuchen, Kasper?" fragte Rose, seine Gedanken ablenkend. „Ich be­wohne da« Haus der Muhme, Georg wohnt bei mir, er sendet Dir tausend Grüße."

Der Eintritt des Gifangenwärters unterbrach die Unterhaltung. Rose wandte fich zum Abschied. Sie reichten fich die Hand; ader al« Rose ihre Augen fragend auf sein Antlitz heftete, da senkte er bett Blick.

„Lebe wohl, Rose — l Abe, Röschen!" Ein langer, thränenverschleierter Blick folgte ben Bei­den, bis bie Thür hinter ihnen in'« Schloß fiel.

(Schluß folgt.)*