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M 183

Montag, den 12. August.

1889

Fnlimr

Erstes Blatt

sich solcher Eniwickelung erfreuen, aber alle ohne

heraus zu finden, den dies Anspiel für fie hatte

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. . _ Freuden, ein anderes Ziel gäbe, als ihr armseliges

gemürhliche» kleine» Heimathstädtchrn versetzt. Frei- Dasein.

lich find c« auch nur die wenigsten Kolonün, die | Es ist nicht schwer, den Einfluß und den Erfolg

I Zugleich gibt der hl. Vater mit ausdrücklichen Worten zu erkennen, wie sehr er da» Vor­haben de» Comitö'r billige, und wie sehr e» ihm erwünscht sei. Diese Worte lassen keine Mißdeutung zu, ste sprechen für sich selbst. Wie aber der heil. Vater erwartet, daß

I möglichst viele durch Gelehrsamkeit, Tugend und Stellung hervorragende Männer am Katholikentage theilnehmen, so hat er auch dasfesteVertrauen, daß die Verhandlungen mit den Anforderungen des Glaubens und mit der Ehrfurcht und Treue gegen den hl. Stuhl ganz und gar im Einklang stehen werden. Wirkungsvoll und von nicht geringer Bedeutung ist der Schlußsatz, worin der hl. Vater den göttlichen Beistand für den Katholikentag, für seins Einmüthigkeit und seinen fruchtbringenden Erfolg herabfleht und Allen, die bei der Vorbe­reitung und Durchführung mitwirken oder noch mitwirken werden, den Apostolischen Segen ertheilt.

Diese hocherfreuliche päpstliche Kundgebung wird, wie fie dem vorbereitenden Somit e ein Sporn und eine Aufmunterung gewesen ist, so auch im ganzen katholischen Volke Bayerns die Begeisterung für den Katholikentag aus'» Neue em flammen. Es ist jetzt eine heilige Ehrensache der bayerischen Katholiken, daß die Erwartungen, welche der hl. Vater in fie setzt, nicht getäuscht werden. Darum wird Jeder in seinem Kreise dafür wirken, daß der bayerische Katholikentag den vorangegangenen ähnlichen großen katholischen Kundgebungen an Bedeutung und Glanz nicht nacbstebe!

X Das russische Barrerrrthum und die deutschen Kolonien in Rußland.

Von I. D... l.

(2. Fortsetzung.)

Ja sonderbar war er, wie dieses Völkchen Alles milgebracht hatte aus der Heimath, seinen prak­tischen Sinn und seine Siebe zur Arbeit, sein deutsches Heim und seine deutsche Gemüthlichkeit. Einsam und abgesperrt, unverstanden von der ein­heimischen Bevölkerung, hatten ste fich ein kleir.e» Reich, eine eigene Welt zu gründen gewuft. Als die ersten Jahre schwerer Arbeit vorüber und die ersten Hindernisse, welche fich den Eingewanderten entgegen stillten, beseitigt waren, da brach auch der Sinn für ein geselliges, fröhliche» Leben steg- reich durch, da machte fich Kunst und Schönheit«- fam mächtig geltend. Und so kam es, diß aus den einfachen nachgeahmten Blockhütten hübsche Häuser und Häuschen entstanden, manchmal zierlich und freundlich mit Terassen, Balkonen rub Holz« kchnitzereitn geziert; das unentbehrliche Gärtchen um's Haus grünte und duftete von Blättern und Blüthrn, ein schmucke» Kapellchen entstand neben dem kleinen au» Holz gebauten Schulhause, und droben auf dem winzigen hölzernen Thürmchen mutete da» Glöckchen so fröhlich in den frühen borgen hinein, al» sei c» daheim im. deutschen

jungen Burschen bemühen fich eifrigst, Mitglied derselben zu werden, und so ist da» ganze Bühnen­völkchen vollzählig. Wohl find es keine Opern und großartigen Schauspiele, die da aufgeführt werden, aber es ist auch ein gar dankbare» Publi« kum im Zuschauerraum, und wenn am Vorstellung«- abend die Wände hinter den duftenden grünen Tannenzweigen verschwinden, die Bühne mit selbst­gearbeiteten Teppichen, Bildern, Blumen und Lichtern verziert ist und die kleine Gesellschaft in ihren bunten Fähnchen mit allem Eifer die wohl- etnstudirten Rollen spielt, dann möchte ich Den sehen, der unbedacht eine tadelnde Kritik au»üben wollte. Dazwischen spielen die Musikanten fröh­liche Weisen, und man glaubt fich gerne in ein

Deutsches Reich.

