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J2 196.

Mittwoch, den 28. August.

1889

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Deutsches Reich.

• Berlin, 27. August.

'* Zu den nächsten Reichstagswahlen schreckt dar sozialdemokratische ,Berl. Volkrbl.': »Täuschen nicht alle Anzeichen, so wird die nächste Reichrtagiwahl von einer Wichtigkeit für die deutsche Arbeiterschaft werden, wie vielleicht wenige ihrer Vorgängerinnen. Er gährt und brodelt mächtig im Deutschen Reiche, und die nächsten Jahre dürften nach mancher Richtung gar inter- effante Umwälzungen bringen. Die Zahl Jener, welche „auch mit aus der Schüssel effen wollen," vermehrt sich nicht bloß zusehends, sondern — war viel bezeichnender ist — da» Verlangen nach dem Mitessen wird mit jedem Tage kecker und dringender gestellt. Dar kann, ja wird aller Wahr» scheinlichkeit nach zu häuslichen Zwisten führen, bei denen aber schließlich den Arbeitern die Rolle der Prügeljungen zufallen könnte. Täuscht nicht Alle« — so herrscht an mancher Stelle starke Neigung, den Streit über dar beste Rezept gegen die So - zial-Revolution — und damit über die besten Plätze an der großen Suppenschüssel — durch ein experimentaler Anwenden der verschie» denen Rezepte zur Entscheidung zu bringen! Käme er aber dazu, er wäre schlimm für die Arbeiter. Man bedenke nur, war Alle« schon in Vorschlag gebracht ist. Beseitigung der geheimen Abstim- mung; Verschärfung der Bestimmungen de» Straf­gesetzbuches, welche von der Aufreizung der ver» schiedenen Gesellschaftsklassen handeln und vor Allem auch Erhöhung de» Strafmaße» für diese Ver­gehen; weitgehende Beschränkung oder gar Auf­hebung de» Koalitionrrechter der Arbeiter; krimi­nelle Bestrafung de» Kontraktbruche» re. Da« find nun so einzelne der Heilmittel gegen die Umsturz-

6 Erlebnisse eines -rutschen SchlosserzeseLe«.

Von F. B.

(11. Fortsetzung.)

9.

Als Peter seinen Bericht beendigt hatte, sprach Herr Felix zu ihm: „Sie werden fich wundern, wenn ich Ihnen sage, daß ich die ganze Geschichte schon lange kenne. Nur dar Eine war mir nm, daß der Herr Graf durch die Erinnerung an di« Vergangenheit noch immer gequält wird, und daß sr in fiinem Schicksal eine Strafe seine« zwar jugendlichen, aber trotzdem unverantwortlichen Leichrstnm« st-ht. E» ist gut, daß bisse Erkennt- »itz ihm gekommen ist, hoff.ntlich führt fie ihn iu jener Reue, die ihm auch bei Gott etwas Hilst."

Peter traute kaum seinen Ohren. „Wir", sagte er, „Sie kennen diese Geschichte? Da» ist la nur dann möglich, — wenn Äe srlbst —" „ »Eugen find, wollen Sie sagm," unterbrach ihn Herr Felix. Er lächele trübe uud fuhr fort: „Und wenn ich e« wäre? Sie kennen die Geschichte aber »ach nicht ganz. Ich will Eie Ihnen wrstsr er« zählen. Eugen erwachte an jenem Unglückstage, wie der Gastwirth richtig gesagt hatte,- früh am

