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jg 187. Samstag, den 17. August.

Mitt W Zritiiz

1889

Die Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Som», und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psenmg.

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Erstes Blatt.

Z Die „Batteri" der römischen Campagna militärisch organisirt.

Eine charakteristische Erscheinung der Campagna Romagna bilden die „Butteri", beritten« Feldhüter: stramme, gebräunteG»stalten, mttihren ausdauernden Rosien gleichsam zusammengewachsen, um mit den Gegensätzen der Natur, den Winteistürmen und der sengenden, Aller verbrennenden Julisonne und den bösen Malariafiebern den Kampf aufzunehmen. Den dunklen Ftlzhut auf die Stirne nicdergiorückt, den langen Stab mit Eisenspitze in der Rechten tummeln fie sich zu jeder Stunde des Tages und der Nacht auf den unabsehbaren Flächen, für den Neuling wahre Brigant,n.Erscheinungen.

Unter dem rauhen Kittel jedoch bergen ste an­gestammt die Tugend der Treue gegen den Landes- Herrn und die katholische Religion und legten davon wiederholt die glänzendsten Proben ab. In den Kämpfen der garibaldinisch - piemontesischen Truppen um den Besitz Roms in den Jahren 48, 67 und 70 hielten mehrere ihrer Brodherren und Großgrundbesitzer zur Revolution, nicht so die „Butteri", die, obwohl der Armee fernstehend, freiwillig aus Begeisterung für ihren Papst und König den päpstlichen Truppen jederzeit die werth­vollsten Dienste leisteten und namentlich den Strich zwischen Rom und der Meeresküste immer offen hielten. Zur Zeit der Corsareneinfälle geschahen von ihnen verbürgte Heldenthaten. Im Jahre 1748 landeten unerwartet algerische Seeräuber in bim Rom zunächst gelegenen Küstenort Macca- rese. Von den Wartthürmen der Küste war das Signal ins Land hinein gegeben, und sogleich rottete fich ein Trupp „Vutteri" aus den um­liegenden Gehöften zusammen und, schneller gethan als erzählt, nahmen sie mit ihren Eisenstöcken den Kampf mit den bis an die Zähne beratfffteten Räubern auf, tödtrten viel« und überwältigten die Urigen und hingen die Siegestrophäen im Kirchlein zu Maccarese auf, wo selbe noch heute zu sehen find. Auf die martialischen Eigenschaften dieser Raturreittr machte seiner Zeit General von Willisen, preußischer Bevollmächtigter in Rom, aufmerksam. Er entwarf ein Projekt zu deren mUitärischer Organisation und begleitete es mit einem vorzüglich und eigenhändig aurgeführten Aquarell, die Ausrüstung diese» fliegenden Korps veranschaulichend. Die damals unausgeführte Idee scheint nun verwirklicht werden zu sollen. Di« Direktton der Statistik hat nämlich ein Circular erlaffen, worin die Großgrundbesitzer der Campagna Romana aufgefordert werden, betreffs ihrer im mllttärdienstlichen Alter stehenden „Butteri" ge- naue Angaben zu machen.

Diese» Campagnareiterkorp» soll auf der ganzen Küstenzone vom toskanischen Gebiet bi» Neapel orgautfirt und verwendet und zu Uebungen und zur Mitwirkung bei Manöver« herbrigezogen wer­den. Zweck de» Trupp»: Rekognorztrungt- und Küstenwachedienste in «riegszeiten. Es könnte also noch über kurz oder lang eine sckwere Versuchung an diese treuherzigen „Butteri" herantreten; denn sollten wieder einmal Krieger an der Küste landen und 'gen Rom ziehen, so dürften e» nicht jene sein, die fie bisher al» Feinde betrachtet und be« kämpft baden.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. August.

