jg 186. Freitag, den 16. August.
Fils-licr M Jtihius.
1889
Deutsches Reich.
Berlin, 15. August.
* Bei der vorgestern zu Ehren des Kaisers von Oesterreich im Berliner Restdenzschlosse stattgefun- denen Galatafel hatte Kaiser Fran, Joseph den Ehrenplatz inmitten der Tafel unter dem Thron- Himmel zwischen der KaisirinAugustaVcktoria Höchstihm zur Linken und dem Kaiser Wilhelm II. Höchstihm zur Rechten. Neben Kaiser Wilhelm saß die Frau Prtvzesfin Friedrich Leopold, neben der Kaiserin der Erzherzog Franz Ferdinand und dann die Frau Prinzessin Albrecht. Zur Rechten und Lücken dieser hohen Herrschaften Mmen die anderen Fürstlichkeiten ihre Plötze ein. Gegenüber bett Mast flöten saßen Graf Kalnoky, Fürst von Bismarck, Graf Szechevyi und General-Feltzmar- schall Gras v. Molt!«. Gegen Ende der.Tafel brachte Kaiser Wilhüm II. folgenden Tritckspruch auf Kaiser Franz Joseph aus:
„Mit freudig bewegtem Herzen h«ße Ich Ew.M«ieM willkommen in Meiaer Residenz und an der Stätte, <m welcher Mein hochseliger Großvater Sie iute»t begrüßt hat. Bei dem jubelnden Empfang Meine- Bolles werden «w. Majestät empfunden haben, rote warm und l^endrg da» Gefühl für di« schon fett Hunderten von Jahren zwischen Unseren Büllern b-stehend« Feindschaft zum Au» druck kommt. Bor Wem aber st Mein Heer, von^dem Ew. Majestät einen Theil zu s'h'" hatten
stolz darauf, sich d«n scharfen Soldatenblick^»w. MazestLt stellen zu dürfen. In Meinem Bolle m Memem Heere wird fest und treu an der von UnS geschloflenen Bundes qenofsenschast gehalten, und letzteres tst sich bewußt, daß ei zur Erhaltung des Frieden» für Uns.re LLrc»er, ver- eint mit der tapferen Lsterretchtsch- tueaartschen Armee, en zufiehen und, wenn es der Wille der Vorsehung setn sollte Schulter an Schulter zu f^^.n haben wird. In dtese
erbebe Mein Glas und trtnk« ruf das Wohl Ew^Majestät, Ihres g.sammten h-useS und Unserer braven österreichisch-ungarischen Kameraden I
Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph dankte mit folgenden Worten:
„Dankbar für den mit den wärmsten Worten an er- innerungSreicher Stell« ausgebrachten> Trmkspruch M«m-s Kaiserlichen Bruders, für die tn s° glänMder «rh.be nder Weise bethätigte Begrüßung; dankbar für den Mtr au
Wetterau wollte er ruhen und der Auferstehung entgegenharren. Um den Willen des Heiligen zu ehren, unterdrückten Utrecht und Mainz ihre Wünsche, den theuren Leichnams des Märtyrers und Erzbischofs fich zurückzubehalten. Die Angesehensten Deutschland« brachten ihn nach Fulda und senkten ihn in das schon lange berettete Grab. Da» Grab sollte noch seine Lieblingsgründung schützen und fördern, welche zum Stützpunkt seiner bisherigen apostolischen Wirksamkeit und zum Ausgangspunkt für neue Missionen im Norden von ihm bestimmt war. So wurde der hl. Sturmius der Apostel Sachsens, so erhob fich die Schule zu Fulda unter dem hl. Rhaban zu einer Pflanzstätte apostolischer Priester und Männer für ganz Deutschland, so pulsirte ein frischeres Leben der Wisien- schäft und Heiligkeit vom Kloster au» in die Periode der Zellen und die Periode der Bergkonvente Jahrhunderte hindurch, die Stätte des Grabe» de» Apostel» wurde zum Herzen Deutschland». Wer könnte derselben ein dankbare» Andetcken versagen?