bsstrebungen. Doch ist die Liste derselben damit noch lange nicht erschöpft. Man denke nur an die Expatriiruna oder Jnternirung l Wollen nun die Arbeiter verhindern, daß e» zu den drohenden Experi- menttn kommt, so werden fie ein Mittel dazu in den nächsten Wahlen haben. Eine MMou Arbester- Stimmen auf Arbeiter-Kandidaten abgegeben, würde Manchem die Lust am Experimenttrsn mit dem Reichstags-Wahlrecht, der Koalitions-Freiheit und mancher andern Einrichtung, die den Arbesteru nützlich ist, gründlich verleiden. Würden aber ein paar Mal Hunderttausend Stimmen über die Million auf Arbeiter-Kandidaten abgegeben und sollte e« der Zufall wollen, daß da» brüte Dutzend Abgeordneter, da» der Reichskanzler den Sozial­demokraten schon vor Jahren gönnte, nächstes Mal wirklich in den Reichstag einzieht, so wäre da« wohl da« beste Mittel, um der Lust zum Experimentiren mit den wenigen Rechten, welche dis deutsche Arbeiterschaft hat, ein für alle Mal ei« Ende zu machen." Die sozialdemokratische Partei betreibt bereits die Agitation für die näch­sten Reichrtagswahlen sehr eifrig.

• Die „N. A. Z." kommt auf die Ueber- füllung der gelehrten Laufbahnen zurück und schließt ihre Betrachtungen: „Einen mittelmäßig beanlagten jungen Mann, dessen Verhältnisse ihm da« Aushalten einer späteren Wartezeit unmöglich oder doch sehr schwierig machen, auf den Weg des Studiums leiten, heißt heute eine viel größere Verantwortung auf fich nehmen, als in Z-iten, in denen das Angebot von wissenschaftlich gevu- deten Kräften die Nachfrage nicht übersteigt."

* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' konstatirt heute, gegenüber der Beschwerde der Presse, daß da» Emin-Pascha»Unternehmen nicht recht­zeitig über die Bedenken der Regierung unttrrich- tet worden sei, daß am 25. Februar d. I. der Vorfitzende de« geschäftsfahrenden Ausschusses des «min Pafcha-Komitc», Minister a. D. v. Hof- mann, in eindringlichster Weise von maßgebender Stelle gebeten worden ist, in der einen oder an­deren Weise die Fustonirung mit der Expedition der Hauptmann Wißmann herbeizuführen, es sei dabei auf die inzwischen eingetretenen Schwierig­keiten hingewiesen und die Wahrscheinlichkeiten be­tont worden, daß die bedeutenden für da» Emin Pascha-Unternehmen freiwillig aufgebrachten Gelder nutzlos vergeudet werden würden.

Morgen. Zuerst wußte er nicht, was mit ihm ge­schehen mar. Sein Kopf schmerzt ihn, und er fühlte da« Bedürfniß nach frischer Luft. Er öffnete ras Fenster und sah den Rhein und jenseü« d«s Rheincs Straßburg. Da auf einmal erinnerte er ich wieder aller Vorgänge des vorherigen Tages, und eine unbeschreibliche Angst ergriff ihn. Sofort ühlte er nach dem Kaflenschlüffel, und an dessen Stelle fand er den bewußten ZettÄ. Jetzt war hm plötzlich Alle« klar: Louis mar an der Kaffe um Diebe geworden, und auf ihn selbst mußte >ei einer Revision, die so wie so in den nächsten Tagen stattfinden sollte, die Schuld und ein chmählicher Verdacht fallen. Schande war sein Loo». E« läßt fich nicht schlldern, welcher In­grimm ihn gegen Louis erfaßte, und eiru Zeit ang dachte er auch daran, sofort zum Obersten ich zu begeben und ihm Alle« zu »ffenbarin. Mein rald verwarf er dies«n Gedanken wieder. „Wozu," agte er fich, „uns Beide unglücklich machen, mei­nen Vetter als Dieb brandmark« und mich dem mmer möglichen Argwohn d«r Mitschuld auss«tzen?" Ach der Gedanke kam ihm, sich in den Rhein zu iürzen, um Allem ein Ende zu machen — aber Gott sei Dank! die fromme, christliche Erziehung, welche er seiner Mutter verdankte, hielt ihn von

* Heber die Anwesenheit de» Kaisers bei den Hochzeitsfeierlichkeiten in Athen find noch,keine festen Bestimmungen getroffen.

