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jg 184. Dienstag, den 13. August. IMS»

Älter M jcitmig.

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Die 36. Generalversammlung der Katholiken Dentschlands.

n.

F. Als im Mai dieses Jahres der große Strike ausbrach, und die im Dienste der Kohlen­industrie stehenden Zeitungen wider bessere« Wissen die Lage im Kohlenreviere so darstellten, al» ob die Arbeiter außer Rand und Band seien, und der Ausbruch der sozialen Revolution unmittelbar be­vorstehe, war man in den maßgebenden Kreisen einen Augenblick im Zweifel darüber, ob er nicht besser sei, einen anderen Ort für die diesjährige Katholikenversammlung in Aussicht zu nehmen. Nachdem sich aber herausgestillt hatte, daß die Haltung der Bergleute eine durchweg musterhafte gewesen sei, daß die Lohnbewegung mit sozial- deiuokratischen Umtrieben nicht das Geringste zu thun habe, und die vorhandenen Uebelstände die allgemeine Unzufriedenheit der Arbeiter vollauf rechtfertigten, glaubte man von der Abhaltung der Katholikenoersammlung in Bochum um so weniger Abstand nehmen zu sollen, al» man bei dieser Ge­legenheit der katholischen Arbeiterbevölkerung mit dem Danke für ihre bisherige vortreffliche Haltung da» Vertrauen aurzusprechen hoffen durste, daß sie, bei dem durchaus berechtigten Streben nach Verbesserung ihrer wirthschaftlichen Lage, sich strenge auf dem Boden der Vernunft und des Gesetze» halten würden.

Der dietjährige Katholikentag wird also in Bochum staufioden zum großen Aerger unserer Gegner, welche wohl wissen, einen wie großen Nutzen die katholische Sache im rhelnisch-westfäli- scheu Jndustriebezüke au» dieser Veranstaltung ziehen wird. Es ist daher nicht zu verwundern, daß insbesondere die nationalliberale Presse schon jetzt eineitheilr gegen die Katholikenversamm­lung loszieht, während sie auf der anderen Seite unerbetene und durchaus unangebrachte Rathschläge über die Pflichten ertheilt, welche der Katholikentag in Bochum zu erfüllen habe. Da wird in erster Linie betont, daß die Führer der k»tholtsch«n Deutschlands den Arbeitern den Text lesen müßten, weil sie in d-n Lohnkawpf eingetreten seien; außer­dem sei die katholische Presse de» Jndustriebezirke» wegen ihrer Haltung während de» Strikt» bffent- I ch zu d.savouiren. Was zunächst die Arbeiter

L «rlk-uiffe tiwrs -rutschen Schlosser-eselten.

Von F. B. (Nachdr. verb.)

1.

Auf der Westseite der Riesenstadt Pari» liegt die Vorstadt Pantin, und in dieser Vorstadt be­findet sich eine Gartenwirthschast, genannt „Zum fröhlichen Arbeiter". Hier beginnt die Geschichte, welche wir j.tzt erzählen wollen, an einem Sep- tember-Sonntage de» Jahre» 1863.

An diesem Tage saßen nämlich in besagter Gar- tenwirthschaft mehrere sauber gekleidete Arbeiter au» einer großen Wsffeufabrik, die zwischen d«r Vorstadt und Pari» selbst ihre gewaltigen Gelände erhebt. Ihre Unterhaltung wurde in deutscher Sprache gefiihrt, nur hier und da kam ein fran- zöfische, Wort dazwischen vor.

„Du hält» st doch biffer gethan," redete einer der Arbeiter seinen neben ihm sitzenden Kameraden an, „wenn Du dem Meister nicht gleich gekündigt hättest. Es fragt sich sehr, ob Du bald wieder eine so gute Arbeit bekommst."

