JS 212. Montag, den 16. September. 1889
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Proteftschreiben
der z« Fulda versammelte« Oberhirte« an ««sere« hl. Baler Papst Leo XIII.
Heiliger Vater! |
F An der geweihten Grabstätte des hl. Bonifatius, welcher durch Lehre und Märtyrer! od zum Apostel Deutschlands und zum Begründer seines Glaubens geworden ist, wiederum versammelt, fühlen wir uns gedrungen, vor allem Dir, dem Nachfolger des Apostelfürsten und Lehrer des Glaubens die Gefühle tiefster Verehrung, kindlicher Liebe und Ergebenheit zum Ausdruck zu bringen. Es war von jeher der Hauptzweck dieser Versammlungen, in geheimer Berathung solche Beschlüsse zu fasten, welche in Anbetracht der Bedürfniffe der Zeit sowie der täglich sich mehrenden Gefahren für die Seelen zur Förderung des ewigen Heils der uns anvertrauten Gläubigen geeignet erscheinen. Daher ist es gewiß angezeigt, daß wir vor allem Augen und Herzen zu Dir wenden, der Du im Auftrage Christi die Lämmer und Schafe weidest, die Brüder stärkest und allen das Wüster des Heiles, den Born der göttlichen Wahrheit erschließest. Wer vermeinte, im Weinberge des Herrn etwas Segensreiches wirken zu können, was nicht Deine Zustimmung gefunden hat und Deinem Urtheile vollkommen entspricht, der würde nutzlos Zeit und Mühe vergeuden. Sehr wahr und treffend hast Du, heiliger Vater, zu Beginn Deines Pontifikates geschrieben. „In den gegenwärtigen Gefahren, in dem gewaltigen unausgesetzten Kampfe gegen das christliche Be- kenntniß ist es Unsere Aufgabe, auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die Feinde zu bezeichnen, ihren arglistigen Anschlägen mit aller Kraft Mderstand zu leisten, damit die Uns anvertrauten Seelen nicht auf ewig zu Grunde gehen und das Reich Christi, besten Schutz Wir übernommen haben, nicht bloß unversehrt fortbestehe, sondern durch immer neuen Zuwachs auf der ganzen Erde sich erweitere." (Rundschreiben: „Humanum genug.“). Denn gerade in dieser einigen Verbindung der Bischöfe mit dem obersten Leiter der Kirche und dem Nachfolger Petri findet die Einheit der Heerde Christi, jene wunderbare Ueber- einstimmung, welche das Merkmal und die Zierde der wahren Kirche ist, ihren Ursprung und ihre Vollendung. Unter einem sichtbaren Haupte fügen sich die einzelnen Glieder in geheimnißvoller Vereinigung zum Leibe Christi zusammen.
Indessen genügt eine solche geistige Uebereinstimmung noch nicht zur vollen Einheit; es muß hinzutreten dre gegenseitige Liebe, welche „das Band der Vollkommenheit" ist, so „daß keine Spaltung am mystischen Leibe Chrtstt sei, sondern die Glieder auf gleiche Weise für einander Sorge tragen: und wenn ein Glied etwas leidet, die andern Glieder mitleiden." Wie aber, wenn das sichtbare Haupt der Kirche selbst Unbilden erleidet, wenn es durch Berläumdung und Beschimpfung herausgefordert, wenn es durch verschmitzte, haßerfüllte Ränke bekämpft, wenn eS offen mit Schmach bedeckt wird. Muß daher Nicht jene unwürdige Behandlung, welche vor wenigen Monaten dem Oberhaupte der Kirche widerfuhr, auch die einzelnen Glieder und insbesondere die Bischöfe treffen, welche mit dem Papste durch Amt und Würde in innigster Gemeinschaft stehen?
Vohiwkasptr.
Novelle vonJ.v.'DirkiN k.
(12. Fortsetzung.)