* Die Petition von Mitgliedern des fLandes- ausschufles von Elfaß-Lothringen betr»ff«nd den Paßzwang ist Ende voriger Woche an den Kaiser abgegangen. In der Petition wird um Aufhebung de» Paßzwanges gebeten, event. um eine mildere Handhabung dahm, daß die Ver­weigerung des Paßoifums künftig nur mehr eine Ausnahme und nicht wie jetzt die Regel bilde und daß fie nur in Fällen erfolge, wo wirklich poli­tische Interessen auf dem Spiele sichen. Weiter wird in der Petition gebeten, daß auch den im Lande wohnend« und dort steuerpflichtig«! Frem­den Jagdscheine gewährt werden mögen Die Petition wird jedenfalls eingehende Prüfung und, soweü angängig, Berückfichttgung find«.

* Bochum, 26. August. Heute Nachmittag tagten die Ausschüsse für römische Frage, Soziales, Presse, Kunst, Charitas und Schule. Um 5 Uhr fand die erste öffentliche Generalversammlung statt; dieselbe war noch stärker besucht al« die Be- grüßungrfeier; auch der letzte Platz de» 5-6000 Menschen fassenden Festsaales war besitzt. Mit endlosem Jubel und Hurrahrufen wurde Excellenz Dr. Windthorst bei seinem Eintritt begrüßt. Der Prästdent Professor Dr. Freiherr v. Hert- liug leitete die Versammlung mit einer form­vollendeten, schwungvollen und zündenden Ansprache ein, welche vornehmlich der sozialen Frage der isegenwarr getoegic, mau ticfuubn«, ociuuuuu de« Gegensatzes zwischen der Centennarfeter der französischen Revolution und dieser Versammlung. Freiherr v. Hertling schloß mit dem Wunsche, diese Versammlung möge beseelt sein vom Geiste katholischer Einigkeit, christlicher Liebe, Duldsam­keit und treuer Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Hierauf nahm als erster Redner da» Wort Abg. Freiherr v. Wendt zu einer begeisterte« Rede über die Lage de» hl. Vater»; er forderte ener­gisch die Wiederherstellung der weltlichen Macht al» de» besten Mittels, dem hl. Vater di« Frei­heit seiner Entschließungen und feine« Wirkens für da« Wohl der Menschheit zu gewährleisten; dar sei zu fordern im Namen des verletzten Rechts, welch«« über dem Natronalitättprinzip stehe. Ob die ttaltenifche Regierung den Vatikan vor der Erstürmung durch zügellose Banden schützen könne,

diesem schrecklichen Schritte zurück. Endlich kam ihm ein anderer Plan. In Kehl wohnte ein ge­schickter Schlossermeister, dm er schon längere Zeit kannte und bei dem ein junger Franzose gearbeitet hatte, der von chm selbst dorthin empfohlen wor­den war. Dieser junge Mensch war einige Wochen vorher gestorben. „Vielleicht," so dachte Eugen, „hat der Meister noch bi ff en Papiere, und, mit riesen versehen, werde ich als Schloffergeseüe in rie Welt wandern." Die nothwendtge Artigkeit razu besaß er ja; seine nächst« Angehörig« waren odt. Louis mag dann selbst sehen, wie er mü einem Leichtsinn zurecht kommt. Gedacht, gsthan. Eugen verließ da» Hotel und begab fich zu dem M«ster. Alle« glückte. Er konnte urigesch« mü rem Manne sprech«, »ffenbart« chm unter de« Siegel der füenafcn Verschwiegenheit die ganze Lage, und dieser brave Manu konnte chm nicht nur die Papiere da» Verstorbenen übergeh«, sau­rem half chm auch sonst mit Kleidmm und Geld, o daß schon in früher Stunde Eug« al» Gchlos- ergeselle dm Weg nach Deutschland eiuschlug. Daß der Kehler Meist« Stillschweigen beobachtet hat, miss« Sie aus dem, was Ihn« sch« tnkannt ist. Eugen wanderte nun durch «tu« groß« The l Deutschland«, vervollkommnete fich sowohl in der