M 187.
Samstag den 17. August.
1889
Fllldaer W 3tilnng.
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Zweites Blatt.
L Er!kl>«jssr ri«rs deutsche« Schlossergesetleu. Von F. B.
(2. Fortsetzung.)
Das Mittagessen ging unter angenehmen Se- sprächen vorüber. @» war einfach, aber sehr gut und reichlich. Auch der Wein fehlte nicht. Nach Tisch gütgen sie zusammen in den Garten, und als «ine nah« Uhr zwei schlug, begaben sie sich wi«der in die Werkstätte. Jetzt handelte e« sich darum, den theilweise zerbrochenm Schlüffe! zu dem alten Thorschloffe wieder zu repariren. Diese Arbeit machte Herr Felix selbst, erklärte aber während derselben seinem Gesellen genau Alle», was er vornahm. Peter sah, wie er einen neuen Bart anschweißte, und konnte nicht genug darüber staunen, wie sorgfältig Herr Felix auch am Feuer arbeitete. Dann wurden die verschiedenen Vertiefungen hineingefcllt und zuletzt der neue Thell de» Schlüssels gehärtet. Auch hierbei lernte Peter wieder ein ihm bisher unbekaMtes Verfahren. Darüber ging der Nachmittag herum, und al« das Schloß nun vollständig fertig war, da glänzten die neuen Thetle, während die alten mit ihrem ehrwürdigen matten Scheine ganz davon abstachen. „Nun", sagte Herr Felix, „kommt die letzte Arbeit, nämlich den neuen Stücken da« Aussehen der alten zu geben. Kommen Sie mit, damit Sie auch das Innen." Sie gingen sitzt in ein anderes Gemach, in welchem un ählige Töpfe, Flaschen und sonstige Behälter standcn. Aus mehreren Fläschchen schüttete nun Herr Felix eine Flüssigkeit zusammen, mit welcher er wiederholt die neuen Eisentheile bestrich, und nach kurzer Zeit konnte Peter selbst bei der größten Aufmerksamkeit leinen Unterschied mehr erkennen. Herr Felix lächelte vergnügt und sagte: „Sehen Si«, so muß c» gemacht werden, und das ist die Ar- beit, welche Sie hier haben werden. Gefällt sie Ihnen?" Peter konnte nicht umhin, sein Erstaunen und seine Befriedigung auszusprechen, nur meinte er, ob e« denn auch Leute gäbe, die einen solchen Aufwand von Zit und Mühe bezahlten. „Bezahlen?" sagte Herr Felix, „was denken Sie? An diesem Schlöffe habe ich heute hundert Frank- verdient; und wenn er mein Eigmthum wäre, würde ich vielleicht dreimal so viel daran gewinnen!" Das flößte unserm Peter noch mehr Respekt ein.
3.
Wie der erste Tag, so vergingen viele Tage. Es warm ausschließlich alte Sachm, Schlöffrr, Beschläge, besonders Waffm, die den Gegenstand der Schaffm« bildetm. Peter lernte sein Handwerk jetzt so gründlich kennm, wie dies sonst nur wenigen Schloffergesellen möglich ist. Da er Sinn für eine schöne Arbeit mitbrachte und unverdroffen schaffte, hatte er es nach zwei Jahrm so weit ge- bracht, daß Herr Felix ihm die meiste arbeit ganz allein Überließ, und nur zum Schluffe dieselbe aufmerksam prüfte. Bei der Reparatur alter Waffen aber, wobei es vorzüglich auf die Härtung und Verstählung des Eisen» ankam, war er immer selbst thätig.
Eme» Tages waren Meister und Geselle damit beschäftigt, eine alte Armbrust neu herzustellen. Da die Windevorrichtung zum Spannen vollständig verrostet war, während die elfenbeinernen Ein- lagefizuren noch sehr gut erhaltm waren, mußten sie mit außergewöhnlicher Sorgfalt arbeiten. Herr Felix war gerade in dem andern Arbeit-raum hinübergegangen, al- fich die Thore der Schlosserei öffneten und drei Herren eintraten. Der eine von ihnen war ein dicker, älterer Herr mit auffallend kurzen Beinen. Er frug Peter etwa»
in französischer Sprache, wa« dieser nicht verstand und deßhalb mit den deutschen Worten: „Ich spreche nicht französtsch" beantwortete. Da begann der dicke Herr mit Peter deutsch zu sprechm, allerdings nicht so flüssig, wie Herr Felix, aber Peter konnte ihn doch gut verstehm. Er frug ihn nach seiner Hetmath, wie lange er schon in Pari» sei, redete mit ihm über die gerade vorliegende Armbrust und vertiefte sich immer mehr in da» Gespräch. Hauptsächlich war die Rede von dem Unterschied zwischen den alten und neuen Waffen und Peter hatte Gelegmheft, seine bereiterworbenen Kenntnisse an den Tag zu legen. Allein bald sah er ein, daß der Herr auf diesem Gebiete viel bewanderter war, al» er selbst. Mittlerwelle trat Herr Felix in die Werkstatt, sah die Herren und machte eine tiefe Verbeugung.
