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Deutschland selbst erlebt. Oder ist es etwas anderes, wenn in Preußen-Deutschland die Orden aurge- trieben, Bischöfe, Priester und Laim mit hohen Geldstrafen belegt und schließlich noch eingekerkert oder verbannt wurden, aus keinem anderen Grunde, al» weil ste für ihre U-berzsugung fest und treu zusammenhielten und ihre hl. Kirche nicht zur feilen Magd des Polizeistaates herabwürdigen lassen wollten? Und wie war die Behandlung der Bischöfe und Priester in den Gefängniffen? Sie unterschied sich nicht von der gemeinen Ver­brecher. Sie wurden sogar im Gefangenen- bezw. Strafrapport, wie z. B. der Erzbischof von Köln, unter den Strohflechtern, Sacknährrn, Cartonage- arbettern aufgeführt. In Zottwiz bei Ohlau blieb sogar die hl. Hostie im Sanktisstmum vor Pro- fanirung durch einen Gendarmen nicht verschont. Auf eine dieserhalb im Abgeordnetenhause vom Centrum eingebrachte Interpellation erwiderte der Minister des Innern einfach, daß das Verfahren der Polizeibehörde amtlich nicht gerügt werden könne. (Vgl. Majm.ke Gesch. d. Kultk. S. 315/16.)

Und was haben unsere Polen schon alles ge­litten, und wie ist es ihnen erst in letzter Z-tt wieder ergangen! Man hat ste der Muttersprache beraubt nicht nur auf den Gymnasien, sondern auch in den niederen Volksschulen. Al» Kardinal Ledochowski seiner Zeit die Muttersprache wenig­stens für den Religionsunterricht verlangte, da ließ die preußische Regierung den Religionsunter­richt in den Volksschulm lieber ganz ausfallen, al« daß sie besten Erthsilung in der Muttersprache der polnischen Schüler zugegeben hätte. Das Schönste ist aber noch, daß die Polen sogar ge­zwungen bezw. gesetzlich verpflichtet sind, für alle die Maßregeln, welche ihnen der Polenfeldzug vom Jahre 1886 inklusive Germanist, ungsgesetz — richtiger gesagt ProtestantifirungSgesetz — gebracht hat, Steuer zu zahlen.

Allen diesen nur kurz aufgeführten Maßregeln gegen die Katholiken haben die liberalen Blätter und ihr Anhang stets zugestimmt, daher machen ihre jetzigen Lamentationen über russische Kuchen- Politik einen eigenthümlichen Eindruck. EmeS er­gibt sich aber aus dem Verhalten dieser Blätter mit Gewißheit: unsere Liberalen sind keine Liberalen, sondern höchstens — ich sage höchstens — Opportunisten, für deren Urtheil nicht das Recht, sondern der Nutzen und da» Partei­intereste entscheidend ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. August.

• Auf dem Gebiete der inneren Politik ist cS ziemlich Rille, da der Bundesrath Ferien hält und auch in den Ministerburcaus vielfache Beurlaub­ungen stattfinden. Doch wud bereits fleißig für die nächste Reichstaqsseffion vorgearbeitet, um die neuen Vorlagen fertig zu stellen. Unter denselben

seinem Schooße; also Steinhäuser gibt es da nicht, selbst unter den herrschaftlichen Gutsbesitzern find solche selten. Aber Holz gibt e« da, Holz in Uebeifluß, Holz in allen Orten, Holz zu allen Preisen, Holz umsonst. Da wo der Boden urbar gemacht w rd, überläßt der Gutsbesitzer gern den Bauern das Holz von ganzen Wäldern, die von einer stillen, uralten Vergangenheit erzählen, mit prachtvollen Stämmen, schlank und mächtig, die bet uns von ungeheurem We.the wären, er über­läßt es ihnen gerne, wenn ste es nur auf eigene Kosten wrgschaffen wollen. Aber wie wenig wird diese Erlaubnitz benützt! Hat der Bauer seine armselige Hütte fertig und Brennholz für den Winter daheim, was braucht er da noch weiter? Unbenützt liegen dam die kostbaren Stämme da, ein Raub der Flammen, die Wochen lang an ihrer Beute zehren und nagen, um sie dann zu­letzt al» Asche dem Boden, Jahre lang al» ein­zigen Dünger, zu überlasten.

Die Hütte de» polnisch-russischen Bauern ist au» rohen Blockhäusern g baut, mtt Lehm von Innen und Außen beworfen und enthält nur eine Stube mit einem, höchsten» zwei kleinen Fenstern, die jedoch nicht zu öffnen sind. Da» einzige praktische Möbel der ganzen Einrichtung ist der riesige Kachelofen, der aber auch gar vielen Zwecken dienen muß. Ein roh zusammengefügter, mächtiger Tisch, Schemel und Bänke von gleicher Einfach- heit, einige Nägel an der Wand, an denen Mai», Sp ck und Schafspelze in bunter Unordnung

befindet sich auch der Entwurf einer neuen stabilen Sozialistengesetzes.