Berlin, 10. August.

* Der siebente Allgemeine deutsche Handwerkertag in Hamburg hat u. A. fol­gende Resolutionen angenommen: „Der Vorstand de» Bundes in Gemeinschaft mit dem Vorstande der Jnnungr-Verbände wird beauftragt, eine Peti­tion an die maßgebenden Behörden einzugeben, da- | hin gehend, bei Revision des Krankenkaffengesetzes Rücksicht zu nehmen auf die Einrichtung von In­nungs-Krankenkassen. Die Vorstände wer­den beauftragt, dahin gehende Veränderungen bei der Petition gleich zu bezeichnen." „Der siebente Allgemeine deutsche Handwerkertag ems fiehlt, überall Sterbekassen zu gründen, welche je nach den

Ausnahme bilden in der russischen Landbevölker­ung einen Anziehungspunkt, ein Vorblld, dem fie schon Viele» abgesehen und abgelauscht haben. Wohl hieß e» vor Jahren, die Regierung habe gerade diesen letzten Punkt beabsichtigt, aber dann war jedenfalls diese Ansicht nur von kurzer Dauer, denn mit immer größerem Mißtrauen sah sie mit der Zeit, wie sich diese Kolonien immer kräftiger entfalteten, wie fie stattlich empor wuchsen, ein schwacher Keim zum kräftigen Baum.

Einstmals hörte ich zufällig dis Meinung eines russisch«« Offizier», der sich über diese Kolonien äußerte. Er verglich die deutschen und deutsch­österreichischen Kolonien mit einem Feinde, der unter der Marke de» Freunde» am rusfichen Tische speise, um im Falle eine» Kriege» im eigenen Lande eine Armee zu bilden und den Brüdern jenseits der Grenze die Thore de» Lande» zu öffnen. Mit größtem Argwohn bemerkte man die Berettwillig- feit, mit der iie Kolonisten sich der russischen Bamrn annahmen, sie belehrten und ihnen so manche» Nützlich« erklärten. lUb mit der ihnen eigenen, gelehrigm Auffassungsgabe bemerkten diese bald, daß c» noch ein andere« Leben, andere

$9? Leo XIII. und der bayerische Katholikentag.

Als gegen. Ende Mai der denkwürdige Brief des hl. Vater» an den Erzbischof von München- Freysing bekannt wurde, da vernahm man im ganzen katholischen Bayrnlande nur eine Stimme der Gmugthuung und der Freude über diese alle Zweifel zerstreuende Klärung der kirchenpolitischen Lage. Denn, wie man fich noch erinnert, halte selbst nach der Veröffentlichung de» Regierungs­bescheides die liberale Picsse ihre alten Versuche fortgesetzt, die obersten Kirchenbehörden, die Bischöfe sowohl al» auch den päpstlichen Stuhl bezw. deffen diplomatische Vertretung in Bayern, die Nuntiatur, im Gegensätze zu den sog. „ultramontanen Heiß­spornen" und ihrer Pceffe als „befriedigt" hinzu­stellen. Dieses liberale Jntriguenfpiel ist zwar von dem wahrhaft katholisch gesinnten Volke so­fort durchschaut worden, aber, der freimüthige Brief de» hl. Vaters wirkte wie ein Blitzstrahl, der das Gewölk zertheilt und die Luft reinigt und klärt. An dem unzweideutigen Urtheil de« hl, Vaters, demzufolge die Regier ungsantwort auf das bischöfliche Memorandum „Stellen enthalte, welche sich mit [ber katholischen Lehre einfach nicht vertragen oder gegen die heilig­sten Grundsätze der Kirche verstoßen", ließ sich nichts drehen und nichts deuteln. Und auch die Hoffnung des hl. Vater», daß die Befle- rung der Verhältnisse um so schneller eintreten werde, „wenn sich mit dem Eifer der Oberhirten die allseitigen Bemühungen der Gläu­bigen vereinigen", fand allgemeine Beherzigung.

