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Samstag, den 7. September
1889
Äitiiiiz
GrfteS Blatt
Innern darüber beschämt, gingen wir von dannen, E^em wie unseren Kaffee getrunken hatten. Wahrscheinlich hat dieser junge Herr, nachdem er seinen Kaffee getrunken hatte, abermals gebetet, und auch diese» hatten wir unterlaffen.
Diese tiefere Religiosität in W-stfalen und am Rhein offenbart stch auch im Benehmen gegen die
und ihre Zukunft verfüge, und dieser Gedanke erleichterte ihm den Abschied von ihr.
Einige Wochen nach diesem Abschied gab es zwei Neuigkeiten im Dorfe: Dohlenka»per» Auswanderung und des Adlerwirth» Verlobung mit einer städtischen Wuthstochter. Für Rose hatten beide Tyatsachen gleiches Jntereffe. Denn die Braut war eine Nachbarin ihrer Großmutter und man konnte j tzt Manches erfahren, worüber man bis dahin vergebens Aufschluß zu erhalten gesucht
Tribüne für die Damen; ebenhiezu diente auch ein Theil der rechten Langseite bis zur Eingang«- thüre. Selbstverständlich war der Saal mit den Wappen sämmtltcher deutscher Bisthümer geziert. An der Decke des Saales waren der Länge nach 5 elektrische Glühlampen angebracht, die nach eingetretener Dunkelheit angezündet mit zahlreichen Gasflammen Tsgeshelle im Saale verbreiteten. Er wimmelte im Saale nur so von Köpfen, darunter zahlreiche Platt- und G atzköpfe, einschließ-
Rose nickte stumm. „Aber ich weiß nicht," stammelte sie, „wie ich er anfangen soll, mich da- gegen zu wehren, wenn e» wie die P-st über mich hereinbricht. Die Muhme freut sich auf da» viele Geld und ich darf doch durch meine Weigerung da« Andenken meiner Ahne über'« Grab hinan« nicht verunehren."
Hm, ja, von dem Standpunkt au« halte Karper die Sache nicht angesehen.
Nach kurzem Hin- und Herreden einigten sich die Beiden tahin, dem Schicksal freien Lauf zu
Rose fühlte stch gleich zu ihr hingezogen und die Fremde begrüßte dankbar diese« zutrauliche Entgegenkommen de» jungen Mädchen«, in dem sie die zukünftige reiche Erbin bereit« refpdtirte. Ja da« Herz der jungen Adlerwirthin versenkte Rose altbaid ihre Skrupel und Sorgen, welche Katper'4 Warnung in ihr heraufbeschwocen hatte, um von der weltersahrenen praktische Freunvin al» eine Närrin verlacht zu werden. Hirngespinste waren er, fixe Ideen eim« Schwärmer» und Thoren, sich einer Erbschaft erwehren zu wollen, die Einem
dioscn, nämlich der Bannerträger der betreffenden Verbindung nebst zweiChargirte in Wich»; an der Spitze de» ganzen Zuge» fuhr in einem sogen. Partiewagen eine Musikbande. Selbstverständlich
Die Braut erschien im Dorfe, ein ältliche», verblühte» Frauenzimmer, desien kostbare Gewänder und holdselige» Wesen jedoch alle Leibesmängel zudeckte.
Kameraden mit sich; wir werden in der Fremde viel Geld verdienen, und vielleicht gehe ich nach Amerika, wenn mich das Heimweh in der Fremde nicht zuvor verzehrt. Der Muhme wollte ich e« nicht sagen, sie ist alt und gebrechlich; warum ihr da« Herz beschweren. Vielleicht komme ich noch einmal, um Abschied zu nehmen. Weine nicht, Rose," fuhr er sanft fort, al« sie die Schürze an ihre Augen führte, „gib mir Deine Hand und versprich mir, daß Du Litten Heller von dem Sündengelde Deiner Ahne al« Dein eigen betrach- hatte, ten willst." I r-'
X Zur Katholiken - Versammlung in Bochum. ii.
Hfdj de» „Kaiserhofes", ui» cm junger elegante: Herr hereintrat, der jedenfalls in demselben Gast- Hof übernachtet hatte, mit einem bereits dafitzen- den Bekannnten oder Freunde einige Worte wechselte, vor dem Stuhle, auf welchen er sich nieder- lassen wollte, um gleichfalls Kaffee zu trinken, stehen blieb, das Kreuzzcichen wachte, die Hände zum Gebete faltete, nach kurzem Gebete sich wieder
-„E? kttuzs bezeichnete, und dann erst sich niederließ, seinen Kaffee zu trinken. Wir, als 60- jähriger Pfarrer, hatten uns zum Kaffeetrinken
Dohlenkasptt.
Novelle von I. v. Dirkink.
(5. Fortsetzung.)
Endlich nahm Kaspar da« Wort, denn Rose hielt den Fuß an, sie schien sich auf den Heimweg zu besinnen.
t »Also die alte Wetterhahn ist Deine Großmütig, dann wirst Du mtt der Zeit einen großen Haufen Geld erben. Wenn Du so schatzreich bist, kommen die Freier zu Paaren. Aber wenn ich Du wäre, nähme ich keinen rothen Heller von der Erbschaft an; e» ruht kein Segen darauf, Rose, glaube e« mir. Ich weiß, was ich weiß, und wag Dich nicht betrüben," sagte Katper mit Flachdruck.
Rose wagte keinen Einspruch, so weh ihr auch ?w'« Herz war. Sie schämte sich in diesem Augen- Wicke ihrer Verwandtschaft mit jener alten Frau, Erwerb so sündhaft war, daß Fluch anstatt «egen auf ihren Schätzen ruhen sollte.