• Die preußische Regierung scheint in neueste Zeit der mastenhaften Einwanderung fremder Juden entgegentreten zu wollen. Beweis dafür ist ein Erlaß, den der Minister des Innern, v. Herrfurth, an die Oberpräsiventen der östlichen Provinzen richtete und worin er verschärfte An­weisungen erließ, daß fremde Jaden au« Russtsch- Polen und Posen ohne Paß mcht auf p cußisches Gebiet zugelastm werden und daß dieselben sich auch über den Zweck ihres Aufenthaltes, fowis über ihre Beschäftigung ausweisen miiffen. Die mannigfachen Klagen Über die Überschwemmung Ostpreußen« mit russischen Jaden scheinen zu die­ser zeitgemäßen Maßregel geführt zu haben.

• Der Kaiser tritt morgen früh die Rückreise von England nach Deutschland an. — Die Kaiserin ist heute von WilhelmShöhe bei Erste! nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt. Die kaiserlichen Prinzen sind dagegen noch auf Schloß WilhelmShöhe verblieben.

* Zu derPreeSbewerbung für das National« Denkmal d s Kaisers Wilhelm I. wüsten die Entwürfe bi« zum 4. September Mittag« in das Landesausstellungs-Geläude am Lehrter Bahnhof in Berlin eingeliefert fein. Mit der Aufstellung der Modelle und Pläne wird unmittelbar darauf vorgegangen und sollen dieselben alsdann dem Publikum zugänglich sein.

• Posen, 7. Aug. Die kaiserliche Genehmig­ung, das Priester-Seminar im Herbst dieses Jahres zu eröffnen, ist j tzt hier eingetroffen.

• Der ,Wests. Merk.' theilt die zurückgelangte Bischofs-Kandidatenliste für den erledigten Stuhl in Münster mit und fügt hinzu, der Kapitularvikar Dr. Giese in Münster und der Wechbischof Feiten in Trier sin al» minder an­genehm bezeichnet. Unbeanstandet seien für den Münsterer Brschofsstuhl der Weihbischof Dr. Cramer in Münster, der Wcihbischof Fischer in Köln und der Gymnasiallehrer Dingelstao in Vechta. Uiber Dr. Dmgelstad, der von den genannten Kandi­daten in der Oeffentlichkeit wmiger bekannt ist, geben wir einige kurze Mittheilungen. Herr Prof. Dr. Dingelstao stammt aus dem rheinischen Theile der Diözese Münster und steht noch im besten Mannesalter, Ende der vierziger Jahr-. Ec hat, als Priester schon, gründliche Universitätsstndien mit glänzendem Examen abgeschloffen und fungirte dann als Lehrer an der bischöflichen Lehranstalt zu Gaesdonck und darauf bi» heute an dem katho­lischen Gymnasium zu Vechta im Großherzogthum Oldenburg, das zur Diözese Münster gehört.

• München, 8. August. Da» .Prstoralblatt' veröffentlicht den Protest der bayerischen Bischöfe gegen die Giordano Bruno-Feier und die Ant­wort de» h. Vater» darauf, welche in deutscher Ueberfetzung lautet:

hängen, einige Küchengeräthe, wenn's hoch hergeht, noch eine Kiste, das ist die ganze Einrichtung de» russischen Bauern, «ergeben« sieht man fich da nach einem Bette um, vergebens sucht man den Schrank, den Stolz unserer beutfden Bauern. Der lange, lange Winterabend wird unter der Leuchte eines miserablen, stinkenden OellichteS ver­bracht; wer müse wird, fei’» Groß ober Klein, sucht und macht sich sein Lager in einer Ecke, die ihm eben paßt. Nur der Ehrenplatz dec alten Großmutter oder des Großvaters wird freigelassen, es ist das warme, mit Schafspelzen belegte Plätz­chen an dem riesigen Kachelofen. Der Kachelofen dient ja zu Allem. Ec wärmt den Raum mit einer Temperatur, die den heißesten Hundstagen alle Ehre machen würde; in rhm wird Brod ge­backen und da« Mittagsmahl gekocht; an ihm werden Wäsche und Schafspelz; getrocknet; er dient als Doktor und Apotheke, denn kranke finden auf seinem Rücken Heilung, Dank den Schweiß« b&bern, die er besser bewirkt, als aller Thee und alle Selten der Welt. Küchengeräthe braucht der Bauer' nur wenige, eine Schüssel, in die zur Mittagszeit ebenso viele Löffel getunkt werden, als Mitglieder oder Gäste im Hause sind, ist wohl die Hauptsache; Gabel und Teller sind unbekannte und unentbehrte Luxusartikel, Messer findet man schon eher ein« oder zwei im Haufe, zuweilen wird aber auch noch die Schüssel durch eine qurgehöhlte Vertiefung in der Tischplatte ersetzt.

(Fortsetzung folgt.)

Ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischen Segen!

