195. Dienstag, den 27. August. 1^89
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Die 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
i.
' * Bochum, 26. August.
Die 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hat gestern Abend unter großer 8N- theiligung ihren Anfang genommen. Bei der B e- grü ß un g im Schützenhof, dem größten Saal Deutschlands, waren etwa 6000 Personen anwesend. Die Eröffnung geschah durch einen herrlichen Chorgesang „Willkommen!", von fünfhundert Sängern aurgeführt. Propst Kösters au« Bochum begrüßte darauf die Versammlung und theilte mit, die erste Veranlaffung, daß in Bochum die Versammlung stattfinde, sei die Bekanntschaft hiefiger Katholiken mit dem Fürsten Löwenstein aus der römischen Pilgerfahrt gewesen. Alsdann sei der Antrag in Freiburg gestellt und genehmigt worden. Auch Andersgläubige böten gerne ihre Gastfreundschaft den Besuchern der KathoUkenversammrung an. Für das Entgegenkommen des Herrn Oberbürgermeisters wiffe man allerseits Dank. Dr. med. Lackmann legte die Opfer Willigkeit der Katholiken Bochums dar: Sieben Pfarreien hätten fie gebildet, und damit 870,000 Mark Schulden sich aufgeladen. Redner vertheidigte die Stadt Bochum gegen den Vorwurf, fie fei ein Nest von Revolutionären. Se. Exzellenz Windthorst ergriff darauf dar Wort und sagte unter Anderem: Aus der hiefigen Opfer Willigkeit im Kirchenbau könnten die Berliner, welche die Beseitigung ihrer Kirchen- noth aus den Steuern des ganzen Landes verlangen, viel lernen. Wir kommen hierhin, weil wir überall die katholische Fahne auspslanzen. Dir Katholiken sagen wie Bismarck: „Wir sülchten Gott und sonst Niemand!" Das sei den Hohen und Niederen gesagt. Wir achten fremde Meinungen, verlangen aber auch Achtung unserer Ueber- zeugung. Die Herren Vertreter der liberalen Pr,sie
L Erlr-msse riurs -rutschen schtosserzrsrüen.
Von F. B.
(10. Fortsetzung.)
Peter konnte dem Grafen nicht Unrecht geben, wenngleich er bei sich dachte, daß er fich niemals soweit hiureißen kaffen würde, über seine Verhält- Nisse hmaur der Spülleidenschaft ?u früheren.
Nachmittag« erzählte Peter dem alten Verwalter die Geschichte. Dieser lauschte »»staunt jedem Worte, und al« Peter geendet hatte, saß er starr vor fich hiubllckrnd da. Er schüttelte dann sein greise« Haupt und sprach mehr für sich al« zu Peter: „Also so war t«! Ich habe immer geahnt, daß etwa» dergleichen im Spiele wäre. Ja, ja, kein Glück und kein Segen! E» ist nur zu wahr!"
Aufmerksam geworden» frug Peter den Alten: „Haben Sie denn auch die beiden jungen Offiziere gekannt?"
„Und ob!" antwortrte dieser. „Beide habe ich fie auf den Knieen geschaukelt, al« fie nur so hoch waren." Damit btutete er die Größe ganz kleiner Knaben mit der Hand an.
„So!" sagte Peter, „dann find e« wahrscheinlich Verwandte de« Herrn Grasen gewesen?".
ersuche ich, nur genau jede« Wort zu publiziren, wodurch wir Andersgläubige verletzen. Ueber die Lohnbewegung können wir hier nicht verhandeln, weil uns das Material dazu fehlt. Jeder Thell soll seine Forderungen dem Reichstag oder Landtag vorlegen, dort werden fie gründlich geprüft. Die Arbeitgeber find auf ihre Arbeiter angewiesen und umgekehrt. Propst Kösters sprach die Glückwünsche zu Windthorst'« Namenstag aus. Windthorst dankte seinerseits und acceptirte das Versprechen, welches Lackmann gab, daß die Katholiken Bochum's für die Marienkirche in Hannover eins Kanzel stiften wollten. Zum Schlußt grüßte auch Dr. Hülskamp die Versammlung.
