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1889

Frettag, den 30. August.

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Die 36. Generalversammlung der D > Katholiken Deutschlands.

— Ein.

* Bochum, 27. August.

Ein feierliches Requiem für die verstorbenen Mitglieder der bisherigen Generalversammlungen in der St. Marienkirche leitete den heutigen Tag der Generalversammlung ein. Hierauf wurden die Arbeiten in den verschiedenen Ausschüssen fort­gesetzt. Der Verband „Ar bet ter wo hl" hielt um 9 Uhr eine Sitzung im Saale der Vereins. Fabrikbefitzer Wiese führte den Vorfitz, da Fabrik- befitzer Brandt» verhindert war. Hitze erstattete den Bericht über da» letzte Jahr. Windthorst empfahl die Ziele des Verbandes. Prof.sior Dr. v. Hertling, feit Anfang zweiter Präsident des Verbandes, erklärte das Programm desselben und wies nach, daß die staatliche Gesetzgebung nicht im Geringsten auf dem sozialen Gebiete ausreiche. Christliche Zucht und Sitte seien nur durch Privat- Initiative zu erreichen. Graf Droste hielt einen Vortrag Über Haushaltungs-Unterricht für Fabrik­arbeiterinnen. Der Erzbischof von Edefia (Syrien) erschien mit Propst Kösters in der Sitzung. Auch Oberbürgermeister BoLmann war anwesend. Der große Saal war über füllt. Um 11 Uhr wurde im Stadttheatersaale die zweite geschlossene Versammlung durch den ersten Vizepräsidenten Dr. Porsch mit dem christkatholischen Gruße eröffnet. Nachdem die für die früheren Versammlungen in Geltung gewesene Geschäftsordnung ohne Wider­spruch auch für die diesmalige bestätigt worden, erfolgt die Berichterstattung über die Verhandlun­gen der Ausschüsse. Unter den angenommenen Anträgen verdient besonders hervorgehoben zu werden ein Antrag de» Herrn Kaplans Dasbach- Trier, welcher die Bekämpfung der sogenannten „auchkatholischen" farblosen Tages­blätter betrifft und also lautet:

„Seit einiger Zeit wird an vielen Orten ver­sucht, durch Blätter welche fich neutral nennen, die katholische Prefle zu verdrängen. Diese Blätter beobachten, um die Gunst der Regierung und Liberalen zu gewinnen, über den noch keineswegs abgeschloffenen Kulturkampf aus den verschiedenen Gebieten vollständiges Stillschweigen und verbreiten

L Crlebmsse rines deutsche« Schlossergesetle«.

Von F. B. (Schluß.) 11.

Nun ging der Kriegstanz los. Herr Felix traute der ganzen Sache, entgegen der weitaus größten Mehrzahl seiner Landsleute, von Anfang an nicht. Er war so gescheidt und reif in seinem Urtheile, daß er sich wohl sagte, die größere Wahrschein­lichkeit spreche für eine bedeutende Niederlage der Franzosen. Auf der andern Seite wollte er auch nicht Zeuge de» von ihm vorausgesehenen Ver- hängniffes sein. Darum gab er sich gleich nach Autbruch der Krieges viele Mühe, sein stimmt- licher Vermögen und sein Guthaben an den Nach- solger, wenn auch mit einigen kleinen Verlusten, slüsfig zu machen; er veranlaßte Peter, auch seine Ersparniffe an fich zu nehmen, und verließ schon Anfang» August Pari», um sich mit Peter vor­läufig in die Schweiz zu begeben. E» mochte zu diesem schnellen Entschlüsse wohl auch der Um­stand beitragen, daß er fich ohne Peter vollständig vereinsamt und alleinstehend sah. Letzterer begrüßte den Entschluß dc» lieben Meister» freudig und sah m demselben dar Unterpfand dafür, daß ihr Zu­sammenleben noch länger dauern werde, wenn auch

dadurch die Meinung, alle berechtigten Forderungen der Katholiken seien bereit« erfüllt; da» Feuilleton derselben entbehrt de» sittlichen Gehalte» und grenzt sehr oft an da» Schlüpfrige. Wenngleich diese Blätter e« unterlassen, gegen die Forderungen der Katholiken aufzutreten, so müssen doch die Katholiken vor ihnen gewarnt werden, da durch eine große Verbreitung derselben die ka­tholische Presse empfindlich geschädigt wird. Da» katholische Volk bedarf aber beständig einer blühen­den katholischen Presse zur Erkämpfung der Aner­kennung seiner Rechte auf allen Gebieten und zur fortwährenden Vertheidigung derselben."

