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M 208.

Mittwoch, den 11. September

1889

©te ,Fuldaer Zeitung erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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25 Jahre — »Neue Freie Presse/ tt Wien, 7. September.

Al» Moses Monte fiore in den Vierziger Jahren auf jenem Radbiner-Kongreffe zu Krakau seinen Glaubensgenoffen zurief, sich der Presse zu bemäch­tigen, um die öffentliche Meinung in die Hände Israel« zu bringen, da dachte damals wohl Nie­mand, wie rasch sich die Vorhersagung der Stif- ders der ,Alliance israelite* verwirklichen und welche Macht das Judenthum durch die Preffe er­langen rofltbe. Das christliche Volk hat dieselbe nur zu bald schmerzlich genug empfunden and es bitter bedauert, daß »8 die Dinge so weit kommen ließ. In diesen Tagen feiert ein Hauptorgan des jüdisch- kapitalistischen Liberalismus, die.Nene Freie Presse' in Wien, ihr 25jähriges Jubiläum und gewährt damit einen sehr lehrreichen Blick auf die inneren Verhältniffe in unserem Vaterlands, denn dieses Vierteljahrhundert Zeitgeschichte ist auch die Ge­schichte des Liberalismus in Oesterreich, der in dieser Epoche leider zu einer so ausgedehnten Machtsülle gelangt ist unb damit so viel Unheil über unsere ehrwürbige Monarchie unb ihre Völ­ker gebracht hat. Vor 25 Jahren war er noch ziemlich ohnmächtig unb halte wenig Einfluß nach oben und nach unten, aber er begann sich zu regen und seine Feuerbrände auszuwerfen nach allen Richtungen. Die Zeit war ihm günstig. Die so­genannte Reaktionsperiode hatte das politische Leben in Oesterreich niedergehalten, e« duldete keine liberalen Ideen, aber es ließ auch das ka­tholische Volkrbkwußtsein nicht zur Entwicklung kommen und verhinderte die Organisation der positiv gläubigen Elemente. Als nun begünstigt durch die Verhältniffe der Libera­lismus bie ©kett; «lieber der Freiheit sang und eins neue Zeit des angeblichen Volksglückcs und der bürgerlichen Wohlfahrt verkündete, da strömten ihm Tausends zu und er nahm mit ungeahnter Raschheit weitere Positionen ein, weil es an Ver- theidigern derselben fehlte. Sein Hauptmittelzug hiezu war die „sechste Großmacht", die Preffe, mittelst deren Hilfe er seinen Siegeszug antrat. Die liberalen Herrschaften hatten ein fruchtbares Feld vor sich und waren ohne Konkurrenz; sie konnten es daher nach allen Richtungen ausnützen und haben damit einen ungeheuren Vorsprung vor den konservativen Parteien erlangt, welche

öoikntaptr.

Novelle von I. v. Dir link.

8. Fmvetzung.)

„Aber was ist Dir, Bruder?" unterbrach sich Georg, als er ihn plötzlich die Farbe wechseln sah — „wird Dir schlecht?"

„O nein, nein, nichts!" und sich gewaltsam fiffend, fragte er, wer, was sagtest Du — der Adler und Rose" — er stockte; wie ein Krampf schnürte e« ihm die Brust zusammen. War es denn möglich, daß Rose, seine Schwester, den er­bärmlichen Menschen lieb haben konnte?

„Die Leute sagen er", stammelte Georg, der mit kindlichem Scharfsinn in der Seele de» Bru­ders las und es tief bereute, daß er ihn mit riner unangenehmen Botschaft überrascht hott-. »Aber die Muhme glaubt e» nicht und muß er doch wohl bester wissen, als alle Anderen.

Am Nachmittage saß Kasper der Muhme gegen­über am Herde. Was hatte sie ihm nicht Alle» !U erzählen; Alles, Alle» gatt', umständlich zu er- Mlen, war ihn doch durchaus nicht intere flirte, während er auf glühenden Kohlen stand. Näheres über Rose und den Adler zu erfahren. Seine Ge­duld wurde auf eine harte Probe gestellt, bevor

erst mit einer Prefle und einer politischen Orga­nisation kamen, al« man die schlimmen Wirkungen der liberalen Wirthschaft erkannte und zur Ab­wehr schreiten mußte.