Der heutige erste Tag der Verhandlungen wurde durch ein feierliches Hochamt in der Propstei- kirche eröffnet. Nach Beendigung deffelben begaben fich die Anwesenden zur ersten geschlossenen Generalversammlung imStadttheatersaale. Herr Propst Köster« eröffnete al« Vorsitzender de« Lokalcomitö's die Versammlung. E» wurde dann da» Schreiben de« Localcomitv's an den hl. Vater und die Antwort des h. Vaters verlesen; letztere hat folgenden Wortlaut:
„Geliebte Söhne! Gruß und apostolischen Segen! Weil wir glauben, daß es für den Schutz und das Gedeihen der katholischen Sache von großer Bedeutung ist, wenn in verschiedenen Ländern Versammlungen gottesfürchtiger Männer abgehalten werden, welche in gemeinsamer Berathung untersuchen, was nach Verschiedenheit der Orte und der Zeiten am meisten von Vortheil ist, so haben Wir mit großem Wohlgefallen jenes Schreiben vom Datum des 15. Juli entgegengenommen, durch das Ihr UtW Vwp IM VC* wyww. »w - ♦*--o--f*
die 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ihren Anfang nehmen werde, und daß es Euch obliege, für die Vorbereitung derselben Sorge zu tragen. Der Eifer für die Religion und die Gerechtigkeit, welcher aus Eurem Schreiben hervorleuchtet, enthebt un« der Pflicht, Euch zu ermahnen, bei Eueren Berathungen das vorzüglich ins Auge zu fassen, was zum Schutze der Freiheit der Kirche dienlich ist und zur Beseitigung der Nachstell, ungen, welche der Einfalt der Gläubigen gelegt werden, ferner zur Pflege der Eintracht unter den Brüdern wie auch zur Förderung des Ansehens der ehrwürdigen Vorsteher der Kirche. Da wir es also für sicher erachten, daß Ihr dahin trachtet, daß die angesagte Versammlung das erwägt und beschließt, was sowohl der Zeitlage angemessen als auch der Kirche und dem öffentlichen Wohl zuträglich und heilsam erscheint, so bitten wir Gott, Er wolle Euch das Licht Seiner Weisheit und den Schutz Seines Gnaden- beistandes in reichlicher Fülle zu Thetl werden laffen. Als glückliches Vorzeichen deffelben ertheilrn wir Euch, geliebte Söhne, und den anderen Gläubigen, welche mit Euch zusammen kommen» aus Herzensgrund im Herrn den apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 31. Juli 1889, un 12. Jahre unseres Pontifikates.
Leo Xin.
„Verwandte?" platzte der Alte heraus, „Verwandte? Der eine ist der Graf sellst — der andere war sein Vetter, der beste, prächtigste Bursche von der Welt! O weh! was habe ich jetzt gesagt!" fuhr er fort — und sah erschreckt Peter an. Um Gotteswtllrn verrathen Sie mich alten Mann nicht. Geben Sie mir die Hand darauf. Wenn ein Mensch so etwas ahnte, würde ich mir meins Uebereilung nie verzeihev."
„Weßhalb soll ich Sie verrathen?'' beruhigte ihn Peter. „Aus meinem Munde wird Ihnen kein Schaden erwachsen, darauf können Sie sich verlassen. Aber nun können Sie mir auch noch Näheres über die Sache mittheilen, d»nn jetzt in- terefsirt mich die Geschichte doppelt."