Der Wirth war genesen; die Krankheit hatte einen veredelnden Emfluß auf ihn geübt, vielleicht weil er in all den langen Wochen seiken Geld- Nöthen entrückt gewesen war, und RüsenS lNähe seinen Geist in eine höhere Sphäre gelenkt hatte. Sie war ihm zum Schutzengel seines Lebens geworden; warum hätte er sich weigern sollen, einem solchen Wesen volle Freiheit zu gewähren, wenn cs sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, de» Glückes Füllhorn über ihn aurschÜtten zu wollen. Wenn sie bis eigene Person von ihren Geschenken aurzuschlitßm beabsichtigte, so war dar am Ende auch kein Unglück. Die Schwester seiner seligen Frau war zu einem bildhübschen Mädchen herangeblüht; die Krankheit ihreSSchwagerS hakte st", nach Oettingen geführt; sie hatte, al"S die Muhme erkrankte und bettlägerig geworden, Rose am Echmerzenlager des Witthe« ersetzt .und so hatte man stch näher kennen und lieben gelernt. Rose war also frei, so frei wie ein Vogel in der Lust, selbst was bett Ballast ihrer irdischen Schätze an- belangte; ob der Himmel nun versöhnt war und
Man solüe es kaum glauben, daß gottlose Menschen in grenzenlosem Haffe gegen den Papst und die Kirche bis zu dem Grade von Verwegenheit, ja wahnsinniger Leidenschaftlichkeit sich versteigen können, daß sie im Herzen der katholischen Welt, in der Stadt, welche da ist die allgemeine Lehrmeisterin, welche „geheiligt ward durch das glorreiche Martyrium der beiden Apostelfürsten und unzähliger Blutzeugen", welche die göttliche Vorsehung dem Stellvertreter Christi als Wohnstätte angewiesen hat, einem pflichtvergeffenen Apostaten, einem gottlosen Philosophen, einem unsittlichen Schriftsteller unter großem Pomp und noch größerem Zulauf ein schmachwürdiges Denkmal errichten. Eine Lehre, durchsetzt vom Gifte jener Weltanschauung, die weder an einen unsterblichen Gott noch an eine unsterbliche Seele glaubt, ein Wandel voll stttlicher Verkommenheit, ein wilder Haß gegen die katholische Kirche und den Papst, schamlose Berläumdung, die selbst das eigene Vaterland Italien nicht schont, mit einem Wort Verirrungen jeder Art, welche dem Apostaten nur zur Unehre und Schmach hätten gereichen dürfen, sind ihm in merkwürdiger Verkehrung alles gesunden Urtheils zur Ehre und zum Verdienst angerechnet worden.'-SW»
Und damit Niemand sich über' das eigentliche Ziel dieses gottlosen Treibens täusche, haben die Anstifter und Gönner jener Feier es offen ausgesprochen, daß sie durch die Festlichkeit eine neue Religion anbahnen wollen, in welcher die Herrschaft des unsterblichen Gottes mit Füßen getreten und der menschlichen Vernunft göttliche Ehre erwiesen werden soll. Dieses moderne Heidenthum fühtt, wie die Geschichte des vorigen Jahrhunderts lehrt, vollständige Zügellosigkeit ein, untergräbt die Grundlage von Tugend und Recht und bedroht nicht nur die Kirche mit der größten Gefahr, sondern bringt auch '.die menschliche Gesellschaft unter Schimpf und Schande an.den^Rand des Abgrundes.
Von diesen überaus bittern Nöthen, welche Dich, heiliger Vater, so hart bedrängen, werden auch wir aufs ttefste bewegt. Mit Dir verurtheilen und verabscheuen wir in unserem Namen, sowie im Namen des Klerus und des uns anvertrauten No'kes das von den unver- söhnlichen Feinden der Kirche verübte Sakrileg als eine der gesammten Heerde Christi zugefügte Schmach. Schon träumten jene schlechten geheimen Gesellschaften von Sieg und vom lang ersehnten Triumph über Kirche und Papst- thum: „Dies war ihre Stunde und die Nacht der Fmster- niß." — Allein nur um so deutlicher hat sich gezeigt, wie es um diejenige Freiheit bestellt ist, die der Papst nicht entbehren kann, di« er aber, — wie man ausposaunt, um Unwiffende zu täuschen — noch immer besitzen soll. Es unterliegt keinem Zweifel, daß man in der gegenwärtigen Lage darauf hinarbeitet, dem christlichen Volke den Glauben zu rauben, den Haß gegen das Papst- thum zu schüren, die Grundfesten der Kirche zu untergraben und deren segensreichen Einfiuß auf die bürgerliche Gesellschaft zu lähmen. Demungeachtet wird, so dürfen wir mit Gottes Gnade hoffen, diesen schweren Angriffen ein guter Ausgang nicht fehlen. Denn da man nicht mehr mit heimlichen Umtrieben und verstreuten Angriffen, sondern mit dreister Stirn und offener Gewalt Christum und Seine Braut verfolgt, so wird Jeder, der des katholischen Namms würdig ist, mit erhöhtem Elfer
ihr Opfer angenommen hätte? Ihr Gemüth war bedrückt aus Furcht vor der Zukunft. Aber schien es nicht ein Wink des Himmels,'daß die'sterbende Muhme ihr einen Gruß an Käsper aufgetragen? Wer wußte jedoch, ob sie zu ihm gelassen und ob er sie empfangen würde? Der Abgrund klaffte tief, unendlich tief zwischen ihnen; dennoch mußte der Sprung gewagt werden. Heute, heute wollte sie ihn wagen durch einen Gang nach dem Gefängnisse; o, hätte ste ihn schon gewagt
In ihrem Geiste mit Kasper beschäftrgt, saß Rose, die Hände tot Schooß gefaltet, auf ihrem LiebltogSplatz am Fenster. Röschen tummeltefich draußen mit ihren Gespielen im Ringelreigen; das Jauchzen der munteren Schaar klang laut hetüber. Rose erhob sich, um htoauszügehen, da schlug dumpf und schwer ein settsames Geräusch an ihr Ohr; stampfende taktmäßige Fußtritte, die an marstzirende Soldaten er nfferten, näherten sich. Jäh prallte Rose vom Fenster zurück; denn nrcht Soldaten,'- sondern Züchtlinge fiNd e«, die m Rah und Glied vorüberzrehen; Rosens H-rz krampst sich vor Eätsetzen zusammen; ist nicht auch Kasper unter der gebrandmarklen Schaar? Sie fährt nut der Hand nach dem Herzen, er Ist ihr, als bohre sich ihr ein'M.sser in die Brust. Aechzend finkt
die Rechte der Kirche verfechten und mit kräftigerer^Ent« fchiedenheit.die^Freiheit des Papstes vertheidigen. Diese Uebereinstimmung der Bischöfe und der Gläubigm des ganzm katholischen Erdkreises in der Wahrung der Vorrechte des Statthalters Christi hier auf Erden, jene innige und einträchtige Verbindung der Gläubigen mit ihrem obersten Hirten, wie sie die verfloffenen Jahrhunderte kaum je gesehen, werden Deine Bedrängniß und Noth, heiliger Vater, lindern, und die Liebe und Ergebenheit wird Deinem Baterherzen großen Trost bereiten.
