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188H

^Donnerstag, den^8.^August.

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Der Angriff gegen Infanterie in der Schlacht st zweifellos heute nicht mehr bte Hauptthätigkeit er Kavallerie. Mit Ausnahme Rußlands, das noch im VerfuchLstadium stehl, haben alle Groß- iaaten da» Rpetirgewehr adoptirt, damit man mehr eine konzentrirte Feuerkraft, eine für ent- chetdende Momente, foweit das Magazin reicht, geradezu vernichtende Wirkung hervorbringen ann. Hinzu tritt die Einführung de» rauchlosen Pulvers, dank welcher der Rauch nahezu vom Schlachtfelds verschwindet, so daß diese bte Be- wegungen der Kavallerie verhüllende Deckung fort» ällt. War die Attacke der Kavallerie gegen In- anterie fchon durch da« Repetirgewehr äußerst erschwert, so wird sie durch da» rauchlose Pulver wahrscheinlich zur Seltenheit werden. Die Haupt­aufgabe der Kavallerie dürfte künftig enschieden trategischer Natur sein; sie wird für die eigene Aufklärung zu sorgen und diejenige de» Gegners thunlichst zu hindern haben. In beiden Fallen wird die Reiterei in der Hauptsache gegen Reiterei zu kämpfen haben. Dabet werden geschloffener, rüstiger Chok und Umfassung hochwichtige Fak- oren sein und hier kann die Lanze ihre Ueder- egenheit zeigen. Da» ,Militär-Wochenblatt hält e» sür zweifellos, daß die Lanze größern, mora- ischen Eindruck mache, al» jede andere Waffe, und demgemäß dem einzelnen Reiter größere» Vertrauen in seiner Thätigkeit verleihe, wenn er da» Bewußtsein habe, daß er sie geschickt ge­brauchen könne. .

Da» zitirte Blatt nennt die Lanze die „Königin der Waffen", und e» mag sein, daß die Lanze in der Hand eine» kräftigen, mit ihr hinreichend geübten Manne» die gefährlichste und wirksamste Waffe ist. Da unsere Kavallerie darauf erzogen wird, durch den Chok die Gegner unschädlich zu machen, mag die Lanze sür die gesammte Reiterei zu empfehlen sein. Allerdings wird dadurch die Reiterei sehr mit Waffen belastet. Karabiner, Säbel (Palasch) und Lanze, da» ist etwa» viel. Jedensall» wird durch die allgemeine Einführung der Lanzen die deutsche Reiterei eine Einheit»- reiterei werden und damit der Wunsch denemgen erfüllt, welche die Kavallerie zu einer selbststän­digen Waffe emporheben wollten.

sichen Lute vor St. Peterrthor gelegen." Reben dem Nicolauskapellchen besand sich auch em kleiner Kirchhof, auf den die armen Aussätzigen, die für die Welt ja längst schon gestorben waren, begraben wurden, sobald der Tod sie von rhrem leiblichen Elende erlöst hatte.

Rach Schneider'« „Buchonia" hat eine Bürger- Familie Namens Scheer die segensreiche Kranken­anstalt im 16. Jahrhundert aus'« Neue gestiftet, An der Außenwand der Kapelle sind brr auf den heutigen Tag Denkmäler an diese frommen und wohltäthigen Stifter eingrmauert. Der eine Stein enthält folgende dreifache Grabschrift: »Anno 1584 bett 4. 86tU ist in Gott verschiede die tugenthafte Dorothea de« erbar Curt Scheer Tochter. Montag den 2. 9bri« ist inGott entschlasfe die tugent- hafte Margaretha de« Erbar Curt Scher Haurfrauwe. Samstag den 14. 9bri« ist in Gott verschiebe bet Erbar CurtScher, bet aller- fehlen gott gnebig r p y //

Auf bem andern Grabstein dicht daneben findet sich folgende Inschrift: „Anno 1584 den.17. 9bri« ist in gott entschlasfe der Erbar Bastian scher, dem gott gnedig sey.