Herr Kaplan Dasbach weist in Begründung seiner Antrages auf dis schwierige Lage hin, in welcher die katholische Presse fich befindet, indem man fie von allen Seiten anfeindet und zu unter­drücken sucht. Auch von Seiten der Behörden geschehe das, indem man den katholischen Blättern die amtlichen Annoncen vorenthalte, selbst in sol­chen Fällen, wo, wie bei Holzverkäufen u. s. w. das eigene Interesse der Behörden diese hätten zwingen müssen, die Anzeigen in den katholischen Blättern einrücken zu lassen, weil diese die größte Verbreitung haben. Die Annoncen aber nicht allein, sondern auch die Abonnenten würden der Centrumspresse abgesangen von farblosen Blättern, die fich neutral nennen, abspenstig gemacht, in­dem diesen Zeitungen da« Lob gespendet wird, fie hktz'.en nicht, seien anständig und dergleichen. Aber die Vertheidigung der Rechte der Katholiken ist doch keine Hetze, und da« Schweigen auf die An­griffe unserer Gegner ist doch kein Anstand. Um unsere Wahlagitation zu lähmen sucht man die Meinung zu verbreiten, daß alle« jetzt in Ord­nung sei und die katholische Presse hat die Auf­gabe, diese Anstcht zu zerstören; fie wird aber genährt durch die neutral; Presse. Wer fich ein Urtheil über die Verderblichkeit dieser neutralen Presse bilden will, möge einen Monat lang be­obachten, welche Thatsachen betreff« de« Kultur­kampfes in dem Csntrumrorgane mitgetheilt, aber im neutralen B atte verschwiegen werden. Wenn die Katholiken Preußens verhindern wollen, daß an Stelle der entschiedenen Presse eine versumpfende

in anderer Form als bisher. Wir treffen unsere beiden Freunde im Nachsommer und Herbst dieses Kriegsjahres in Genf. Sie hatten fich in ein kleines Hotel am Ufer des See's eingemiethet und benutzten die ersten Wochen ihres dortigen Auf­enthaltes zu Ausflügen und Spaziergängen in die herrliche Umgebung diese« schönen See"«. Solche Zerstreuungen waren für Herrn Felix doppelt nothwendig; einmal, um ihn nach und nach bett Verdruß über die Unbrauchbarkeit seines rechten Armes vergessen zu machen; dann, weil er in der Stadt selbst nicht« weiter sprechen hörte, als vom Kriege und der Niederlage seiner Landsleute. Da sich viele Franzosen in Genf aufhielten, so konnte er nicht ausbleiben, daß er oft genug deren un­sinnige Reden und Ausfälle anhören mußte. Alles mußte Schuld fein an ihrem Unglücke; nur den einzigen Punkt, von welchem au» fich die Sache richtig beurtheilen ließ und von dem au» Herr Felix fie beurlheilte, wollte keiner sehen, den Mangel an wahrer Zucht.

MU Peter war das etwas anders. Er freute fich von Herzen über die Erfolge Deutschland«, war aber zartfühlend genug, Herrn Felix gegen­über diese Freude nicht an den Tag zu legen.

Al« aber nun schlechte« Wetter eintrat, hatten die Ausflüge ein schnelle« Ende genommen, und

tritt, müffett fie allen neutralen BiätternMjede Unterstützung entziehen. (Bravo!)