Diese päpstliche Mahnung konnte nur dahin verstanden werden, daß er nunmehr Sache bt« katholischen Volkes sei, in loyaler Form seine Uebereinstimmung mit Papst unb Bischöfen zu bc- kunben unb mit allen gesetzlichen Mitteln eine Be­seitigung oder Milderung der gewichtigen Beschwer­den der Kirche anzustreben. Da» päpstliche Schrei, den hat naturgemäß die in der katholischen Presse und nicht minder in den führenden Kreisen der Pattei bereit» eingehend behandelte Frage der Ab­haltung eines bayerischen Katholikentages

aufs Neue in Fluß gebracht, und aus allen Thellen des Lande» erscholl nun immer lauter der Ruf nach einer derartigen Kundgebung des katholischen bayerischen Volkes. Dieses Vorhaben war von Anfang an der Loge und dem Liberalismus und vor allem den nächsten Schildträgern des Herrn v. Lutz selbst ein Dorn im Auge. Es wird viel­leicht einer späteren Zeit vorbehalten fein, gewisse Einzelheiten der mit dem ganzen verfügbaren Ap­parat gegen den Katholikentag in Szene gesetzten Minirarbeit ans Tageslicht zu stellen.

Den wiederholten Versuchen der liberalen Presse, den Episkopat al» Gegner des Katholikentages aurzuspielen, konnte alsbald durch die authentische Meldung entgegengetreten werden, daß die Bi­schöfe dem Somit« offiziell eröffnet hätten, sie ständen dem Vorhaben durchaus freundlich gegenüber. Die liberale Presse hat trotzdem nicht nachgelassen in ihrer Berufung auf die Bischöfe, und als der Bischof von Speyer dem so imposant verlaufenen pfälzischen Katholikentage in Neustadt feinen Segen unb seins besten Wünsche übermit­telte, beliebte bie gegnerische Presse diese Thatsache I todtzuschweigen.

Ob man nunmehr auch bie hochbebeutsame Kunbgebung, welche bet hl. Vater Papst Leo XIII. an ben Fürsten Karl zu Löwenstein als ben Vorsitzenden des Comitö's des bayerischen Katho­likentages gerichtet hat, wird todtschweigen wollen?! Dieses päpstliche Schreiben an und über ben Ka­tholikentag ist ein Aktenstück von eminenter Wich, tigkeit, ja es ist ein Ereigniß. Eist durch diese feierliche päpstliche Approbation wird der bayeri­schen Katholikenversammlung der rechte Stempel aufgedrückt. Kann t» doch keinen wirksameren Aufruf, keine kompetentere Einladung zu reger Theilnahme am Katholikentage geben, als dieser Schreiben des heiligen Vaters. Oder will man liberalerfeitr auch jetzt noch im Ernste an der Ver- legenheilsphrafe festhalten, der bayerische Katho­likentag werde nur ein „Parteikonventikel" fein, dem jeglicher Zusammenhang mit der offiziellen kirchlichen R piäsentanz fehle? Der Papst selbst als höchstes kirchliches Oberhaupt hat dem baye­rischen Katholikentage seinen Platz angewiesen, neben ben litzten Katholikenkongressen in Oesterreich, Spa­nien, Portugal, Belgien und Holland.

Dörfchen. Und zutttzt kam auch noch da» Theater. Es war viel hin und her geredet worden, aber zuletzt stand es doch da, fix und fertig. Es hatte nicht viel Arbeit und nicht viel Geld gekostet, aus Holz gebaut, ein großer Schuppen, stand es da, und alle Burschen hatten redlich Hand angelegt. Gagen gab es da keine zu zahlen, unentgeltlich lieferten bie zahlreichen, mit Kindersegen bedachten Familien die jungen Künstler unb Künstlerinnen. Ein Musikkorps besitzt fast jede Kolonie, und die