M 191. Donnerstag, derr 22. August. 1889
Fuldm K Mm.
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. August
♦ Die meist»n hiesigen Blätter find angefüllt mit Belichten über den Empfang de« Kaiser« in Straßburg, der gleichmäßig al« ein überaus glänzender und herzlicher dargrstellt wird. Die Blätter erblicken darin — mit wie viel R»cht läßt stch von hier au« nicht bimtheilen — einen Beweis dafür, daß die Sympathien für Deutschland und die Angliederung an das Reich im Elsaß Fortschritte gemacht haben und erstarkt find. Die Probe darauf werden wohl erst die nächsten Reichs- tagwahl liefern.
- * Bon einer bevorstehenden Verlobung der Prin- zesfin Margaretha von Preußen, jüngsten Schwester unseres Kaisers, mit dem Erbprinz.« von Nassau ist in hiesigen Hofkreisen absolut nicht» bekannt.
* Der Leibarzt der Kaiser« von Rußland, Prof.ssor Dr. Bütkin, ist heute in Berlin eingr* troffen.
♦ Am Sonntag empfing der Reick«kanzler den Reichrkommisiar für Westafrika Dr. Göring, der über die dortigen Verhältnisse eingehend berichtete. Dr. Göring sprach den Wunsch aus, nicht wieder nach Damaraland zurückzukehren; er wird wahrscheinlich einen anderen Konsulatsposten erhalten.
* Der Erfinder des rauchlosen Pulvers ist nach einer Meldung dc« Graudenzer .Geselligen' Generalmajor Küster, Direktor der Pulverfabrik in Spandau. Derselbe soll dasür eine Dotation von 50,000 M. erhalten haben.
* Thümmel und Genossen scheinen wenig Achtung vor richterlichen Urtheilen zu befitzen. Bekanntlich hat da» Gericht in Elberfeld auf Vernichtung und Unbrauchbarmachung seiner Schmähschrift „Rheinische Richter und römische Priester" erkannt und Thümmel stellte demgemäß eine erneute Ausgabe „in juristisch zuläjstger Form" in Aussicht. Dieselbe ist erschienen und wa» steht auf dem Titel derselben? „Zweite unveränderte Anflage!" Und mit diesem Vermerk wird fie öffentlich angeboren und verkauft!
• Gegen den Festschwindel wendet fich eine Auslassung der .Deutsch. Reichr-Ztg.', worin es heißt: Die größeren Siädte kommen nicht mehr aus den Festlichkeiten heraus und in kleineren Städten und auf dem Lande hören dieselben nicht
L erlkduifft eivks -rutsche« Schlossergksrütn.
Von F. B.
(6. Fortsetzung.)
Von NUN an wurde Abend» nach der Arbeit fleißig ftanzöfisch studirt. Herr Felix überlegte, daß da» Sprechen und da« Lesen der Sprache zunächst für Peter von Wichtigkeit wäre; da» Schreiben derselben zu erlernen, könne er fich später noch aneignen. Deßhalb sprach er ihm zuerst die einzelnen Worte, dann kleinere Sätze vor, die im gewöhnlichen Leben vo, kommen, und führte ihn so nach und nach in da« Veiständniß und Sprechen de« Französischen ein. Nachdem ihm dieß gelungen war und Peter stch schon über die meisten gewöhnlichen Dinge, auch über die Arbeit (ut französisch aurdrücken konnte, nahm Herr Fei x eine kleine französische Lesestbel und lehrte ihn, wie die Kinder lernen müssen, lesen. Dar ging nun selbstverständlich schon viel schneller. Dann, da der erwachsene Schüler so gute Fortschritte machte, ließ Herr Felix ihn auch schreiben: zuerst abschreiben, dann diktirte er ihm, nachher mußte dieser selbst kleine Aussätzchen mc.- chen — kurz, in verhältnißmäßig wenigen Monaten hatte P.rer die französische Sprache so weit inne,