Der ältere Herr reichte ihm freundlich die Hand nnd sprach: „Mein lieber Meister, Sie haben da einen gescheidten Gesellen. Wir können unsere Sache schon auf deutsch verhandeln, damit er sie versteht."
„Wie Sie befehlen, Majestät," antwortete Meister Felix.
Nun war unser Peter außerordentlich verblüfft. Ohne e» zu wissen, hatte er sich längere Zeit mit dem damaligensKaiser der Franzosen, Napoleon III., unterhalten. Er wollte fich entschuldigen, aber Napoleon ließ ihn nicht zu Worte kommen und sagte: „Schon gut, schon gut! E» hat mich gefreut, Ihre unbefangenen Steuerungen zu hören."
Jetzt wickelte einer der begleitenden Herren ein Packet, da» er mitgebracht hatte, auseinander, und zum Vorschein kam eine ziemlich große Kassette von Eisen, mit allerlei Figuren verziert, aber stark verrostet.
„Sehen Sie, meine Herren," sagte Napoleon, „in einem der alten Keller der Tuillerien hatte man diese Kassette gesunden. Ich habe selbst verschiedentlich versucht, ste zu öffnen, aber es ist mir nicht gelungen. Nun, Meister Felix, versuchen Sie Ihre Kunst an dem alten Stücke. Ich habe alles Vertrauen zu Ihrer Verschwiegenheit; wenn ich also hier bleibe und zusehe, so geschieht dteß nicht au» Mißtrauen, sondern au» Neugier."
Herr Felix nahm die Kassette in die Hand und prüfte ste sehr sorgfältig, konnte aber nirgend» ein Schlüsselloch finden; nicht einmal war mit Sicherheit festzustellen, wo ste fich öffnete; denn durch die Verzierungen, die rundum liefen, waren auch die Sellenwände ganz verdeckt.
,,E» ist da» eine von den alten Kassetten," sagte er nach längerer Betrachtung, „die sich nicht wie ein gewöhnliche» Kistchen öffnen, sondern au» zwei Theilen bestehen, die auseinandergezogen werden. Der Verschluß besteht in der Regel in einem drehbaren Riegel, der durch Eine Rosette angedeutet ist und sich mit dieser bewegt. Nun ist aber Alle» so verrostet, daß wir wahrscheinlich die sämmtlichen Verzierungen abschlagen müssen, ehe er un» gelingt, die Kassette zu öffnen. Wenn Sie befehlen, Majestät, werde in Ihnen die Kassette aber wieder vollständig Herstellen." Napoleon nickte mit dem Kopfe „Ja" —, und Herr Felix zeichnete sich nun zunächst, wie er dar immer that, da» Stück ganz genau ab, numerirte die Verzierungen und begann dann, mit einer scharfen Säure den Rost so viel wie möglich abzulösen. Bei dieser Arbeit kam auf der einen Seite eine eingravirte Zeichnung zum Vorschein, die da» Kästchen selbst darstellte.
„Aha!" rief Herr Felix erfreut, „hier werden wir wahrscheinlich den Schlüssel zum Räthsel finden."
„Wie so?" frug der Kaiser.
„Auf diesen ulten Arbeiten," fuhr Herr F.llx fort, „findet fich mitunter ein kleine» Bild de» Gegenstände» selbst, und auf diesem Bilde ist dann
die Art uud Weise angedeutet, wie geöffnet werden muß." Er gab fich nun noch mehr Mühe, da» Bildchen vollständig zu reinigen, und al» er so weit gekommen war, nahm er ein Vergrößerungsglas und untersuchte es ganz genau. Erst nach längerer Zett rief er: „Jetzt haben wir es!"
