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JM 179

Mittwoch, den 7. August,

1889

Fulimer W 3titiig.

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H Drei Todesfälle.

Als die schreckliche Katastrophe von Mayerling ganz Oesterreich bi» in'« Innerste erschütterte, weil fie ein Mene tekel war für Fürsten und Völker, da regte fich auf mancher Lippe die bange Frage, wie er denn so gekommen ist, daß solch' ein trau« rigcs Ende den veranlagten Erben der Kaiserkrone treffen konnte. Statt der Antwort wie» man stumm auf die Umgebung de» unglücklichen Prinzen al» den Schlüssel zu dem schmerzlichen Ereignisse. Nun sind seit jenem Todestage sechs Monate ver­flossen und in dieser kurzen Spanne Zeit find drei Männer von dieser Erde geschieden, die auf den Lebenrgang des Kaisersohncs einen verhängniß- vollen Eüfluß übten. Welch' seltsames Zusammen­treffen! Er starb zu Preßburg der mit dem Bischofstitel gezierte Propst Hyazinth Ronay, der Erzieher des Kronprinzen. Dieser Exbenediktiner hat regen Antheil genommen an der revolutionären Bewegung des Jahres 1848, mußte sich flüchten und kam infolge der Amnestie nach dem Jahre 1848 in fein Vaterland zurück, wo ihn die liberale ungarische Regierung zum Sektionsrathe machte. Dieser Mann, erfüllt von den Grundsätzen einer antichristlichen Philosopie und den Ideen des Liberalismus, ward nun dazu bestimmt, die Er­ziehung des Kronprinzen zu leiten und sein Seelenführer zu werden! Heute wissen wir, daß Roncy ein eifriges Mitglied der Loge war und ihren dunklen Zwicken diente .... jetzt fällt er wie Schuppen von den Augen selbst der Blindesten und sie begrmfm da« Drama vonMcyerling. Nach Ronay starb Hofcath v. Weilen. Dieser Schrift­steller von semitischer Abstammung, durch und durch liberal, bildete den Rathgeber des Kronprin­zen auf literarischem Gebiete und war der geistige Leiter des Werkes „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild". Man kennt die einseitige Zusammensetzung des Redaktionrstabcs; die Katholiken haben fich mehr als einmal darüber zu beklagen gehabt, daß das Werk nicht frei von Tendenz ist. Run ist vor wenigen Tagen auch der ehemalige Obersthofmeister des Kconprinzen, Graf Karl Albert v. Bombelles, aus dem Leben geschieden. Der Name Bomtelles erweckt mancherlei trübe Erinnerungen. Er führt uns an den Wiltwenhof der Erzherzsgin Maria Louise, einst Gemahlin Napoleon'« I., und man kennt die

LAisFitdi'eVkriiilgeshtit.

Etwas über alte Begräbnißstätte«.

(2. Fortsetzung.)

Ein anderer Kloster friedhof war in der Nähe des Pfarrkirchhofes, oberhalb des alten Rathhauses, ungefähr da, wo jetzt fich das Kramer'fche Möbel» magazia befindet. Dort stand da» Kloster der Minoriten oder Barfüßer, welche Abt Konrad III. von Malkoz Anno 1238 aus Marburg nach Fulda berufen hatte, wobei er aber nebst anderen Bedingungen auch die stellte, daß sie keine Ministerialen des Abtes auf ihrer: Gottes­acker begraben dürften.

Die Minoriten verließen unsere Stadt um's Jahr 1548, ihre verödeten Klostergebäulichkeiten aber wurden bald darauf im Jahre 1570 von Balthasar von Dernbach, dem hierher beru­fenen Jesuiten, übergeben.

Die alte Mmorüen- dann Jesuitenllrche soll da gestanden haben, wo sich jetzt das Haus de» Herrn Rentners Linz befindet; der Platz vor diesem Hause war der Todtenhof der Jesuiten, den sie mit einer Mauer eingefriedigt hatten.

