J2 211. Samstag den 14. September 1889
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Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
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Zweites Blatt.
X Zur Katholiken-Bersammlrrng in Bochum.
IV.
Die Verhandlungen auf der Generalversammlung zu Bochum wurden, wie dies so üblich ist, alltäglich mit einem feierlichen Hochamte eingc- leitet, welches am Montag in der Propstei», am Dienstag in der Marien», am Mittwoch in der Kloster- (Redemptoristen») Kirche gehalten wurde. Beide letztere Kirchen find nunmehr auch Pfarrkirchen, seitdem die eine Pfarrei Bochum mit ihren früher 40,000 Seelen in 7 Pfarreien, darunter 3 Stadtpfarreien, zerlegt ist. Die Redemptoristenkirche war am Mittwoch während des Hochamtes bis zum letzten Winkel gefüllt, so daß wir nur mit vieler Schwierigkeit in dieselbe eintreten konnten, und später Kommende, ohne hineingelangen zu können, wieder umkchren mußten. Alle drei Pfarrkirchen Bochums find dreischiffig mit je drei Altären. Um nun den vielen Priestern die Möglichkeit zu bieten, während ihres Aufenthaltes auf der Generalversammlung die hl. Meffs zu lesen, wurden in den Seitenschiffen der Propstei- und Marienkirche 4 bis 6 provisorische oder Rothaltäre hergestellt, nämlch ein einfacher Altartisch mit einem Antipendtum und einem mit einem Teppich belegten kleinen Auftritt; auf dem Altartische nebst dem altare portabile (tragbarer Altar) die übrigen Erfordernisse. O) ebendiese Einrichtung auch in der Klosterkirche getroffen war, konnten wir wegen der großen Ueberfüllung am Mittwoch nicht wahrnehmen; später kamen wir aber nicht mehr in diese Kirche zurück. Uebrigens konnte man auch in der Herz»Jesu>Kapelle der Elisabeth-Ki anken- anstalt und im Waisenhaus nächst der Klosterkirche die hl. Meffe lesen.
Als wir die Kirche vsrlaflen hatten, lenkten wir die Schritte zur Ausstellung für christliche Kunst, worin wir mehrere Stunden verweilten. Dieselbe bot das ganz gleiche Bild, wie die zu Münster im Jahre 1885. Er waren in Bochum, hauptsächlich in kirchlichen Paramenten, fast durchgehend« dieselben Firmen vertreten, die auch in Münster ausgestellt hatten; nämlich Firmen au» Münster, Paderborn, Kevelaer, nicht zu virgeffen Geschwister Ofiander aus Ravensburg. Es kann sich Jedermann ein Bild einer solchen Ausstellung entwerfen, wenn man auch niemals eine solche gesehen hat. Er hat wohl jeder schon schöne Chormäntel, Meßgewänder mit Dalmatiken in allen Kirchenfarben, schöne Alben
und Chorröcke mit kostbaren Spitzen, prächtige Fahnen und Standarten, schöne kostbare Monstranzen, Kelche, Ciborien, Kruzifixe und Leuchter, polychronirte Figuren, Herz-Jesu, Herz-Maria, die Mutter Gottes mit dem Jesukinde oder Heilige darstellend, kunstvoll ausgestattete Miffale, Breviere und andere rituelle Bücher u. s. w., alles auch in den verschiedensten Stylarten, gesehen. Denke man stch da» Alle» vervielfältigt, in schönen Gruppen auf den Auslagetischen geordnet, oder, war namentlich die kirchlichen Paramente betrifft, zierlich in umfangreichen Glaskästen aufgehängt und man hat ein vollkommen entsprechendes Bild einer Ausstellung für kirchliche Kunst. Wenn man kein eigentlicher Kunstkenner ist, darf man sich nicht anmaffsn wollen, über den künstlerischen Werth der ausgestellten^Sachen ein Urtheil abzu- gebcn. Daß aber in der Kunstausstellung zu Bochum, obgleich dieselbe so maffenhaft besucht war, indem 17,000 Eintrittskarten L 50 Pf. abgegeben wurden, während die Mitglieder und Theilnehmer der Generalversammlung freien Eintritt hatten, doch auch Gegenstände von geringerem Kunstwerth sich befanden, spricht unumwunden ein Artikel des ,Fränk. Volksblattes' aus, der über den am 1. Sept, erfolgten Schluß der Kunstausstellung berichtend auch betont, cs fei unter den