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Samstag, den 7. September

1889

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vvnferate. Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. * * * * * * * 8‘

Zweites Blatt.

□ Ueber Automaten und einheitliche Zeitrechnung.

Automaten hier und Automaten dort — wir treten in da« automatische Z-italler. Die Leser kennen gewiß schon sämmtlich au» eigener Anschau­ung oder gar Erfahrung diese Vorrichtungen, welche zumeist Groschen zu verschlucken und irgend eine L.ck-rei oder auch bloß die Angabe de« Ge­wichte« von stch zu geben pflegen. Der einfachste Automat ist wohl die „selbstlhättge" Waage. Der hineingeworfene Groschen braucht bloß durch sein G.wicht den Sperrhebel an der SBugefebet aus­zulösen; der weitere Verlauf der Geschichte ist ge­rade so, wie wenn die Köchin auf der Frderwage eine Gan« oder die zärtliche Mutter auf derselben Wage ihren Säugling wiegt. Der Wiege-Auto­mat er fordikl keine Nachfüllung; der Besitzer diese« Groschenschluckers braucht blo« von Zeit zu Zeit den Geldkasten zu leeren. Bet den Bei kauf«-Auto­maten muß er dagegen den Waarenronath fort- nährend erneuern. Dafür spart er sich aber die Kosten für den Kommis oder das Ladenmädchen; einige Hebel, Rädchen, Federn, Schieber und Klap­pen ersetzen diese menschlichen Verkaufsvermittler. Der Geist de» Menschen läßt sich freilich nicht durch einen Mechanismus ersetzen; darum muß sich der automatische Güteraustausch auf das ein­fache Geschäft beschränken, für ein bestimmtes Geld­stück ein bestimmtes Stück Waare auszuliefern.

Siebtn den Chokolader-, Bonbon-, Zigarren-, Cognac- rc. Automaten ist j?tzt eine ganz eigene Art von Verkaufr-Mechanismu» erschienen, näm­lich der Lotterie-Automat auf der Berliner Kunstausstellung. Die Sache geht von der „Aka­demie der Künste" aus, welche vor einigen Jahren in der Lotterie-Kunst das bekannte Pech hatte. Es fehlte schließlich ein Röllchen im Gewinnrade, und in Folge deflen mußte die ganze Ziehung für un- gillig erklärt werden. Um diese Scharte aurzu- wetzen, hat die Akademie der Künste ihrem dies­jährigen Glücksspiel eine Gestalt gegeben, welche feit Adam und Eva noch keine Lotterie und kein Lotto gehabt. Loskauf und Ziehung erfolgen in demselben Momente, und zwar mittel« de« Auto­maten. 30.000 äußerlich ganz gleiche Kugeln sind in eine Anzahl Apparaten untergebracht. Wirft man ein Markstück hinein, so kann man sich mittelst einer Kurbel eine Kugel heraurdrehen. D'.ffrttt man dieselbe, so findet man entweder ein Papierchen mit dem Wort „Riete" oder eine An­weisung, welche da« Recht gibt, Kunstgegenstände zu einem gewissen Werthe zu erwerben. Die große Mehrzahl der „Gewinner" bekommt eine Anw-isung für 1 Mk., welche ihnen eine Photo­graphie einbringt; auf eine Reihe von mittleren Gewinne folgen vier Hauptgewinne zu je 100 Mk. Im Ganzen sollen auf 30,000 Mk. Loseinnahme für 20,000 Mk. Gewinne fallen.

Da« Unternehmen zeigte sofort eine stark« Zug­kraft. Ersten« war es ja etwa« Funkelnagelneue», was alle Welt „mitmachen" muß, und zweiten» reizt die fofortige Entscheidung über Verlust ober Gewinn zum Nachsetzen. „Eine Mark will ich doch rirktren; nach den vielen Nieten muß dach mal eine Glückskugel kommen. Die Sache ließ sich also im Anfang gut au, aber r» dauerte nicht lange. Die Automaten zeigten stch bald launen­haft ; nur mit Mü'.e und Weiterungen waren die Kugeln zu erlangen und schließlich stellte ein Appa­rat nach dem andern die Arbeit gänzlich ein. Man hat inzwischen an den Dingern herumgeflickt, aber e« treten immer wieder Störungen ein, die natürlich zu den ärgerlichsten Sz nen führen. E»

ist möglich, daß schließlich die Apparate aller Nach­hilfe zum Trotz entsagen und die sonderbare Zieh­ung nicht zu Ende geführt werden kann.

