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JE 192.

Freitag, den 23. August.

1889

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Deutsches Reich.

Berlin, 21?. August.

* Sämmtliche preußische Minister, mit Aus- uahme des Kriegsministers und du Staatsministers Grafen Herbert Bismarck, welche sich bekanntlich im Gefolge des Kaisers in Straßburg btfinden, weilen jetzt mit Urlaub außerhalb von Berlin.

* Die französische Pnsse, welche den Besuch des Kaisers in den Reichslanden, einer von der fran­zösischen Regierung ausgegangenen Parole folgend, mit Reserve behandelt, bemüht sich dennoch, die Bedeutung des Ereignifie», di« Tragweite des« selben hinsichtlich der Empfindungen der elssß« lothringischen Bevölkerung, möglichst abzuschwächen. Die Häuser seien nicht von den Zugewanderten geschmückt worden und sofern diu auch seitens der Einheimischen geschehen, sei die» nur eine Folge behördlichen Dru«. Thatsächlich ist ein solcher Druck nicht geübt worden; es würde dazu an einer gesetzlichen Handhabe fehlen. Die Zuschauer­menge, so behaupten französische Blätter weiter, habe zumeist aus Badensern bestanden, welche durch die billigen Extrazüge herangelockt worden seien. Daß auch viele Badenser nach Straßburg herübergekommen waren, um den Kaiser zu sehen «nd den Kaiserfesten beizuwohnen, ist unbestritten. An den Ovationen, welche den kaiserlichen Gästen gebracht wurden, betheiligte sich aber eine nach Zehntausenden zählende Menge, und es wird doch Niemand tm srnflv bryaupren wuuen, oap vie Badenser zu Zehntausenden in Straßburg ringe- zogen wären.

* Die Frage, ob der Kaiser von Rußland noch einen Gegenbesuch in Berlin abstatten wird, ist anscheinend noch immer in der Schwebe. Wenn bereits früher wiederholt Details in Bezug auf den Besuch angegeben wurden, so entsprachen die­selben wohl in der That getroffenen Dispositionen; nur sind dieselben wieder über den Haufen ge­worfen worden. Interessant ist eine Mittheilung, welche der .Rhein. Wests. Ztg/ au, Berlin zugeht, die wir unter Reserve im Wesentlichen hier wieder- geben. Danach hat die Absicht des Zaren, nach Berlin zu kommen, zwar bestanden, wie das aus der Ankunft von 64 russischen Polizisten in Berlin zu schließen sei. Augenblicklich werde aber allem Anschein nach aus dem Zarenbesuche nichts, da die Beziehungen zwischen den beiderseitigen Höfen und Kabinetten schlechter seien al» jemals zuvor.

L Cklrbuiffr riius -rutsche« Schl-ffer-rsrllk«.

Von F. B.

(7. Fortsetzung.)

Die Eisenbahn führte Peter schnell nach dem Süden. Schon am zweiten Tage fuhr er, mit seinen Werkzeugen und sonstigem nöthigen Mate­rial versehen, in den Schloßhof der gräflichen Resi­denz ein. Es war eine herrliche Anlage, die sich vor seinen Augen eröffnete. Ring» um da» palast- ähnliche Gebäude zeigten sich üppige Anpflanzun- gen südlicher Gewächse; Springbrunnen, Marmor- statuen, kleine Teiche, Brücken, weite Rasenflächen, Banmgruppen wechselten in anmuthiaster Weise mit einander ab. Ueber das Schloß selbst hinaus hatte man bett Blick auf die Pyrenäen. Es war so schön, daß Peter meinte, .im Himmel könnte es uicht viel schöner sein.

