A 199. Samstag den 31. August 1889
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Zweites Blatt.
X Einige Aufzeichnungen über die Geschichte d. Fuldaer Franziskaner.
Von A. R. (Schluß.)
Ein großer Theil der vertriebenen Ordensbrüder verließ Europa und gründete in Nordamerika Niederlassungen; zur Zeit zählt man deren drei: 1. Paterson(New-Jerscy), 2. Cro- ghan (New-Dork), 3. Den wer (Kolorado). Dort im fernen Lande wirkten die Patres und wirken sie noch bis auf den heutigen Tag viel Gutes zur Ehre Gotte« und am Heile der Seelen. Lu Paterson zählte gegen Ende des Jahre« 1884 das Hau» der Franziskaner 9 Patres, 4 Studirende und 7 Brüser. Vor 8 Jahren war in der Umgegend kaum ein Dutzend Katholiken, die praktisch ihre Religion übten. Jetzt ist dort eine schöne, geräumige Kirche, ein guteingerichtetes Kloster mit großem Garten, ein Schwesternhaus und eine Pfarrschule, welche von 140 Kindern besucht wird. Bei dieser Gelegenheit verdient wohl auch der Erwähnung eine seltene Jubelfeier, welche am 11. Dezember 1884 im Kloster Paterson stattfand. Der hochw. Herr Pater Leonard Malkmus, gebürtig aus Hünfeld, feierte fein fünfzigjähriges Ordenrjubi- läum. Ec ist das älteste Mitglied de« Franzir- kanerordens in den Vereinigten Staaten Nordamerikas; auch war er der Erste, der in diesem Lande das fünfzigjährige Jubiläum seines Eintrittes in den Orden feierte. Da» Fest wurde verherrlicht durch die Anwesenheit der Provinziale der vier verschiedenen Ordensprovinzen.
Im Jahre 1880 wurde die Kirche auf dem Frauenberge wieder geöffnet und durch die gütige Vermittlung der Stattbehörde ihrer früheren Bestimmung zurückgegeben. Das stebenhundertjährige Geburisfest de» hl. Franziskus wurde im Jahre 1882 in geziemender Mise in der Kirche gefeiert.
Als im Jahre 1886 Aussicht war auf Zurückberufung der Ocdensleute, kehrte der hohw. P. Ferdinand Müller, geb. zu Fulda den 22. Jan. 1837, aus Paterson auf den Frauenberg zurück, um hier wieder ein gemeinschaftliche», klösterliches Leben mit den noch in Europa verbliebenen Brüdern zu beginnen. Em schweres Herzleiden aber war leider die Ursache seines frühen Todes. Er starb den 20. April 1887 und wurde al» der Erste nach dem Kulturkampf in der stillen Gruft seiner Brüder hinter dem Hochaltars beigesetzt.
Am 23. September 1887 war hier die staatliche Genehmigung eingetrvffen, daß auf dem
Frauenberge bei Fulda eine Niederlaflung des Franziskanerordens von Neuem ?errichtetWwerde. So konnte denn am 4. Oktober derselben Jahres das Fest des hl. Ordensstifters mit geziemender Feier wieder gefeiert werden. Inzwischen wrr an Stelle des verstorbenen P. Ferdinand Müller der hochwürdige P. Damafus Rüfing als Kustos für die wieder erstandene Kustodie am Frauenberge bestimmt. Mitte Juni 1887 verließ er Paterson, wo er seit zwei Jahren Kustos gewesen. Von Juli de» genannten Jahres steht unter seiner Leitung der Konvent zu Fulda. Dieser zählt gegenwärtig sieben Patres, einige Kleriker und Laienbrüder. Die ältesten Fratres besuchen zur Vorbereitung auf ihren priesterlichen Beruf die Kollegien im bischöfl. Seminare, während die Jüngeren im Kloster selbst in der Humaniora unterrichtet werden. Daneben besteht zu Harreveld (Holland) unter Leitung von Franziskanern eine Studienanstalt, woselbst auch die Aspiranten für das Kloster Frauenberg ihren ersten Unterricht, unseren Gymnafialverhältniffen entsprechend bis zur Tertia einschließlich, erhalten.
Schon fast zwei Jahre lang bestehen auch wieder die beiden Klöster zu Marienthal (Diözese Limburg) und Ottbergen (Diözese Hildesheim) mit je zwei Patres und zwei Laienbrüdern.
