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1889
Donnerstag den 12. September.
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X Zur Katholiken-Versammlung in Bochum. ßZ
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Wie auf allen katholischen Generalversammlungen, so stellte auch auf der zu Bochum der geistliche Stand die größere Anzahl von Rednern. So war denn auch in der zweiten öffentlichen Versammlung gleich der erste Redner ein Geistlicher, Pfarrer Klagger aus Lethmathe, der über dis Prefle sprach. Er begann mit einer captatio benevolentiae, daß er als einfacher Landpfarrer in einer so ansehnlichen Versammlung zu sprechen wage, und dazu noch über diesen Gegenstand; allein seinen wiederholten Weigerungen gegenüber, stch dieser Aufgabe zu unterziehen, sei ihm von einem Mitglieds des Lokalcomitv's geschrieben worden, unter allen auf der Liste verzeichneten Namen von Rednern, die zu einem Vortrags über die Presse ursprünglich in« Auge gefaßt worden seien, wäre schließlick einzig nur sein Name stehen geblieben, weßhalb er nicht weiter auf seiner Weigerung bestehen dürfte. So habe er stch denn endlich gefügt, und e« muffe stch daher die Versammlung mit Landkost begnügen, die freilich für kräftig und nahrhaft gelte. Der weitere Inhalt feiner Rede ist bekannt, denn alle Zeitungen, einschließlich der ,Fuld. Ztg.' haben diesmal die einzelnen Reden mit größerer Ausführlichkeit gebracht, wie in früheren Jahren, war leicht erklärlich ist, indem nicht weniger als 32 Berichterstatter von Zeitungsblätter aller Farben vor der Präfidial- bezw. Rednerbühne Platz genommen hatten. Der Redner gab zuerst einen Ueberblick über die Entstehung der katholischen Preffs, legte dann ziffermäßig den jetzigen Bestand derselben dar, sprach über die Aufgabe der katholischen Preffs, aber auch von den Pflichten der Katholiken gegenüber ihrer Prefle. Wie es wohl nicht anders sein konnte, kehrten in der Rede des Herrn Pfarrers Klagges viele Gedanken wieder, die schon auf der Generalversammlung zu Münster von Herrn Bachem über denselben Gegenstand entwickelt worden waren. Zum Schluffe empfahl der Redner die eifrige Unterstützung der .Germania' als des Centralorgans für die deutschen Katholiken, sowie der größeren Provinzialblätter, während die kleineren, bezw. die Lokalblätter stch selbst erhalten könnten. Seine in jeder Hinsicht vollendete, im ganzen Saale verständliche Rede
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Novelle von I. v. Dir link.
19. Fortsetzung.)
Betroffen schaute Rose auf den Wirth, alle» Blut schoß ihr in'» Gesicht. Klang dar nicht wie eine Herausforderung, wie eine Beleidigung gegen Kasper? Wie unvorfichtig und grob von dem Wirth, Kasper als feinen Gast unter dem eigenen Dache zu reizen.
Kasper schwieg noch immer; aber wie ein drohender Schatten lag es auf seinen Zügen. Die buschigen Brauen -zogen stch dichter zusammen und einmal zuckte ein gehässiger Strahl in seinem Auge auf, als es den Wirth flüchtig streifte. Rose wich unter Angst und Schrecken nicht von der Stelle. Aber sie ahnte es nicht, daß gerade ihre Anwesenheit die Flamme in den beiden Männern schüren sollte.
„Der Adler hat manchem armen Tropf auf die Füße geholfen. Unsereins ist nicht von gestern, und um eine solide Abkunst ist er ein gute» Ding — Ja, ja, man hat manchem Gevatter»- wann auf die Füße geholfen", prahlte der Wirth, mit dem Gelds in der Tasche klimpernd. Der
verdiente den hohen Beifall, der ihm von der Versammlung zu Theil wurde.
