denn etwa im preußischen Staate an Beispiele» für den Erwerb und den Besitz, für rastlosen Erwerb und überaus großen Besitz? Uebt das Beispiel eines jeden dieser Besitzer etwa einen heilsamen Einfluß auf die große Maffe der darbenden Mitmenschen aus? Der Arbeiter, der etwa nur 3 M. Schichtlohn hat, fühlt er sich etwa getröstet durch den Gedanken, daß sein Direktor jährlich 60,000 M. Gehalt oder für jeden Arbeitstag 200 Mk. Einnahme hat? Uebt diese Wahrnehmung vielleicht einen heilsameren Einfluß auf ihn aus, als wenn eine freiwillig arme Franziskanerin seine sterbende Frau verpflegt und ferne Kinder speist? Wenn der Arbeitgeber christliche Liebe zum Arbeiter trägt, wenn der Arbeiter sich Mäßigung auferlegt, und wenn beide Theile, die Entsagung des Ordensstandes nachahmend, die irdischen Güter und Genüsse nicht zu hoch schätzen, dann wird der Friede zwischen ihnen leicht bewahrt — zu beiderseitigem Vortheil. Der Kampf, den jeder von uns zu kämpfen hat, ist in heutiger Zeit heftiger, weil die Zügellosigkeit schamloser auftritt, und weil vielfach unter dem Deckmantel der Kunst das Laster gefördert wird; für Viele aus der arbeitenden Klasse sind die Gefahren darum besonders groß, weil sie mit vielen Genossen zusammen arbeiten müssen, die ihnen durch böse Reden Verführuno bereiten. Höchst wünschenswerth ist es daher, daß es recht viele Beispiele solcher Personen gibt, die ein größeres Opfer bringen, als Gottes Gebot von den Anderen verlangt. O, warum hat man euch hinausgewiesen ihr Redemptoristen, die ihr in so vielen Orten Jünglings- und Männe^-Vereine so segensreich geleitet habt? Warum hat man euch hinauSgewiesen, euch Jesuiten, die ihr z. B. im benachbarten Essen unter den zahlreichen Fabrikarbeitern so überaus segensreich gewirkt? Wer die in der liberalen Presse verbreiteten Skandalgeschichten über die Klöster glaubt, wird mir entgegnen: „Das wird doch nitt so nett und zweifellos in den Klöstern sein; so hat ja vor einem Jahre die ,Jndependance Beige' und nach ihr die ,Frkf. Ztg.' bedenkliche Sachen vom Jesuiten Lalenzki in Lemberg in Galizien erzählt." Gewiß, erzählt haben sie es, aber wahr ist es nicht gewesen. Da täglich solche Geschichten erzählt werden, wollen wir an diesem einen Beispiel zeigen, wie ei gemacht wird. In Lemberg gab es nie einen Jesuiten Lalenski. Dagegen gibt es einen Jesuiten Namms Zaleski in Lemberg, dieser hielt im Rathhause von Lemberg Vorträge, in denen er aus zuverlässigen Quellen die Geheimnisse der Freimaurerei darlegte. Darauf wird ihm brieflich angedroht, wmn er diese Vorträge nicht einstelle, könne er sich auf eine öffentliche Ohrfeige gefaßt halten. Ehrenrührige Behauptungen wurden darauf gegen den Pater nicht in seinem Wohnorte Lemberg verbreitet, wohl aber in Brüssel und in Frankfurt a. M. Wenn es wahr wäre, daß die Klöster die Vorwürfe verdienen die gegen sie von ihren Feinden in Deutschland erhoben werden: warum kann man denn nicht Thatsachen gegen sie vorbr-ngen, die in Deuffchland vorgefallen sind? In den Motiven zum preußischen Gesetze gegen die Klöster und zum deutschm Gesetze gegen die Jesuiten ist kein einziges Verbrechen von Ordmslmten unter Nennung von Personm und Orten behauptet. Die von Gott geschaffme Ordnung bringt es mit sich, daß es verschiedene Stände in der menschlichen Gesellschaft gibt und daß der eine Mensch dem andern untergeordnet ist l die Kinder müssen dm Eltern die Arbeiter den Arbeitgebern, die Untergebenen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit Gehorsam leisten. Es nimmt nun leider gerade unter der arbeitenden Klaffe der Gehorsam der erwachsenen Kinder gegen die Eltern ganz bedeutend ab. Femer fühlt mancher