In die Anfangszeit de« Liberalismus fällt auch die Gründung der .Neuen Freien Prefle'; sie ging hervor au» der Zang'fchen alten ,Prefle', deren jüdischer Redaktionsstab eine neue dem Judenthum und dem Liberalismus günstige Zeit herandämmern sah und sie für sich zu fruktifiziren entschloffen war. Während die alte ,Prefle' seitdem immer mehr dah'nsiechte und j tzt al« offiziöse« Blatt ein traurige« Dasein führt, hatte da« neue Unterneh­men ein merkwürdiges Glück. Es wurde das Hauptorgan nicht bloß der „Alliance israelite“, sondern bezeichnender Weise auch der liberalen Par- hi in Ö sterreich, in der das Judenthum die Füh­rung besitzt, es erreichte leider einen ungeahnten Einfluß auf die politischen, wirthschaftlichen und sozialen Vorgänge und erzielte eine für einen christ­lichen Staat geradezu unbegreiflich hohe Auflage. Zahlreiche Umstände wirkten da günstig zusammen: cs kam zunächst der Krieg mit dem gesteigerten Lesebedürfnifle, dann die liberale Aera mit dem sogen. Bürgerministerium, da» eigentlich nur eine Succursale der .Neuen Freien Prefle' war, dann der „volkswirthschaftliche" Aufschwung mit seinem Gründungsschwindel und den massenhaften „Be- theiligungen" für liberale Zeitungen, die damals ihre besten Zeiten hatten; es kam die Aera Lasser, genannt Auersperg, die sich bei ihrer inneren Schwäche ganz auf die liberale Prefle stützte; cs waren dies lauter Momente, die auf das Gedeihen derselben sehr förderlich einwirkten und e» dahin brachten, daß weite Volkskreise, speziell in Wien, ganz im Banne dieser Presse standen. Das Wort „liberal" hatte damals noch einen verführerischen Klang und wurde mit großem Geschicke und noch größerer Unverfrorenheit politisch und geschäftlich fruktfizirt. So kam e», daß die .Neue Freie Presse' trotz ihrer wirthschaftlichen Sünden und ihrer Liirung mit der Börse, trotz ihrer unpatrk- tischen Haltung und ihrem Siebäugeln mit allen Revolutionären der Welt da» politisch eit flußreichste, größte und bedeutendste Blatt der Monarchie ge­worden ist, welches einen nach vielen Tausenden zählenden Leserkreis besitzt und so recht als Organ des unchristlichen und kapitalistischen Liberalismus erachtet werden kann.

sie der Reche nach bei Rosens Erbschaft angelangt war. Dann folgte der Tod der «hierin, der schlaue Fuchs von Wirth spionirte um Rose herum utib da« Mädchen war viel zu gutherzig, ihn zu durchschauen. Da« Kind lag ihr am Herzen und da« Wohl der alten Muhme, für die ex!ra im Adler gekocht wurde.

„Aber heute ist mir etwa« aufgefallen", be­merkte die Alte verlegen hüstelnd, während sie in einem dunklen Verließ in der Herbmauer kramte. Mit zitternbcn Fingern wickelte sie etwa« au« einem Papierknäuel. „Schau Kasper, ber Ring — inwendig stehen Buchstaben — lag auf Rosens Kommode; ob der wohl dom Adler herstammt, das gäbe mir dann zu denken." Und während Kasper schweigend den Ring betrachtete, fuhr sie fort: „Wenn er sie wirklich bethört hat, so fehlen ihm einzig" — sie machte mit der Hand bie Be­wegung be« Gelbzählen« — „Moses unb die Propheten". Er hat nämlich auch seine erste Frau ihres G-lde« wegen gefreit, und ich erinnere mich noch ganz gut, wa« er damals geäußert hat, al« Rose plötzlich reich geworden war. Der gol­dene Rahmen um da« Aff nge ficht wirb Wunder wirken und es an ben Mann bringen. Natürlich weiß Rose nichts bavon, sonst wäre sie mit keinem