Balthasar von Dernbach ließ die dem hl. Apostel Petrus geweihte Kirche, welche sehr schön und nach

Rolle, die der Vater des jetzt Verblichenen dort gespielt; er führt uns auch nach dem fernen Mexiko, wo Graf Bombelles als Kammerherr des unglücklichen Kaisers Maximilian fungirte. Trotz der eigenthümlichen Rolle, dis dieser Mann dort spielte, ward Graf Bomb-lle» nach seiner Rück­kehr in'« Kaiserhaus zum Oöersthofmeister des Kronprinzen Rudolph berufen. Wir finden uns nicht veranlaßt, das zu sagen, was wir über die Wirksamkeit dieses Obersthof­meisters wissen, und noch weniger, was sich das Publikum erzählt. Es war keine glückliche Wahl, einen Mann ohne feste Grundsätze und mit einer Lebensauffassung, die nur im Genüsse die Aufgabe de» Daseins erblickt, an die Seite eines jugend­lichen Prinzen zu stellen. Die Geschichte wird dereinst über dieses unheilvolle Verhältniß frei urtheilen und sie wird dem Oöersthofmeister eine große Verantwortung zusprechen. Doch Graf Bombelles ist tobt, er steht vor einem höheren Richter und wir ziehen als Patrioten lieber einen dichten Schleier über alle Geschehnisse, als daß wir Dinge aufrütteln, die besser begraben sind. Aber wir bewundern die Wege der Vorsehung und wir beugen uns ihrer Hand. Ronay, Weilen, Bombelles tobt innerhalb sechs Monden, da sich die Kapuzinergruft zu Wien aufgethan; wahrlich, es liegt darin mehr als ein Zufall und regt zum ernsten Nachdenken an!

Deutsches Reich.

Berlin, 6. August.

* Endlich nach vollen 18 Jahren ist die Gene­ralabrechnung über die französische Krieg»- enschädigung erschienen, die allerdings jetzt nur problematischen Werth besitzt, weil die Milliarden schon längst verausgabt find. Nach dieser Abrech­nung hat Deutschland nicht volle 5 Milliarden von Frankreich erhalten, sondern blo» 4^/z Milliarden; davon wurden mit 1826 Millionen die Kosten des Krieges bestritten, sodann die Antheile des nord­deutschen Bundes mit 446 Mill., Bayerns mit 270 Mill., Württembergs mit 85 Mill., Badens mit 61 Mill., weiters wurden 1466 Millionen für Rechnung des norddeutschen Bundes und 19 Mil­lionen für Rechnung Süddeutschland« verbraucht, so daß die Milliarden buchstäblich aufgezehrt wur­den und c» keine Erübrigungen mehr gibt. Leider

der Stiftskirche die größte der Stadt gewesen sein soll, mit einem überaus herrlichen, al« Kunstwerk gepriesenen Hochaltar von Alabaster schmück.», der leider nicht erhalten blieb, als im Jahr 1785 das inzwischen baufällig gewordene Gotteshaus abgetragen wurde. Bei dieser von Fürstbischof HeinrichvonBibra angeordneten Niederlegung sollen auch viele Todte ausgegraben und kann auf den städtischen Friedhof überführt worden sein.

Ich kann mir nicht versagen, aus Härtung'» Chronik noch einige Mittheilungen, welche fich auf die Fuldaer Begräbnißstätten oder überhaupt auf hiesige Leichenbegängnisse jener Zeit beziehen, dem Leser wortgetreu hier wiederzugeben:

„Anno 1621 vor aller Helligen Tag ist ein wcy Bischof allhie nach Fulda Komm vndt zun ersten die Neuw Kapbeln zum Neuen Hoff ge- weyett, darnach zum Reicker» zu Babenhausen, uff unser Lieben Frauwenberg bei Fulda, die Franzisganer Kirch uff dem wollweberrgraben zu Sanct siffir darnach uff S. fiemon vndt Judey da» Jesunsitter» Kloster, dar neuw Deill, vodt den Neuen murmel steinern altar vndt uff den Freitag uff denNeuwen Kirchhoff auch ge- weihet, vndt der bey ein V-rmanung aethan, vndt an allen Orten gcfiembt, vndt auff aller

ist für die Steuerträger bei der ganzen Sache nichts abgefallen, im Gegentheil, die Lasten heute weit höher al» vor dem Jahre 1870. Der „Mllliardtnsegen" hat für Deutschland nach keiner Richtung hin irgendwelche Vortheile gebracht!