Arbeiter sich oft zur Auflehnung gegen den Arbeitgeber gereizt. Endlich legt die Obrigkeit schwere Lasten auf die Schultern der Bürger und die Schwere der uns auferlegten Lasten gibt der Sozialdemokratie einen willkommenen Anlaß, die Existenz einer Obrigkeit anzugreifen und an deren Beseitigung zu arbeitm. Die Forderung eine» unbedingten Gehorsams habe ich nur bei den Soldaten und bei den Freimaurern gefundm. Bei dieser Sachlage ist es doch auffallend, wenn man dm klösterlichen Gehorsam tadelt. Ohne Gehorsam kann keine Familie, kein Staat, nicht einmal ein Verein bestehen, also auch sicherlich kein Kloster. In Köln gab es einen Herrn, welcher der „rothe Becker" genannt wurde, weil er im Jahre 1848 in öffentlicher Versammlung dafür eingetreten war, daß Deutschland eine Republik werden soll; dieser Mann ist später zum Oberbürgermeister von Köln gewählt und als solcher auch bestätigt woc- dm,j» er wurde sogar durch allerhöchstes Vertrauen ins Her
stellung üben, Niemand hatte ihn lieb, würde ihn lieb haben auf der Welt, und er konnte sich doch nicht anders aussehsn machen als er war, — aber schlau konnte er sein, schlauer al« alle Anderen.
Botenliese war in ihre*Behausung zurückgekehrt, den Kopf voll ernster Gedanken. Sie war eine resolute Frau, von der die Leute sagten, ihr Mundwerk stehe auch vor dem Kaiser nicht still, heute aber schien ihr Weizen in Grund und Boden verhagelt.
Ihre Art, zwischen den vier schmalen dünnen Holzwänden ihrer Hütte zu wirthschaften, verursachte in der Regel so viel Lärm als eine ganze Wachtmannschaft bei ihrem Aufzuge. Heute ge- riethen die Nachbarn in Sorge, daß für bett gebrechlichen Wittwenfitz der kampflustigen Greisin da» Ende aller Dinge gekommen sei, so loder- muthig wetterte die Alte da« Hauswesen zusammen.
Al« sich jedoch au« der Richtung von Liesen« Küche ein intensiver Geruch von geröstetem Speck und Dickebohnen über die ganze lange Gaffe verbreitete, kamen die aufgeregten Gemüther zur Ruhe. Da» gewohnte hausfrauliche Wirken ver-
renhaus berufen. Wenn dieser Mann vor die Sozialdemokraten von Köln treten und ihnen Gehorsam vor der Obrigkeit predigen wollte: würde er wohl Erfolg haben? (Rufe: Nein!) Nun aber die Kehrseite. Als im Herbste 1848 die Partei der Berliner Steuerverweigerer auch in Warmdorf eines Sonntags eine Versammlung abhalten wollte, um für ihre revolutionären Ideen zu werben, da hielt Morgens im Hochamte der Franziskanerpater Cyriakus Menke eine Predigt über das sonntägige Evangelium, welches vom Zinsgroschen handelt und mit dm SB orten Meßt: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist"; er zeigte, daß man der weltlichen Obrigkeit innerhalb ihres Gebietes Gehorsam leisten muffe, und forderte die Zuhörer auf, in die Versammlung zu gehen und gegen die Pläne der Steuerv-rweigerer aufzutreten. Dieses geschah. Glänzender Erfolg: die Steuer- Verweigerer mußten unverrichteter Dinge abziehen. Als im Mai 1849 in Paderborn ein Bataillon Landwehr zu- ;ammmgezozen war, wurden die Mannschaften von der Umsturzpartei zum Ungehorsam verführt, so daß sie unter dem Rufe: „Hoch lebe die'Revolution I" durch die Stadt zogen. Da aber mischten sich Franziskanerpatres unter die Soldaten und wiesen sie auf ihre Pflichten gegen die Obrigkeit, sowie auf die Gefahr eines plötzlichen Todes hin, sammelten sie auch zu einer Predigt Über den christ- lichm Gehorsam, veranlaßten 500 Mann zur Beichte und Kommunion, und — die Soldaten marschirtm hinaus unter dem Rufe: „Es lebe der König!