• Kaiser Franz Joseph und Erzherzog Franz Ferdinand haben gestern Abend 9 Uhr Berlm verlasi-n. Kaiser Wilhelm gab mit den Prinzen

de» Königlichen Hause« und zahlreichem Gefolge den hohen Gästen dar Geleit nach dem Bahnhöfe. Der Abschied der beiden Monarchen war überaus herzlich. Wiederholt küßten ste fich. Schon hatte Kaiser Franz Josef den Salonwagen bestiegen, al» er denselben wieder verließ, um de» könig­lichen Prinzen die Hand zu reichen. Inzwischen war aber bereit» da» Zeichen zum Abgänge des Zuge« gegeben worden und langsam setzte fich derselbe ohne den Kaiser in Bewegung. Rasch stieg der hohe Herr in den im Gange befindlichen Zug und winkte, während derselbe den Bahnhof verließ, unserem Kaiser wie den Prinzen Abschieds­grüße zu. Erzherzog Franz Ferdinand, der seinen kaiserlichen Oheim nickt nach Ischl begleitet, fuhr etwa eine halbe Stunde später ab.

* Der Kaiser hatte gestern Nachmittag eine Konferenz mit dem Reichskanzler Fürsten Bis­marck. Heute Mittag entsprach der Kaiser einer Einladung des Osfizierkorps de» l.Garde-Dragoner- regiement» (Königin von England) zur Feier des Tages von Mar» la Tour zur Mittagstafel und begab sich von dort nach dem Potsdamer Bahnhofe um an dem Adlerschießeu im Katharinen- holz bei Potsdam beim 1. Garde-Regiement z. F. cheilzunehmen. Heute Abend 10®/4 Uhr tritt der Kaiser die Reise nach Bayreuth und Karls­ruhe, Straßburg und Metz an, wohin die. Kaiserin ihren Gemahl begleitet.

* Während englische Blätter von einer aber­maligen Verschiebung der Reife des Zaren wisien wollen, wird hier der Ankunft desselben zum 27. August entgegengesehen.

♦ Von bestunterrichteter Seite theilt man der ,Köl. Vztg/ mit, daß alle in deutschen Blättern auftauchende Nachrichten über Anstellung deutscher Profiflorrn für die genannte demnächst von Selten de« Kantons Freiburg in der Schweiz in’« Leben zu rufende Universität al« verfrüht zu be­trachten find.

* Gegen einen etwaigen Aufstand der Einge­borenen des Sultanats Sansibar gegen die Europäer sind, wie von dort gemeldet wird, deut­scherseits dis nöthigen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die deutschen Schiffe „Pfeil" und „Carola" find gegenüber dem deutschen Konsulats vor Anker ge­gangen. Wie verlautet, telegraphirte der deutsche Konsul dem Admiral Dttnhard in Mozambique, mit der Korvette „Leipzig" zurückzukchren.

• Der Besuch der preußischen Lehrer­seminare betrug nach der amtlichen Statistik am Ende des vorigen Jahre» 8507 Seminaristen. Auf die einzelnen Provinzen vertheilen fich jene Seminaristen sehr ungleich. Es kommen auf Ost­preußen 609, Westpreußen 606, Brandenburg mit Berlin 922, Pommern 500, Posen 512, Schlesien 1337, Sachsin 724, Schleswig-Holstein 398, Hannover 773, Westfalen 508, H.sien-Naffau 497, Rheinland 1120. Im Verhältniß zur Br- völksrungrzahl haben Westpreußen, Hannover, Schleswig-Holstein und Schlesien die meisten, da­gegen Westfalen, Rheinland und Brandenburg die wenigsten Seminaristen. Dis gefammten staatlich.n Aufwendungen für die Seminare (Lehrerinnen­seminare eingeschloffen) betragen im laufenden Jahre 5,280,000 Mk. Ein preußischer Stminarist kostet den Staat jährlich ungefähr 600 Mark.