Kaum war der Wagen, in welchem Peter saß, in das Thor eingefahrcn, al« sofort mehrere Be­diente hinzusprangen und nach dem Namen und verlangen Peter» frugen. Er sagte, daß er im Auftrage de» Herrn Felix in Part» wegen de» Waffenkabin-is käme. Eilig wurden nun seine Sepäckstücke abgeladen und er selbst sofort zum

Das leidenschaftliche Wesen de« Zaren, welche« durch seine Gewohnheit, viel zu trinken, ungünsiig beeinflußt werde, ergehe sich häufig in Ausbrüchen bittersten Deutschenhaffes. Eine Dreh-Pistole, die vor dem Zaren stets auf dem Tische zu liegen pflege, sei ein wirksame» Einschüchterungsmittel für Alle, welche mit dem Selbstbeherrscher unterhan­delten. Und so stoße er nie auf Opposition und brauche keine warnenden Ermahnungen zu hören. — Dagegen schreibt die ,Nat-Ztg.': Die Nach­richten, welche über den Zarenbesuch an dem hiesi- gen Hofe in Umlauf gesetzt werden, find vielfach durch leicht begreifliche Tendenzen beeinflußt. Man darf als durchaus feststehend festhalten, daß der Besuch des Zaren in den nächsten Wochen statt- finden wird. Die Wahl der Route wird ostensibel off.n gelassen, es find die Vorbereitungen für 3 Linien und mehr getroffen, was nicht sagen will, daß eine derselben benutzt wird. Der Besuch selbst wird in Potsdam abgestattet werden; militärische Schaustellungen dürfen keine statlfinden.

* Der Kaiser wohnte heute einer Gefechtrübung der Straßburger Garnison bei. Die Kaiserin be­suchte heute neben mehreren wohlthättgen Anstalten der Stadt Straßburg auch das Münster. Morgen Vormittag treten die Kaiserlichen Majestäten die Weiterreise nach Metz an, woselbst sie am Nach­mittag der feierlichen Grundsteinlegung zu dem Denkmal weiland des hochseligen Kaiser» Wilhelm I. beiwohnen werden. Nach der Feier folgt Parade Am Abend ist vor dem Bezirkspräfidium, wo dis Kaiserlichen Majestäten Wohnung nehmen, großer Zapfenstreich. Abends ll1/« Uhr begibt sich da» Katferpaar nach dem Metzer Hauptbahnhof, bi» wohin die Vereine der Stadt und Umgegend mit brennenden Fackeln den Weg erleucht-n und Spalier bilden. Von hier au» erfolgt die Weiterreise nach Münster.

• Eichstätt, 20. Aug. Kardinal Dr. Joseph Hergenröther reiste mit Archivar Dr. Franz Hergen- röther und Kammerdiener heute früh von Eich­stätt, wo er sich* über vier Wochen bei seinem »ruber, dem Prälaten Dr. Philipp Hergenröther aufgehalten hatte, über München nach Salzburg, von dort nach Linz zu dem Bischof Doppelbauer (früher Rektor der Anima in Rom) um ein paar Wochen auf dessen Schloß ©leint bei Steyr zu­zubringen. ______

Grafen geführt. Er fand ihn in einem kleinen, kostbar eingerichteten Zimmer auf einem Sopha liegend. Peter richtete Alle» au», wa» Herr Felix ihm zu sagen aufgetragen hatte, und der Graf hörte mit halbgeschloflenen Augen zu. Al« Peter ausgesprochen hatte, sah der Graf ihn träumerisch an und antwortete: „Gut! Ruhen Sie sich au»! Morgen werde ich Ihnen da» Kabinet selbst zeigen."

Den Rest de» Tage» brachte Peter mit dem Schloßvertvalter zu. Dieser war schon ein älterer Mann und schien etwa» gedrückt zu sein. Gegen Peter war er sehr freundlich, zeigte ihm die ganze innere Einrichtung dc« Schlosse» mit allen Gemäl­den, prachtvollen Möbeln und Tapeten, kostbaren Geräthen die Vorrathskammern, Keller u. s. w., und erzählte mittlerweile von dem großen Reich« thume der gräflichen Familie. Bloß das Waffen- kabinet zeigte er nicht, weil der Herr Graf befoh- len hatte, die« nur in seiner eigenen Gegenwart zu öffnen. Peter erfuhr, daß der jetzige Besitzer das Ganze von einem Vetter, der ohne Kinder gestorben war, geerbt habe. Der jetzige Graf selbst hatte vor kurzer Zett seinen einzigen Sohn durch den Tod verloren. Nach dem Ableben des Grafen würde das Besitzthum wieder auf andere entfernte

Ausland.