Vier Glieder einer Famllie in Monatsfrist vom

Tode hinweggeroffr I Sher es war in jenen Zeiten, als die Pest oft so schrecklich in Deutschland und auch in Fulda gewüthet hat, nichtsSeltenes, daß solche Heimsuchungen über eine.Familie kamen. Und noch ein anderer Denkstein findet sich in der niedrigen, verfallenen Mauer, die das H<w« um­gibt, und dieser will rote e« scheint, die Erinner ung an eine dunkele That, die hhr geschehen, ^^Die^°Reliefdarstellung zeigt einen Mann in der Tracht jener Zeit, der die Brust von einem gro­ßen Schwerte durchbohrt, auf seinem Etsenhut neben dem Kruzifix am Boden ltegt. .

Darunter liest man folgende Jurist- »Armo 1608 den 12. Aprilis ist Nicolau» Mtmal hier endleibt worden. Dem Got genat.

Auf dem Nicolauskirchhof erhielten auch die Verbrecher, deren Leben durch die Hand de« Hen­ker« ein Ende fand, ihr Grab. Zum Belege da­für wollen wir noch einmal unserem oft cihnen Chronisten da« Wort geben:

v Anno 1626 den Mittwochen nach Ostern, ist der "Oberst Plahr mit seinem Regiment hier m die Stadt Fulda ankommen undt in die Bürger­häuser eivqmrtirt worden, und die Burger ihn etliche Tage die Kost geben müssen, aber darnach von I. F. G. wöchentlich bezahlt wurden, ist bte Ankunft gewesen den 22. apprilli«, und auch da-

Dentsches Reich.

Berlin, 7. August.

• Die Kai'erreise nach England wird von unserer „nationalen" Presse mit stimmungsvollen Leitartikeln über die verwandtschaftlichen Beziehun­gen der Herrscherhäuser, die Stammesverwandt- Haft und die Interessengemeinschaft der Völker, tber die Kulturaufgaben, Freundschaft, Frieden rc. b-aleitet. Diese plötzliche Begeisterung für Eng- land erscheint um so sonderbarer, wenn man er­wägt, daß t« noch gar nicht lange her tst, daß in denselben Blättern in einem ganz anderen Tone von England gesprochen wurde. Wer hat denn die liebenswürdige Redewendung vom „per st den Albion" in Umlauf gesetzt? Wer hat in den kritischen" Tagen vom vorigen Jahre die Hetze gegen England geschürt und geführt? Wer hat ferner die famose Geschichte von der „V erschwö- rung" in der Umgebung de« Kaisers Friedrich aufgebracht, welche Deutschland zum Theil an d e Franzosen, im Großen und Ganzen aber an bte Engländer verrathen wolle, eine Verschwörung, deren Seele eine hochstehende „Engländerin" sein ollte?! Wer hat denn zur Hebung der Freund­schaft und de» Friedens den alten Vorwurf er­neuert, daß 1870 die englische Regierung oder gar der englische Hof auf Seiten der Franzom gestanden hätte? „Schwamm drüber! sagen jetzt unsere „Nationalen" und fallen nunmehr aus dem Extrem des Hasses gegen da» „perstde Albion in da« andere Extrem der Schwärmerei für das blutsverwandte England. Weil bet Kaiser Wil­helm am Hofe seiner erlauchten Großmutter Be­such macht und zur Feier diese» Ergebnisse» eine imposante Entfaltung der Flottenkrafte von beiden Seiten stattfindit, soll nun »Albion mit einem Male da» vierte Rad am Wagen der Friedens« allianz werden. Da war doch die oberosfiziöse Norddeutsche' ehrlicher, welche dieser Tage wohl von einer „Interessengemeinschaft" der beiden Län- der und Völker sprach, sich aber hütete, ihren Lesern das Zukunstsbild eines Bündnisses mit England auszumalen.

• Bei der am 12. d». Ml». auf dem Thier aarten-Bahnhof erfolgenden Ankunft des Kaisers von Oesterreich steht dorlselbst bte Lndkom-

Die,Fuldaer Zeitung« erschein.^täglich Sonn-> uni» BiertelMh^auswärts 1 Warf 50 Pfennig.

mit b3nn?:?Ä -sprechende«

* Lanzen-Reiter und Lanzen.

