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welche eine besondere Berücksichtigung erheischen, wächst von Jahr zu Jahr. Bonifaziusverein, Vinzmzverein, Palästinaverein und Verein zum hl. Grabe (die demnächst verschmolzen werden sol. len), Josephs-Misstonsverein, Rafaelvsrein, Gürres- gefellfchaft, „Arbeiterwohl", Arbeitervereins, katho­lische Studenten-Veretne und -Verbindungen und noch viele andere katholische Vereinigungen ziehen bei der jährlichen Generalv Sammlung der deut­schen Katholiken die Aufmerksamkeit auf sich, um neue Anregungen zu geben und zu empfangen. Theils im Anschluß; an die verschiedenen Ver« einrbestrebungen, theil» selbstständig hatten auch Heuer in Bochum die verschiedenen Sektionen für Misitonen, für Charitas, Kunst, Sozialer, Schule, Presse, Vereinswesen, ein große» Feld fruchtbarer Thätigkeit.

Von den gefaßten Beschlüssen wollen wir außer der bereit« erwähnten Resolution über die römische Frage drei noch besonders hervorheben. Der Be­schluß über die Errichtung von Auskunfts- Bureau« für die Arbeiter ist ein fehr zeit­gemäßer; man thut gewiß recht daran, daß man derartige Auskunfts-Bureau« nicht den Sozialdemo­kraten überläßt, sondern im Gegentheil ein Gegen­gewicht gegen die entsprechenden Einrichtungen sozia­listischer Tendenz schafft. Eine zweite sehr zeitgc- mäße Resolution ist die Warnung vor den farblosen auchkatholischen Blättern, welche unter dem Deckmantel der „Mäßigung" und der „Friedensliebe" die katholische Sache auf da« Aergste schädigen, indem sie bei ihren Lesern den Glauben erwecken, die Lage der Kirche sei eine befriedigende und der fortgesetzte Kampf um die Wiedererlangung der vollen Freiheit folgerichtig eine Friedensstörung. Ein einzige» der­artiges „gemäßigt-katholisches" Blatt kann, wenn es nicht rechtzeitig von kompetenter Seite entlarvt wird, der katholischenSachs oft mehrfchaden als ein halbe, Dutzend liberaler undprote- st an tisch er. Eine dritte besonders bemerkens- werthe und wichtige Resolution ist diejenige, welche wiederholt da» Recht der Kirche auf die christliche Schule und auf den Religionsunterricht zum Ausdruck bringt. Diese Resolution faßt in Kürze jene Forderungen zusammen, welche Prof. Dr. Sch ädler-Lindau in seiner geistreichen Rede über die Schulfrage so packend und überzeugend dargelegt hat. Aus der großen Reihe der gehal­tenen Reden sei, ohne dißhalb den anderen Ein­trag zu thun, diejenige des Abgeordneten Dr. Julius Bachem-Köln über die Parität her­vorgehoben. Diese Rede war von durchschlagender Wirkung, weil ste fich auf unleugbare« Material von Zahlen und Thatsachen stützte und auf Grund dieser ein geradezu erschreckendes Bild von der systematischen Zurücksetzung der Katho­liken entrollte. Die Gegner werden nicht umhin können, sich mit dieser Rede etwas eingehender zu befaffen, und wir find in der That gespannt, wie fie sich dieser Macht der Zahlen und Thatsachen gegenüber verhalten werden. Dabei hat fich die Katholikenversammlung selbst auch diesmal wieder der peinlichsten Zurückhaltung gegenüber dm an­deren Konfesstonen befleißigt. Während gerade ebm in Berlin die orthodox« evangelisch-lutherische

Karpfmteich spielen, so oft in der Schule eia neuer Streich ausgeheckt wurde, dem Küster »der dem Adlerwirth gar einm Schabernack anzuthun.

In dieser Tonart erleichtertm fich die braven Mütter da« Herz, wobei ihre schmetterndm Kehlen da« Brummfliegengesumm der Meistbietenden über« töntm, während da« Poltern und Klappem von Blech- und Thongeschirr und sonstigm Gegen- ständen dazwischen dröhnte, bi« der Machtruf de« Ausrufer«: Zum Dritten und Le—e—etzten momentanen Waffenstillstand heraufbeschwor.