Damit schließe ich mein» Aufzeichnungen über die Geschichte der Fuldaer Franziskaner. Da e» nur Aufzeichnungen sein sollen, so versteht e« sich von selbst, daß die Arbeit keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch macht. Mögen diese Zeilen sein ein Zeichen dankbarer Erinnerung, welche man denen nicht versagen darf, die unter Gottes Beistand und mit selbstloser Aufopferung und Mühe so segensreich für Fulda gewirkt haben! Möge der liebe Gott das Kloster Frauenberg mit feinen Jnsaffen schirmen und schützen, auf daß sie durch Gebet und Seeleneifer auch ferner recht Viel wirken zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen! Möge endlich aber auch bald der Tag erscheinen, an welchem alle religiöse« Genoffen- schaften ohne Unterschied wieder frei und unbehindert in Deutschland» Gauen ihre Thätig- keit entfalten können! Da« walte Gott!
Vermischtes.
* In dem neuerbauten Sch lachthaus zu Siezen befindet sich die folgende Wandinschrift, welche von Allen, welche Thiere zu tödten haben, beherzigt werden sollte: Blutig ist ja dein Amt, o Schlächter, drum übe es menschlich;
Schaffe nicht Leiden dem Thier, das Du zu tödten bestimmt!
Leit' es mit schonender Hand und tödte es sicher und eilig;
Wünschest Du selbst ja auch: Käme doch sanft mir der Tod!
(Eine Riesen geige.) Die Sucht der Amerikaner, Alles ins Große zu treiben, hat wieder einmal eine besondere Frucht gezeitigt. Auf dem nächsten Musikfeste in Cincinnati, wird eine Riesenbaßgeige benutzt, welche von ihrem Erfinder „Professor John Geyer", einem amerikani- strten Deutschen gespielt werden wird. Solche ist lü/t Fuß hoch und 8Vi Fuß breit.
(Immer nobel.) Stubenmädchen: „Fräulein, ich habe beim Aufräumen ein Zehnpfennigstück gefunden. Haben Sie's vielleicht verloren?" — Fräulein: „Zehn Pfennige? Sie dumme Person, wenn ich überhaupt Geld verliere, so ist es mindestens eine Mark!"
Kindheit.
mSOK Kindheit, du selige, fröhliche Zeit! Bvylztl Zu dir in dein sonniges Glück, iE£S&gj«al Noch unbeschattet von Täuschung und Leid Träum' ich so gern mich zurück I
O Kindheit, du selige, fröhliche Zeit, Noch frei von bangenden Sorgen! Mit gaukelndem Sinn im flatternden Kleid Nur heute, kein fragendes morgen!
O Kindheit, du selige, fröhliche Zeit, Boll Frühling die schwellende Brust! So blumig der Pfad und die Welt so w:it Voll singender, klingender Lust!
O Kindheit, du selige, fröhliche Zeit! Die Menschen so freundlich, so gut. Nicht kränkend durch Lüg«, durch Falschheit und Neid, Was später so wehe dir thut!
O Kindheit, du selige, fröhliche Zeit!
Im Busm ein schlummernder Gott, Ein schützender Engel deS Himmels zur Seit', Und nichts, was die Seele bedroht!
O Kindheit, du selige, fröhliche Zeit, Des Lebens rosigster Mai!
Dich träum' ich, liegst du auch noch so weit. In ewiger Jugend herbei! Sch.
Literarisches.
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I« dem tägltchen Kampf ums Dasein vermögen nur leider zu wenige einer der wichtigsten Existenzfragen, der Ernährung, die nöthige Aufmerksamkeit zu schenken und müssen in Verdauungsstörungen oft ernstester Art die Folgen hiervon tragen. Ist erst einmal bie Thätigkeit des Magens beeinträchtigt worden, so muß doppelte Fürsorge für eine zweckmäßige Ernährung getragen werden, eine Anforderung, der Dank bett Fortschritten bet Physiologie genügt werben kann, da es Dr. Kemmerich gelungen ist, in seinem Pepton gleichsam verflüssigtes Fleich her- zustellen, das mit höchstem Nährwerth unp leichtester Verdaulichkeit den Vorzug des angenehmen Geschmackes vereint und dadurch jeder rationell wirthschaftlichen Hausfrau unentbehrlich ist. [1709
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