« Wir Weltgeistlichen hätten ja dasselbe versucht; aber in diesen beiden Fällen hat der Franziskaner in seiner Kutte es fertig gebracht, und er soll auch die Ehre davon haben. Am 12. Februar 1853 hat der verstorbene Herr von Gerlach, der berühmte Verfasser der Rundschauen in der.Kreuzzeitung' auf Grund der von den Landräthen, die meistens Protestanten waren, erstatteten Bericht über die Erfolge der Jesuiten-Missionen in dem preußischen Abgeordnetenbause ein günstiges Gutachten abgegeben, in welchem er sagte: „Nur die Sozialdemokratie grollt den Jesuiten, weil diese überall als Sendboten des Grundsatzes der Autorität, in kirchlichen wie in staatlichen Dingen, auftreten und die sozialistischen Trugbilder entlarven und schonungslos bekämpfen." Meine Herren, würden die Jesuiten das nicht auch heute thun?" Dies ist der segensreiche Einfluß, den das Beispiel der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams der Ordensleute auf alle Menschen ausübt. Meine Herren, der Abg. Gerlach sagte in dem oben angeführten Berichte über die Ordensmissionen: „Ich weiß nicht, ob Sie glauben, daß wir reich genug sind» um dergleichen segensreiche Einflüsse entbehren zu können; ich weiß nicht, ob Sie glauben, daß unser armes Volk im B-fitze eines so großen Schatzes von Glauben und Sittlichkeit sei, daß wir einen solchen Segen von uns weisen dürfen'" Diese Worte deShochangesehenen protestantischen Parlamentariers gelten auch heute noch. Darum möge man alle Beschränkungen aufheben, die unsere Gesetzgebung noch der Thätig- leit der Ordensleute setzt, möge man alle Ordensleute ohne Ausnahme ihre segensreiche Thätigkeit wieder entfalten lassen, auch die Redemptoristen und die Jesuiten. (Stür- mischer Beifall.)
Deutsches Reich.
Berlin, 3. September.
* Ein römisches Blatt, die ,Voce della VeritL' feiert in einem Artikel über den Katholikentag in Bochum unseren verehrten Centrumrführer Dr. W i n d t h o r st als den alten parlamentarischen Kämpen, der in seinem Aeußern an Thiers erinnere und trotz fast vollständischer Erblindung mit einer bewunderungswürdigen Einsicht die Leitung des Centrums führe. Das Cmtrum wird der Ruhm und die Zierde Deutschlands genannt. Auch die anderen römischen Blätter lassen es an Worten warmer Anerkennung für das deutsche Centrum nicht fehlen, welche» auch auf dem Katholikentage in Bochum einen neuen glänzenden Beweis seiner Lebenskraft gegeben habe.
* Gegenüber der Berufung auf die Zusage des Ministers v. Bötticher, wonach das Steuer-
rieth, daß ser Tobsuchtranfall hüt dem invaliden wetterfesten Hausrath galt und nicht im Mindesten die Ansprüche ihrer Pfleglinge zu beeinträchtigen drohte. Ihrer Pfleglinge, denn Botenliese schien das Monopol, sich als die Ziehmutter vaterloser Mündel und herrenloser Hausthiere betrachten zu dürfen, gepachtet zu haben.
Seit einiger Zeit befand sich ein zehnjährige», dürftig entwickelte» Stadtkind, die Enkelin einer Jugendbekannten in Botenliescn» Obhut. Die Kleine litt an Heimweh, ein Nebel, da» die Pflegemutter eine Zeitlang mit Camille«- und Flieder- blüthenthee zu bekämpfen suchte, bi» da» kleine, zarte, rothhaarige Geschöpf wie ein au»gemergelter Grashalm zusammenbrach. Dr starb zum Gück der Möllerjörg, die kleine Rose erhielt einen Ziehbruder und das Kind genas, ein Umstand, den sich Botenliese zu Gemühte führte.
Schon um Rosa'« willen mußte sie sich de« Jungen erbarmen; hätte man ihr nur ein ordentliches Kostgeld zahlen wollen. Daran war kein Gedanke und das stimmte sie aufgeregt. Da« Mittagessen war angerichtet, aber nur die Alte allein faß hinter der dampfende« Schüffel. Die
gefetz al« einer der ersten Gegenstände im Land- age erscheinen würde, läßt sich die,Magdbg. Ztg.' aus Berlin schreiben, daß jetzt allseitig glaubhaft versichert wird, es werde ein Steuergesetz. in der nächsten Landtagskesston keinesfalls vorgelegt.
