1889
52. Samstag, de 10. August.
Fiil-«er K j
Erstes Blatt.
men und dabei Stettin oder Kiel am 27. oder
ltchkeiten in Berlin werde da» deutsche Kaiserpaar
beide Kaiserpaare noch einen Tag gemeinsam in
Großfürst.Thronfolger sich zum Besuch de» deutschen Hofe» nach Potsdam begeben, während die Kaiserin mit den übrigen Kindern auf einem
wohner derjenigen Straßen, durch welche der österreichische Kaiser seine Durchfahrt halten wird, ihre
bringen würden. Hierauf fahre die russische Rai- serfamilie nach Kopenhagen.
• Die Berliner Bäckergesellen hielten
Abend am hiesigen Hofe verbleiben.
* Der Besuch des Zaren in Berlin ist, wie bereits gemeldet, offiziell angesagt worden. Ueber die Einzelheiten des Besuch» liegen noch widersprechende Angaben vor. So wird einerseits au»
heit gemeldet, der Zar werde mit dem Großfür- stcN'Thronfolger von Petersburg mit der Eisenbahn direkt nach Berlin fahren. Die Ankunft dortselbst werde wahrscheinlich am 25. erfolgen. Zu der gleichen Zeit werde die rusfische Kaiserin auf der „Derschawa" eine Reise nach Dänemark unterneh-
dänischen Dampfer die Fahrt nach Kopenhagen fortsetzt. Von anderer Seite wird nut Bestimmt-
Gebäude mit reichen Dekorationen zu versehen. Der Kaiser von Oesterreich wird, soweit bi« jetzt bekannt, bis zum Donnerstag den 15. d. M.
* Der Kaiser trifft mit dem Prinzen Heinrich von Preußen morgen Abend wieder in Berlin ein, woselbst für die nächste Zeit int Königlichen Schlöffe Wohnung genommen wird. Die Kaiserin kommt bereits morgen früh vom Neuen Palais bei Potsdam nach Berlin, um während der Anwesenheit des Kaiser» von Oesterreich im Königlichen Schlöffe Wohnung zu nehmen. — Bei Gelegenheit der Anwesenheit de» Kaiser» von Oesterreich in Berlin wird da» Rathhau» mit österreichischen,
abzuhalten, eingetreten find. Hierzu kommt: noch, daß Bochum als der Mittelpunkt der rheinisch- westfälischen Kohlen-Jndustrie eine sehr große Anzahl katholische Arbeiter in seinen Mauern birgt, und es konnte nur zeitgemäß erscheinen, auch diesen Elementen einmal Gelegenheit zu geben, den glanzvollen Verlauf eines deutschen Katholikentage» aus Nächster Nähe zu beobachten.
ungarischen und deutschen Fahnen geschmückt werden. Infolge dieser Anordnung beabsichtigen die An-
Hin, uns vor jenen Abgeschmacktheiten zu bewahren, welche das Lebenselement und die Freude unserer Gegner find. Indem wir von der Ansicht aus-
Stettin bezw. Kiel unter besonderen Festlichkeiten '(wahrscheinlich Flotten-Revue und Galadiner) zu-
zu ermäßigen. Diese Wochen!öhne verstehen sich inkl. voller Beköstigung. Die Sonntagsarbeit darf
den Zaren nach Stettin oder Kiel begleiten und daselbst die rusfische Kaiserin bei deren Eintreffen an Bord der „Derschawa" begrüßen, worauf bann
Petersburg gemeldet: Die ganze kaiserliche Familie tritt am 23. d.M. auf dem Dampfer „Derschawa" die Reise nach Kopenhagen an. Die „Derschawa" läuft Stettin an, von wo der Kaiser und der
Deutsches Reich.
Berlin, 9. August.
Die 36. G erreralversammlrmg der Katholiken Deutschlands.
i.