Zu unserer großen Freude betrat nun ein Laie die Rednerdühne; denn wir lieben, wie der auf den Generalversammlungen der sechrziger und siebziger Jahre al» tüchtiger Volksredner stets freudigst begrüßte Falk III. von Mainz, früher Fleischermeister, dann Zeitungsverleger, einmal so trkffsich sagte, die „Jesuiten in kurzen Röcken". Auch deßhalb freuten wir uns über einen Laien als Redner, weil Geistliche, wenn sie auch noch so gewiegte Redner find, doch bei ihrem Auftreten in politischen over parlamentarischen Versammlungen den Kanzelton nicht ganz verleugnen können. Herr Landtagrabgeordneter und Rechtsanwalt Julius Bachem von Köln, eine einnehmende Erscheinung auf der Rednerbühne, sprach über die Parität in Preußen, und in den deutschen Staaten überhaupt. Selbst die .Frankfurter Zeitung' hat, wie die ,Fuld. Ztg.' berichtete, Bachem's Rede über dis Parität als eine der bedeutendsten Leistungen auf der ganzen Generalversammlung zu Bochum bezeichnet. Der Herr Redner zeigte an zahlreichen Beispielen, wie in Preußen, wo eben die Idee des protestantisch en Staates wieder stark in den Köpfen spuke, der Protestantismus in allen amtlichen Stellungen überwuchere, und selbst in vorzugsweise katholischen Provinzen und Städten. Dies Ueberwuchern des Protestantismus in allen amtlichen Stellungen zeige stch sogar in Staaten mit katholischer Mehrheit, wie z. B. in Bayern, Baden. Nunmehr stellte er die Frage, ob Jemand das noch für rein zufällig halten könnte; wollte das Einer wirklich glauben, so solle er stch photographiren taffen, damit doch die ganze Welt einen so harmlosen Menschen bewundern könne, welche Aeußerung stürmische Heiterkeit hervorrief. Zum Schluffs seiner Rede sagte Herr Bachem, er werde in seiner Eigenschaft al» Stadtverordneter in Köln, so oft es sich um Besetzung einer städtischen Stelle handle, fortan stets mit aller Energie daraufdringen, daß bei gleichqualifiz'rten Bewerbern dem katholischen Bewerber der Vorzug gegeben werde, und so solle man es überall halten.
Als dritter Redner trat Herr Dr. Rebbert aus Paderborn auf und sprach über den Boni- fatius-Verein. Der genannte Redner ist gewiß allen Lesern der ,Fuld. Ztg.' bekannt, besonder» wegen seiner jüngsten Affaire mit dem Super»
Handelsmann am Nebentische erhob stch und ging hinan». Vielleicht witterte er den Sturm, der in der Luft schwebte. Kasper riß unwillkürlich an seiner Halsbinde, als prefle sie ihm die Kehls zusammen.
Langsam, jedes Wort betonend, erwiderte er:
„Jawohl, Euer Trunk hat Manchem auf die Socken geholfen und Manchem davon; bei Euch selber har'« wohl keine Noch, denn Ihr müßt ja einen guten Stiefel vertragen können."
Hätte Kasper ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt; es hätte den Wirth nicht empfindlicher tnff .-n können, als diese Anspielung auf feine geheime Leidenschaft des Trunkes, die einem kundigen Auge, wie Kasper es besaß, nicht verborgen geblieben, obschon er den Mann kaum lieber gesehen und gesprochen hatte. Auch heute hatte der Wirth im Geheimen des Guten zu viel gethan. Sonst schlief er in der Regel seinen Rausch aus; heute hatte die Nachricht von Kasper'» Heimkehr und später Rosen'» Verstimmung seinen Durst noch vermehrt; vielleicht wollte er sich auch Muth aus dem Glase holen, den Muth, um Rose ernstlich seine Hand anzutragen.
