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J2 200. Montag, den 2. September. 1889

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g Die Bochumer Katholiken- Versammlung.

Die 36. Generalversammlung der deutschen Ka- tholtken ist zu Ende. Nicht nur die rührige ka­tholische Bevölkerung der Stadt Bochum, sondern das ganze katholische Deutschland kann mit höchster Befriedigung auf diese wichtige Kundgebung zurück- blicker. An Zahl der Besucher steht die Bochumer General-Versammlung allen bisherigen deutschen Katholikentagen voran, denn in der dritten öffent­lichen Versammlung stieg die Zahl der anwesenden katholischen Männer auf etwa 8000, und in der letzten Versammlung hatte die übliche Schlußrede Windthorst'» eine sehr große Volksmenge in das gewaltige Versammlungslokal, die Schützenhalle, gezogen. Aber auch an Gediegenheit der Reden, an Ernst, Gründlichkeit und Vielseitigkett der Ver­handlungen und Beschlüsse steht der Bochumer Kongreß ebenbürtig da neben den bedeutendsten Versammlungen des letzten Jahrzehnts. Kein M»ß- ton, ja nicht einmal der leiseste Schatten einer Un­einigkeit störte die Verhandlungen. Wenn der hl. Vater in seinem Schreiben an dis Generalversamm­lung mit Recht das Hauptgewicht auf die Fort­dauer der musterhaften Eintracht unter denGe- stnnungsgenoffen legte, wenn sowohl Präsident Freiherr v. Hertling als auch Dr. Porsch in ihren Reden zur ferneren Wahrung jener geschlossenen Emigkeit mahnten, welche von jeher die Stärke des Centrums gewesen sei und allein ihm Sieg und Erfolg verbürge, so hat Vie Generalversamm­lung alsbald eine glänzende Probe von dieser un­zerstörbaren Eintracht abgelegt, die auch eine gute Vorbedeutung für die Zukunft sein möge.

Auch die Hoffnung der Gegner, der Bochumer Katholikentag werde sich irgendwie in die Strike- Bewegung einmischen und dadurch eine« agitatori­schen, tendenziösen, „demagogischen" Beigeschmack gewinnen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Ern liberaler Blatt, die „Magdeburger Zeitung", hatte in den letzten Tagen den traurigen Muth, in einem Artrkel „Der Katholikentag und die Sozialdemo­kratie", der Wahl des Ortes Bochum die Deu­tung zu geben, als werbe dar Centrum um die Gunst und Unterstützung der Sozialdemokratie und suche aus der sozialdemokratischen Gährung im Bochumer Bezirk politischen Nutzen zu ziehen. Gleichzeitig aber rühmte dar Blatt dem Centrum

Dohlkxkisper.

Novelle von I. v. Dir link.

(Nachdr. verb.)

Um die Zett der Rosenblüthe war er, al» der Möllerjörg die Augen für immer schloß und seine beiden Knaben ganz verwaist zurückließ.

Während sein kleiner Ziergarten, der Stolz seiner Leben», der hinter dem winzigen Häuschen an einer schmalen Gasse lag, ganz in Blumen« duft eingehüllt war, drängte und schob sich hier eine Anzahl kauflustiger Menschen um de» Ver­storbenen trübseligen Nachlaß, der meistbietend versteigert werden sollte.

Er war nur Polizeidiener in dem kleinen Dorfe Oettingen gewesen, allein de» Schultheißen rechte Hand, da er einen berittenen Wachtmeister ersetzt und eine so vielseitige amtliche Thätigkeit entwickelt hatte, daß e» seine lange hagere Persön­lichkeit wie mit einem Nimbus umgab.

Al» jedoch der neue Geistliche in der Grabrede betonte, daß der Selige nicht nur ein braver, pflichttreuer Mensch, sondern auch ein Freund alle» Guten und Schönen gewesen, da titf er durch die letzte Bemerkung dr« Helle peinliche Er­staunen aller Anwesenden hervor.