„Was ist da noch viel zu sagen? Der letzte Besitzer der Herrschaft hatte einen Sohn, der etwa« älter mar, al« unser j-tziger Herr. Die beiden Vettern weilten zum öftern hier zu Besuche mit ihren Angehörigen, und ich war damals als junger Mensch Reitknecht des alten Herrn. Sie können fich denken, daß die drei Knaben Freude an den Pferden hatten, und darum kamen sie mich oft aufsuchen. Nun, dis Zeit verging. Aus den Knaben wurden junge Herren. Der alte Graf starb,
Die Antwort d«s hl. Vater» wurde stehend angehört; in ein dreifaches Hoch auf den hl. Vater stimmte dis Versammlung begeistert ein. Hierauf wurde ein Antwortschreiben der deutschen Bischöfe verles»«, wonach deren Anwesenheit nicht zu erwarten sei. Außer vielen Begrüßungs-Telegrammen ist bemerkenswerth ein Schreiben des Wahlvereinsvorstandes der bayerischen Centrumspartei, in welchem gebeten wird, den nächsten Katholikentag in München abzuhalten. Alsdann wurde zum Präsidenten des Katholikentages Professor Dr. Frhr. v. Hertling (München), züm 1. Vizepräsidenten Rechtsanwalt Dr. P o r f ch (Breslau) und zum 2. Mathias Wiese, Fabrikant in Werden a. d. Ruhr gewählt. Zu SchrisFührern wählte man dieHerren: Oberlehrer Balkenhol, Rechtsanwalt Diekamp-Bochum, Rechtsanwalt Schultz-Hamm, Graf Matufchka- Breslau. Ausschußvorfitzende sind: Im Ausschuß fürs die römische Frage: Legationsrath v. Kehler; für die Missionen: Abg. Lingens- Aachen; für Charitas: K. Reichensperger; für Kunst: Freiherr von Heeremaun; für Soziales: Graf Galen; für die Presse: Dr. Hülskamp; für die Schule: Abg. Racke; für Vereine: Rochus v. Rochow-Drerden. Nach 11 Uhr tagten dis Ausschüsse und der Palästinaverein; leider ist das Wetter zeitweise regnerisch.
In der ersten öffentlichen Versammlung sprechen nach der Eröffnungsrede durch den Herrn Präsidenten der Versammlung Freiherr v. Wendt kämmerer^Gras Ferdinand V.**$al e n"*CÜ)iün§et) über die Bestrebungen der Centrums-Fraction bezüglich der socialen Frage und Fabrikant Mathias Wiese (Werden) über den Verband „Arbeiterwohl". Abends sprechen in der Versammlung der katholischen Arbeiter-Vereine: Rector Forsch»er (Mainz) über die Arbeit im Licht de» Glaubens und Adg. Dr. Windthorst über das christliche Haus. (Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 26. August.
* Der Kaiser und die Kaiserin sind am Sonntag Vormittag von ihrer Reise nach Süddeutfch- land, den Reichslanden und Westfale» wohlbehalten im Neuen Palais bei Potsdam wieder etnge- trvffen. Dort treffen übermorgen auch der Kron- piinz und die drei anderen kaiserlichen Prinzen unb sein Sohn trat da« Erbe an. Ec machte mich zu feinem Verwalter. Leider genoß xer nicht lange da« Vergnügen, selbstständig zu sein. In Folge eines Sturze« vom Pferds starb er nach mchr- monatlichem Siechthum. Eigentlich hätte nun Eugen den Besitz der Herrschaft antreten sollen, allein da er ertrunken war, kam dieselbe an den jüngeren Vetter, den jetzigen Herrn. Wenn dieser mit Tod abgeht, dann fällt st» einer weit entfernten Seitenlinie zu. So geht er in der Welt auf und ab."
Nachdenklich ging Peter wieder an seine Arbeit. Ec hatte Mitleid mit dem armen Grafen, der für seine Jugendfehler so hart gestraft erschien. Dabei mußte er fich in acht nehmen, beim Zusammvi- treffen mit dem Herrn nicht« davon merken zu laffen, daß er jetzt über die Geschichte unterrichtet fei.
Die Zeit seine» Aufenthalte« auf dem Schlosse näherte sich ihrem Ende. Da« Waffenkabinet war schön und herrlich wieder hergestellt, daß e« eine Freude war, darin herumzuwandeln und die interessanten Stücke zu betrachten. Alle« glänzte, tote wenn e« noch im Gebrauch wäre, und in der That hätte man mit den meisten Waffen sofort kämpfen könne». Al« Alles geordnet und bie Se-