M 185.
Mittwoch, den 14. August.
Fiiliiacr
3tihnm.
1889
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* Kreta und die orientalische Frage.
Die Vorgänge auf der Insel Kreta nehmen zusehends einen bedenklichen Charakter an, welcher dem Friedensbestand bedrohlich werden kann. Es soll bereits zu blutigen Zusammenstößen zwischen Christen und Muhammedanern gekommen sein. Die Christen fliehen in Folge desiea in Mafsin vom Lande in die Städte oder verlassen selbst die Insel, um nach Griechenland übcrzufiedeln und die Pforte hat den Belagerungszustand über dieselbe verhängen müssen. Die Sache wird aber nun verschlimmert durch das Eingreifen Griechen« landsundtst nicht zultugnen.daß auchRußland die Hand dabet im Spiele hat. Griechenland hat an die Mächte eine Note ergehen kaffen, worin ' es behauptet, daß die von der Pforte zur Beruhigung Kretas ergriffenen Maßnahmen sich als ungenügend erwiesen. Die früher einander bckäu-pfen- den Christen ständen sitzt vereint den Muhamedanern gegenüber, von den türkischen Behörden seien unter die muhamedanische Bevölkerung in den Städten Waffen vertheilt worden. Falls Maffakres vorkommen sollten, würde die griechische Regierung als eine parlamentarische vielleicht nicht im Stande sein, einer Volksbewegung zu Gunsten der kreten- sischen Christen zu wtederstchcn, während fie wünsche, durch die Anrufung der Großmächte eine Eventualität zu beseitigen, welche eine Intervention Griechenlands notwendig machen könnte. Wie die ,Pol. Korresp.' erfährt, ist die Note durch den griechischen Gesandten in Wien, Dragumis, dem Ministerium des Aeußern überreicht worden. Griechenland strebt nach dsiser Note darnach, beim nächsten sich darbietenden Anlaß aktiv einzu- greifen, was natürlich unabsehbare Verwicklungen Hervorrufen kann.
Daß der griechische Schritt in Konstantinopel einen peinlichen Eindruck gemacht habe, wird durch eine der ,Pol. Korresp.' von dort zugegangene Zuschrift bestätigt, und es begreift sich, daß in derselben die Hoffnung ausgesprochen wird, daß sich die Mächte nicht veranlaßt sehen werden, einen diplomatischen Feldzug gegen die Pforte zu eröffnen oder ihr, wo die Möglichkeit einer, wenn auch nicht endgildigen Lösung der kretensischcn Frage in Sicht tritt, in den Arm fallen. Die .Kreuzztg.' zwerfelt nicht daran, daß sich diese Hoffnung der Pforte erfüllen werde, und daß man es ihr überlasten werde, für die Ordnung auf Kreta Sorge
5 Erlebnisse eines deutschen Schtossergesetlen.
Von F. B.
(1. Fortsetzung.) 2.
Am folgenden Morgen erwachte Peter früh, kleidete sich an und trat an'» Fenster. Er konnte jetzt den Garten bester sehen als gestern Abend und fand, daß derselbe größer war, als er gedacht hatte. Herr Felix ging bereits in demselben spazieren, angethan mit einer Arbeiterblouse, und machte sich hier und dort an den herbstlichen Beeten zu schaffen. Susanne aber sammelte in einen Korb das Obst, welches während der Nacht herabgesallen war. Es war ein Anblick ländlichen Friedens, der um so ttrfer ergriff, als er sich mitten im brausenden Getriebe !der riesigen Weltstadt darbot. Peter eilte hinaus in den Garten und wurde von Herrn Felix freundlich begrüßt. Sie frühstückten zusammen, und er fiel Peter auf, daß auch die Haushälterin mit am Tisch saß. Herr Felix mochte ihm seine Verwunderung absehen und sagte: „In meiner Jugend habe ich einige Zeit in Deutschland zpg-bracht und dort in einem Hause in welchem ich länger verweilte, diese Sitte gefunden. Das gifi.l mir, und ich habe cs darum auch bei mir so emgerichle'."