»Sei mir nicht böse, Rose," nahm Karper bei
so am ®£meiflen b®*\ auf- »Esist । oie «etven raytn, dem Schicksal freien Lauf zu
L9"1' ± leiblicher Bmder mit Dir lassen. Kommt Zeit, kommt Rath! Ka-p-r schied
«-he wett fort. Em Herr au» in dem Gedanken von Rose, daß st- seine Heim-
umänien nimmt mich und noch einen meiner ' kehr erwarten würde, bevor sie endgültig über stch
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einem kanzelartigen Vorsprunge dieser Tribüne die Rednerbühne. Auf einer Estrade der vorderen Breitseite standen in einer Art Apsis, von einem förmlichen Walde hoher schöner Topfgewächse umgeben, auf meterhohen marmorirten Würfeln die überlebensgroßen Büsten des Papstes und be» Kaisers mit geschmackvollster D.koeattou im Hintergrund ; der nach vorne etwas avschüffige Fußboden dieser Apsis war mit einem prachtvollen Blumenteppich geschmückt. Diese» eben geschilderte, in der That brillante Arrangement soll allein einen Kosten-
Unser erster Gang nach unserer Ankunft in Bochum am Dienstag den 27. v. Mt». war nach der Propsteiktrche gerichtet. So lange wir uns in derselben aufgehaltm haben, fanden stch fort- während auch andere Besucher ein. Die Meisten kamen zwar in der unverkennbaren Abstcht, die Kirche bloß in Augenschein zu nehmen, allein cs fehlte auch au solchen nicht, welche längere oder kürz-re Zeit in andächtigem Gebete verweilten. Ein überaus erbauendes Beispiel gab eine vor uns Inieenbe Familie, anscheinend vermöglichere Bürgersleute, Vater, Mutter und zwei Söhne. Sie schienen ssas I ss™ ‘SS dem Aeußeren nach unzweifelhaft den besten Ständen angehörigen Herrn bett Kreuzweg beten. Er ging von Station zu Station, kniete vor jeder derselben andächtig nieder und verweilte angemeffene Zeit in Gebet und Betrachtung. Hinter ihm ver- richtete ein einfacher Landmann dieselbe Andacht in gleicher Weise. Wie in Münster, so nahmen wir auch hier in Bochum wahr, daß man in Westfalen, wie auch am Rhein, in den Gotter- häusern weit größere Devotion bezeigt, wie bei uns zu Lande. Während bei uns z. B. Frauenspersonen beim Eintritt in die Kirche und beim Hinaus- gehen aus derselben, sowie beim Vorübergehen vor dem Tabernakel höchstens einen geringen Knix nur machen, und die Mannspersonen so etwas mit dem rechten Fuße ausschlagen, ungefähr so, me e» junge, ungeberdige Pferde thun, beugen in . MUUI „atte oei neaen etwas nartwinff#n KTÄ”. »3:1 L
Weise kundgibt, und in einem besonderen Falle uns selber nicht geringe Beschämung bereitete. Wir saßen nämlich Mittwoch Morgen» am Kaffee-
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man in einem öffentlichen Lokal, wurde man von c ' ’ ~ "
bett Tischnachbarn sofort in’« Gespräch gezogen;
Niemand kam und ging, ohne aus'» Höflichste zu grüßen. Aber wie überall, so waren e» auch hier in Bochum nur die geistlichen Herren, welche stch am fremdesten und zurückhaltendsten gegen einander benahmen, während ?„ B. Lehrer, sie mögen aus Reuß-n oder Preuß-n zusammento ff-n, sogleich ihre Standerzusammengehörigkeit bekunden.
Als wir die Propsteikirche verlaffen hatten, fing
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“ Etlichen Sohle jeitroeilige Unterkunft aufwand von 900 Mark verursacht haben. In
fmU^ £n" ^bß stch nicht erwarten, daß der hinteren Breitsette war eine Restauration ein-
~ b tJ.e' regnerischen Witterung die katholischen gerichtet; unmittelbar darüber befand stch die Studenten-V-rbindungen die auf Dienrtag Nach- 1 ~ - ■ ■ -
mittag 2 Uhr projrktirte Auffahrt halten würden; doch kaum hatte der Regen etwas nachgelassen,
eleganter würde bei günstigerer Witterung eine in Bochum f n gewiß ungewöhnliche Studenten - Auffahrt einen
weit größeren Effekt verursacht haben.
Der Beginn der zweiten öffentlichen General- Versammlung war auf 5 Uhr Nachmittags ange- fitzt; aber schon von 4 Uhr an drängten sich die Massen durch die Straßen der Stadt hinaus zum Schützenhofe, dem Lokale für die öffentlichen General-Versammlungen, nur um bei der voraussichtlichen Ueberfüllung noch ein paffendes Plätzchen Innern ^darüb?b2m.^ in'unserem | Minuttn mßerhÄb ^Slİguf^ein"r nicht um Innern darüber betoSmt ------- I bedeutenden Anhöhe gelegen, wohin aber ein sehr
gangbarer Weg führt. Die l-tzte Straße aber vor dem Schützenhofe ist ziemlich enge und war bei zahlreich verkehrendem Fuhrwerk für die Passanten nicht so ganz ohne Gefahr. Doch eben diese Straße war unter allen Straßen der Stadt wohl am reichlichsten geschmückt. Der Saal im Schützenhofe, wie die Zeitungen berichteten, zu den größten Sälen in Deutschland; er bildet ein länglich-« Viereck. In Mitte der rechten Langseite befand stch der Haupteingang zum Saale; gerade gegenüber, in Mitte der linken Langseite war die sehr gc-