Zchn Schritte von dem Schauplatz de« Lärm« entfernt, hinter dem wlldwucherndm Gartmzaun, hockte im langm Wiesmgra» ein Lauscher, der steberglühmd vor Auftegung jede« der bösm Worte in seine rachebrütende Seele ttank. E« war keine anmuthige Kmdergestalt, die hier im glühen- dm Sonnmbrand, bloßm Haupte«, im zerriffmen Wams und zerfetzten Höschen, barfuß am Bodm kauerte. Roths« buschige« Haar sträubte fich über einer schmalm Stirn; die Nase war scharf ge- bogen, da« Gesicht über und über mit Sommer­sprossen bedeckt und quer über der Oberlippe ent*

August - Konferenz bei aller Gegnerschaft gegen Pcotestantenverein und Evangelischen Bund fich diesen beiden im „Kampfs gegen Rom" völlig ebenbürtig zeigte, wurde in Bochum kein Wort gegen Andersgläubige laut. Vielmehr gab Windt« horst wiederholt die Devise au«, daß man in einem Staate mit verschiedenen Konfessionen nur rann friedlich mit einander wohnen könne, wenn man wechselseitig da« Recht anerkennt, die Konfession voll und ganz frei zu bekennen, zu üben.

So hat denn die Bochumer Katholikenvrrsamm- lung nach jeder Richtung hin voll und ganz be­friedigt, und Windthorst konnte in seiner präch- tlgen Schlußrede mit Fug und Recht die wackeren Bochumer sowohl al« auch die Versamm­lung selbst zu diesem schönen Erfolg beglückwün- Ichen. Die 36. Generalversammlung ist zu Ende, das Interesse wmdet sich jetzt bereits der 37. Ge­neralversammlung, welche, so Gott will, im Jahre 1890 ht der bayerischen Residenzstadt München tagen wird. Denn wenn auch, wie üblich, in zweiter Linie mit der Möglichkeit der Wahl einer andern Stadt (Mainz, Köln, Coblenz, Danzig) gerechnet wurde, so beweist doch der begeisterte Beifall und die einmüthige Zustimmung, daß die Wahl Münchens allgemeinen Anklang gefunden hat. Und die Münchener Katholiken werden gewiß Alles daran fetzen, um die 37. Generaloerfamm- hing der deutschen Katholiken in jeder Hinsicht ihren Voraänaerinnen ebenbürtia W gestalten.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. August.

• Großfürst Michael von Rußland hat fich von hier nach Mecklenburg-Schwerin begeben.

* Jüngst wurde gemeldet, daß der russische Thronfolger den deutschen Manövern bei­wohnen werde. Au» Petersburg Wird jetzt berichtet, der Thronfolger weroe nach seiner Beiwohnung der deutschen Manöver inkognito die Pariser Welt­ausstellung besuchen, fich dann zur Hochzeitsfeier nach Athen begeben und schließlich eine Reise um die Eede antreten. Unlängst wurde b-kanntlich, gewiffermaßen al» Drohung, in Ausstcht gestellt, der Pariser Aurstellungsbesuch de» Thronfolger» werde eventuell einm offiziellen Charakter tragen. Ein solcher offizieller Besuch wäre aber eine In­konsequenz gegenüber der Ablehnung Rußland» an einer osfiziellm Betheiligung der Ausstellung gc- wesm.

• Der Besuch de« Zaren in Potsdam er­folgt wie sehr bestimmt au« Kopenhagen ge­meldet wird, Dienstag oder Mittwoch. Der Zar reist auf der Dicht „Zarewna" über Kiel. Zum Geburtstag der Königin von Dänemark am 7. September wird der Zar wieder in Kopenhagen fein.

♦ Er scheinen Zweifel zu herrschen, ob der be- vorstehmdeRücktritt desFtnanzministerSv. Scholz einen Verzicht auf die Steuerreform oder eine Beschleunigung derselben int Sinne des Reichs­kanzlers bedeute. Es kann gar nicht zweifelhaft sein, daß Herr von Scholz geht, weil die Steuer-- reform in absehbarer Zeit nicht kommt.

• Die akademische Kunstausstellung ist heute im Akademiegebäude eröffnet worden. Dir Ausstellung ist besser ausgefallen als bei den 6e» schränkten Räumen erwartet wurde.

stellte eine große Narbe den blaffen Mund. Das war Kaspar Möller«. Da« einzige Schöne an ihm warm seine blauen Äugen, allein die heim­lich vrrgoffmm Thränen hattm ihren Glanz aus­gelöscht und rothe geschwollme Lider und dunkle Ränder zurückgelaffen.

Botenliese, bei der Kasper fett dem Tode de» Vater» ein Obdach gefundm, hatte ihm mttge- theilt, daß hmte die Befitzthümer der Eltern zum Verkauf au-geboten würdm. Kaspar schwieg schein­bar theilnahmrlo», während ihm da« Gehörte in Wirklichkeit unfaßbar erschim.

Der geheime Jammer seine« Herzen» trieb ihn hinaus in sein Versteck, auf dm Beobachtungs- posten. Konnte er denn wahr sein, daß man sei« Vaterhaus plünderte, wie eine Krambude auf dem Jahrmarkt?