Vom 1. Oktober d. I. ab wird die deutsche Reiterei eine „Einheit»-Kavallerie", b. h. rat Wesentlichen gleich bewaffnet sein. Nachdem ver- schiedene Regimenter leichter und schwerer Kavallerie im vergangenen Jahre versuchsweise mit Lanzen ausgerüstet worden sind und zwar sowohl bei der Garde- wie bei der Linien-Kavallerie und nach­dem die Berichte einer Zweckmäßigkeit einer solchen Bewaffnung nach Ablauf des Ausbildungsjahrc» an das Kriegrministerium erstattet worden find, hat man sich für die Einführung der Lanze bei allen Kavallerie-Regimentern entschieden.

Die Ansichten über den Werth der Lanzenbe- roaffnung waren von jeher verschieden und sind es noch heute. Die Oesterreicher schafften nach 1866, die'Franzosen nach 1870/71 die Lanzen ab weil sie sich bei keinem der beiden Heere bewährt hatten. E» lag dies wohl an der Mangelhaftigkeit der Konstruktion der Lanzin und in der unzuläng- lichen Ausbildung der Mannschaften mit der Waffe. Neuerdings haben die Franzosen aber zwölf Dragoner-R gimenter versuchsweise ebenfalls mit Lanzen ausgerüstet, und aus Oesterreich wird berichtet, baß die dortigen Ulaven-Regimenter die Lanzen zurückerhalten sollen. In Rußland schreitet die Lanzenbewaffnung ebenfalls vor, doch führt bei den dortigen Kosaken-Regimentern> nur dar erste Glied Lanzen. m t , 2t

Die französische Lanze ist aus Bambusrohr mit metallener Spitze. Der Bambus soll bei hoher Widerstandskraft gegen Bruch und Hieb sehr leicht sein. Man stellt über das beste Material indessen noch immer Versuche an und hat u. A. auch Lanzen aus Stahlblech hergestellt, die sich aber als zu schwer erwiesen. In Frankreich hat sich der ehemalige Kriegsminister, General Lewal, ent- schieden gegen die Lanzen erklärt. Er meint, man solle der Kavallerie nichts geben als Säbel und Repetirkarabiner. Ein sranzösisches Kavallerie- Regiment, welches mit den Reretir-Karabinern bewaffnet und im Feuergefecht geübt fei, müsse in einem solchen Falle die Hälfte seiner Mannschaft abfitzen lassen. Diese würden in eurer Minute die Lanzen-Reiter derart zusammenschießen, daß sie bald da» Weite suchen Erden.

PA»sj»ttil'sVer,il«ge»tzeis.

Etwas über alte Begräbnißstätten.

Bon Jos. Gr.

(Schluß.)

Unterhalb bei Bahnhofe», dort, roo die neuen Straßenanlagen mit ihren eleganten Gebäuden sich aufthrm, steht ein verwftterte» baufällige» Hau«. Er ist von einer Mauer umgeben, und diese ver­bindet e« mit einem wenige Schritte davon gelegenen kleinen Kapellenbau, der mit seinem ungemein stellen, spitzen Dach ein recht alterthümliche« Aussehen hat. Seltsam ragt diese« Denkmal der Vorzeit in die moderne Umgebung hinein. E» ist m der That auch ein wunderlicher Zufall, daß eine früher so einsam und verborgen gelegene, ia sogar scheu und ängstlich gemiedene Stätte von dem fluchen- den Verkehrsleben tiet Gegenwart jetzt ganz umtost ist. Denn da« alw, ehemals außerhalb der Stadtmauern gelegene Hau» war im Mittelalter da» Spital sür die Aur sä'tzbg-en, - ein Asyl jener von Solle» Hand so surchtbar schwer Geschlagenen, die sich! und Anderen nur'zur Last, hier ihr erbarmungswürdige» ^^HorMal "z? St. Nicolau»" war der Name dieses Hortes der Barmherzigkeit, und e« Mrd die^e uralte Stiftung, schon im Jahre 1456 in einer Urkunde erwähnt, als „Sichhu, der armen