* Am österreichischen, Kaiserhofe weilt augenblicklich der Schah von Perfie» als Gast, nachdem derselbe in der ablaufenden Woche die Höfe von Karlsruhe, Stuttgart und München besucht bat. Kaiser Franz Joseph trifft morgen (Freitag) in Wien ein, um den Schah persönlich zu bewill- kommen. Namens der Kaiserin wird die Erzher­zogin Maria Theresia Nassr Eddi» begrüßen. Nachdem der Schab Wien verlaflen haben wird, begiibt sich der Kaiser zu den galizischen Manöver« nach Lemberg.

* Kopenhagen, 22. August. Drei höhere russische geheime Polizeibeamte sind hier angekom­men. Er heißt, der Zar werde am Sonntag oder Montag hier eintreffen.

* DieVerurtheilung Boulanger» und seiner Genossen durch den französischen Senatsgerichtshof bat Frankreich sehr kühl gelaffen. Von Boulanger selbst ist wenig mehr die Rede und da» Nachspiel der Maßregelung durch boulangistische Umtriebe kompromillirter Offiziere und Beamten vollzieht sich ohne Aufregung.

* Petersburg, 22. Aug. Gerüchtweise ver­lautet, daß der Bruder des Generals Ignatjew, des früheren Diplomaten und Mnisters de» In­nern, zum Generalgouverneur von Kiew ernannt worden ist.

* Der neue Gouverneur von Kreta, Schakir tm Wesentlichen wieder hergestellt.

• Zwanzig Araber, welche in New-Jork tntt dem Dampfer „La Normandie" ankamen, werden von den Behörden in Castle Garden zurüSgehalten, weil es noch unentschieden ist, ob ihnen die Landung gestattet, oder ob ste zurückgesandt werden soll«,. E« verlautet, daß, falls sie landen dürfen, 70,000 Araber nach den Ver. Staaten auswandern wollen.

* Newyork, 20. Aug. Ueber die Katholiken- Versammlung, welche in Battimore am 11. und 12. November d.J. abgehalten werden soll, schreibt der ,Kath. Columbia«', daß der vorbereitende Au»- schuß aus einem Irländer, einem Deutschen und einem Neger bestehe. Kardinal Gibbons wird einen Orti-Ausschuß ernennen, welcher eine passende Halle beschaffen und bett Mitgliedern der Versamm­lung den Aufenthalt in Battimore angenehm machen wird. ____________

Verwandte übergehen; e« scheine kein Segen aus der Familie zu ruhen.

Als Peter Abend« in dem ihm angewiesenen Zimmer allein war, verglich er da« Schicksal so mancher ärmeren Familie mit dem dieses gräflichen Geflechtes, und kam zu dem Schluffe, daß das Glück doch nicht lediglich an dis äußere Pracht und da» Vermögen geknüpft fei.

Am andern Morgen stand Peter früh auf und machte zunächst einen Spaziergang durch die herr­lichen Umgebungen de« Schlosse«. Unterweg« be­gegnete ihm in einer dichten Baumallee der Graf selbst. Peter wollte sich tief grüßend zurückziehe«, aber der Graf winkte ihm, zu kommen und agts zu ihm: „Nun, wie gefällt Ihnen meta Logi«?

«Beter antwortete mit begeisterten SBorten, er habe »jcht gedacht, jemals etwas so Schöne» zu stzhen. _

Schmerzlich lächelnd entgegnete der Herr: „Wohl, es ist Alles gut im Stande; mein Erbe soll sich nicht über mich beklagen tftrfen. Deßtzalb will ich auch die Waffenkammer, welche etwa« vernach­lässigt ist. noch vor meinem Tode in Ordnung bringen lassen."

Dann erzählte er Ptter von den Rüstungen und