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dieser Prozeß wird um so rascher beschleunigt, je mehr die katholische Presse sich vervoll­kommnet, und damit eine wirksame Konkurrenz bietet. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, daß die große Macht und Verbreitung der liberalen Presse zu einem großen Theile auf ihrer geschickten redaktionellen Mache, ihrer Reichhaltigkeit und ihrem umfangreichen Depeschendienst beruhen, wo­zu allerdings Texteinschaltungen, unsaubere Inserate und andere nicht sehr reinliche Einnahms quellen die Mittel lieferten. Wenn auch die konservative Presse in der Lage ist, die in unserer Zeit aller- ding- sehr hochgespannten publizistischen Anforde- rungen in jeder Beziehung zu erfüllen, dann wird für die liberale Presse da« Grabgeläute erklingen und selbst da« Geld und die Protektion Israel« werden ihr kein christliches Lesepublikum mehr schassen. Möchte doch recht bald diese Zeit kommen I

Deutsches Reich.

Berlin, 10. September.

• In einer Zuschrift an mehrere Blätter ver­wahrt fich Herr von Broich dagegen, daß er mit seinem Kreditgenossenschaftsprojekt poli­tische Parteizwecke verfolgt habe. Den „wahren Sachverhalt" stellt Herr von Broich folgender­maßen dar:

Scit länger als 24 Jahren als Begründer zahlreicher Darlehnskaffenvereine ein thätiger Freund des Genoffen- schaftswesens habe ich stets bedauert, daß dasselbe vielfach zu einer politischen Parteisache, nicht aber zu einem ge­meinnützigen Arbeitsfelde für alle Vaterlandsfreunde ge­macht wurde.....Unter'm 9. Juni verschickte ich an

meine Vertrauensmänner ein Programm, in welchem ich die vorstehend angedeuteten Gesichtspunkte näher entwickelte. Hebet die „Stellung zu den politischen Parteien" heißt es darin nie folgt: „Wie es die Natur des Genossenschafts­wesens und der Wortlaut des Genossenschaftsgesetzes ver­langt, darf das geplante neue Genossenschaftswesen keinen politischen Parteicharakter haben. Wie sich die kaiserliche Botschaft vom 17. Nov mber 1881 an die „vertrauende Unterstützung des Reichstages, ohne Unterschied der Par­teistellung" wandte, so soll sich das neue Gmoffenschafts- wesen an alle Vaterlandsfreunde ohne Unterschied der Par­tei wenden. Es wird damit die Herstellung eines gemein- schaftlichen Arbeitsfeldes werkthätiger Gemeinnützigkeit zur Vermehrung des bürgerlichen Friedens und zur Besänfti­gung und Milderung der Parteifeindschaften beabsichtigt. .... Was nun die Gewinnung der staatserhalten­den Parteien für das geplante Genossenschaftswesen be­tt fff, so liegt es in der Natur der Sache, daß dafür zu­nächst hauptsächlich die Mitglieder der Kartellparteien anzugeben sind, und zwar schon deßhalb, weil diese noch wirthschaftliches Vereinswesen haben.

In den letztm Worten sagt hierzu die .Ger­mania', tritt doch der Pferdefuß bereits hervor, wenn auch die mitgetheilten früheren Aeußerungm desselben Herrn noch ganz anders lauteten. Selbst die ,Nat.-Ztg.' kann nicht verhehlen, „daß die anderweitig bekannt gewordenen Schriftstücke die parteipolittfche Tendenz de« Unternehmen« doch stärker hervortreten ließen und auch insofern An­stoß erregen mußten, als darin die Inanspruch­nahme der Verwaltungsbeamten zur Mithilfe empfohlen wurde." Gegen die Angriffe des Herrn von Broich auf die Ultramontanen hat natürlich auch die ,Nat.-Ztg.' nichts einzuwenden.