Nun kam dieser infame Mensch dazwischen; finn-
intendenten Trümpelmann, dem Verfaffer des neuen Luther-Festspiels, der behauptet hatte, irgendwo in einer Kirche an hervorragender Stelle einen „Kreuzweg Mariens I" gesehen zu haben, der sauber und blank gewesen sei, während der Kreuzweg des Herrn staubig und beschmutzt in einem Winkel der Kirche gehangen habe. Auf die Aufforderung Rebbert'», die Kirche zu nennen, suchte stch Trümpelmann so lange als möglich auszuschweigen, und al» dies nicht mehr ging, mit vagen Redensarten sich aus der Affaire hin- auszuwinden, bis er endlich freilich unter allerlei nichtigem Vorbehalt zugestehen mußte, stch geirrt zu haben. Dr. Rebbert sprach anfänglich nicht laut genug, worüber einige Unruhe im Saale entstand, die volle Wirkung seiner Rede ward auch dadurch in etwas beeinträchtigt, al» er eine zu lange Stelle au» einem Hirtenbrief vorlas, den der fei. Cardinal Geissel Erzbischof von Köln, zur Empfehlung des Bonisatius-V^reins an seine Diözesanen gerichtet hatte. Die tiefste Bewegung rief es aber im ganzen Saale hervor, als Dr. Rebbert erzählte, daß »in Teilnehmer an dir Eröffnung einer durch den Bonifatius-Verein neu- gegründeten Miflion»station sich einmal geäußert habe, in seinem ganzen Leben habe Nicht» einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht, als daß er bei jenem Anlaße nach der Wandlung, bezw. nach der Kommunion des Priesters vor dem Tabernakel der neuerbauten Kirche das „ewige Licht" habe anzünden sehen, welcher ergreifende Moment ihm stets unvergeßlich bleiben werde. Diese« „ewige Licht" fügte Herr Dr. Rebbert hinzu, habe der Bonifatiur-Verein bereit« in hunderten und hunderten von Städten und Gemeinden wieder angezündet, in welchen c« seit 300 Jahren erloschen war. Bei diesem Passus der Rebbert'schen Rede traten uns Thränen in die Augen; wir find überzeugt, daß dies auch noch bei vielen anderen Zuhörern der Fall gewesen sei; wir wollten aber unsere Rührung verbergen und haben uns daher hüben im Saale nicht umgeschen. Auch Dr. Rebbert verließ unter reichlichem Beifall die Redner- Bühne. —
DiN Schlußredner machte in der zweiten öffentlichen Versammlung Pfarrer Trapp er t aus Covington in Amerika. Dieser, sowie der Schlußredner in der dritten öffentlichen Versammlung, Professor Dr. Schädler aus Landau, find mit so ausgiebigen Stimmmitteln begabt, daß man sie
los vor Wuth schnellte der Wirth in die Höhe und sein gedunsenes rothes Geficht wurde erdfahl, al« er hervorstteß:
„Ihr seid ein srecher Patron und wohl von brüben hergekommen, die alten sauberen Bubenstreiche roieber aufzunehmen; aber, Profit Mahlzeit, vergeßt nicht, wer Ihr seid, wenn Ihr auch jetzt einen anständigen Rock tragt — Dohlenkasper seid Ihr," zflchte er — der Athem kam pfeifend au- feiner Brust — „und dort hat der Zimmermann" — er stockte, die Zunge versagte ihm ihren Dienst, aber wie eine gereizte Ttegerkatze sprang er an den säumigen Gast heran, al» dieser scheinbar ganz kaltblütig den Rest seine« Glase» hinuntergoß. Es war die Ruhe vor dem Orkan — da« sollte der Wirth erfahren.
Wre eine Bildjäule stand Rose da, hätte fie jetzt frei reden dürfen, sie hätte sich sofort auf Kasper'» Seite gestellt. Das kopflose, wüthends Gebühren des WirtheS empörte sie. Nie, niemals konnte sie einem solchen Manne ihr Schicksal anvertrauen; jetzt wußte fie es, daß sie Kasper liebte mit ganzer Seele, wie ein Schleier sank es ihr von bett Augen, ber Wirth trug eine Maske, er war keine gute Natur; ein Egoist, der sich viel-