F. Vom 25. bi» 29. August wird zu Bochum die 36. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands tagen. Diese alljährlich wiederkehrenden Zusammenkünfte haben seit ihrer Entstehung eine fortwährend fich steigernde Bedeutung erlangt. In den fünfzig'! und sechrziger Jahren haben sie das katholische Bewußtsein mächtig gehoben, in der Prüfungszeit des Kulturkampfes den Widerstand gegen die drohende Gewiffrnsvergewaltigung stets von Neuem en! flammt und in den letzten Jahren durch den immer wiederholten Hinweis darauf, daß noch so manche» um widerrechtlich Genommene zurückerobert werden müffe, die geplante Versumpfung in ihren Anfängen verhindert. Die Generalversammlungen der Katholiken Deutschland» find unter diesen Uw ständen von unbedeutenden Anfängen zu Epoche machenden Ereignissen emporgestiegen, welche nicht nur von der gesammten katholischen Welt mit größter Spannung erwartet, sondern auch von den Gegnern mit einem Interesse verfolgt werden, welches in Abrede zu stellen, sie
am Donmrstag m-.hrere Versammlungen ab. In der Hsuptverstrmmlung, in der gleichzeitig mit dem Mitleiter de« verunglückten Generalstrike», Hoppe, abgerechnet wurde — derselbe mußte zu seiner eigenen Sicherhüt den Saal schleunigst verlassen — beschloß man nach erregter Debatte, nochmal» in die Lohnbewegung einzutreten und den Meistern folgende Forderungen zu stellen: Bei einer Arbeitszeit von länger al« 10—12 Stunden find dem Werkmeister 18 Mk., dem Kneter 15 Mark, dem dritten Gesellen 12 und event. dem vierten Gesellen 9 Mk. zu zahlen. B i nur 10» stündiger Arbeitszeit find die Löhne um je 3 Mk.
vergebens sich abmühen. Für die Katholiken ist die Generalversammlung eine Art von Heerschau, zu welcher fich die katholischen Koryphäen geistlichen und weltlichen Standes, die Führer der Csntrumrpartei, tnr katholische Adel, die Vertreter der Wissenschaft und der Kunst versammeln. Was für den deutschen Katholiken Interesse hat, Kirche und Schule, Papst und Kirchenstaat, die sozialen und wirchschaftliche« Fragen, und jener große Kreis von Vereinen und Veranstaltungen, welche katholische Liebcsthätigkrit zum Wohle der Kidenden Menschheit ins Leben tief und erhält, alle« ohne Ausnahme kommt auf der General- Versammlung zur Sprache und findet jene eingehende Würdigung, welche in der Regel die Grundlage und der Vorbote zielbewußter Aktionen *»; denn auch in dieser Beziehung haben die Katholikenversammlungen vielfach anregend ge- Mkt. Zu nicht wenigen entscheidenden und erfolg- rerchen Schritten in den Volksvertretungen haben die Katholikenversammlungen den ersten Anstoß gegeben. So darf man wohl kühn behaupten, daß Iqon in jenen Zeiten,- wo Regierungen und Parla- vlente noch in den Banden des Manchesterthum« tagen, in den katholischen Generalversammlungen, «vier den Auspizien eine» Kettelet, eine» Moufang, ”nc* Löwenstein, die Grundideen einer wahrhaft christlichen Sozialreform eingehend erörtert und festgestellt wurden, so zwar, daß da» Cen- kum, al» der deutsche Reichstag sich mit diesen Fragen zu beschäftigen anfing, bereit» ein völlig ansgearbeitetc», soziales Programm vorfand. Es uegt auf der Hand, daß die hohe Bedeutung, welche die Generalversammlungen für da» ge- tuwmte katholische Leben in Deutschland fich er- Wben haben, von unseren konfesstonellen und poli- Men Gegnern zwar anerkannt aber auch sehr ichver empfunden wird. Ihre eigene Zerfahrenheit staubt e» ihnen nicht, der Welt ein ähnlich impo- wtt» Schauspiel zu bieten; denn wenn fich ihre fn a n Fraktionen hin und wieder versammeln, *”*9 ein wüstes Gebelfer gegen Rom der Aus- Wg wie der Gipfelpunkt von Erörterungen von ^uten, die in Allem uneins find, außer in ihrem vaffe gegen die Säule und Grundvests des pofi» ^Christenthumr.