Da» ist ein sogen, gefundene» Fressen für juri- stische Haarspalter. Die Loose sind unter Auf- flcht der Polizei in die Apparate eingezählt worden; wenn nun nachträglich die Behälter ge­öffnet werden, so wird nicht bloß eine Gefahr für bte Richtigkeit de» Spieles herbeigeführt, sondern e» wird auch der vereinbarte Gang de» Spiele« geändert. Brauchen stch die Spieler das gefallen zu lassen? Wenn ich eine Mark in den Apparat gestickt habe, so habe ich dadurch ein Recht auf dicj-nige Kugel gewonnen, welche gerade am Aur- gang liegt. Nun versagt der Apparat; besten Falls bekomme ich meine Mark erstattet, aber bte wohlerworbene Kugel, die vielleicht einen Haupt- aewinn enthielt, geht mir flöten, denn nach der Rtp.ratur liegen die Äugeln in anderer Reihen- folge. Und wenn schließlich der Apparat wie­derum versagt, kann und darf bann der Verkauf der noch dann befindlichen Loose auf einem anderen Wege erfolgen? Al« auf der Jubiläumslotterie ein Gewinnlos fehlt, welche» mit Leichtigkeit und Sicherheit hätte ergänzt werden können, wurde nach dem Grundsatz entschieden, daß die Loo:- ziehung eine einzige, unheilbare Handlung fei, so daß die auf ein Loo» sich beschränkende Störung die ganze Ziehung ungiltig mache. Wenn dieser Grundsatz auch bei der Automatenziehung praktisch wird, so haben die Nietenzieher da» Recht, eine Wiederholung de» ganzen Vorgänger ober wenig­stens die Erstattung ihres Einsatzes zu verlangen, und die Gewinner, milche vielleicht ihre Kaufan- Weisung schon verwirklicht haben, müssen auf Rück- gäbe des Gewinnes belangt werden.

Das kommt davon, wenn man zu fo heiklen Dingen Automaten verwendet, ohne die Leistung«, fähigkeit genügend geprüft zu haben. Doch hat die Sache auch dann noch ihre Hacken, wenn der Mechanismus auch richtig im Gange bleibt. Einer- feit« ist e» möglich, daß die Hauptgewinne ober ein erheblicher Thril derselben bi« zuletzt in den Automaten stecken bleiben. Darauf ließe fich eine Spekulation gründen, die das Wesen de« Glückspiels vernichten würde. Neben jedem Apparat stelle ich einen Beobachter, der mir über die Zahl der entnommenen Loose und die Zahl derWheren Gewinne Bericht zu erstatten Hit. Auf diese Weise erfahre ich z. B., daß augenblicklich noch 1000 Loose und darunter Gewinne im Betrage von 3000 M. in den Kästen find. In dem Moment gebe ich die Parole: Kauft!" au«. Vor jedem Apparat stellt sich einer meiner Stute und zieht Stück für Stück den ganzen Inhalt heran», ohne noch einen anderen Spiellustigen heranzulassen, das kostet mich 1000 Mk. und ich erhalte dafür Kunstwerke im Werthe von 3000 M. „Heißt ein Geschäft" — aber Lin Spiel mehr.

Run nehmen wir den andern Fall, daß die besten Gewinne schon frühzeitig gezogen wer­den. Dann wird die Akademie der Künste den Rest der Loose auf dem Halse behalten.

Nach alledem muß man die Automaten-Lotterie für eine unreife und in der jetzigen Form nicht zu verwerthende Erfindung halten. Bleiben wir zunächst bei den Wiege- und Verkaufs-Automaten und suchiN den Mechanismus dieser Dinge zu ver­vollkommnen. Sehr beachtenswerth erscheint mir der Vorschlag, Freimarken und Postkarten durch Automat»n verkaufen zu [affin, damit man nicht rotgen eine« so einfachen Kauf'» an den Post- schaltern stch in der Geduld zu üben braucht. Wenn wir erst mal einen vereinfachten Eisenbahn­tarif haben, wird man auch den Verkauf der Fahrkarten für den Nahverkehr, zu dem die

Reisenben naturgemäß erst in ben letzten Minnt.N eintreff en, durch Automaten auf dem Perron er­leichtern können.