„Ach war," war die Antwort, „rin tüchtig« deutscher Schlosser findet überall Arbeit, und er fällt mir nicht ein, mich von dem Lothringer Halb- franzoscn, der bin Mister spielt und weniger kennt Ql» ich, hänseln zu lassen. Er ist nur schade, daß

suzeht, so haben dieselben in ihrer großen Mehr­heit nicht den geringsten Anlaß zu irgend einem Tadel gegeben, die Katholikenversammlung hat daher keinen Grund, Stellung zu nehmen gegen die Arbeiter in einem Jnteriffenstrrite, der von ihrer Seite mit größter Mäßigung geführt worden ist. Wenn die Katholikenversammluug über­haupt zur Lohnbewegung Stellung nehmen wollte, so würde die» voraussichtlich in dem Sinne ge­schehen, daß fie beide Theile, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ermahnte, ihre gegenseitigen Bezieh­ungen mit dem Geiste de» Christenthum» zu er­füllen und durch betderseitigesNachgeben, sowie durch Vergeben und Vergessen der vorge­kommenen Meinungsverschiedenheiten ein gute» Verhältniß wieberherzustellen. Der nationalliberalen Puffe wäre selbstverständlich mit einer solchen Vermittlerrolle de» Katholikentage» wenig gedient; ste verlangt eine entschiedene Stellungnahme gegen die Arbeiter und dafür sind die Führer de» katholischenDeutschland» absolut nicht zu haben. Ebensowenig dürfte der in der „nationallideralen Korrespondenz" zum Ausdruck gelangte Wunsch, e» möchten die im Industrie- bezirke erscheinenden katholischen Zeitungen ob ihrer Haltung während des Strtke» von der Kacholikeu- versammlung zur Rechenschaft gezogen werden, Au,ficht auf Erfüllung haben. Denn wenn auch nicht auzunehmen ist, daß die maßgebenden Per­sönlichkeiten jede einzelne Redewendung, die während de« Strikes in der katholischen Presse gebraucht worden sein mag, ju vertreten geneigt sein werden, so dürfte doch sicher sein, daß die Gesammthaltung der katholischen Presse während der kritischen Zeit, wie dem sozialen Programm der Centrumspartei, so auch den Er­wartungen der Führer vollständig entsprochen hat. Insbesondere ist man sich darüber vollständig klar, daß man es, neben dem großen Einflüsse der katholischen Arbeitervereine, in erster Linie dem besonnenen Vorgehen der katholischen Presse zu danken hat, wenn die Arbeiter, allen Provokationen zum Trotz, auf dem Boden de» Gesetzes blieben und den Lockreden der Umsturz­parteien kein Gehör schenkten. Zu dem national­liberaler Seit» gewünschten Desaveu der katho­lischen Prisse im Jadustrlebezirke liegt also nicht di« geringste Veranlassung vor. Di« Herren Gegner ich kein Französisch verstehe und deMbauch nicht verstanden habe, was er über mich sagte. Aber daß er mich aurgehöhnt hat, da» habe ich an dem dummen Lachen der Ander« gemerkt."

„Glaub'» gern, Peter," entgegnete ihm der Andere, „aber was willst Du jetzt anfangen? Am Ende thust Du am besten daran, wenn Du wieder nach Deutschland zmückkehrst."

„Dar werde ich nicht thun. Meinst Du, ich wollte mich ein paar Monate einsperren lassen wegen der wohlverdienten Ohrfeigen, die ich un- fitem Polizeidiener gegeben habe?"

„Bah! Da» wüd nicht so schlimm werden. Wie ging denn eigentlich diese Geschichte zu?"

„Run, da» war sehr einfach! Ich und «tu paar Kameraden gingen eine» Abend» üb« die Straß«. Da bringt der Polizeidieuer einen armen Teufel vo» Landstreicher, dem da« Elend durch die auf- gerissenen Kleider und di, klaffenden Stils,l her- ausguckte. Der Mensch war so mübe und matt, daß er kaum gehen konnte. Unser Pallz-idienn aber hatte ihn am Kragen gefaßt und stieß ihn immerfort vor sich hin. „Fun machen Sie doch ein bischen langsam mit dem armen Mensch« , sagten wir. Da» lüß der Andere sich aber nicht gefalle, ein Wort gab da» andere — und auf einmal hatte ich ihm ein paar Ohrfeigen gesteckt,

werden daher wohl auf dieses Vergnügen verzichten müssen.