Eure ausgezeichnete Treue und Frömmigkeit, welche Uns durch sehr viele Beweise stets als erprobt gegolten haben, hat sich ein neues Zeugniß durch die ergebenen Zuschriften, welche Ihr im Monate Juni an Uns gemein­sam gerichtet habt, beigebracht. Ja, mit Recht ist Euer priesterlicher Zorn entbrannt, nachdem Ihr vernommen hattet, was die Feinde der Wahrheit in dieser Hauptstadt vollführt haben, in der Absicht, das Andenken eines äußerst schädlichen Mannes zu verherrlichen, der nur dadurch einen hervorragenden Namen sich verschafft hat, daß er die Nichtswürdigkeit seiner Lehrsätze, die er verbreitete, hartnäckig festhielt und durch grob« Sittenlosigkeit aus­glich. Der gerechte Abscheu, mit dem ihr die so gottlos ausgeführte That verdammt habt, ist Uns im größten Schmerze einigermaßen Trost gewesen, denn er hat gezeigt, daß Euer Wille mit dem Meinigen auf's Innigste ver­bunden ist, und Wir schienen durch diejenige Uebelthat, welche Eure so gewichtige Stimme und Eure Entrüstung verurtheilen sollte, weniger gekränkt. Zur Linderung unseres Schmerzes kam noch hinzu, daß, wie Ihr fromm gelobt, Ihr Eure Gebete mit denen der Euch untergebenen Gläubigen vereinigen wollt, damit Gott recht bald seiner Kirche den früheren Frieden und Ruhm zurückgebe. Für Eure Dienstbeflissenheit sagen Wir Euch verdienten Dank und ertheilen Euch, dem Klerus und Volke, die Eurer Aufsicht anvertraut sind, mit aller Liebe den Apo­stolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. P-ter, am 29. Juli 1889, im zwölften Jahre unseres Pontifikates $

Ausland.

• Das Partament»gerichc zur Aburtheilung Boulanger« ist Donnerstag 1 Uhr zusammen­getreten. 270 S:nalo:en waren anwesend. @e» fttzlich find an der Theilnahme verhindert die Senatoren, welche Mitglieder der Regierung sind (Tirard, Freycinet, Fay ), ferner die nach Einbe­rufung de« Parlaments-Gericht« gewählten Sena­toren; noch andere, wie Renault und Montes« quieu-Fezenzsc bleiben aus politischen Gründen fern. Die R chte des Senates beschloß h ute ihr Verhalten. N ich Verlesung der Anklageschrift de« Generalprokurators erfolgte, da der Angeklagte abwesend und also weder ein V-rhöc des Ange­klagten noch von Zeugen eintritt, der Bericht über da» beschlagnahmte Beweis material, wonach sich der Senat in eine berathende Kammer umwandeln wird. Die Verl fung der Anklage nah« zwei Sitzungstage in Anspruch.

• Die Italiener haben am rothen Meere wesentliche Erfolge zu verzeichnen. Durch die Er­weiterung ihres Geoiete« haben st; die Möglichkeit geschaffen, dasselbe ohne übergroße Opfer behaup­ten und auinutzen zu können. Der ihnen befreun­dete König Mewlrk von Schoa ist jetzt in Besitz von ganz Abessynien und bereitet seine Krönung zum König« von Abtssynien vor.

* Die kretensische Frage scheint fich ver­wickeln zu sollen. Die griechische Regierung hat eine Note an die Mächte gerichtet, worin sie be­hauptet, daß sich die von der Pforte zur Beruhig­ung Kretas ergriffenen Maßnahm n als ungenügend erwiesen hätten. Die früher einander bekämpfen­den Christen ständen jetzt vereint den Mohame- dauern gegenüber, von den tückischen Behörden seien unter die mohamedanische Bevölkerung in den Sädten Waffen vertheilt worden. Fall« Mas- faire» Vorkommen sollten, würde die griechische Regierung al« eine parlamentarische vielleicht nicht im Stande sein, einer Volksbewegung zu Gunsten der kretenstschen Christen zu widerstehen, während sie wünsche, durch die Anrufung der Großmächte eine Eventualität zu beseitigen, welche eine Inter­vention Griechenland« noch wendig machen könnte.

* Die englisch-egyptischen Truppen haben, wie bekannt, den Derwisch« bei Toski eine entschei­dende Niederlage beigebracht, durch welche die Süd grenze Egypten« voraussichtlich auf län­gere Zeit vor Emsällen gewahrt sein wird. Ob sich nun England dazu entschließen wird, Egypten zu räumen, ist sehr fraglich. E» kann nicht an­genommen werden, daß England die Position, die e« in Egypten seit dem Bombardement von Alexan­drien gewonnen hat, ohne Weitere« wieder auf« geben werde. Dazu hat e» zu viel Opfer gebracht.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 8. August.

* Der von unferm hochw. Herrn Bischof am Sonntag orbinirte, der Diözese Osnabrück ange­hörige Priester Herr Fc. Degen, welcher im hiesigen Piiestersemmar feine Studien vollendet hat wird morgen am Feste des hl. Laurentius in der Bonifattusgruft feine erste hl. M.sse feiern.