„einen gewissen Grad von Muth" nach, wenn es „seinen Katholikentag in das klassische Gebiet der sozialen deutschen Kämpfe verlege". Bekanntlich ist Bochum schon vor Jahresfrist zum Ort der 1889er Generalversammlung bestimmt worden, während der erste große Bergarbeiter-Strike erst im heurigen Frühjahr ausbrach. Schon dieses nüchterne Faktum wirft die gegnerischen Verdächti­gungen gründlich über den Haufen, noch mehr aber die Thatsache, daß nach dem Strike allen Ernstes die Frage erwogen wurle, ob die Ver­sammlung noch verlegt werden könne. Diese Frage wurde verneint, und zwar hauptsächlich au» dem Grunde, welSen Windthorst am Begrüßungsabend aussprach. Man wolle der Welt zeigen, daß der Katholizismus den Muth hat, auch auf diesem Boden seine Fahnen aufzupflanzen und überall erhobenen Hauptes durch alle Welt zu gehen. Gew'ß ist die Strikebewegung, namentlich in den Berathungen des „Arbeiterwohl" und der Arbeiter­vereine mehreremal berührt worden, aber stets im Sinne des Friedens und der Gesetzlichkeit, und namentlich Windthorst hat schon in seiner ersten Rede und in ebenso freimüthiger wie einsichtsvoller Weise den Arbeitgebern und Arbeitnehmern seine Meinung gesagt. Aber da man keine Spur von „demagogischen" Anwandlungen. Die Arbeiter wurden ermahnt, niemals den Boden de» Gesetze» zu verlassen, sie wurden sogar auf die edlen In­tentionen de« Kaisers hingewiese«; im Uebrigen aber versprach Windthorst,' daß die Eentrumr- Partei sich im Parlament der Arbeiter nachdrücklich annehmen und auf einer gründlichen Prüfung und entsprechenden Abstellung der Beschwerden bestehen werde. Wenn liberale Zeitungen die Ausführungen der verschiedenen Redner jetzt schon dahin fruktifi- ziren, al» habe da» Centrum sich die Mißgriffe der Arbeitgeber zu Nutzen gemacht, so ist da« eine nichtssagende Unterstellung, welche aber durch das offene Eingeständniß der von den liberalen Berg­werksprotzen gemachten Fehler werthvoll ist.

Richtig ist, beß durch die Lage de« Tagungs­orte« da« warme und entschiedene Eintreten des Centrums und der Generalversammlung für die Sache der Arbeiter und der unteren Klaffm über­haupt ganz besonder« in den Vordergrund gerückt wurde. An die Seite de»Verbandes „Arbeiter­wohl", welcher schon seit vielen Jahren gelegent­lich der Katholikentage eine Generalversammlung

War das nicht eine Anspielung auf die närrische Blumengcckheit de» Tobten, al« ob man fie gar noch al» Tugend estimtren sollte! Oho! Jeder dachte an den Ziergarten al« an den Stein de» Anstöße» für da» ganze Dorf, war er nicht da» unnützeste Ding von der Welt?!

Und alle die praktischen Mütter» welchen die amtliche Stellung der Möllerjörg zu seinen Leb­zeiten heilsame Zurückhaltung geboten, entschädigten sich, wie auf ein Signal, für diesen Zwang da­durch, daß sie mit ihrer Meinung nicht länger hinter dem Berge hielten. Man war noch sehr milde in seinem Urtheil, wenn man den Mann nachträglich für unprakttsch erklärte, für einen Verschwender an Grund und Boden, au« barer Unvernunft, da er vielmehr al« ein Dieb am Nutzen seine« Nächsten zu betrachten war, weil er ja Grasvioletten, Astern und allerlei Sorten von Rosen zog, wo Kohl, Rüben, Erdäpfel und Klee­futter für'« liebe Vieh wachsen konnte. Und da sich nun bet dieser Gelegenheit da« Gespräch hart­näckig um den Seligen drehte, du liebe Zeit, war hatte er denn bet aller Bravheit aus seinem 14- jährigen Sohn Ka«per gemacht? Nicht einma zum Kegeljungen beim Adlerwirth war er ja offenbar zu gebrauchen, obschon er bereit« barsuß lief, wie

abhält, trat diesmal die große Versammlungzder vereinigten katholischen Arbeitervereine. Wir verstehen den Unmuth der Gegner über die sozialpolitische Rührigkeit des Centrums und der Katholiken; aber es ist ihnen ja unbenommen, ebenso früh aufzustehen wie andere Leute, und sich der Arbeiter in wirksamerer Weise anzuneh­men, als etwa blos durch Gründung von liberalen FortbildungSvereinen.