* Es gilt jetzt ziemlich als gewiß, daß der

zu kömen. Und welche Nachwirkung hatte nicht da« Bewußtsein seiner Häßlichkeit gehabt, indem e« ihm jedes Selbstvertrauen untergraben hatte. War ihm nicht lange Zeit nachher noch alles Schöne wie sein persönlicher Feind erschienen, daß er es haßte, so oft e» ihm in dm Weg trat? Der Kampf um’« Dasein hatte dann Jahrelang diese Empfindung in ihm zurückgedrängt. Heute aber lebten alle erlittmen Qualen wieder in ihm auf, wurde er die Amte der widerstrebmdsten Gefühle; tausend Gedanken beengtm ihm die Seele, Gedanken, die sich bald um Rose, bald um dm Adler drehten. Dort da« backsteinerne lang­gestreckte Hau«, mit dem neulackirtm blanken Schild (goldener Adler im blauen Felde), hatte seine Eingangsthüre gastlich geöffnet. Ka«per bemerkte spärliche« Licht hinter dm Fenstern der Gaststube. Gewiß weilten vie Gäste im Gartm auf der Kegelbahn, und so wurde es ihm möglich, Rose unter vier Augen sprechen zu kömen. Entschlossen trat er in’« Haus. Ein bayerischer Handelsmann saß hinter seinem Abendbrod im Gastzimmer, Kasper setzte sich an einen klemm Seitentisch; e« war der gefeite Kampfplatz der dörflichen Hono­ratioren, die hier allsonntäglich zur Abendstunde eine Partie sechsundsechszig verbrachten. Kaum hatte Kasper Platz genommen, als der Wirth

Kaiser anläßlich der griechischen Reise auch Kon­stantinopel besuchen wird.

* Für den Kronprinzen von Griechenland sind von einer hiesigen Wagenfabrik am Montag sechs Equipagen nach Athen abgegangen. Alls Arten des Wagenbauer sind bei dieser Sendung ver- treten: Landauer, Wisksy, CoupL, auch ein Damen- und ein Herren-Phaöfon. Die Equipagen tragen thetls dar Allianzwappm des griechischen und des preußischen Königshauses, theils das griechische Wappen allein. Die Geschirre, die alle auch zum Viergespann eingerichtet werden können, sind in Pari» bestellt.

* Wie au» Kiel gemeldet wird, soll der Groß­fürst-Thronfolger von Rußland morgen dort ein- treffen. Während seine» Aufenthalt« in Kiel nimmt der Großfürst im Königlichen S blosse Wohnung. Bei der Ankunft de« Prinzen findet offizieller Empfang statt.

* Der Reichrkommiffar Hauptmann Wißmann hat auf bett Kopf Buschiri» einen Preis von 100,000 Mark ausgesetzt.

* Leobschütz, 8. Sept. Das Lokalkomite zur Vorbereitung der XII. General-Versammlung der Katholiken Schlefiens in Leobschütz hatte fol­gendes Schreiben an Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. gerichtet:

„Heiliger Vater! Nachdem in den vergangenen Jahren in verschiedenen Städt-n unserer Provinz Schlesien Katho­likenversammlungen abgehalten worden sind, ist in diesem Jahre auf Betreiben des gefeierten und um die katholische Sache rühmlich verdienten Baron v. Huene unsere hei- mathliche Stadt Leobschütz, gelegen in dem preußischen Antheil der Olmützer Erzdiözese, zum Versammlungsorte der schlesischen Katholiken auserkoren worden, damit Hier­selbst über die best-n Mittel bera'h-n werde, den Glauben zu festigen, den religiösen Eifer zu nähren, den Gehorsam und die Liebe zum Stellvertreter unseres Herrn Jesu Christi zu mehren und das Band der Gläubigen mit dem heiligen apostolischen Stuhle fester zu knüpfen. Darum frohlockt der Klerus, und es frohlocken mit ihm elftausend Parochianen, und alle hoffen, daß hieraus nicht geringe Früchte für die katholische Sache erwachsen werden. Die zu diesem Zwecke erwählten Männer haben mit freudigem Eifer bereits Vorbereitungen getroffen. Wie aber ein Kind, wenn es etwas Wichtiges unternehmen will, sich an den Vater wendet, um sich seine? Rathes und seiner Hilfe zu vergewiffern, so ist es auch für uns gehorsame Söhne der katholischen Kirche von großer Wichtigkeit, daß unser aller Vater, der hl. Bater, unsere Bestrebungen durch seine Hilfe gnädigst unterstütze. Deßhalb bitten wir D ch, h. Vater, flehentlichst Dir zu Füßen liegend, Du mögest geruhen, den Leitern der Versammlung, ebenso allen Christ- gläubigen, welche am 4. und 5. September dieses Jahres zur Erreichung der erwähnten ruhmeswürdigen Ziele sich vereinen werden, den apostolischen Segen gnädigst zu er- iheilen."