zu tragen. Wer anderer Meinung ist, bekunde hierdurch nur, daß es sich ihm nicht um die Beseitigung der kretenfischen Schwierigkeiten, sondern um die Zeitigung anderer, weiterer handele. Weder in Wien noch in Berlin, weder in Rom noch in London ist die Zusage einer Prüfung der in der griechischen Note enthaltenen Beschwerden erfolgt. Franzöfischerseits wurde durch Herrn Spuller, wie aus den neuesten Berichten hervorgeht, auf die griechische Note mit der Versicherung geantwortet, die kretenfische Schwierigkeit mit gebührender Aufmerksamkeit prüfen zu wollen. Von Frankreich, welches die kretenfische Angelegenheit, da sie eine innere türkische ist, ja eben so wenig etwas angeht, als die anderen Mächte, war eine solche Antwort nach dem oben Angeführten wohl zu erwarten und dieselbe bestätigt nur den gegen Frankreich gehegten Verdacht, daß es vereint mit Rußland Griechenland zu diesem Schritt bewogen habe.
Dem Bureau Reuter wird aus Berlin gemeldet, daß, obwohl ein gemeinschaftliches Vorgehen in der Frage bis jetzt von keiner Großmacht in Vorschlag gebracht worden sei, in diplomatischen Kreisen geglaubt werde, alle Kabinette seien ent- schloffen, nicht zu gestatten, daß die aufständische Bewegung in Kreta Verhäliniste annehme, welche den europäischen Frieden gefährden dürften. Diese Nachricht steht im Einklang mit der schon vor einigen Tagen erfolgten Abordnung verschiedener Kriegsschiffe nach Kreta zum Schutze der dortigen fremdländischen Ansiedler. Es ist selbstredend, daß die MächtelKreta nicht einer beständigen Mißwirth- schäft durch die Türkei werden aursetzin laffen, insofern dadurch internationale Ungclegenheiten entstehen; aber von da bis zur Einverleibung in Griechenland ist ein ungeheuerer Schritt. Letztere wird von den Griechen gefordert, weil Kreta und Griechenland dem Stamm, der Sprache und Religion nach enge zusammen gehörten, Griechenland das Mutterland Kreta'» sei. Die» ist eine irrige Vorstellung. Kreta hat nie zu Griechenland gehört und von historischen Beziehungen der Insulaner zu dem heutigen Griechenland in dem Sinne als Mutterland kann nicht die Rede sein. Kreta bildete im Alterthum immer ein Staatswesen für sich, unabhängig von jeder fremden nationalen oder politischen Beeinfluffung. Bei der Theilung des römischen Weltreiches fiel'es an Byzanz, e» wurde später eine Provinz der byzantinischen Reiches und machte zum ersten Male mit Moha-
Peter war von Natur nicht neugierig und begnügte sich deßhalb, das zu hören, was man ihm sagte. Darum kam cs ihm auch nicht in den Sinn, über die Vergangenheit de» Herrn Felix nachzugrübeln.
Nach dem Frühstück führte ihn fein Herr in das hohe Gebäude. Peter sah nun deutlich, daß er sich in einer ehemaligen Kirche befand, dis durch Mauern in mehrere Räume grtheilt war. Einer dieser Räume war zu einer Schlosserei eingerichtet und mit den mannigfaltigsten Werkzeugen versehen. In einer Ecke befand stch eine Este, in einer anderen ein kleiner Gießosen und daneben ein eigenthümlich geformter Ofen, wie Peter noch keinen gesehen hatte. Herr Felix sagte ihm, e» sei das eine „Kap.lle", ein Ofen zu chemischen Han- tirungen.