An der Spitze der Berathungsgegsnstände stand diesmal mit Recht die römiicheFrage, welche sowohl durch den offiziellen Redner Freiherrn von Wendt al« auch durch Legationsrarh von Kehler, Freiherrn von Rachow und durch Windthorst selbst eine erschöpfende und gründliche Beleuchtung fand. Er hat allgemein dm besten Eindruck ge­macht, daß die „kleine Excellenz" mit bekannter Unerschrockenheit und Offenheit den Finger an die Wunde legte, die Bruno-Feier al» eine grobe Verletzung de» italienischen Garantiegesetzes kenn­zeichnete, die pasfive Haltung der Mächte dem­gegenüber bedauert, aber ungeachtet der energischen Forderung nach Wiederherstellung der territorialen Gewalt des Papstes die Tripel-Allianz, da« Bünd- niß mit Italien al» Unterpfand de» Frieden« mit Freuden begrüßte und anerkannte. Mit Recht be­tonte Windthorst, daß es im Interesse der Tripel- alltanz selbst und im Jätensse des internationalen Rechtes liege, daß die römische Frage recht bald befriedigend gelöst werde. Die einstimmig und mit großer Begeisterung angenommene Resolution über die römische Frage wurde dem hl. Vater bereits übermittelt und hat ihm ohne Zweifel als Kundgebung der deutschen Katholiken nicht geringen Trost berestet.

Er ist nicht der Zweck dieser Zeilen, ein er- schöpsende« Bild des ganzen von der Generalver­sammlung bewältigten Stoffe», bet sämmtlichen Verhandlungen, Anträge und Beschlüsse zu bieten. In der gegnerischen Presse liest man oft, die Ka- tholtkenversammlungen der letzten Jahre litten an Einförmigkeit und an Mangel neuen intern ffanten Material«. Wer selbst der Reihe nach mehrere Versammlungen mitgemacht hat, weiß am besten, wie grundlo» dieser Vorhalt ist. Nicht mit Stoff­mangel, sondern wett eher mit zunehmendem Stoff- Überfluß haben die deutschen Katholtkenverfamm- hingen zu kämpfen. Der Umfang der Berath- ungsgegenstände, die Zahl d.r großen Vereinskörper,

feine Kameraden. Denn so lange der Alte lebte, hatte er e« nicht zuzelasssn, daß sein Junge ohne solide« Fußwerk auf der Straße erschienen war. Sparsam gelebt hatte die Familie auch nicht, denn nach dem Gebrauch von Wasser und Seife und Soda zu urtheilen, hatte die selige Haurftau ihre verflossene Wirtschaft al» allzu flott und nicht sehr landesüblich in Verruf gebracht.

Und so oft man ehemal» an dem vom Möller­jörg eigenhändig dunkelblau getünchten Häuschen vorüberging und die Augen zur Giebelllcke empor­hob, konnte man ganz was Andere« in der Fenster­höhle baumeln sehen, al» Camillsn- und Flieder- bündel zum Trocknen. Mächtige Kränze von auf­geschnürten Aepsel- und Birnenfchnitzrln und Keulen von Pöck. fleisch sogar präsenttrten sich, daß Einem da» Wafs-r schier im Munde zusammenlief.

Dieser Ueppigkett hatte der liebe Gott nun plötzlich durch den Tod der Eheleute, die sich in 14 Tagen gefolgt waren, Einhalt gethan. Der kleine Georg, ein Wiegenkind, war draußen bei einer Bäuerin untergebracht und Ka«per--

ja, dem würde j tzt wohl ein anderer Wind um die Nase wehen; und ein Glück war'» für den Galgenstrick, daß er Andere« zu thun bekam, al« Blumenfamen sorttren helfen und den Hecht