Als bie Aera Taaffe kam, hoffte man, baß nun auch bie Macht ber liberalen Presse gebrochen würbe unb baß bie Regierung, von ber Sch Üb­lichkeit derselben überzeugt, sich bemühen werde, durch Stärkung ber christlichen Preffe einen Damm zu errichten gegen bie verheerenden Finthen einer Tagcsliteratar, bie so recht geeignet ist, bie Funda- mente bes Staatswesens zu erschüttern. Aber siehe btt, wie in so vielen Dingen täuschte man sich auch hier; bie liberale Prefle trat in offene Oppo­sition wiber das Regime, aber sie braucht deßhalb nichts zu fürchten. Sie erfreut sich von oben aller Fürsorge und Freundlichkeit, sie ist nach wie vor in der Lage, aus erster Hand die Kundgebungen derselben mitzuthsilen, die ste bei jeder Gelegen­heit bekämpft, und sie steht vielleicht mit einem Gefühle des Mitleides auf die katholischen Blätter herab, die sich nur zu oft über die Absichten ber Regierung, welche sie stützen, aus liberalen Organen informiren müffen. Die liberale Preffe ist auch unter ber Aera Taoffe geblieben, was sie war, bas Organ bes Großkapitals unb bas Sprachrohr ber Bureaukratie, und sie hat heute noch Bezieh­ungen zu allen Aemtem und B.hörden wie vor Jahren, sie ist beßhalb einflußreich unb kann sich Vieles erlauben. Es ist darum auch kein Wunder, wenn sie nach wie vor mit solcher Keckheit Papst und Kirche angreift, bie religiösen Gefühle der Katholiken verletzt und sich an b«n kathol. Tradi­tionen der Monarchie versündigt. Die Verbr e'it- ung der liberalen Presse hat in jüngster Zeit allerdings abgenommen und man kann heute wohl sagen, daß ste ihren Zenith überschritten hat unb sich im Niedergang befindet. Aber da» ist nicht da» Verbienst ber Regierung, sondern es ist bem Erwachen bes christlichen Volke» zuzuschreiben, welches sich immer mehr abwenbet von einer Presse, bie nicht bem Volkswoh'e, sonbern nur zu oft ber Volksausbeutung dient. Auch bie .Neue Freie Presse' scheint uns bereits bie Sonnenhöhe ihrer Macht überschritten zu haben unb langsam bergab zu gehen. Die nächsten 25 Jahre werben hoffentlich den Einfluß ber jüdisch liiere len Presse in O.sterreich immer mehr zum Schv t ben bringen unb bamit auch eine Gesunbung ber inneren Ver- hältniff: in unserem Vaterlands herbeiführen. Es vollzieht stch ein erfreulicher Proz ß im christlichen Volke, welche» sich von bem Banne einer anti- christlichen Presse immer mehr emanzip'rt unb

Fuß über seine Schwelle getreten, obschon sie nicht eitel ist. Aber so etwas kann man ihr boch nicht wieder sagen.

Gegen Abend war *e» al» Kasper die Hütte verließ, vergebens hatte er den ganzen langen Nachmittag Rose erwartet, er wollte unb mußte ein ernstes Wörtchen mit ihr reden, bevor ste den wichtigen Schritt that und einem habsüchtigen schlauen Menschen als Beute anheimfisl. War es nicht eine merkwürdige Fügung, daß tr noch zur rechten Z it heiwkehrte, um Rosen bie Augen öffnen zu können. Unb währenb er über bie ein­same Straße dahinschritt, trat ihm lebendig jener Sommermorgen vor die Seele, da er, im Qkare verfi cht, die gehässige Aeußerung de« Wirthcs be­lauscht hatte, eine Aeßernng, bie doch auch Rosen zu denken geben mußte.

Wie ein glühender Stachel hatte stch ihm da­mals bie Eikenntniß, daß er häßlich, daß sein Anblick Andern eine Qual sei, in die Seele ge­bohrt, und ihm jede unschuldige Freude am eigenen Sein geraubt. Nichts als sein kleines empfäng­liches Kmderherz befaß er nur, nicht bie Reife des Verstandes, eine solche persönliche Meinung aus ihren wahren Werth zurückjusühren, ober eine ableitende Beschäftigung, die Beleidigung vergessen