Schon beim ersten Anblick der Schlofferei merkte Peter, daß er hier noch Manches lern« könnte. Sein Herr ließ ihm aber nicht viel Znt zum eigenen Nachdenken, sondern flag an, mit ungewöhnlichem Ernste zu ihm ungefähr Folgendes zu sagen: „Mein lieber Peter, ist bin kein Freund von vielem Reden, und es wäre mir darum lieb, wenn Sie stch ein sür allemal das merkcen, was ich Ihnen jetzt aureinandersetze. Die Arbeit, welche
medanern zur Zeit des Sarazenen - Einfalles Bekanntschaft. Die Araber würben abgewehrt. Während und nach den Kreuzzügen kamen Venetianer aui die Insel und diese blieb venetianisch bi» 1669, wo die Türken ste in Besitz nahmen. Kreta war das letzte Gebiet, welches in Europa in osmanische Hände fiel. Bei diesem Besitzwechsel nahm wie in Bosnien, Albanien u. s. w., ein Theil der Bevölkerung den motlemitischeu Glauben au. Auf Kreta blieben die Abtrünnigen in der Minderheit, und daraus erklärt sich einerseits die selbstbewußte Haltung der christlichen Bevölkerung, anderseits der schroffe Gegensatz zwischen den beiden Glaubens-Gemeinschaften einer und derselben Rase. Immerhin würde diese Haltung angestcht» der Machtstellung der Pforte den christlichen Kretensern wenig oder gar nichts nützen, wenn die große Mehrheit betreiben nicht einen kräftigen Rückhalt in den Bewohnern der westlichen Gebirgsgegend, der Sphaka, der weißen Berge fände. Von dort sind alle revolutionären Bewegungen auf der Insel ausgegangen, dorthin haben sich die bedrückten Elemente geflüchtet, aus dsn Schlupfwinkeln der weißen Berge ist das Verderben über die eingedrungenen türkischen Truppen mehr als einmal hervorgebrochen. In diesem kretenfischen Montenegro haben die Soldaten des Padischah niemals triumphirt. Er ist die Gemeinsamkeit der Abstammung und Religion, der Kämpfe und Leiden, welche Griechen auf Kreta und im Königreichs zusammenhält, und in diesem Sinne kann man letzterer wohl das Mutterland der Insel nennen. -
Jnteresfirt ist an der kretenfischenFrage Rußland nur indirekt, während die Türkei in erster und Griechenland in zweiter Linie in Betracht kommen. Die Türkei hat von Kreta eigentlich wenig oder gar keinen Vortheil, vielmehr bietet diese Insel für sie eine gefährliche Quelle ewiger Unruhen, so daß der Gedanke aufsteigen kann, ob er nicht bester wäre, wenn die Türkei die Insel freiwillig an Griechenland abträte. An einen solchen freiwilligen Verzicht der Pforte ist natürlich nicht zu denken, weil sie befürchtet, daß die Loslösung, Kreta'» von der Türkei nur eine weitere Stufe in dem Abbröckelungs-Prozeß bedeutet, in dem viele europäischen Gebiete der Türkei im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre Selbstständigkeit gewonnen haben, und in welchem nach Kreta auch in Mazedonien UnabhängiakeiU-Gelüste hervortreten würden, wenn nicht diese Bewegung ihren Wellenschlag
ich Ihnen hier anweise, erfordert die größte Sorgfalt und Geschicklichkeit. E» kommt mir nicht darauf an, wie viel Sie schaffen werden, syndern darauf, daß Sie gut arbeiten und ganz genau so, wie ich e» Ihnen sage. Dabei verlange ich, daß Ste sich unausgesetzt beschäftigen. Langsam, stetig und gut ist mein Grundsatz. Im Anfang wird Ihnen dar wahrscheinlich lästig sein, aber ich bestehe darauf, wenn wir bei einander bleiben sollen. Heutzutage wird auch in Ihrem Geschäfte viel zu nachlässig gearbeitet — wie da» i* in allen Geschäften der Fall ist. Sie werden darum in der Art der Arbeit wohl wieder von vorne anfangen müffen. Aber da» hat nicht» zu sagen. Mit Geduld und gutem Wellen kommen Sie weiter, und uach kurzer Zeit werden Die selbst einsehen, daß meine Art die beste ist. Und nun wollen wir gleich anfangen."
Damit ergriff Herr Felix ein große» Thor schloß und legte es vor Peter hin. E» war eine äußerst sorgfältig auigesührte Arbeit und stammte au» alter Zeit, wie Prter gleich sah. Eine der Verschlußleisten war verrostet und sollte durch eine neue ersitzt werden. Peter bemühte stch vergeblich, sie loszubrechkN, und al» Herr Felix ihm eine Zeit lang zugesihrir hatte, sagte er: „Ja! riese alten Meiftcr, die haben mit ihren unvollkommenen