Nichtsdestoweniger kann e» keinem Zweifel unter­liegen, daß die Katholikenversammlung auch dies­mal wieder bett wahrhaft konservativen und christ­lichen Interessen aus'« beste bienen wird. Jusbe- sondere dürfte sie auf sozialpolitischem Gebiete den Einfluß der erhaltenden Mächte bedeutend verstärken und den neuerdings hervorgetretenen Versuchen der Umsturzparteien, bei den katholischen Arbeitern im Kohlenreviere Boden zu gewinnen, auch die letzte Aussicht auf Erfolg abschneiden. Aus diesem Ge- fichtapunkte ist e» doppelt erfreulich, daß da» vor- bereftende ComitS, durch Einfügung eine« Ar­beiterabends den berufenen Führern b,« kathol. Deutschland» Gelegenheit gegeben hat, den kathol. Arbeitern, unter Anerkennung ihrer unveräußerlichen Rechte die hohen Pflichten in's Gedächtniß zu rufen, welche dieselben gegen Kirche, Staat und Gesellschaft, sowie gegen sich selbst und ihre Familien zu erfüllen haben. Wenn schon die katholische Sozialpolitik überhaupt darauf fußt, daß die sozialen Rechte lediglich Correlate der sozialen Pflichten find, so wird ste gewiß nicht verfehlen, die» in einer Gegend besonder» hervor- zuheben, wo die Umsturzparteien den Versuch machen, unter übermäßiger Betonung der Rechte, die Erfüllung b«: sozialen Pflichten al» Nebensache hinzustillen. Auf der anberen Seite erfordert da» selbstherrliche Auftreten mancher Arbeitgeber und die unbedingte Verneinung selbstständiger Arbeiter- rechte, die entschiedene Inschutznahme der Arbriter- inttteffeu insoweit dieselben durch diese» Vorgehen gefährdet erscheinen. Die katholische Sozialpolitik hat e« von jeher verstanden, hier den richtigen Mittelweg einzuschlagen, und man darf erwarten, daß ste auch viermal ihren alten Ruf bewähren wird.

Mit vollem Rechte hat daher der hochverdiente Kommissar der katholischen Generalversammlungen, Fürst Karl zu Löwenstein, bei seiner jüngsten Anwesenheit in Bochum auf die hohe sozialpolitische Bedeutung de» diesjährigen KathollkeiUag«« hinge- wlesen. Da« ist aber nur ein Ttzeil der wichtigen Aufgaben, welche der Lösung harren. Der bet- zeitige Stand de« Kulturkämpfe«, die unerträgliche Lage de« hl. Vater», die Schulfrage di« gegen uns Katholcken neuerdinzS in Scene gesetzte kon- die nicht von Baumwolle waren. Jetzt wollte er auch mich arretiren — ich bin jetzt in Pari». Da» ist All«»!"

Die Kameraden Peter» lachten und gaben ihm Recht. Mittlerweile ließen stch an einem benach­barten Tische einige französische Arbeitir nieder und gegenüber ihnen fast zu gleicher Zeit ein klei­ner buckeliger Mensch mit einer gewaltig großen Nase. Einer der Franzosen fing alrbald au, sich über den verwachsenen Menschen lustig zu machen und ging schtull von Worten zu thätlicheu Belei­digungen über, indem er mit kleinen Steinchen nach dem Buckeligen warf. Unserem Freund Peter mißfiel da»; et stand auf, ging auf den Fran­zosen zu und redete chu, selbstverständlich auf deutsch, an: „Atzt ist ,» genugl Lasse» Sie den Menschen in Ruh«, sonst haben Sie t« mit mir »u thun!"

Man kann sich denken, mit welchem Hall oh diese Kriegserklärung ausgenommen wurde. Der Franzose bückt» sich, nahm «ine» Fiascheapfropse n aus und warf ihn so geschickt, daß er di« Nase btf Buckeligen traf. Nun war t* mit Peter» Ge­duld zu Ende. Er griff den Franzosen und schüt- teile ihn einige Male recht kräftig hin und her. Das war das Zeichen einer allgemeinen Verwir­rung, und zweifellos wäre e» zu einer tüchtigen