A Bochum, 15. Aug. Wie alljährlich halten auch diesmal die (farbentragenden) katholischen Studenten- Verbindungen Deutschland« ihre Kartellversammlung gleichzeitig mit der Katholiken- Versammlung ab, und ist hierauf in den» bererts veröffentlichten Programm gebührende Rücksicht genommen dadurch, daß denselben für ihren feier­lichen Kommers die große Festhalle zur Ver- fügung gestellt wurde. Derselbe soll am Dienstag

der Festwoche stattfinden. Für den Mittwoch ist ein musikalischer Frühschoppen im Stadtpark und für den Nachmittag eine festliche Auffahrt durch Bochum mit daran fich anschließendem Ausfluge nach Blankenstein a. d. Ruhr in Aussicht genom­men. Das vorbereitende LokalcomitS hat mit anerkennenswerther Zuvorkommenheit den die Ka­tholiken - Versammlung besuchenden Verbindungs­studenten 120 Freiquartiere angeboten, welche Freundlichkeit mit größtem Danke angenommen worden ist. Die katholischen Studentenvereine halten gleichzeitig mit den Verbindungen einen Kommers im Stadttheatersaale ab. Ursprünglich war ein gemeinsamer Kommers geplant. Da aber die Vereine fich erst meldeten, als die Verbindun­gen bereits im Besitze bindender Zusagen de« Lo- tolcomite« waren, da ferner bei nur einem Kom­merse eine kolossale Uebersüllung der Festhalle kaum zu vermeiden gewesen wäre, kann man e« nur billigen, daß die beiden großen Studentenverbände ihre Festlichkeiten gesondert abhalten. Am Tage nach dem Kommerse veranstalten die Vereine, denen fich die Theologenvereinigung „Unitar" für dies­mal angeschloffen hat, einen Spaziergang auf die bei Weitmar gelegene Pumpstation de» Bochumer Wasserwerk»« mit nachfolgendem Rendezvous in der Wirtschaft zum Waldschlößchen. Auch den Stu­dentenvereinen hat das Lokalcomits Freiquartter« gesiellt und zwar einstweilen 60 Betten. Eine wie große Anziehungskraft übrigens Bochum, al« Heim der diesjährigen Katholikenversammlung auf die studirende Jugend ausübt, dürfte unter ande­rem auch daraus hervorgehen, daß neben den bei­den großen Verbänden auch einßlne Korporationen wie die Verbindung „Sauerlandia" in Münster und der Theologenverein „Novesta" in Bonn selbst­ständige Kommerse veranstalten wollen. Auch diese jungen Leute und ihre alten Herren können sich einer freundlichen Aufnahme versichert hallen. — E» sei übrigens bei dieser Gelegenheit allen den­jenigen, welche die Katholikenversammlung besuchen wollen und auf ein gute« Quartier Werth legen, dringend an's Herz gelegt, ihre Wdhnungsgesuche bei Herrn Kaufmann Beruh. Laarmann in Bochum, der sich die Erledigung derselben in liebenswürdigster Weiss angelegen sein läßt, rechtMg anzudringen. Die besten Wohnungen find natürlich zuerst »er­griff««; es gilt eben auch hier der alte Satz: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst."

• Aus Stromberg (Hunsrück) wird uns ge­schrieben: „Der „Evangelische Bund", leider auch hier gestiftet, hat e» fertig gebracht, daß sämmtllche Protestanten hierselbst unteren Barmherzigen Schwesiern in ihrem vorläufig gemiethetm Hause von jetzt ab bi« bisherige Unterstützung verweigerten, trotzdem im verflossenen Jahre von 193 verpflegten Kranken 50 Protestanten waren. Puch hat da« hiesige Bürgermeisteramt den Schwestern die bis­her übliche Kollekte verboten; außerdem wurde, sicherem Vernehmen nach, der zrittge protestantische Eigenthümer de« Schwesiernhauses schon gedrängt, den Schwestern die Wohnung zu kündigen und die­selben auf die Straße zu setzen. E» muß ihnen also eilend« ei« gestcherte« Helm gebaut werden. Die schon länger gesammelten Mittel reichen noch nicht au». Beiträge wolle man senden an Pfarrer und Tnfiüitor I. Görgen in Stromberg (Huns­rück)." E»n neuer Beitrag zur VoÜsverhetzung durch den „evangelischen Bund" Kommentar über» fl^Die Metzer Vereine schmückten gestern die Kriegergräber aus den Schiachtseidern vom 14., 16. und 18. August 1870. Bei der am Abend in der Schlucht von Graoelotte abgehaltenen Ge- dächtnißfeier hielt der Bürgermeister Halm von Metz eine ergreifende Gedächtnißrede.