Auf diese« Schreiben ist am 5. September ein Telegramm in Leobschütz eingegangen, in welchem Staatssekretair Kardinal Rampolla den in Leob­schütz versammelten Katholiken Schlefiens mitthellt, daß der hl. Vater die von denselben ausge­sprochenen Gefühle de« Gehorsam« gern (libenti animo) annehme und Allen den apostolischen Segen liebevoll ertheile.

Ausland.

♦ Hollands Katholiken feiern in diesensTagen das Jubiläum der Widererrichtung der katholischen Hierarchie. In den letzen 35 Jahren wurden in

erschien und beim Anblick des fremden, hochge­bauten, rothhaarigen Mannes fichtlich stutzig wurde. Ein heiserer Laut al» Tagesgruß rang fich aus seiner gepreßten Kehle. Sekundenlang wurzelten die Blicke der Beiden in einander; unwillkürlich stemmte Kasper die geballte Faust aus’» Knie, denn der jähe Anblick seines Feindes rief etwas wie Kampflust in ihm hervor.

„Dohlenkasper", so flog es dem Wftth durch den Kopf; standen nicht mtt der H-.imkehr desselben begrabene Dinge auf? Aber war da» wirklich der widerwärtige Junge von damal«? — hm — au« Kindern werden Leute. In dem sauberen städti­schen Anzug nahm fich der Mann nicht übel au«, und wie der Blitz zuckte ein argwöhnischer Ge­danke durch seine Seele. Kam vielleicht Rosen« vnäßderte« Wesen auf Rechnung dieses Menschen k Wie wortkarg und schwermüthig erschien ste heute. --Er hatte es nicht zu deuten gewußt und an eine Plauderei seiner Gläubiger gedacht; wie fatal, wenn ihm jetzt, so nahe am Ziel, der Gold­fisch aus dem N.tz entschlüpfen sollte.

Unter diesem Gedankensturm trat er näher an Kasper heran, der ja eine ganz unverschämte her­ausfordernde Haltung zeigte.

„Eine Flasche vom besten, guten, allen Wein, wenn ich bitten darf," befahl Kasper mit dem

Holland trotzdem die Katholiken dort in Minorität find, 416 neue Kirchen erbaut, 136 vergrößert und 139 krth. Wohlthätigkeitsanstalten errichtet. Die katholischen Schulen in Holland werden von 155,000 Kindern besucht.

• Paris, 10. Sept. Es ist sehr bezeichnend, daß gerade vor den Wahlen ein schwerer Konflikt im Schooße des republikanischen Kabinet« aurge- brachen ist und daß derselbe bisher nicht beige­legt werden konnte. Er handelt sich um den Minister de« Innern, der sich mit dem Kabinet«- chef überworfen hat. Auch sonst steht e« mit der Einigkeit unter den Republikanern nicht am besten. Trotzdem äußern fich ihre Organe sehr hoffnungs­reich, ste versprechen sich besonders viel Erfolg von der Reform des Wahlgesetzes durch Ausschluß der mehrfachen Kandidaturen, weil dadurch Boulanger unmöglich gemacht würde, durch Vereinigung von zahlreichen Mandaten ein Plebiscit in seinem Namen zu veranstalten. Die R publikaner haben sich j tzt wahrer V-rzweiflung-mittel bedient und sind selbst vor Ausnahmegesetzen nicht zurückge­schreckt, nur um ihre Mehrheit zu behaupten. — Bischof von Seez richtete an den Justizminister einen energischen Protestbrief da» Rundschreiben, welche« dem Kleru» eine polit sche Parteinahme bei den Wahlen streng untersagt und erklärte, jede Regierung, welche die Wahlfreiheit für Alle gewähre, habe von der Major tät der Gastlichkeit nichts zu befürchten.