* Der Sultan von Sansi bar hat beschlossen, eine Gesandtschaft nach Berlin zu senden, um den Kaiser zu seiner Thronbesteigung zu beglückwünschen. Die Gesandtschaft soll heute von Sansibar abreisen. — Die .Times' läßt sich au» Sansibar melden, Dr. Peters habe imWitulande 4 Eingeborene erschossen, infolge dessen die Bevölkerung die Waffen gegen ihn ergriffen habe.
♦ Hauptmann Wißmann beabsichtigt englischen Meldungen zufolge, sich diese Woche nach Mywayma zu begeben. Wißmann hofft, mit seiner durch 300 Zulus verstärkten Truppe Buschiri zum Stehen zu bringen und demselben eine Riederlage zu bereiten.
• Bochum, 3. September. Die mit der 36. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands verbundene Ausstellung für christliche Kunst ist vorgestern Abend geschloffen worden. Der Besuch derselben war ein außerordentlich starker, da die Ausstellung, abgesehen von den Mitgliedern und Theilnehmern der Generalversammlung, von mehr als 17,000 Personen besucht wurde. Am Sonntag Abend waren die Aussteller von dem Comitv zu einem Festesten eingeladen worden.
-Ausland.
* Der Theißquat, welcher nach der Szege- diner Ueberschwemmung im Frühjahre für 2 Mill. Gulden erbaut wurde, ist eingestürzt.
* Durch den Austritt der Flüsse Pruth, Czerewosz und Suczawa ist in und um Czernowitz (Mähren) erheblicher Schaden angerichtet worden. Viele Familien find brodlos.
• Amsterdam, 2. Sept. Holland wird jetzt endlich die konfesstonelle Schule erhalte«, um welche schon seit Jahren gekämpft wird- Das gegenwärtige konservative Ministerium, das stch auf eine aus Katholiken und Protestanten bestehende Mehrheit stützt, hat nämlich den Entwurf eines neuen Schulgesetzes ausgearbettet, welches den Gemeinden gestattet, Konfessionsschulen zu errichten und welche« auch die Anstellung der Lehrer regelt. Die Katholiken werden von dem neuen Gesetze rasch Gebrauch machen, um überall, wo sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden, katholische Gemeindeschulen zu errichten.
* Rom, 3. S-'pt. Das Comils für Errichtung einer würdigen Grabkirche für Pius IX. erläßt einen neuen Ausruf und wird dann im kommenden Jahre energisch mit den Bauarbeiten beginnen.
♦ Die Königin Natalie von Serbien hat ihre Freunds in Belgrad benachrichtigt, daß sie im September dorthin kommen und ein Hau» kaufen wolle, um ständigen Aufenthalt zu nehmen.
• Zu Ehren der Kaisers von Rußland sind Flottenmanöver bei Kopenhagen projektirt.
• In Rußland ist wieder eine Verschwörung entdeckt worden. In Kiew wurden 15, in Charkow über 40 Personen verhaftet. Die Verhafteten sind meist Polen.
* Die Direktoren der Londoner Dock-
Katze lag zusammengerollt am Feuer, während der altersschwache Hofhund schweifwedelnd um den Tisch spionirte, bis ihn ein Puff mit dem Holzschuh von dannen trieb. Dar lag sonst gar nicht im Wesen der Greisin, deren Herz von Mitgefühl gegen ben geringsten Wurm erfüllt war, allein heute ging Alles verkehrt.
Botenlicss war febst als Waise in bet Welt herumgestoßen worben, al» Waise, bet es an bet Wiege nicht vorgesungen, baß sie als Hofbauerntochter weit abseits von ben Vollerben-Traditionen ihrer Familie, be» Lebens Dornenpfad wandeln sollte. Ihr ganze» Leben war bi« jetzt ein Näch- stendienst gewesen, denn al« sie den schwindsichtigen Briefträger heirathete, leitete sie nur der Gedanke, daß hre flinken Füße die seinen ersetzen sollten. Der mürrische kränkliche Gatte wußte ihr wenig Dank. Ec knurrte und hustete abwechselnd; seine laute, ewige Mißstimmung den Ohren der lauernden Nachbar« zu verbergen, gewöhnte sich Botenliese die polternde Art ihrer Hantirung an. Und al« er tobt war, sagten bie Leute, ihr Mundwerk habe den Aermsten umgebracht, da sie keine Sekunde lang den Schnabel halten könne. (F. f )