„.-Wir Katholiken stehen auf einem anderen Standpunkte. Wit find uns bewußt, daß uns in erster Me obliegt, uns mit unseren eigenen Ange- ^geuheiten zu befassen, und diese Erkenntniß reicht
gehen, daß die so wichtigen Aufgaben, welche die Gegenwart dem Christenthum auferlegt, dem nach Erkenntniß Ringenden ohnehin zu der ihre Bestimmung erfüllenden und darum einzig wahren Kirche führen müssen, halten wir uns auf unseren Generalversammlungen von konfesstonellen Auseinandersetzungen fern, gar nicht zu reden davon, daß Beschimpfungen und Schmähungen der Akider»- gläubigen, trotz dem schlechten Beispiele, welches Protestantenverein, evangelischer Bund und Gustav- Adolf-Verein geben, bei uns niemals vorgekommen find, noch auch voraussichtlich jemals Vorkommen werden. Trotzdem oder vielleicht gerade deßhalb sind die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands für die katholische Kirche eine mächtige Handhabe zur Aufrechterhaltung und Ausdehnung ihres Besitzstandes. Sie stellen der- selben zur Erfüllung ihrer weltlichen Mission ein zahlreiches Laienheer zur Verfügung, welches in Parlament und Presse, in Wissenschaft und Kunst, im öffentlichen wie im privaten Leben mit Eifer und Geschick das ©einige thut, um den Grundsätzen eines werkthätigen Christenthum» in immer weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen. Die zahlreichen, katholischen Vereine, welche den Armen und Elenden um Gotte» willen dienen, tragen einzig durch die Bethätigung ihrer christliche« Nächstenliebe, ohne jede Proselytenmacherei, ungemein viel dazu bei, die im Glauben Wanken- den der Kirche zu erhalten und bereit« Verlorene in ihren Schoß zurückzuführen. Die angelegentliche Fürsorge, welche die karholische Generalversammlung den charitativen Vereinen widmet, kommt daher, ohne daß eine solche Absicht überhaupt zum Ausdruck gelangte, geschweige denn, daß man sich in Schimpfereien gegen die Andersgläubigen er- ginge, der Sicherung und Ausdehnung des kirchliche« Besitzstandes sehr zu statten.
Die katholischen Generalversammlungen find also unzweifelhaft sehr wichtige und folgenreiche Ereig- niffe auch ohne Rücksicht auf den Ort, wo sie gerade tagen. Die hohen und wichtigen Aufgaben, welche dieselben zu erfüllen Haden und die Theilnahme, welche die deutschen Katholiken ihnen widmen, bleiben wesentlich dieselben, ob sie in Süd- oder Norddeutschland stattfinden, ob eine große oder eine I kleine Stadt die Ehre hat, sie zu beherbergen. — -------- — - - — --- —
Für die Hauptzwecke der Generalversammlung 28. August berühren. Nach Beei digung der Fest- kommt also der Ort der Tagung nicht in Be- "----u‘ " ------
tracht; wenn gleichwohl bei Auswahl der Städte, in denen die Katholikenversammlung stattfinden soll, eine gew.sse Regel beobachtet wird und gr- w sse Rücksichten maßgebend find, so erklärt sich di.s daraus, daß erfahrungsgemäß die Generalversammlungen der katholischen Sache in der Stadt oder der Provinz, wo sie tagen, von ganz erheblichem, bleibendem Nutzen sind. Wenn B. im vorigen Jahre die Katholikenversammlung in Freiburg flattfand, so waltete hierbei die Absicht ob, den katholischen Badensern eine gewisse Aufmunterung zu Theil werden zu lassen, ein Vornehmen, welches sich bekanntlich in ersprieß. lichster Weise verwirklicht hat. Bei der Auswahl de» diesjährigen Versammlungsorte» waren Rücksichten anderer Art ausschlaggebend. Die Stadt Bochum hat eine sehr opferwillige katholische Bürgerschaft, welche für kirchliche Zwecke schon ganz Hervorragende» geleistet und wArend der schweren Kulturkampfszriten eine geradezu exemplarische Haltung beobachtet hat. Es hat vielleicht ein Ausdruck der Anerkennung für die katholische Treue Bochum» fein sollen, daß die maßgebenden Per- sönlichkeiten mit solcher Entschiedenheit für den .
Antrag, die Katholikenversammlung in dieser Stadt riur 10 Stunden dauern. Daneben merben bet
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