mehr auf. Festlichkeit folgt auf Festlichkeit. Da war e» in früherer Zeit doch ganz ander«. Der einzige Tag, der dm Dorfbewohnern Musik brachte, war die Kirchweih, selten die bekannten Monfage: Ostern- und Pfingstmontag. Heute aber kommt Kirchweih, dann Krieger-, dann Schützen-, dann Gesangfest. Wenn auch diese Festlichkeiten nicht gerade in einem Orte abgehalten werben, so ist e« doch Usu» geworden, alle Festlichketten der Umgegend zu besuchm. Dazu kommen dann noch die familiären Feste, wie Hochzeiten, Kindtaufen ic., so daß also jeden Sonntag ein Fest bevorsteht. Da« weiß aber jeder, daß diese Festlichkeiten auch Geld beanspruchen. Zunächst einmal die Vorbereitungen auf die Feste: da müssen Kleiber, Spitzen, Krausen, Hüte, Tanzschuhe, Tanz- kleider ic. angeschofft werden; dann die Festlich- ketten seilst: da wird 1, dann 2 Flaschen Wein getrunken, und im angeheiterten Zustande kommen noch einige dazu; die Vettern und Basen, die die Festlichkeiten nicht mitmachen tonnten, müssen Geschenke haben; die Tage nach den Festen find nur halbe Arbeitstage. Mit diesen thatsächltch obwaltenden Umständen flehen die steten Klagen über die heutige schlechte Lage in grellem Widerspruche. Wir gönnen den arbeitenden Klassen gewiß von Herzen gerne auch einige Vergnügungstage, aber man muthe seiner Börse nicht mehr zu, al» dieselbe vertragen kann. Maß halten ist auch hier am Platze.
* Bochum, 21. August. Die 36. Hauptversammlung der Katholiken Deutschlands steht nunmehr vor der Thüre. Bochum ist fertig, seine Gäste würdig zu empfangen. Das vorbereitende Ccmiiö hat seine Arbeiten der Hauptsache nach vollendet, und mit demselben wetteifert die ge- sammte katholische Bürgerschaft. Der schon so oft bethätigte Opferstnn unserer katholischen Gemeinde hat fich wieder einmal glänzend bewährt. Mt vereinten Kräften und in treuer Hingebung an die katholische Sache hat man olle Schwierigkeiten au» dem Wege geräumt, ist man unermüdlich thätig gewesen und ist e» roch fortgesetzt, um die Versammlung zu einer glänzenden, ihrer Vorgängerinnen würdigen, m gestalten. Unter den denkbar schwierigsten Umständen, besonder« schwierig durch die außergewöhnlichen Zeitverhältnisse, haben die Männer welche dazu berufen waren, da« große und schöne Ziel unverrückt im Auge behalten.
al« man e» von einem Manne seine« Stande» nur verlangen konnte. Herr Felix war ganz stolz auf seinen Schüler, und auch Peter freute fich jeden Tag mehr über die erworbene Fertigkett.
„Sehen Sie," sagte Herr Felix eine« Tage» zu Peter, „mit welcher LeWtgkeit Sie die fremde Sprache gelernt haben! Wäre c« nun nicht ver- nünftiger, daß man auch in den Schulen diesen Weg einschlüge?"
„Freilich wohl", antwortete Peter, „aber dann würden die Schüler ja nur kurze Zeit in den Schulen zu sein brauchen."
Die beiden biederen Männer bedachten eben nicht, daß ein großer Unterschied besteht zwischen dem Unterrichten eine» einzigen Schüler«, der noch dazu erwachsen ist, und dem Unterrichten einer ganzen Anzahl jugendlicher Trabanten.