Reichstagsabgeordneter Dr. Windthorst:

Der Herr Vorredner hat auf einen sehr wunden Punkt den Finger gelegt, und ich kann seine Worte der Beacht­ung nicht genug empfehlen. Wie es mit den kirchlichen Fragen steht, darüber wird uns in der öffentlichen Ver­sammlung «in Vortrag gehalten werden von einem Manne, der kundig ist, und der sich durch seine Lammesfromm- heit auSzeichnet. (Heiterkeit.) Dies ist mir sehr ange­nehm, damit es nicht heißt, das wären die Wölfe und die Heißsporne gewesen. (Heiterkeit.) Leider werden Sie sich aus seinem Vortrage überzeugen, daß wir noch lange, lange nicht am Ende sind, und daß die Kämpfe fort­dauern, wenn auch vielfach in einer anderen Form und Gestalt. Aber man möchte gerne glauben machen, weil das Aeußere mehr oder minder hergestellt zu sein scheint, daß Alles in bester Ordnung sich verhalte, und keine Wünsche mehr zu befriedigen seien. Das will man glauben machen gegenüber unseren Ordensangelegenheiten, gegenüber der Schule und dem fortwährend noch bestehenden Einspruchs­recht. Um dies zu erreichen, wird allerdings den Zeit­ungen eine große Gunst zugewendet, die farblos zu sein scheinen. Daß wir keine Ursache haben, solche Blätter zu unterstützen, liegt auf der Hand. Wir wollen gerne den ganzen Frieden, aber dann müssen unsere Forder­ungen erfüllt werden. So weit sind wir jedoch noch nicht, und Sie werden noch lange kämpfen müffen, wenn wir Alten gar nicht mehr sein werden. Deßhalb ist das, was Kollege Dasbach will, ganz gut und zweckmäßig, es ist nur die Frage, wie es ins Werk zu setzen ist. Die Herren von der Preffe müffen sich in diesem Falle eigent­lich selbst helfen. Es kann uns garnicht beikommen, irgend etwas zu sagen, was die volle Freiheit der Preffe beeinträchtigt; auch die gegnerische und die neutrale Preffe muß frei sich bewegen können, denn die Preßfrei­heit ist für uns so nothwendig, wie unsere Lebenslust. Aber das hindert nicht, daß die Preffe selbst die neutralen Blätter kennzeichnet. Auch bei ben Wahlen wird man ja wohl die neutrale Fahne aufhiffen. Wenn die tont« men, werde ich mir erlauben, diese neutralen Flaggen zu fignalistren. (Heiterkeit und lebhafter Beifall.)

Hierauf wird der Antrag Dasbach einstimmig angenommen und sodann die Versammlung um 1 Uhr geschloffen.

Die zweite öffentliche Generalversamm­lung, welche 51/« Uhr eröffnet wurde, fand wie­derum im vollgefüllten großen Saale des Schützen­hofes statt. Auch Monstgnore Dr. Aloys Efrem Rihmani, Erzbischof aus Edeffa in Mesopo­tamien, beehrte und erfreute die heutige öffentliche Generalversammlung mit feiner Anwesenheit. Erster Redner des Abend« ist Pfarrer Klage» au» Lethmathe, der einen Vortrag über die katho­lische Preffe zugesagt hat:

unsere beiden Bekannten waren auf die Stadt be­schränkt. Peter fühlte fich j tzt unbehaglich. An rege» Arbeiten gewöhnt, ertrug er die erzwungene Ruhe nur höchst ungern. In der Nähe de» Hauses, in welchem fie wohnten, befand fich. eine große Schlosserei. Schon vorher hatte Peter gelegentlich die Bekanntschaft des Meisters gemacht, und sttzt ging er öfter im Tage hinüber, um den Arbeitern zuzusehen. Herr Felix hatte fich Bücher angeschafft, mit bereit Studium er fich die Zeit vertrieb, und gab nun Peter selbst den Rath, er solle fich in der Schlofferei Beschäftigung suchen, bi« er fich zur Anlage eines eigenen Geschäfte» entschlossen habe.

Freudig ging Peter auf diesen Vorschlag ein und arbeitete wieder al» Geselle eine Reihe von Wochen bei dem ihm bekannten Meister. Da traf e» sich denn, daß der Besitzer einer Fabrik für Luxuswaffen u. dgl., der sein Etablissement in einer anderen Schweizerstadt (die wir hier au« naheliegenden Gründen nicht nennen dürfen), hatte, sich in die wohlverdiente Ruhe zurückziehen wollte. Zufällig hörte Herr Felix davon, und auf seinen Rath, unterstützt auch von seinem Vermögen, lauste Peter diese Fabrik auf seinen Namen.

Nun begann für Herrn Felix und Peter ein neues Leben. So schnell als möglich verließen fie Gens und siedelten in die neue Hümath hinüber.