Damit wollen wir die Automaten verlassen und uns einer Zeistsrage im eigentlichsten Sinne des Wortes zuwenden. Ein Hamburger Blatt berichtet, daß man in den Regierungskreisen' er­wäge, ob nicht eine einheitliche Zeitrech­nung für Deutschland einzuführen sei. Wie weit die Ortszeit in Nordoeutschland auseinandergeht, steht man am Besten aus folgenden Angaben: Wenn es in Aachen 12 Uhr ist, so ist e» in Berlin 12 Uhr 29 Minuten und in Königsberg 12 Uhr 57 Min. Bei Einführung einer einheit­lichen Zeitrechnung würden also die östlichen und westlichen Landestheile es stch gefallen lassen mtiff-n, daß e» um halb zwölf bezw. um halb eins bei ihnen Mittag wäre. Eine solche Verschiebung der llhrzeit zur Sonnenzeit wäre freilich noch mäßig und erträglich; wir haben ja schon jetzt in Folge der mittleren Zeitrechnung Unterschiede bi» zu 15 Minuten zwischen Uhr und Sonne, ohne daß wir fie recht merken. Eine einheitliche Zeit würde nicht bloß bequem für die Reisenden fein, sondern auch dem Eisenbahnverkehr eine größere Einfachheit und also eine größere Sicherheit geben. Ja Württemberg und Baden hat man schon die Eisenbahnpläne in der entsprechenden Staatszeit, d. h. nach der Uhr der Hauptstätte aufgestellt. Der größte Unterschied (Karlsruhe und München) beträgt bloß 13 Min., so daß Süddeutichland sich noch leichter einigen kann al» Norddeutschland. Sollen wir nun einfach die Berlin er Zett al» Reichszeit einführen? Nein. Nach meiner Ansicht müßte zum Wenigsten Oesterreich mit in ben Zettbund gezogen werben; dasselbe rechnet dies­seits der Leitha nach Prager Zeit (vier Minuten vor Berlin). Zweiten« müßten wir die Schweiz mitnehmen, die nach Berner Zeit rechnet (24 Min. nach Berlin). Dritten« ließe fich mit Italien eine Einheit erzielen; dort rechnet man nach Römischer Zeit (4 Minuten nach Berlin). Also kurz und gut: wir machen eine Dreibundszeit und legen derselben (wie ich schon früher mal vorge­schlagen habe) den Meridian der Hauptstadt derChristenheit zu Grunde. Wird die römische Zeit maßgebend, so müssen die Uhren vor ge­stellt werden in Aachen um 25, in Straßburg um 19, in Bern um 20, in Karlsruhe um 16, in München um 3 Min.; und fie müssen nach­gestellt werden in Berlin um 4, in Prag und Oesterreich um 8, in Breslau um 19, in Königs­berg um 32 Minuten.

Jedenfalls muß man nicht eine besondere Eisen­bahnzeit begründen wollen, sondern gleich die ganze bürgerliche Zeitrechnung auf allen Kirch- thürmen und Stationrhäusern einheitlich ge­stalten; denn jede Doppelrechnung führt zu Irrun­gen und ist also des Opfer», welche» die westlichen und östlichen Flügel bringen, nicht werth.

Schade, daß die Mittel nicht vorhanden find, um zugleich mit dem Geschenke der neuen Ein­heitszeit jedem Staatsbürger eine richtig gehende Reichsuhr zu überreichen!

Gottesdienst-Ordnung in Fulda.

Sonntag, 8. Septbr.

Dom. Um 5, 6, 6’/*, 7i/j Uhr hl. Messen, um 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Um 2 Uhr Dankwallfahrt

auf den Frauenberg. Um 7 Uhr Andacht mit hl. Segen

in der Marienkapelle. — Stadtpfarrktrch«. 5 Udr hl. Messe mit Predigt, 7 Uhr hl. R ff«, 8 Uhr hl. Messe

mit Predigt, 9>/, Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, 2 Uhr Wallfahrt auf den Frauenberg vom Dom. — MichaelSberg. 19 Uhr Gottesdienst. — Severi-

kirche. 8 Uhr SchiilergotteSdienst. — HoSpitalskirche.

8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht. Für die S o - dalität: 10 Uhr Gottesdienst. — Frauenberq. 5 und 6 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Hochamt. Nachm. 2 Uhr nach Ankunft der Prozession Predigt u. Betstunde.