• Der Erbprinz von Monaco hat sich mit der Herzogin-Wittwe Richelieu, gebotenen Heine, ver­lobt. Dies wird da» erste Beispiel sein, daß eine geborene Jüdin auf einem Throne Platz nimmt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 11. September.

• Ein römisches Blatt, der ,Off-rvitore romatto' veröffentlicht in seiner neusten Ausgabe die Adr esse welche die jüngst in unserer Stadt, am Grabe des heiligen Bonifatius versammelt gewesenen Bischöfe Preußens an den hl. Vater gerichtet haben, sowie da» Antwortschreiben de» hl. Vaters. Während wir den Abdruck der betreffenden Adresse vorläufig noch verzögern müssen, können wir die Antwort de» hl. Vaters nach dem genannten römischen Blatte schon heute mittheilen. Dieselbe lautet:

An die ehrwürdigen Brüder Philipp, Erzbischof von Köln, und die anderen Erzbischöfe und Bischöfe, die in Fulda versammelt waren.

Ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischen Segen! Weise und zweckentsprechend habt Ihr die Zeit an Uns zu schreiben wahrgenommen. Da die Fürsorge um Eure heimischen Diözesen Euch an dem Grabe des h. Boni­fatius versammelt Hit, wo Ihr in gemeinschaftlichem Rothe über das, waS jenen zum Segen gereichen kann, Beschlüsse fassen wollt. So ist Uns sowohl Eure Ueber- einstimmung in den wichtigsten Angelegenheiten, als auch besonders Euer gemeinsames Interesse für Uns und Eure Denk- und Willensrichtung, die mit der Unserigen innig verbunden ist, um so klarer geworden. Von dieser innigen Verbindung legt Euer Brief deßhalb ein Zeugniß ab, weil er mit dem, was Wir empfinden und wollen, voll­ständig übereinstimmt und offen zeigt, daß Ihr nicht nur

Tour eine» Mannes, der an Bedienung gewöhnt ist, weil er sie bezahlen kann.

„Hoho", dachte der Wirth, indem er zögernd stehen blieb, als wäre er taub, o hoho, so weit find wir noch nicht. Ob man ihn nicht fühlen lassen müßte, daß seins Herkunft unvergessen ist, — denn er selber weiß wohl nicht mehr, wo er einstmals hinter dem Zaun gelegen hat?

„Guten Tag, Herr Möllers", rief er laut, „auch mal wieder hier," warf er nachlässig mit einer geringschätzigen Miene hin, indem seine Hand mit der schweren goldenen Uhrkette spielte, die über die gelbe lange Nankingweste herabbaumelte.

„Wie Sie sehen Herr Schmidt, bitte, kann ich meinen Wein haben?" ließ Kaip.r, fich eine Ci­garre anzündend, mahnend hören. Da» Blut kochte in ihm; seine Aufregung zu verbergen, begann er zu rauchen. Und er lehnte sich befriedigt in seinen Stuhl zurück, al» jetzt die Stimme de» Wirthe« durch da« Zimmer schallte. Kurz darauf brachte Rose selbst den Labetrunk herein. Ob der Wirth da« gewollt hatte? War Rose Kellnerin? Sie sollte fich zu gut dafür halten, dachte Kasper, dessen Erbitterung fich steigerte, dessen Vernunft in dem gährendem Ingrimm, in dem Wuthanfall unterging, der sich langsam aber sicher in ihm vorbereitete.