Inzwischen werden wir in dem festen Vertrauen, daß Christus Seine Braut in dieser Zeit nicht im Stiche läßt, „nicht aufhören mtt Klerus und Volk im Gebete zu beharren. In unabläffigen Seufzern wollen wie inständigst z>-m Herrn flehen: Dies ist unsere himmlische Rüstung, welche Festigkeit und muthige Ausdauer verleiht. „Das ist unsere Macht, das sind die göttlichen Waffen, die^uns schirmen." (8. Cyprian. Ep. 52 ad Comelium.) 4i
Zu den Füßen Deiner Heiligkeit erflehen wir für'uns und die uns anvertrauten Heerden den Apostolischen
Segen und verharren
Deiner Heiligkeit ergebenste und gehorsamste Diener und Söhne Fulda, den 22. August 1889
• f Philippus, Erzbischof von Köln.
• ■f Julius, Erzbischof von Posen-Gnesen.
• f Johann Christian, Erzbischof von Freiburg.
-j- Georg, Fürstbischof von Breslau.
•• Wil Helm, Bischof von Hildesheim.
t Felix, Bischof von Trier.
f Bernard, Bischof von Osnabrück.
-- Andreas, Bischof von Ermland.
f Karl, Bischof von Limburg.
•• Leo, Bischof von Culm.
f Paulus Leopold, Bischof von Main,.
+ Joseph, Bischof von Fulda.
Johann, Titular-Bischof von Philadelphia.
Dr. Giese, Kapitular-Vikar des Bisthums Münster.
Deutsches Reich.
Berlin14. Siptember.
* Der Kampf gegen bett Ak.koholismus, welcher in Deutschland von Jahr zu Jahr mit größerem Eifer seitens ber Gesellschaft geführt wird, nimmt mehr und mehr einen ernsthaften Charakter an. In Paris hat soeben ein internationaler Kongreß getagt, aus welchem die Maßregeln erörtert wurden, die der Staat in seinem Kampfe gegen die Trunksucht anwenben könnte. Im Hinblick darauf, daß für da« deutsche Reich der Erlaß eines Trunksuchtsgesetze« in naher Aus- sicht zu stehen scheint, dürfte eS angemessen erscheinen, daraus aufmerksam zu machen, daß auch in Paris im wesentlichen dieselben Maßnahmen vorgeschlagen wurden, welche in Deutschland wiederholt in Anregung gebracht worden find. Man sie auf den Stuhl hin, und nun tropfen ihr die heißen bitteren Thrönen übers Gesicht in den Schoüß hinab. Sie' wagt nichfmedr aufzuschaum; der Anblick präzt sich ihr unauslöschlich ein. Rein Kasper kann nicht verzeihen; sie sühlt es in diesem Moment deutlich in ihrer eigenen Seele nach. Die Kluft erweitert sich; da» Unglück schwebt über ihr — es wird sie zerschmettern. Sie kann, kann nicht zu ihm gehen, - h-ute nicht, — nie — nimmerI — Aber war ist da»?
Rose erbleicht, ihre Glieder zittern, ste fliegt empor an da» Fenster. Ja, was war da«, ist ein Unglück geschehen? Die Scheiben klirren von dem donnerattigen, furchtbaren Getöse, al» sollte die Welt untechchen. Rose späht hinaus, sie sieht nichts, als ein R.belmeer, oder ist es Staub? Sie weiß es nicht, Todesangst bannt sie aus ihren Platz fest. — Ist der Uferdamm, an dem die Sträflinge arbeiten, in die Luft geflogen? Sie dentt an Dyiamü; o Gott tot Himmel I Neues Toden, Geschrei; SlaubmasseN, biti empocwirdeln, rauben ihr jede Aussicht. Starr wie gelähmt, lehnt sie dä, nur die Augen leben und sorschen vergeben« hinaus. Ein hohles Gepolter, Stampfen und Schreien und'ein Pfeifen, al» ob der Nord» ost im SchöWein wühlt, erfüllt die Luft, Hülfe-