• Die ,Nordd. Allg. Ztg? weist die Nachricht französischer Blätter, Deutschland beabsichtigte Kreta, al» Morgengabe der königlichm Prinzessin, Griechenland zuzubringen, al» alberne Erfindung zurück.

* Der der polnischen Fraktion angehörigen Landtagrabgeordnete, Oberstlieutenant a. D. von Zakrzewski, ist gestern Abend in Kisfingm, wo er zur Kur wellte, im Alter von 66 Jahren gestorben.

* Die Pfälzer Kreisregierung soll jetzt nach einem von der ,Pf. Ztg.' verzeichneten Ge­rüchte darnach fahnden, ob nicht Mitglieder de« Lehrerstandes am Neustadter Katholiken­tage theilgenommen haben. Wenn diese geradezu unglaubbare Nachricht fich bewahrhellen sollte, dann fordert fie den lautesten Protest herau». Es ist ein staatsbürgerliches Recht, an Versamm­lungen theilzunehmen, das keine Kreisregterung den Lehrern verweigern kann und e« würde zudem im gegebenen Falle eine solche Verweigerung oder gar eine nachträgliche Maßregelung eine höchst einseitige und tendenziöse Anmaßung sein, nach­dem die Regierung noch niemals Veranlassung ge­nommen hat, gegen die Thetlnahme an liberalen Versammlungen irgendwelche Bedenken zu erheben. Sollen also bloß katholische Versammlungen unter das Verbot fallen und nur diese sich an hoher Stelle Ungnade zugezog°n haben? Die Sache ist möglich, aber immerhin schwer glaublich; eine solche Sonderstellung der Katholiken ist jedoch un­haltbar. Er steht zu erwarten, daß über diese Sache Aufklärung erfolgt und wenn wirklich eine derartige Maßnahme geschehen sein sollte, nicht blos die kath. Presse einmüthig Protest er­hebt, sondern auch dieser krasse Fall im Landtage zur Sprache gebracht wird.

* München, 6. Aug. Heute am Jahrestage der Schlacht bei Wörth wurde das Bayern- denkmal auf dem Schlachtfelds eingeweiht. Au» diesem Anlaß fand in der Münchener Frauendom. kirche ein feierliches Requiem statt. Viele höhere Offiziere und Veteranen von 1870/71 wohnten dem feierlichen Akte bei.

Heiligen Tag im Stifft den ambgang mit gangen, vndt da« heilig hochwürdtge Saccament umbge- tragen mit den Stab vorher lassen tragen, vndt die hohe me« umb 9 Uher selbst gehalten undt gesungen, ander der mes das gülden Statt vmb gelausten vndt musicirtt worden, vndt in vesper 2 mahl vmb gelausten vndt uff den Divstag Rach Erffurt gezogen." t .

„Anno 1628 Jahr den 12. November ist der Neuer Kirchehoff uff dem Johanne» Berg geweihet wordten undt dsrKirchhoffbeyFrau- wenberg den 13. November auch geweihet wordten." , , _

„Anno 1628 Jahr den 20. December uf Thoma« abent, ist der erst man, ein prockarader, mitt Nahmen Heinerig Stitz, auß dem landt zu Hessen Komen undt etliche Jahr Bürger hir zu Fulda gewest, vndt prockerirbeyderCantzelley, der erst gewestder auf den NeuwenKirch Hoff under dernFrauwenberg begraben wordten."

Ferner berichtet der Chronist, bissen gewissen­hafte Aufzeichnungen in einer sturmbewegten Zeit, uns ein getreuer Blld von unferer Stadt im dreißigjährigen Kriege geben, daß Anno 1626 den 2. und 3. Juni Wallensteinifchs Truppen