Mährend Peter in dieser Weise ein ebenso genußreiche« wie arbeitsame« Stillleben im Hause de« Herrn Fel'x führte, spielten fich, ohne daß Peter davon etwa« erfuhr, in Deutschland der große Krieg vom Sommer 1866 und dessen unmittelbare Folgen ab. Zeitungen hielt Herr Felix nicht, und Peter von dem, wa« er Über die deutschen Verhältnisse hörte, etwa« zu sagen, da« hielt er nicht für zweckdienlich. Diejenigen unserer
Heute ist kein Zweifel mehr, die Versammlung wird in jeder Beziehung eine glänzende werden. Die Liste der bereit« Angemeldeten zeigt zahlreiche Namen von bestem Klang. Die gegnerische Presse beschästtgt stch berett« eingehend mit den Aufgaben der Versammlung; die Herren möchten augenscheinlich gern etwa» dreinreden. Möge man stch doch gedulden und die Tage, auf welche da» ganze katholische Deutschland fich freut, mit etwa» weniger Erregtheit und mit etwa» mehr Vormtheilslosigkeit erwarten.
"Karlsruhe, 21. August. Die Landerversammlung der badischen Centrum-partei findet am Sonntag den 1. September statt.
* Mainz, 20. August. In der katholischen Peterkiichs wurde ein ehemaliger protestantischer Theologe zum katholischen Priester geweiht.
Ausland.
* Kaiser Franz Joseph hat Baron Thoem- mal und General von Doepfner beauftragt, dem Schah von Persten bis nach Salzburg entgegenzureisen und denselben nach Wien zu Begleiten.
* Graz, 20. Aug. Graf Hartenau (Prinz Alexander von Battenberg) bewirbt fich um da» Bürgerrecht in Graz; nach Verleihung disselken erfolgt seine Aktioirung in die Armee. Der Graf wohnte dem Kaiserbankett de» hiefigen Offizier korp» und dem Feldgottesdienste anläßlich des kaiserlichen Geburtstage» in der Suite de» Korpskommandanten Schönfeld bei. Es h ißt, daß mtt der Akti» virung de» Battenberger» in da» österreichische Heer seine Beförderung zum Generalmajor verbunden werde. Gegenwärtig bekleidet er den Rang eine« Obersten in jenem Dragoner-Regiments, das dieser Tage dem Prinzen Albrecht von Preußen verliehen wurde.
• Gegen 59 französische Offiziere ist die Untersuchung wegen boulangistischer Umtriebe ein« Seleitet worden. 22 Offiziere der Territorialarmee nd ihrer Stellung enthoben, 21 Unteroffiziere de» stehenden Heere» bezw. der Reserve find degradirt, versetzt, bezw. mit Gefängniß bestraft worden.
♦ Die Dockarbeiter London«, verstärkt durch Arbeiter verwandter Branchen, strtken in Zahl von mindesten« 35,000 Mann. Durch die Demonstranten ist der Schiffsverkehr stark bedroht. Es herrscht große Aufregung.
Leser, welche au« dem Mangel an Interesse Peter» für seine Heimath auf eine unpatriottsche Gestn- nung derselben schließen sollten, erinnern wir zur Abkühlung daran, daß der angeblich „größte deutsche Dichter", Göthe, zur Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschland« seine Tage damit zubrachte, eine Ehebruchserzählung, „die Wahlverwandtschaften" betitelt, zu schreiben. De« Stoffe« dazu fand er genugsam in seiner Umgebung.
Nachdem Peter der sranzöstschen Sprache mächtig geworden war, führte Herr Felix ihn auch mehr in die äußere Geschäststhätigkeit ein. Der Schauplatz derselben war da« kleine Hau», welche« auf der onbent Seite der Garten« lag. Dort führte nämlich eine ziemlich belebte Straße vor- über, in welcher fich Laden an Laden befand. Dieselben enthielten meisten« Sachen, welche der Kunst oder dem Kunst-Handwerk entstammten. Hier hatte Herr Felix nun ein äußerst interessante« Lager von Atterthümern eingerichtet, welche« von Liebhabern häufig besucht wurde. Auch viele reiche Fremde, die irgend etwa« in dieser Art kaufen wollten, suchten hier Herrn Felix auf. Dieser selbst bemühte fich, von allen Setten, bei Versteigerungen und ähnlichen Veranlassungen Alterthümer aufzukaufen; und da er dieselben