Hätte man vor feinen Augen eine Kirche ent- weiht, es hätte ihn nicht tiefer berührm können, al« diese Begebenheit, der er hllflos gegenüber* stand, verstört, an allen Gliedem zittemd, Wuth uud Verzweiflung im Herzm. Aber sein Elmd sollte fich «och vermehrm. Währmd er mit feinen

• Die diesjährige Hauptfestungs-Kriegs- ibung findet, wie aus Kiel gemeldet wird, am 4., 5. und 6. September statt.

* Frankfurt a. M., 31. Aug. Der Reichs- tagsadgeordnete für Frankfurt, Herr A. Tabor, wird sich aus Gefundheitsrücksihten um ein fer­neres Mandat nicht mehr bewerben. Der Kan- fidat der Sozialdemokraten für die nächste Reichs- agswahl wird Hr. Lithograph Wilh. Schmidt fein.

Ausland.

* Nachdem der Termin für die französischen Kammerwahlen amtlich festgestellt worden, hat der Graf von Paris das angekündigte Manifest erlaffen. Dasselbe ist sehr aggressiv gehalten. Er gelte, heißt es darin, einer Partei der Unterdrück« ing die öffentliche Gewalt zu entreißen, die Ron« ervativm und namentlich die Anhänger der Mo­narchie müßten deshalb fest zusammenstehen. Man solle diejenigen, welche die Regierung bekämpften, nicht wie Feinde behandeln, die Republikaner wären bestrebt, Frankreich in die Republik einzukerkern. Die Revision der Verfaffung werde diese Knecht­schaft beseitigen und den religiösen Frieden wieder Herstellen. Das Manifest wendet sich insbesondere an die Katholiken und Christm, welchen die Mo­narchie die Erziehung" der Kinder und die R :sp k- tirung ihres Gewiff ms stchern werde. Die Im­perialisten würden von einer starken Monarchie und der Zustimmung der Ration, auf welche allein alles Heil beruhe, ihre Unterstützung nicht versagen, das Manifest schließt mit der Mahnung zum Ver- trauen auf Gott, welcher das Geschick des Vater­landes in seinen Händen halte.

* Der Effektivbestand der türkischen Trupp m auf Kreta beträgt jetzt 20000 Mann. Derselbe dürfte aurreichen, um die Ordnung aufrechtzuer­halten.

* In einer am Freitag in London stattgehab­ten Konferenz von Werftbesitzern, Schiffrrhedern und Kaufleuten, der auch Vertreter der strikmde« Dockarbeiter beiwohnten, wurde ein Abkommen für die Wiederaufnahme der Arbeit entworfen Das­selbe gefleht die Forderungen der Arbeiter im Wesentlichen zu. Da» Abkommm wurde noch an dem Abend deffelben Tage» dem Ausschuß der Strikenden unterbreitet und von demselben erörtert. Der Ausschuß wird heute seine Entscheidung be­kannt geben. Im Falle der Annahme des Ab­kommens würde der Strike insofern beendet sein, al» die Arbeit nicht in den Dock«, sondern in den Wersten wieder ausgenommen wird. Den Dock­gesellschaften wird e« fceigestellt werden, sich an dem Abkommen zu letheiligen.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 2. September.

* Der hochw. Herr Erzbischof von Eoeffa, Herr Dr. Ephrem Rthmani, welcher, von der Bochumer Katholikenversammlung kommend, am Freitag Vor­mittag bei unserem hochw. Herrn Bischof Joseph zum Besuche eiutras und gestern Morgen 8 Uhr in der von bett Gläubigen dicht angefüllten Dom­kirche, sowie ebendaselbst heute früh nach 6 Uhr eine heil. Meffe nach syrisch-antiochenischem Ritu«

Thränen kämpfte und gedankenlos da» Spiel der Goldkäfer verfolgte, die int Geleite eine» Segel- falter» über dem Wiesenpla« dahinschwirrten, wo der Puderkopf de» Löwenzahn von Windhauch zerstött wie eine zerrissene Perlenschnur in der Luft schwamm, näherte« fich gewichtige Fußtritte, die läng» der mannshohen Wfißdornhecke dahin« schritten. Durch eine Lücke im Zaun erkannte Kasper Botenliese in Begeleitung einer andere« Macht, deren Anblick einen kalten Schauer über seinen Rücken jagte. Witterte die reine Kindesseele instinktiv ihren Feind? Ahnte Kasper in diesem Augenblick, daß fich ihm sein verkörpertes Unglück der Zukunft nahte? Die Narbe aus seiner Lipp« flammt brennend roth empor und eine dunkle Er« innerung zuckt blitzartig durch seinen Geist, als ob auch diese Narbe von bet Hand de« Adler« wirths herrührt; oder war es ein Traum, den er in seiner ersten Kindheit geträumt? Noch bevor er diesem Gedankenblitz folgen kann, wecken die Stimmen der Nahenden ihn au« seinem Brüte« auf.

(Fortsetzung folgt.)