Von Anfang an erwies man darum diesem Grab alle Ehre. Kaum war über da» Kloster einige Ruhe gekommen, da ließ der hl. Sturmi seine Kunstschule al« Erstlingswerk ein in Gold und Sllber gearbeitete» „Requiem", eine Dachhütte, über dar Grab fettigen und al» die erst' Kirche im Iah« 819 voll- endet und geweiht war, da wurden die hl. Gebeine vom Ostchor in den Westchor übertragen, welchen der Mönch Candidu», ebenso groß al» Künstler, denn al» Historiograph und Dichter, mit herrlichen Malereien aurgestattet hatte. Noch kostbarer wurde da» Grab geschmückt, al» nach der Zerstörung der ersten Kirche Kardinal Abt Hadamar auf dem- selben Grund und Boden die zwette romanischen Styl» in den Jahren 987-948 mit reicheren Mitteln erbaute. Fast 8 Jahrhunderte stand diese Kirche und erlitt verschiedene Schicksale, Brand und theilweisen Einsturz. Die dritte Kirche wurde in den Jahren 1704—1712 wiederum genau auf derselben Bodenfläche in edlem neurömischeu Style erbaut und da» Grab de» Heiligen beim Aufbau unberührt gelaffen. So wölbt fich denn über dem Grabe de» hl. Bonifatius eine Kuppel, wie fie sich über der Confefito de« hl. Petrus erhett — da bezeichnendes Dinkmal der treuen Anhäuglichkett unseres Apostel» an den apostolischen Strchl, welches in unseren Tagen vom hl. Vater Leo XIII. dadurch finnig geklönt wurde, daß er der Domkirche eine treue Nachbildung der ehernen Statue de» hl. Petrus zu Rom geschenkt hat. Aber die Au»- schmückung der Kirche, zunächst der Gruft, war unterblieben. Sie bleibt unserer Z«tt vorbehatten, eine Ehrenschuld Deutschlands einem seiner größten Wohlthäter gegenüber. ~
Die Gegenwart wird — dessen find wir gewiß — diese Schuld nicht länger bestchen lasten. Ta- Königliche Staats-Mirnsterium hat bereits die Vorarbeiten zur Ausschmückung der Gruft «t besorgen übernommen und hoffen wir von demselben auch noch weitere thunliche Unterstützung. Wem in- desten die Ausschmückung «in Werk der Dankbarkeit de» deutschen Volk«, gegen seinen Apostel werden soll, dann muß e» au» dem Herzen der Deutschen hervorgehen. Wir wenden uu» daher an alle Verehrer desselben mit der Bitte, un» Spendm zu- kommen zu lasten, besonder» aber an die Katho- liken Deutschland». Diese haben durch alle Jahrhunderte dem hl. Bonifatiu» ihre Verehrung gezollt, und in den letzten Decennien hat fich dieselbe noch mehr gehoben. Vereint unter seinem Namen haben die Katholiken den zerstreut« Glaubensgenossen die Betätigung ihre» Glauben» ermög- licht. Vereint pilgerten sie wiederholt au» allen Gauen Deutschland» zu seinem Grabe. An diesem Grabe versammelten sich ost die Bischöfe Deutsch
land» und Preußen», um in stiller Sammluna> für ihren erhabenen Beruf sich zu stärken und, den Geist de» HeUigen in sich zu wecken oder in gemeinsamem Rathe den der Kirche drohenden Gefahren weise und friedlich zu begegnen. Die Hirten haben die Herzen ihrer Gläubigen, die fie bei ihren Versammlungen mit ihren Gebeten unter- stiften, diesem heiligen Grabe in Liebe zugewendet. Möge die durch ihre Gaben ermöglichte künstlerische Ausschmückung der Gruft ein bleibende» Denkmal dieser Liebe für die Nachwelt werden.
Spenden nimmt da» unterzeichnete Comitä entgegen.
Fulda, den 24. Juni 1889.
Das geschäftsführende Comitö:
Dr. Weyland, Bischof von Fulda. Kalb, Domdechant. Dr. Komp, Domcapitular und päpstlicher Hausprälat. Engel, Geistlicher Rath. Fr. Rang, Oberbürgermeister. R. Kircher, Stadtrath.
Der vorstehende Aufruf wird empfohlen:
-f-j- Philippus.Erzbischofvon Köln, -j-j-Juliu», Erzbischof von ©tiefen und Posen, ft Johann Christian, Erzbischof von Freiburg, t Georg, Fürstbischof von Breslau, f Wilhelm, Bischof von Hlldesheim, -f Andrea», Bischof von Erm- land, f- Leo, Bischof von Culm, t Karl, Bischof von Limburg. Dr. Giese, Kopitular- Bicar von Münster.*)
*) Di« Anschlußerklärunzen der übrigen Hochwürdigsten Herren, namentlich des Hochwürdigsten Bayerischen Epes- copats, stehen zur Zeit noch ans. Sobald d'«selb«n ein- treffen, werden wir sie bekannt geben. Wir glaubten indessen die Beröffentlichung des Aufrufs nicht langer anstehen lassen zu sollen.
Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bmigerlohn und Bestellgeld ° mit der belletristischen Wochenbeilag« ,Sterne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
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Aufruf!
Im 7. Jahrhundert und am Beginne de» 8. bot unser Vaterland ein wenig erfreuliche» Bild dar. Von Kultur war nicht viel zu sehen, politisch waren die Völkerstämme nicht geeinigt, die Christen bewahrten fich nicht immer die Reinheit des Glauben« oder ließen es an ter Heiligkeit des Lebens fehlen und Viele, sehr Viele saßen noch in dem Tode«sch«tten de» Hetdenthum». Die göttliche Vorsehung schuf Wandel durch den Angel- sechsen Winfried, den hl. Bonifatiu». Bei den Angelsachsen hatte mit dem Christinthum römisch-christliche Bildung Eingang gefunden und auf dem Grunde derselben fich ein rege» wissen- schaftliche« Streben im Studium der Literatur und der helligen Schrift, sowie ein kräftige» innerliche» Glaubensleben entwickelt, al» dessen schönste Früchte eine kindliche Anhänglichkeit an den römischen Stuhl und ein lebhafte, Verlangen, den stammverwandten Völkern de» Festlande« da« Evangelium zu verkünden, anzusehen find. Neben allen diesen Vorzügen seine« Volke», welche fich der hl. Bonifatiu« voll und ganz zu eigen gemacht hatte, besaß derselbe in hohem Grade die Gabe zu or- ganisiren und die entgegentretenden Ereignisse recht- zeitig zu benützen, unb was noch mehr werlh ist, große Usberzeugungttreue und Gewissenhaftigkeit, opfst willige Liebe zu den Seelen und gläubige Hmgabe an Gott und die Kirche, eine seltene Lauterkeit der Sitten unb des Charakter», welche ihm bet den Zeitgenossen unb seinen Mitarbeitern ein persönliche» Uebergewicht verlieh unb von der Nach- weit j.tzt allseitig anerkannt wird. Da» war der Mann, welcher, mit apostolischer Vollmacht ausgerüstet, das Werkzeug Sötte» wurde zur Umae- flaltung unseres Vaterlandes. Er bekehrte die M « und Thüringer zum Glauben, er stellte in Bayern die Hierarchie wieder her, errichtete in Franken, Hessen und Thüringen neue Bisthümer und einigte den deutschen Episkopat durch den engsten Anschluß an den römischen Stuhl. Er errichtete Klöster und Schulen für die männliche und weibliche Jugend und brachte un» Kultur, die er, um sie zu sichern, mit der de« Abendlandes zu verbinden wußte. Er verstand es auf allen Gebieten des kirchlichen und politischen Lebens die Nation so zu heben, daß er al» dis tieferliegende Ursache anzusehen tst, weshalb da» römische Kaiser- thum Karl'» des Großen, nicht an Frankreich, sondern an Deutschland übergegangen ist. Das Grab eines solchen Manne», de» Begründers unserer Kültur, des Herstellers politischer Einheit, des Apostels unsere» Vaterlandes muß gewiß jedem Deutschen, welcher Richtung er auch angehören mag, hehr und heilig sein. L ,
Es müßte dieses Grab Allen hehr und heilig sein, wo immer e» sich befände, wb am Orte de» Martyrium« des Blutzeugen in Friesland ober in dkff« Kirche zu Mainz ober an irgenb einem an- deren Orte. Aber to» Grab zu Fulda muß uns besonders ehrwürdig erscheinen al» ein bleibendes, beredtes Denkmal der Persönlichkeit und Wirksamkeit de» Heiligen. Boni- f.atiu« lenkte die Schritte seine« Jünger» Stur- miu» nach der Einöde Buchonien«, er bestätigte die Stelle zur neuen Gründung, er begehrte für dieselbe vom König Karlmann ein au«gedehnte» Besitzthum und vom Papst Zacharia» den unmittelbaren Schutz de» römischen Stuhle». Bonifatiu» selbst erteilte dem ersten Altar die Weihe und bestimmte wiederholt die Stelle am Fuße derselben zur Stätte, an der er dereinst beigesetzt werden wollte. Unter den vier Völkern, denen er da» Evangelium verkündet halte, zwischen den Hessen und Thüringern, den Franken und Bewohnern der