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* lieber die Körperpflege in geschlossenen Schulanstalten (Alumnaten) spricht fich Kultusminister v. Goßler in einer kürzlich ergangenen Verfügung aus. Danach würde der Minister feine Genehmigung solchen Einrichtungen gern ertheilen, welche die Schüler anregen würden, ihre Mußestunden zu Spielen, die ebensowohl die Körper der Jugend stählen als ihr zu harmloser Freuds dienen, oder auch zu sinniger Handarbeit zu verwenden, wiePappen, Sägen, Schnitzen rc. Insbesondere weist der Minister darauf hin, daß das Kegelschieben in einzelnen Anstalten bei den Schülern aller Klaffenstufen in großer Beliebtheit steht. Auch gegen die Einrichtung von Unter» Haltungssälen, in denen eine entsprechende und schars überwachte Lektüre ausliegt, und der Jugend zuträgliche Gettäuke verabreicht »erben, hat der Minister keinerlei Bedenken. Dazu bemerkt die ,Voff. Ztg.': „Wer die englischen Erziehungsanstalten kennt und damit die deutschen Internate, insbesondere die klösterlich eingerichteten preußischen Lehrerseminare verglicht, wird lebhaft wünschen, daß recht viele Direktoren derartiger Anstalten sich die Anschauungen des Ministers aneignen und ihnen praktische Folge geben." Die .Voff.Ztg.' wird indeß von der.Germania' darauf aufmerksam gemacht, daß der Mangel der von dem Minister gebilligten Einrichtungen durchaus nicht« „Klösterliches" an fich hat. In den Klöstern ist in der Regel sehr gut für eine paffende körperliche Erholung gesorgt, ebenso auch in den unter kirchl. Aussicht stehenden Konvikten und Seminaren.
• Da« Reichsgericht hat in einem Urtheil entschieden : „Wer in einer Blerwlrthschaft ein „G l a »" Bier verlangt, muß sich der Gewohnheit fügen, mit welcher der Wirth bisher seinen Gästen ge» meffen hat, einerlei, war die letzteren für einen Rang einnehmen, ob groß ober größer. Dagegen hat der Gast, welcher von dem Wirtz 4/io oder ®/io Liter Bier verlangt, da» Recht, diese» Quantum nach der Aiche zu erhalten, er braucht also kein Bier anzunehmen, da» einen Schaum hat, welcher unter die Aiche geht.
8 Die Inhaber der Neuen Blei- und Farbstiftfabrik von Johann Faber in Nürnberg haben bei Gelegenheit des 70jährigen Geburtstages des' Herrn Johann Faber und des 10jährigen Bestehens der Fabrik eine äußerst geschmackvoll-, elegante Festschrift herausgegeben Der Inhalt derselben gibt sehr interessante Aufschlüsse über die Geschichte des Bleistifts und über die Johann Faber'sche Fabrik im Speziellen. Künstlerisch auSgeführte Photolithographien illustriren den Text, während Karten die vielen überseeischen Reisen, welche die Reisenden dieser Firma gemacht haben, veranschaulichen. Mit Erstaunen ersieht man, in welch kurzer Zeit sich diese Bleistiftfabrik einen Weltruf verschasst hat und heute als di« größte Fabrik ihrer Branche in Deutschland dasteht. Die wöchentliche Produktion wird auf 6000 Groß Bleistifte angegeben, zu welchen im Jahr- 1888 — 745,000 Kilo Cederholz verarbeitet wurden. Solche Etablissements gereichen unserer deutschen Industrie und unserem deutschen Gewerbefleiß zur Ehre.
(Studentenlogik.) Professor: „Sie sehen hier, meine Herren, in diesem Schiefer einen exorbitant genauen und wohlerhaltenen Abdruck eines Fische«, der nach Gestalt und Größe auf einen Häring schließen läßt. Sie finden aber zu beiden Seiten des Fisches einige Ringe und Scheibenabdrücke. Als was erklären Sie sich dieselben?" — Student: „Als Zwiebelscheiben."
(Malitiöser Widerruf.) „Meine Aussage, in dieser Stadt seien viele Leute, welche Herr Schnüret ruinirt habe, nehme ich hiermit zurück und erkläre dagegen gerne, daß im Gegentheil viele Leute hier sind, die er nicht ruinirt hat."