Aurstellungs-Gegenständen auch vieleFabrik- arbeit gewesen, wodurch da« eigen't- liche Kunstgewerbe in den Hintergrund gedrängt gewesen sei. Ebendaffelbehateiner der Aussteller uns selber gegenüber geäuß:rt. Der Inhaber einer Paramentenhandlung hatte nämlich nicht nur in der allgemeinen Ausstellung, sondern auch noch in einem besonderen Lokale, an welchem uns der Weg vorüberführte, eine Auslage von verschiedenen Paramenten gemacht. Bon uns befragt, warum er doppelt ausstelle, erwiderte er, weil sich in der allgemeinen Ausstellung doch zu viele Gegenstände von geringem Kunstwerthe befänden, habe er in einer besonderen Ausstellung dem Publikum loch auch Gegenstände von eigentlichem Kunstwerthe vor Augen führen wollen. Zwei bis drei bekannte Firmen, darunter Adolf Aidtmann von Linnich hatten auch Kirchenfenster mit prächtiger Glasmalerei zur Anstcht aufgestellt. Auch drei große Glocken waren im Vorhofe des Kunstaurstellungs-Gebäudes aufgehängi, die öfters während de» Tages anhaltend geläutet wurden, so, daß, wer dies nicht wußte, vrrmuthrn konnte, Bochum sei so fromm, daß, wenigsten» während der Generalversammlung, den ganzen Tag über Gottesdienst gehalten werde.
Freudig wurden wir überrascht, al» wir beim Durchschreiten der Ausstellung auch auf zwei
Fuldaer Firmen stießen, Karl Rübs am und Franz Emil Berta, die einzigen Firmen, die in WachSwaaren ausgestellt hatten.Z» Die gweniger reichliche Ausstellung von Herrn Karl Rübsam befand stch gleich beim Eingang in den Saal an der linken Wand, während die umfangreichere Auslage des Herrn Berta einen ziemlich t in der Mitte de« Saales aufgestellten großen Glarkasten vollkommen ausfüllte. Rur ein Sachverständiger konnte sich das Urtheil erlauben, das über diese beiden Ausstellungen von WachSwaaren in eine der letzten Nummern der ,Fuld. Ztg/ aus auswärtigen Blättern abgedruckt war. Aber auch auf den Nichtsachvrrständigen machte die Ausstellung des Herrn Berta den sofortigen Eindruck, daß es sich hier um eine hervorragende Kunstleistung auf dem Gebiete kirchlicher WachSwaaren handle.
Unter allen Ausstellungsgegenständen gefiel uns am Besten ein gothischer Altar mit Flügelthürcn au» dem Steiner'schen Atelier zu München, deffen Preis auf 9000 Mark angesetzt war. Die Be- hältmffe für den Spüsekelch und für die Monstranz erheben stch kirchlicher Vorschrift gemäß übereinander. Zu beiden Seiten der unteren Behältniffe» für den Speisekelch befinden stch 2 Gemälde, die unbefleckte Empfängniß und die Verkündigung Mariens darstellend. Zu beiden Seiten des oberen Behältniffes für die Monstranz stehen 4 Engels- figuren, da« hl. Meßopfer al« Lob-, Dank-, Bitt- und Versöhnungsopfer fymboltfirend. Die innere Fläche der einen Flügelthüre auf der Epistelseite enthält ebenfalls Gemälde, nämlich die Darstellung Jesu im Tempel, und den 12 jährigen Jesus im Tempel, während die innere Fläche der anderen Flügelthüre auch in Gemälden die Geburt Jesu und die Anbetung der drei Weisen darstellt. Oberhalb de« Tabernakel» ist wiederum ein Gemälde angebracht, welches das hl. Abendmahl darstellt, zu beiden Seiten in Figuren Abraham und Mel- chifedech. Ueber dem eben erwähnten Abendmahlsgemälde steht in Mitten der drei Giebeln, in welchen der Altar aurläuft, der auferstands Heiland, flanktrt von zwei Engeln, die zum Weltgerichts blasen, während da» Gemälde auf dem Antipen- dium des Altartische» Jesum im Grabe zeigt.
Lange standen wir vor diesem Altare, in Betrachtung der einzelnen Darstellungen, und in tiefe Bewunderung der künstlerischen Ausführung versunken. Höchst befriedigt verließen wir die Ausstellung mit dem Wunsche im Herzen, wenn nur der hundertste, oder auch nur der tausendste Theil der Ausstellungs-Gegenstände uns zur Verfügung für unsere beide Kirchen stünde! —
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